Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1911 21. April 1911 Der JSraeltt Ro. IS. Seite S „dem ugie- >urg" stftorinAus SEllul waren neinde; Herrf der trotz s aufn der Slanzvorzt ein gegen lenden ldruck, teBelhafte : nun ssenen lassen ahme, Zuden ihrer ltsung ischen uden, sollte. Aemen re. kgung ürfen dem achten Für- Nur uns, nicht ren". Weise Geheint Tuch c um e, er e erlligt. sich, wird petto 8<r t als weht, , nur ch an arar sich liegt Sltcke er ist oußt-; die jenes etnhmut o! Ri. nalterder genvird betitelt sich eine Arbeit des Rabbiners Dr. S. F u n ck -.Boskowitz. Die Verhältnisse im Zweiströmeland werden heute sich wenig gegen die im Altertum geändert haben, ja, es kann vielmehr gesagt werden, daß sie in der Zeit der Saffaniden, also im 5. Jahrhundert noch bester ge- Ivesen sind als in der Gegenwart. Vieles was damals gut unterhalten und darum gut erhalten wurde, liegt durch Vernachlässigung jetzt in Trümmern. Man beachte nur, wie ein sorgfältig angelegtes und im Stand gehaltenes Kanalsystem die Quelle für die Fruchtbarkeit des Landes einstens war, und wie der durch Lässigkeit herbetgeführte Verfall der Wasserwerke ganze Strecken, die einst durch üppigen Frucht- und Baumwuchs sich auszeichneten, in Wüsten verwandelt hat. So hat sich zum Vorteil nichts geändert, und darum ist so manches dort vorhanden, was Rückschlüsse auf die Vergangenheit erlaubt. Der Verfasser der genannten Abhandlung, weiß es aber, ein lebendiges Bild von dem Leben und Treiben aus jener Zeit uns vor das Auge zu stellen und zwar mit Hilfe einer Quelle, die sonst wenig von den Assyrologen benutzt wird. Es ist der Talmud mit seinem reichen Material aus seiner lebendigen Gegenwart. Kaufbriefe, Verträge, Pacht- und Mietverhältnisse, Zivilprozesse, für alles dieses liefert ja der Talmud in seinen Diskussionen reichen Stoff - sind es ja hier Fälle aus der Gegenwart, die von den Rabbinern jener Zeit die ansässig in jenem Lande waren, behandelt werden. Der Verfasser weiß diese Umstände trefflich auszubeuten, weiß die Verhältnisse jener Zeit aus dem Talmud zu erklären, wie er auch über manche Talmudstelle Licht verbreitet an der Hand der Forschungen der Neuzeit auf affyrologtschem Gebiete. Die einzelnen Kapitel behandeln: Grund- und Bodenverhältnisse, Bewirtschaftung, Bodenbearbeitung, Bodenprodukte und Verkehrsverhältnisse. (Schluß folgt.) LCt**. Corrcspondenze* n. Nacdücdteil. Knrts-cy«« gtebg. & erlitt, 10. April. Nach Mitteilungen des Alliancevertreters in Kairo nimmt die yeminitische Einwanderung in Aegypten, icrivähnt, daß bereits im Jahrhundert der christlichen r.’imt in Saloniki eine zahlreiche Iudengemeinde bestanden habe. Im 15 Jahrhundert n. der übl. Zeitr.!irf;eu sich wieder zahlreiche Juden ans Norddeutschland, Ungarn und Polen in Saloniki nieder. Die stärkste jüdische Einwanderung erfolgte jedoch nach I l‘J2, dem Zeitpunkte der Vertreibung der Juden aus Spanien. Gegen Ende des 15. und zu Beginn des >>>. Jahrhunderts siedelten sich ungefähr 20 000 Juden l\u Saloniki an. Sie bildeten 36 verschiedene.Gruppen: Zwei Gruppen von Juden hatten diese spanischen Flüchtlinge bereits' in Saloniki vorgesunden: die Äschkenasim und die Italiener. Rabbi Jacob Ben stabib de Zamvra erzählt in seinem historischen Werke, Ibas; er in Saloniki eine Anzahl hervorragender Rab- Il'iner vorgesunden habe. Tie italienischen Juden be- Isascn hier zwei Synagogen und zwar eine der sizilia- Inischeil und eine der Juden von Paulia. Ter k>iabbiner der italienischen Iudengemeinde hieß. Samuel II r a n c o. I Ter größte Teil der ans dein Lande des kathvvischen Ferdinand und Jsabella geflüchteten Juden »varen auf der Suche nach einem Zufluchtsland und beendeten sich an Bayazet II. und baten ihn um »eine Gastfreundschaft. Ter Sultan gewährte sie ihnen in it Vergnügen, denn er war froh, neue Untertanen kn gewinnen, sie durch das Band der Dankbarkeit seine Krone zu binden und überdies Saloniki, Was damals noch sehr schwach bevölkert war, durch kinc Anzahl tätiger und ergebener Elemente zu bevölkern. I Bezeichnend für diesen Sultan ist der verbürgte Musrus, den er vor seinem Hofstaate gemacht hat: UMan sagt, Ferdinand sei ein weiser König. Wie Mim das möglich sein, wenn er sein Land verarmt, w das meinige zu bereichern?!" Banyazet trug seinen wenn auch in kleinerem Maßstab, ihren. Fortang. Vom 25. Januar 1910 bis zum 31. März , Js. hat das Komitee von Suez 153 Einwanderer empfangen. Man hat geglaubt, daß der türkisch-yemenitlsche Krieg einen Maffenauszug rmserer Glaubensgenossen aus dem Jemen verursachen würde. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Die Letztangekommenen erzählen, daß die Kriegführenden den Juden kein Leid zufügen. Diese leben iu relativer Sicherheit. Man ist der Meinung, daß die Türkei den Aufruhr unterdrücken und das Land beruhigen wird. Das Zentral-Komitee der Alliance Jsraelite Universelle hat durch Vermittlung des italienischen Konsuls in Hodeida der israelitischen Bevölkerung in Sanaa Hilfsfonds zugehen lassen. Arerven, IO. April. Letzten Donnerstag hat sich hier die fünfzigste der von der Kiewer Emtgrattonsgesellschaft organisierten Auswanderergruppen eingeschifft, um die Reise nach Galveston anzutreten. Wegen der nahen Feiertage haben sich an dieser Gruppe nur 45 Personen beteiligt, während dte vorhergehende aus mehr als 100 Auswanderern bestand. Die meisten befanden sich im Alter von 20 bis 40 Jahren und waren tüchtige Handwerker. Die Emigranten wurden mit Mazaus und allem Nötigen für die Feiertage versehen und mit den besten Wünschen seitens der Kiewer Gesellschaft und des hiesigen Hilfskomitees, deren Vertreter am Borde waren, in die neue Heimat entlassen. Oesterreirh. Me«, 12. April. Am 5. April hat in Wien eine Konferenz der provisorischen galizischen Landejskommtssion stattgesunden, welche auf Initiative der I. C. A. zur Verbesserung der kulturellen und materiellen Lage der Juden gebildet wurde. Der Konferenz lag ein Projekt vor, wonach in Galizien ein Verein mit dem Namen „Selbsthilfe", Landesverband für die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der jüdischen Bevölkerung in Galizien, gegründet werden soll. Der Verein soll die Hausindustrie fördern, Einkaufs- und Berkaufsgenoffenschaften für Handwerker und Krämer gründen. Ebenso sollen Handwerker- und Kaufmannsgenoffenschaften geschaffen, sowie Borschußkassen für Kleinhändler gegründet oder, wenn sie schon bestehen, unterstützt werden. Auch die Jugenderziehung soll durch Schaffung von Kindergärten und Fröbel-Jnstituten gefördert werden. Für die allgemeine Volksbildung sollen Lesehallen und Bibliotheken errichtet werden. Es steht zu erwarten, daß auch die Ver- Gouverneuren auf, die Juden entgegenkommend aufzunehmen und ihnen die Ansiedlung zu erleichtern. Diejenigen, welche die Juden unterdrückten, oder ihnen ein Leid znsügten, mürben strenge bestraft. Rabbi Capsali erwirkte vom Sultan große Begünstigungen für seine Glaubensbrüder. Tie Juden, die sich in Saloniki ansiedelteir waren so zahlreich, daß die übrigen ElementeZchlietzlich in den Hintergrund traten. Ter Dichter Samuel Usque nennt Saloniki: „Die Mutter Israels", weil es den verfolgten Jllden Schutz und Obdach gewährte. Tie kastilianische Sprache wurde beibeyalten, jedoch allmählich verderbt im Gebrauche und durch die Sprachen, die die Juden hier von ihrer Umgebung täglich hörten. Tie spanischen Juden lebten irr ihrer neuen Heimat sehr glücklich. Sie luden ihre Verwandten, die sich auf ihrer Flucht in andere Länder, so nach Frankreich uird Italien gewandt hatten, ein, gleichfalls nach Saloniki zu kommen. Ton Inda Senor Banbaneste, der Sohn eines spanischen Finanzministers, dem es gelungen war, einen großen Teil seines Vermögens zu retten, ließ sich ebenfalls in Saloniki nieder und gründete daselbst eine große Bibliothek, die er den Studierenden zur Verfügung stellte. Man nahm das Talmndstudium wieder auf, gründete eine Hochschule, in welcher rabbinische Wissenschaft und Astronomie gelehrt wurde. Ter wirtschaftliche Wohlstand stellte sich allmählich wieder ein, dank dem Unternehmungsgciste der Juden und den Beziehungen, welche diese mit ihren Glaübenstn’iibeitt in allen Ländern unterhielten. Ter Fiskus fand in dieser Tätigkeit eine wichtige Quelle neuer, reichlicher Einnahmen. Von den Gelehrten jener Epoche seien hier besonders erwähnt: Joses P a s s y, M e i r A r m a, S a 1 o m o n Cavalliero, S a m h e 1 Uziel, SamuelelBohri,JosesbenYahia-Salotreter anderer jüdischer Körperschaften sich dieser großzügigen Aktion anschließen werden. Irak««, 10. April. Der Krakauer Gemeinderat hat sich durch die jüngst stattgehabten Gemetnderatswahlen wieder auf 87 Gemeinderäte komplettiert. Davon sind 20 Juden. Unter den Wiedergewählten befinden sich mehrere bekannte Persönlichkeiten, so der bisherige Bizebürgermeister Hofrat Sa re, Präsident der Krakauer Handelskammer Dattner, der gewesene Reichsratsabgeordnete Dr. Adolf Groß, der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde Dr. Till es und der Vizepräsident Dr. Raphael Landau u. m. Auch in Lemberg haben dieser Tage die Wahlen in den Gemetnderat stattgefunden. Hier haben die Juden 5 Mandate verloren, während sie bisber 20 waren, ziehen sie jetzt nur 15 Mann hoch in den neuen Gemeinderat. Diese Niederlage hat das hinterhältige Verhalten der Allpolen, verschärft durch die Uneinigkeit der Juden, verursacht. Die Allpolen haben in Lemberg, wie auch in Krakau, die Juden wohl offiziell auf ihre Kandidatenliste gesetzt, während der Wahl jedoch in ihren intimen Kreisen die Namen einiger jüdischer Kandidaten streiche« lassen. Daher kam es, daß die polnischen Kandidaten mit den Stimmen der Juden und Polen gewählt wurden, während die Juden in der Minorität blieben oder nur mit geringen Majoritäten gewählt wurden. gbtftlattfr. Kiew, 12. April. Die hiesige Polizeibehörde fährt fort, das Wohnrecht der hier lebenden Juden zu „revidieren". Sie hat gegen 200 jüdische Familien einen Prozeß anhängig gemacht, weil diese angeblich nicht ihr Handwerk üben, auf Grund dessen sie hier das Wohnrecht genießen, sondern sich mit Handel beschäftigen. Es steht leider zu befürchten, daß der weitaus größte Teil dieser 200 Familien nach dem Ansiedlungsrayon abgeschoben und ihr Vermögen konfisziert werden wird. <$nglan*. Die IQOifdie Einmanflerung London, 20. April. Wie telegraphisch berichtet wird, kam gestern im englischen Unterhause die neue Fremdenbill zur Beratung. Dieselbe ist durch die bedauerlichen Vorkommnisse der letzten Monate veranlaßt und verlangt eine Verschärfung der Einwanderungsgesetze. Die Bill gibt ferner den Behörden das Recht, neu Einwandernde, die gern oit Mitrani, Salomon Hazen, Abraham S i d a l v o, Abraham b e u Balo m o n Taitacak, Jacob b e n H a b i b , P c r a h i a Cohen, A r o n A s i a, Samuel F r c s e o und vor allen der berühmte M o ch c A I m o&ni n o. Tie Juden haben ihre Sitten erhalten. Sie haben ihren Kult haben ihre Religion erhalten und sie bis aus die heutige Zeit überliefert. Sie waren sehr fromm und wirtschaftlich. Allmählich verbanden sich die einzelnen Gruppen mit einander und waren sür ihre Umgebung der Gegenstand der Bewunderung und des Neides. (Das Märchen von der «runnenvergistung). Mitte des 14. Jahrhunderts setzten in Europa die grausamen Verfolgungen der Juden ein. 1348 gelangte ans Spanien die Kunde in die Nachbarländer, daß die Juden die Brunnen vergiftet und so die P e st erzeugt hätte n. Tie Anklage war sozusagen Wasser auf die Mühle der „Antisemiten": sie schürten das Feuer und die Jolge war ein furchtbarer ^,Judenbrand". Während der polnischen Revolution im 10. Jahrhundert erhoben die Russen öfter die Anklage, besonders polnische Juden vergifteten im Auftrag des A g i t a t i o n s - K o m i t e es di e Wasser, um so möglichst viele Soldaten des Zaren kampfunfähig zu machen. Ein interessanter Artikel iu dem soeben erschienenen Heft 13 der Münchener Halbmonatsschrift „Natur und Kultur" bringt eine .Reihe plausibler Erklärungen dafür, wie diese furchtbaren Anschuldigungen haben Glauben finden können. So heißt es beispielsweise an einer Stelle: In früheren Zeiten, wo Wasserleitungen nicht existierten, wurde das unentbehrliche Naß in den Städhen (wie jetzt noch auf vielen Törfern) an dem