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Der Israelit · 1911-04-21 · Heft 16 (21.4.1911) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 16 wisse Sicherheiten nicht stellen können und im Verdachte stehen, mit verbrecherischen Elementen Gemeinschaft zu haben, sofort auszuweisen. Hingegen hat Herr Churchill es abgelehnt, wie die „Daily Mail" es haben möchte, einen Kordon rings um England zu ziehen und jeden einzelnen Ausländer, der nach England kommt, registrieren zu lassen, wobei der Minister die große Zahl armer arbeitsamer Juden aus dem Osten erwähnte, die keinen unnötigen Chikanen unterworfen werden sollten. London, 16. April. Es kann als Zeichen der Zeit angesehen werden, daß die Oberhäupter großer jüdischer Familien in ihren letztwilligen Verfügungen nicht nur auf die Aufteilung des Familienvermögens Einfluß nehmen, sondern auch bedacht sind, das ethisch-religiöse Vermögen, das die Familie im Judentum repräsentiert, zu retten und zu erhalten. Erst jüngst machten die testamentarischen Verfügungen des verstorbenen Lord Swaythltng (Samuel Montagu) in dieser Richtung nicht geringes Aufsehen. Nicht minder interessant ist in dieser Beziehung das Testament des vor einigen Tagen gleichfalls in London verstorbenen Mr. Markus Adler, eines Bruders des Chief Rabbi von England. Das Testament, das über ein ansehnliches Vermögen genaue Verfügungen trifft, beginnt mit folgendem Satze: „Ich wünsche, daß meine Kinder stets einen Teil ihrer Zeit wohltätigen Werken und einen entsprechenden Teil ihrer Einkünfte wohltätigen Zwecken widmen. Ebenso wünsche ich, daß sie an jedem Versöhnungstage und an meinem Todestage das „Ethische Vermächtnis" meines hochverehrten Vaters, des seligen Chief Rabbi von England mit Aufmerksamkeit durchlesen. Und um seinen Kindern selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, hat Mr. Markus Adler beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke vermacht. Rumänien. Die poiififdie Lage in Rumänien- Arrkarest, 16. April. Die nun beendete Wahlkampagne stand, wie es hier leider nicht anders möglich ist, im Zeichen des Antisemitismus. Wie immer, diente auch diesmal der Judenhaß als Parole. Die verschiedenen Parteien wetteiferten miteinander, den Kampf gegen die Juden als höchstes Ideal auf die Parteifahne zu schreiben. Wenn auch kein einziger der 28 Kandidaten der antisemitischen Partei gewählt wurde, so bedeutet doch die Zusammensetzung der neuen Kammer nicht gerade einen Mißerfolg der Antisemiten. meist auf öffentlichen Plätzen befindlichen Binnen geholt. Nun brauchen an den Wasserbehältern nur einige an der Pest erkrankte oder verendete Tiere z. B. Raiten zu liegen, und die Uebertragung ist fertig; so haben wir die Erklärung, warum auch bei der Pest von Brunnenvergiftung gesprochen wird. Politik, Neid, Habgier und andere Triebfedern waren cs im allgenleinen, die zu der Beschuldigung führten, daß die Jude n die Brunnen vergifteten. Tiefe Allklagen wurden namentlich Mitte des 14. Jahrhunderts, wo der „schwarze Tod" im Abendland seine grausige Ernte hielt, erhoben. „Brunnenvergiftung" wurde ebenso zum Schlagwort lvie Ritualmord, rrnd einsichtige Zeitgenossen waren sich darüber vollkommen klar, daß „das unendliche Geld, das Barone und Ritter, Bürger und Bauer den Juden schuldeten", in der Hauptsache das Motiv zu der Ermordung usw. der Verhaßten war. «. Bei den Juden gesellt sich als Erklärung, warum gerade sie oft von der Pest verschont blieben, während Andersgläubige davon befallen wurden, hinzu: die durch rituelle Gesetze bedingte Mäßigkeit im Genüsse. Im Auge zu behalten ist auch ferner, daß die Juden durchweg gezwungen waren, in abgesonderten Vierteln, vielfach außerhalb der Städte zu wohnen und ihnen das Betreten der Stadt überhaupt untersagt war. Tie Judenquartiere, dir Judengassen lvaren für sich abgeschlossen ,lnd nur wenn es galt Geld zu leihen oder zu plündern, dann fand man den Weg zu ihnen. (Sitte Midi«, die Rapoleott gesehe«) In Brooklyn starb vor 2 Wochen die älteste Frau der Stadt, Frau Sarah Silbermann, bfe sich rühmen k>nnte. Der Israelit._ Herr Carp, der Chef der Regierung, hat in einem Gespräch mit einem Redakteur des Pariser „Figaro" das Unrecht in der Behandlung der Juden zugegeben und eine Besserung in Aussicht gestellt. Seine Ministerkollegen aber sind durchaus nicht seiner Meinung und sie beeilten sich, das Interview in öffentlichen Versammlungen zu dementieren. Der Minister des Innern ließ sogar im Verlaufe der Wahlkampagne ein Flugblatt in einer Auflage von hunderttausend Stück Herstellen und durch die Behörden verbreiten, auf dem sich die Abbildung eines Ritualmordes befand. In der Kammer wurde dann der Minister über diese Ritualmordpolitik interpelliert. Er antwortete, daß in Wahlzeiten vieles erlaubt sei. Es ist also wenig Grund, große Erwartungen an die neue Kammer zu knüpfen. Türket. $ür die Juden in üemem- Konflanlirwpet, 12. April. Bekanntlich arbeitet die türkische Regierung gegenwärtig an einem Reformprojekt für Armen. Aus diesem Anlasse wurde der Regierung ein Memorandum über die Rechtslage der Juden in Jemen überreicht, das in dem Wunsche gipfelt, daß die allgemeinen Reformgesetze für Aemen auch die dortigen Juden in liberalem Sinne berücksichtigen mögen. Es wird darauf hingewiesen, daß die yementtischen Juden nicht als Zeugen vor Gericht zugelaffen werden und überhaupt einer besonderen Gerichtsbarkeit unterliegen. In ihren Bemühungen finden die yementtischen Juden in einem Teile der Parlamentsdeputierten aus demUemen Unterstützung, von denen drei vor einigen Tagen beimGroßrabviner vorsprächen, um ihn zu einem gemeinsamen Vorgehen im Interesse der Einführung gesunder Reformen einzuladen, wobei sie sich bereit erklärten, sich für eine vollständige Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung der Provinz mit aller Kraft einzusetzen. Ueberdies versprachen die drei Abgeordneten dem Großrabbiner, bei den nächsten Parlamentswahlen alles daran zu setzen, daß im Aemen auch ein jüdischer Abgeordneter gewählt werde. Dieser Tage hatte der Großrabbiner in dieser Angelegenheit auch eine Unterredung mit dem Großvezier Hakki Pascha. JUneviJta. Zlew-Bork, 10. April. Nach dem Beispiele der orthodoxen Rabbiner Englands wollen sich nunmehr auch die gesetzestreuen Rabbiner der den großen Napoleon in Warschau gesehen zu haben. Bis zu ihrem Tode bewahrte sie jene Kleinodien auf, die aus jener Zeit stammten, darunter befanden sich auch sehr viele Napoleonmünzen. Frau Silbrrmann's Gedächtnis war ein so außerordentliches, und ihre Tarstellungsfähigkeit eine so lebhafte, daß der berühmte russische Kriegsmaler Wasstij Wereschtschagin die Beschreibung.die ihm Frau Silbermann, noch zur Zeit, als sie in Rußland lebte, über den großen Napoleon mündlich gab, für eines seiner großen Schlachtenbilder aus der Zeit Napoleon's benützte, was Wereschtschagin in seinen Briefen wiederholt bestätigte. (Wettbewerb zur Bekämpfung des Antisemitismus). Der jüdische Ingenieur Emil TreveS hat durch Testament vom 28. Mai 1909 dem italienischen UnterrichtSministeretum den Betrag von 1V.VVV Lire htnterlaffen als Preis für den Sieger eineinternationalen Wettbewerbs für eine Veröffentlichung zur Bekämpfung des Rassen- und Religionshasses und namentlich des Antisemitismus. Der StaatSrat hat die Annahme der Hinterlassenschaft genehmigt, und daS Unterrichtsministerium wird den Wettbewerb ausschreiben, sobald die 10 000 Lire in seinen Besitz gelangt sein werden. __21. April 1911. I nordamerikanischen Union organisieren. Anfang Juli d. IS. werden sich zahlreiche Rabbiner der traditionellen Richtung in St. Paul (Minu.) versammeln, um über aktuelle Fragen des religiösen Lebens in Amerika zu verhandeln und eine Rabbinerorganisation ins Leben zu rufen. vermirtbter. Frankfurt a. M., 12. April. Bom 15. April ab ist die Jüdische Bibliothek und Lesehalle wie folgt geöffnet: Bom Montag bis Donnerstag von 1—4 Uhr nachmittags und von 8—10 Uhr abends, Freitag nur nachmittags von 1—4 Uhr, SamStag von */,il—1 Uhr vormittags und von 3—7 Uhr nachmittags, Sonntag von 9—1 Uhr vormittags und von 8—10 Uhr abends. Berlin, 12. April. Die ReltgtonSschule der Israelitischen Shnaaogengemeinbe (Adas; Jtsroel) versendet ihren Bericht über das Schuljahr 1910/11. Derselbe konstatiert, daß das Schulwesen der Gemeinde eine bedeutsame Erweiterung erfahren hat: eine zweite ReltgtonSschule ist dem steten Zug der jüdischen Bevölkerung nach dem Westen entsprechend in Charlottenburg zu Beginn des Wintersemesters eröffnet worben. Dank dem Entgegenkommen des Magistrats in Charlottenburg sowie des Rektors Herrn Dr. H e i n z e l find in der städtlschen Schule, Bletbtreustraße 43, geeignete Räume zur Verfügung gestellt worden, und konnte der Unterricht am 27. Oktober 1910 mit 21 Kindern, die sich über 3 Klaffen verteilten, beginnen; im Lause des Semesters stteg die Anzahl aus 27 Kinder. Der Unterricht wurde außer vom Direktor, Herrn Dr. Meter Hildesheimer, von 2 Lehrkräften der I. Religionsschule, Herrn Rabbiner Dr. Arthur Levy und Fräulein L. Fretmann, erteilt. Der Jugendgottesdienst wurde unter Ausstcht von mindestens zwei Lehrern an allen Sabbaten und Festtagen regelmäßig — sofern sie nicht in Schulferien sielen — unter Leitung des Herrn H. Carle Vach abgehalten. Sämtliche gottesdienstliche Funktionen, wie Borveten, Thoravorlesung rc., wurden von Schülern der Anstalt vollzogen. Eine Neuwahl des Schulvorstandes durch die Gemeindebehörden hat statutengemäß im Februar 1911 stattgefunden. Die bisherigen Mitglieder wurden wiederaewählt und Herr B. G a l e w s k i, der bereits bei der Begründung der U. ReltgtonSschule wesentliche Mithilfe geleistet hatte, neu ernannt. Wiederum find v,m „Israelitischen Kttiderveretn" zu Chanukah ungefähr 70 Zöglinge mit Kleibern und Schuhwerk versehen und 5 Kinder in die Ferienkolonie entsandt worden. Breslau, 12. April. In Kowal, jenseits btt russfischen Grenze, starb der Schneidermeister Ptnkus Gonstorowskt im Alter von 120 Jahren. Die Zahl seiner Enkel und Urenkel beträgt 145. Der Verstorbene hat bis zu seinem Tode sein Handwerk auSgeübt. Köln, 15. April. Nach der letzten Volkszählung befinden sich hier unter 404 724 KathoUken, SS 073 Evangelischen, 12 070 Juden. Nach dem Prozentsatz betrug von 100 Personen die Zahl der Katholiken 1910 --- 75,35 (1905 79,26), der Evangelischen 18,41 (18,04), der Juden 2,34, (2,44) und der Personen sonstigen Glaubens 0,90 (0,26). Hiernach ist der prozentuale Anteil der Angthörtgen des jüdischen BekenntntffeS etwaszurück- Segangen, wogegen die Zahl der Personen sonstigen ttaubenS im BerhältriS eine bemerkenswerte Zunahme i erfahren hat. Mannheim, 13. April. Der Privatier Friedrich Traumann, der kürzlich in Mannheim verstarb, hivterließ der Stadt Mannh^i n eine Stiftung von einer Million Mark für die Unterstützung von Armen aller Konfesfionen, ferner 300 000 Mk. für Wohltättgkettsbestrebungen jüdischer Vereine und 200 000 I Mark an Legaten. I Metz, 13. April. In militärischen Kreisen warf vielfach die Frage erörtert worden, die bestehenden kon-1 fessionellen Soldatmheime in inter konfessionelle umzu-1 wandeln, was aber jetzt noch nicht zu ermögliche« war. | Das Kriegsministerium hatte daher auch das Gesuch, für I die 150 in Metz garntsonterenden jüdischen Soldaten ein I Heim zu gründen, in der Abficht der späteren Gründung I interkonfessionellen Heime abgelehnt, nachträglich aber diel Genehmigung erteilt. Und so konnte gestern daS erste! jüdische Soldatenheim eingewecht werden. Die Feier! wurde von Oberrabbtner Netter etngelettet. Der I kommandierende General, der an der Teilnahme ver-I hindert war, ließ sich durch Generalleutnant Petnerl vertreten. Major Schröder vertrat den GouverneurI von Metz. I Recklinghausen, 6. April. DaS Provinzialschul-I kollegtum in Münster gab dem Rabbiner der hiestgen ju-I bischen Gemeinde, Dr. Br aber, die Genehmigung,» den jüdischen Schülern des Gymnasiums und der Ober«! realschule den lehrplanmäßigen Religionsunterricht zul erteilen. > Paris, 9. April. Eine Gruppe jüdischer GutS-I befitzer in der Gegend von M e d e a in Algier hat stc» zu einem Komitee vereinigt, daS sich Hirr Aufgabe aestellV hat, die jüdische Jugend von Algier zum AckervaM heranzuziehen. Dar« der Mtthttft mehrerer Phllantrope«

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