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Der Israelit · 1911-04-12 · Heft 15 (12.4.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 15 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 15 Der JSraeltt. 12. April 1911 über die Rechtslage in Finnland läßt gleichfalls den alten Rechtsbeistand unverändert. Vctilrstirrtl. Ist gern Io? Jerusalem, 31. März. Herr Dr. Grünhut schreibt uns: „Ein Hebräer bin ich und fürchte den Gott des Himmels und der Erde!" ' So schließt ein Kapitel in einem Aufsatze, der erst unlängst in einer Palästina-Zeitschrift veröffentlicht wurde. Der Satz klingt nicht etwa in einem Wunsche aussondern gibt sich vielmehr als apodiktische Behauptung aus. „Eine Knabe, — der hebräisch spricht —, wird, zum Manne herangereift, sich seines Volkes rühmen und Stolz und Erhebung empfinden bet den Worten: Ein Hebräer bin ich und fürchte den Gott des Himmels und der Erde!" Dieser Behauptung gegenüber ist doch zumindest die Frage berechtigt: Ist denn dem auch so? Wollte ich als Zeuge auftreten, müßte ich diese Frage glattweg verneinen, denn ich könnte mich auf vielfach gemachte Erfahrungen berufen. Das mag ich aber nicht. Ich könnte mich schließlich auch einfach auf den „Israelit" Nr. 6 und 11, S. 3 berufenwer diese beiden Nummern gelesen, der wird doch wahrlich jene Behauptung nicht unterschreiben. Das ist einmal klar. Allein ich möchte hier den und seine Mitarbeiter am liebsten autzer Sptei lassen. Man könnte mir ja schließlich entgegenhalten, diese Herren bilden eine Ausnahme. Mögen darum andere Faktoren zum Worte kommen. Der Beschluß des Odessaer Palästinakomitees hat hier verblüfft. Der Verfasser des berüchtigten hebräischen Schriftchens in? das s. Z. soviel von sich reden machte, hat sich darüber gar sehr entsetzt und, um sich Luft zu machen, schreibt er in fiHnKn einen heftigen Protest dagegen, nämlich gegen das unerhörte Vorgehen des genannten Komitees. Und unser famoser Autor und Protestler ist Kollege von jenem Herrn, der unser ganzes Heil im Hebräertum erblickt. iv Ein zweites Faktum. Ein Bursche, angehender hebräischer Lehrer — und er ist nicht der einzige — darüber befragt, warum er sich Verstöße gegen Twrrmin erlaubt, gibt zur Antwort: das sind Ansichten! Ist dem nun so? Wie vereint sich das: „Ein Hebräer bin ich und fürchte den Gott des Himmels und der Erde" mit awrr p mim htsd? Hebräisch treibt auch die „Gymnasia haibrith" Vergangene Woche fand zu Ehren der Warschauer Reisegesellschaft, die gekommen war, um zu sehen, in der Abrabanel-Nationalbibliothek ein großer feierlicher Empfang statt. Unter der Gesellschaft befand sich auch Herr Redakteur Jatzkin. Wie äußerte er sich in öffentltcher Versammlung über das hebräische Gymnasium? „Wenn noch irgend welche Fäden vorhanden waren, die das junge Geschlecht mit dem Judentum verknüpfte, so kam das Gymnasium und zerriß sie! Wird mich jemand daheim fragen, fuhr Herr Jatzkin fort, ob er sein Kind in das nnsm 8'?2v^ schicken soll, so werde ich antworten: tib mit großem rr!" He^ Lunz sagte bei derselben Gelegenheit: „Herr Jatzkin mag vieles gesehen haben, aber er weiß noch nichts. Um kein Haar besser sei die Schwesteranstalt in Jerusalem." (Hamoria Nr. 70). <. Was soll man von dem Hebräertum erwarten, das in diesen Pflanzstätten gepflegt wird? Ich werde noch gelegentlich auf das Thema zurückkommen. Es sind trostlose Zustände. Es war höchste Zeit, daß hier eingegriffen wurde. Ein Teil der Jugend ist doch gerettet. Hätten aber die deutschen v'rn'' auch nicht eingegriffen, würden wir doch unserem Verfasser zugerusen haben: „Besser geistlose l,?!) tote Buchstaben und ein lebendiger Glaube im Herzen, als eingesargter Glaube und geistige lebendige Buchstaben!" Amerika. ver Sörtfchritt Ser Juöen im 5armwesen. %iew Kork, 12. März. Der soeben erschienene Jahresbericht der „Jewish Agricultural and Aid Society“ in New Aork enthält lehrreiche Daten über den F o r t - schritt der eingewanderten Juden aus dem Gebiete des Farmwesens. Zunächst erfahren wir, daß in den Bereinigten Staaten im Berichtsjahre 3339 jüdische Farmerfamilien existierten, die 2984 Farms ihr Eigen nannten. Die meisten jüdischen Farmer, 975 Farmer mit 840 Farms, wohnen im Staate New- Aork usw. Es ist jedoch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß es in den Vereinigten Staaten weit mehr jüdische Farmerfamlien gibt, als die obengenannte Gesellschaft angibt, da der Bericht nur diejenigen jüdischen Farmer in seine Statistik aufntmmt, die mit der Gesellschaft in Verbindung stehen. So erzählt der Bericht selbst, daß die Gesellschaft Kenntnis von der Existenz einer jüdischen Farmerkolonie in Syraeuse, Staat New Aork, erhalten hat, mit der die Gesellschaft niemals in Berührung kam. Die größte Zahl dieser jüdischen Farmerkolonien sind wohlhabend und bearbeiten ihre Farms ganz allein. Der Bericht konstatiert schließlich, daß die Gesellschaft gegenwärtig Gesuche von 1400 jüdischen Familien in Behandlung hat, die die Absicht haben, sich als Farmer zu etablieren und durchschnittlich über ein Kapital von 1000 Dollar verfügen. Ebenso erfreulich ist die Mitteilung, daß die Zahl der jüdischen Farmarbeiter unter den eingewanderten Juden täglich zunimmt. * * -i- Berichte aus Argentinien melden von großen Verwüstungen, welche ein Zyklon am 4. Februar in fast allen jüdischen Kolonien angerichtet hat. Der Sturm zerstörte unzählige Häuser, die bei ihrem Einsturze das gesamte Vieh und allen Vorrat unter sich begruben. Leider sind auch Menschenleben zu beklagen. Ein Mann ist mit seiner Frau und zwei Kindern umgekommen. Ueberdies wurden zahlreiche gefährliche Verletzungen konstatiert. Die jüdischen Kolonisten, die um ihr Hab ued Gut gekommen sind, kampieren auf dem Felde. Der Schaden beläuft sich auf eine Viertelmillion Pesetas. WewHZork, 11. März. Seit dreißig Jahren weigert sich Rußland, jüdisch eBürger der Vereinigten Staaten, auch wenn sie in Amerika geboren sind, über die Grenzen zu lassen. Ganz gleich wie hervorragend und angesehen der Reisende ist, ist er ein Jude, so wird ihm der Paß nicht visiert. Es liegt da eine offenbare Vertrags-Verletzung vor, da das 1832 zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland abgeschlossene Abkommen ausdrücklich allen Angehörigen beider Nationen das Aufenthaltsrecht in den Gebieten der vertragsschließenden Teile zugesteht. Seither sind schon manche Proteste erhoben worden und fast jeder Präsident ist wegen dieser Angelegenheit in Petersburg vorstellig geworden. Alles ohne Erfolg und zwar) wie auf der soeben geschloffenen Tagung jüdischer Gemeinden Amerikas erklärt wurde, weil den Vorstellungen der gehörige Nachdruck fehlte. Die Angelegenheit soll jetzt in Washington eifriger betrieben werden. Dazu werden sich der Aktion außer den Nächstbeteiligten auch hervorragende Vertreter anderer Religionsbekenntnisse anschließen. So hat das Kongreßmitglied Parson im Plenum des Repräsentantenhauses einen Beschlußantrag vorgelegt, demzufolge der Vertrag mit Rußland aufgehoben werden soll, da Rußland fortdauernd seine darin übernommene Verpflichtung, alle amerikanischen Bürger ungehindert reisen zu lassen, verletze, indem es amerikanischen Bürgern jüdischer Konfesson den Eingang verwehre. Taft wird in dieser Sache am Mittwoch eine Konferenz mit den Vertretern der hervorragendsten jüdischen Vereinigungen haben. Senator Henri W. Pollak und Mr. Levy unterbreiteten der gesetzgebenden Körperschaft des Staates Newyork eine Bill behufs Gründung eines „Amerikanisch-jüdischen Schutzkomitees." Als Zweck dieser neuen Organisation wird angegeben: Beschützung der bürgerlichen, religiösen, sozialen und ökonomischen Rechte der Juden in der ganzen Welt durch Gewährung gesetzlicher Hilfeleistung und Beschaffung der Mittel, in dem Falle, als irgendwo die Rechte der Juden verkürzt werden sollten rc. Als Mitglieder des Schutzkomitees sind bereits genannt: Jakob H. Schiff, Louis Marshall, Richter Mayer Sulzberger, Richter Julien Mack, Jakob Holländer, Julius Rosenwald, Professor Cyres Adler, Kongreßman Henry Cutler, Samuel Dorf, Dr. I. Magnes, Isidor Sobel, Cyrus Sulzberger und L. Weil. vemttcbter. Frankfurt a. M., 10. April. Wir sehen uns veran aßt, darauf htnzuwersrn, daß bei Meldungen auf ausgeschriebene Stellen in Haushaltungen die Bewerberinnen gut daran tun, stch gleich zu Beginn der Verhandlung üver die rituelle Beschaffenheit de« Hausialts und über die Möglichkeit gewissenhafter Sabbatbeobachtung genau zu erkundigen. Auch die Tatsache, daß jemand im Inseratenteil des „Israelit" Personal sucht, bietet an sich noch keine Gewähr in der angtdeuteten Richtungvielmehr ist jedesmalige Erkundigung notwendig. Geestemünde, 28. März. Hier hat fich dieser Tage lM Schlachthm.se ein Borfall creiqnet, der geeignet iit, die Gegner der rituellen jüdlschenSchiachkmclhode davon zu überzeuaen, daß ihre gegen das Schächten. gerichteten Angriffe unberechtigt find. Am 1. März wollte der Schlächtermeister de Harde in Geestemünde einen schweren Bullen durch Schießen beziehentlich Schlagen töten lasten. Als mehrere Versuche, d e in Gegenwart des Schlachthofdirektors, eines entichiedenen Gegners der jüdlchen Schlachtmechode, unternommen wurden, mißlingen, ersuchte man den jüdischen Gemeind» schächter Halle, das mißhandelte Tier zu schachten. Dies geschah und fand allseitige A »erkennung. Hamburg. 9. April. Bon allen Mitteln entblößt trafen mit dem Hamburger Dampfer „Vesta" 23 Juden von London kommend hier ein. D rs Israelitische Hilfskomitee sorgte dafü, daß die Leute mit der Bahn nach ihrer russischen Heimat abfahren konnten. Friedrichstadt, 5. April. Die hiesige jüdische G e m e' n d e nimmt in den letzten Jahren auffallend ab. Im Jahre 1850 waren dort noch bei einer Gesamtetnwo merzahl von 2300 über 100 jüdische Familien mit reichlich 660 Seelen, also über 25 %} heute wohnen in Friebrichstadt nur noch 90 Juden. Petersburg, 26. März. Die Petersburger „Rjeffch" meldet: Die japanüchr Regierung hat die Bewilligung zur Gründung jüdischer Kolonien in Japan erteilt. Als Begründung dieser Bewilligungsertcikung wird darauf htngewiesen, daß die Juden, die nach dem russisch-japanischen Krieg nach Japan gebracht wurden, stch dort als tüchtiges kulturfördrrndes Element bewährt haben und die Errichtung von jüdischen Kolonien dem Mantschen Reiche nur von großem Nutzen sein würde. Bukarest, 31. März. In Bratla wird von Beginn des nächsten Schuljahres an ein jüdisches Unterghmnastum ins Leben treten. Bis jetzt sind von der jüdischen Gemeinde 30 000 Fr cs. aufgebracht worden, die für drn Bau des eigenen Lokals dienen werden. Kairo, 19. März. Aus der Stadt Omdurman im ägyptischen Sudan berichtet die „Sudan Times", daß dort die jüdischen, christlichrn und mohammedanischen Kaufleute gemeinsam beschlossen haben, ihren Angestellten je einen wöchentlichen Ruhetag zu gewähren. Den Mohammedanern wird der Freitag, den Juden der Samstag und den Christen der Sonntag freigegeben. Dem Beschluß kommt insofern besondere« Jntercsfe zu, als in den größeren Handelszentren Aegyptens die auf Festlegung eines wöchentlichen Ruhetages abielenden Bestrebungen bisher wegrn der Bielsältigkeit der religiösen Bekenntniffe scheiterten. vereinrweren. Frankfurt a. M., 10. April. Die Brockens a m m l u n g „P e a h" versendet ihren zweiten Jahresbericht, der von einem erfolgreichen Fortschritt zeugt. Die „Peah" erhebt keine Mitglieder betträge, sondern bestreitet ihre Ausgaben aus dem Verkaufe der ihr überwiesenen Gegenstände. Trotz der minimen Preise, die sie berechnet, wurden im Berichtsjahre gegen 10000 Mark

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