Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1911)
- Date
- 1911-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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WM Sette 8. Nr. 14 Der JSrcreltt. 6. April 1911 Mitgliedschaft ist die theoretische oder praktische Kenntnis des Farmwesens, die für solche, welche diese Kenntnisse noch nicht besitzen in den von der Gesellschaft einzurichtenden Fachkursen und auf der zu gründenden Musterfarm erworben werden können. llemircdter. Berlin, 2. April. Gegen den Herausgeber des „Hammer", Ingenieur Theodor Fritsch, hat die Staatsanwaltschaft auf Ant ag des „Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubnö" in Berlin erneut Anklage erhoben auf Grund deS Aufsatzes „Eine sonderbare Religion", der im ,,Hammer" erschienen ist. Köt», 31. Mä z. Auf dem j Ü d isch en Friedhof in Köln find Grabschändungen gemeinster Art vorgek mmrn. Nicht weniger wie 16 Grabdenkmäler wurden von ruck loser Hand total zerstört. Man glaubt an einen fanatischen Racheakt. Bor längerer Zeit wurden auch auf tem evanaeltschen Kirchhof Grabschändungen verübt. Die Israel. Katusgemeinde hat auf die Ermittelung der Tättr eine Belohnung ausges tzt. Köln, 19. März. D r Kaufmann Jvses Meyer aus Frechen har aus Anlaß der 40jährigen ErinnerungSfeier an die Wiedererrichtung d s Deutschen Reiche? e ncm Mischen Kriegs amei. den aus Gr frath, Kreis Bergheim, mit dem er die Feldzüge von 1866 und 1870/71 in d r gleichen Kompagnie des 68. Infanterie-Regiments mit gemacht hat und der in Köln ln dürftigen Berhältnissrn lebt, eine lebenslan ltche Rente vo > 30 r. mona'lich ausges tzr. In der Sri locht von Köntgg ätz war H.rr Meyer von seinem Kameraden aus dichterem Kugelregen geret et worden. Retklingshausen, 2. April. Bon seiten des Rab blnats des Brems zur Wahrung der religiösen Interessen des Judeniums in der P ovtnz Wstfalen wurde an das Generalkommando deS VH Armeekorps das Ersuchen gerichtet, den jüdischen Soldaten anläßlich des Pesach bestes vom 12 —23 April Urlaub gewähren zu wollen. Im Falle der Nlckt^ewährung eines Urlaubs auf Grund dienstlicher Interessen wurde für den 13., 14., 15., 19. und 20. April um Beste ung vom Dienste und für die Zeit vom 12. bis 21. April um die Gewährung von ritueller Kost gebeten. Auf dieses Gesuch lief vom Generalkommando folgende Antwort ein: Münster, den 1. April 1911. Dem Rabbiner Herrn Dr. Brader Hochwürden Recklinghausen beehrt sich daS Generalkommando sehr ergebenst mitzutetlen, daß die Truppen des Armeekorps angewiesen worden find, den im Schreiben vom 30. März l9l1 ausge'prochenen Wünschen nach Möglichkeit zu entsprechen Bon seiten des Generalkommandos Der Chef des GcneralstabeS Hoeppner Oberst. Bresla«, 22. März. Nu' ist endlich die Frege der jüdischen Lehrer an den hiesigen E ementarschulen endgültig gelöst. Dle Schuldeputation nahm in i rer letzten Sitzung die Wahl der jüdiscten Lehrkräste vor, die auf Frl Muschel- Breslau und die Herren Adler- Amonienhütte, Freundlich Bromberg und Selbige -Berlin fiel. Die Lehrer haben noch eine L.hrprobe vor d r Kommission abzulrgen. Breslan, 27. Marz. Die Israelitische Kranken-BerpflegungSanstalt (Fränkisches Hospital) h»t in der medizntschen Abteilung 900 Kranke während des Jahres 1910 behandelt, in der chirurgischen Abteilung 679. Zur Operation kamen 498 Patenten. In der gynäkologischen Station wurden 139 Frauen ausgenommen und behandelt. Im Jahre 1910 hiben von dem im Krankenhause ausgebtldeten Lehrschwestern 6 ihre Lehrzeit beendet und in -er im März 1910 stattgehabten staatlichen Prüfung sämtlich ihr Examen bestanden. Eydtkuhnen, 21. März. Die angeregte Einrichtung e.ner rituellen Küche in der Eydtkuhn-r nein» Kontrol lstattvn ist nun von zuständiger Serie mH in Erwägung gezogen worden. Wie es heßt, soll de«- hiesigen Speisewirt Schammes die Leitung derse kon übertrag» werten. ^»aun.«Münden, 30. März. Am letzten Montag Hierher Borstand der benachbarten Göttinger Tierschutz- Vereins eine Generalversammlung im Hotel „Deutscher Hos" ab. Auf der Tage ordnung stand auch die Schächtfrage. Herr Grheimrat Esser, Borfitzender deS obigen 'i ereinS, äußerte sich h erzu: Nach seiner persönlichen Meinung sei das Schächten keine Tierquälerei, der Tod deS. Tieres trete innerhalb kürzester Zeit ein. Wenn man daS Schächten verbieten würde, würde ein Gewissenszwang aus geübt, dem man nicht zustimmen könne. Ostrews, 28. Mürz. Infolge Rückgang- -er Scbüierzahi der hiesigen jüdischen Volksschule wird die bisher drettlafstger Schule zweiklasstg. Daher scheid»t auf feinen Antrag Lehrer Koerpel, der zwanzig Jahre hier gewirrt hat, auS und tritt in den Ruhestand. Pose«, 26. März Nach der amtlichen Statistik gibt es in unserer Provinz 54 jüdische S chu l en m't 63 Lehrern, 1 Lehrerin, 66 Schulkiasien und 1133 Schulkindern. Pudewitz, 20. März. Die hiesige jüdische Schute ist durch die Kgl. Regierung aufgelöst worden und der bisherige hier amtierende Lehrer Wreschener an die paritätische Schule in Murowane Gostin versetzt worden. Odessa. 22. März. Die russischen Karatten entsendeten im Sinne der Beschlüffe des letzten Karäerkongresies eine Delegation von zehn Personen nach Palästina, um die dortigen karatttschen Institutionen und Heiligtümer kennen zu lernen und einen innigerrn Kontakt zwischen den russischen und palästinensischen Ka.äein Herzustellellen. Petersburg, 16. März. Am 14. März wurde hier d. s Lojährge Schriftstellerjubiläum des bekannt n russischen Dichters Eugen Tschtrtkoff gefeiert. T chiiiloff, der selbst wohl kein Jude ist, gen eßt unter d n Juden Rußlands große Popularität, die er mir seinem Drama „Die Juden" begründet hat. Der grandiose Schilderer der Pogrome lebte viele Jabre m M n k, wo er Gelegenheit harte, die innere und äußere Lage der Juden gründlich kennen zu lernen. Wien, 27. März. Der jüdische Klub des Abgeorbvetenhuu es hat an den Prästdentrn der italienischen Kammer, M a r c o r a, folgendes Telegramm abgesanvt: „Die jüdischen Abgeordneten im österreichischen Abgeordnetevhause beglückwünschen dos edle italinische Volk zu dem 50. Jahresieste der nationalen Wiedergeburt " Hierauf langte so gende Antwart ein: „Empfangen Sie den wärmsten Dank für die eolen Gefühle, die Sie dem italienischen Volk entgegenbringen, u d seien Sie überzeugt, daß Wir dieselben in der gleichen Welse erwidern. Murcora." * ukureft, 27. März. In Ttrgoviste dient im 12. A rilleriereoiment ein Soldat namens Leopold Händler, defstn Eltern hier wohnhait find. Seine Vorgesetzten stellten Händler Avancemenr in Ausstcht, jedoch nur unter der Bedingung, daß er sich raufen oüte Händler erklärte fich zuletzt zur Annahme des chr stlichen Glaubens bereit und die Taufe sollte Sonntag, den 19 März, von einem höheren Geistlichen vorgenommen werden. Taufpate sollte der Negimeniskommandeur sein und das gan^e Osfizterkorps war beordert, der Zeremonie betzuwohnen. Nachher sollte ein Bankett und eine Tanzunte Haltung statlfindcn. Doch sollte dieser schöne Plan vereitelt werden. Der Bater des TävfingS wand-e fich in seinem Schrecken an Herrn Oberrabbtner Chatm S. Schor und brt ihn um Hllfe. Ohne Verzug begab fich der Herr Rabbiner nach dem K^tegsmtnlsterium, wo er freundlich empfangen wurde, und aus den Wunsch des Herrn Rabbiners erteilte der Minister telephonische Ordre, daß die Taufe zu unterbleiben habe. verelnrmse«. Franksitvt a. M, 3 April. Eine Art Schlußfete r war es, die der N1s)V-Verein am letzten Freitagabend beging. Galt es doch, die Freitagabend-Zusammenkünfte, die den Winter über so viel Anzühungskraft auf unsere jüdische Jugend aus- Lbten. für dleses Semester zu beschließen. D-r T)pö der, wie kaum ein zweiter derartiger Verein in Deutschland, seine Havpaufoabe darin steht, bas altjüdische „Lernen" zu Pflegen, will stch neben stimm alten festenMitgliederstan m wet.ereKreise der Jugend sichern, durch Geselligkeit, die, von echtjüdtfchem Geiste getragen, mehr als bloßer Zeitv rtretb ist, und so schuf er die Institution der Freitagabend-Zusammenkünfte. Wer sie nur einmal besucht und die warme jüdische Frrübe, die an diesen Abenden Jung und Alt im sabbmllch-hellen Lokale des Mekor Chajtm beseelte, mitempfunden, der weiß, wie Vollko innen dem Ber.tn der Versuch gelungen tst. Jedesmal wurde der Abend mit min ■'“Gl aus dem Woch-naöschnttte eröffnet, denen fich zumeist noch im Lause des Abends andere Anregungen und BeUHrungen auS dem Gebiete des jüdischen WiffenS anschloffen. Die jungen Leute waren aber nicht nur die Empfangenden, sondern auch die Gebenden. Denn gar manch einer wußte die dargeboten Belehrungen mit humoristischen Produktionen, gesanglichen Vorträgen usw. in unterhaltendster Weise zu quittieren. Und so verlief stets der Abend bet Tee und Backwerk, Semirotgesang, ernsten und heiteren Reden, wie in der wohligen Sabbatstube einer glücklichen Familie. Was Wunder, daß man am letzten Freitagabend, der uns zum letzten Mal für diese Saison im Mekor Chajtm zusammenführte, nicht ohne ein Gefühl der Wehmut an die Trennung dachte. Allein: „Am heutigen Abschiedsabend, Soll kein Abschtebnehmen sein,' Denn am heutigen uns labend, Wollen uns schon auf nächsten freu'n." Herr Jakrb RooS sang es, mit der ihm eigenen Fertigkeit auf diesem Gebiete, und noch mehrere Verse dazu, die eine ungenannt sein wollence Freundin deS Vereins ihm egens zu dieser Schlußfeter gewidmet hat. E »geleitet wurde vorher der Abend durch eine schöne, dir Zeit und dem Zwecke der Feier sehr angepatzte An. spräche deS Herrn Julius L e w t n. Bet besonders guter Bewirtung, durch dle fich der Mekor Chrjtm bei seinen „Kunden" auch für nächstes Jahr empfohlen halten wollte, begann nun der gesellige Tett des Abends, der unter Mitwirkung aller kunstbegabten und sangessrohen Anwesenden einen glärsendenden Verlauf nahm. Später wie sonst trennte man stch nach einem kurzen Schlußworte des Herrn Nathan Hamburger mit dem Wunsche, dcr aus allen Reden und Borträgen des Abends heraudkiang: „Auf Wiedersehen!" Frankfurt a. M., 5. April. Der „Israeli Stellenvermirtlungs - und Versicherung Derer ein- (roiP nttttf) versendet seinen zwölftens R chenschaftsbericht, der die Zeit vom 1. Januar bis! 31. Dezember 1910 urr faßt. Das abgelaufene Jahr! stand im Zeichen ruhiger Weiterentwicklung. Die Stellen-! Vermittlung hat mit recht befriedigendem Erfolge gearbeitet! und die B.rncherungskaffe wurde, Dank der Besserung! dcr allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse, nur in! mäßigem Grade in Anspruch genommen. Die Beiträge! der außerordentlichen Mitglieder betrugen 1910: 1731,8o| Mark, die Kosten der Stellenvermitt ungs-Zentrale und! Nerwaltungskosten beliefen stch aber in diesem Jahre auf! 2395,30 Mark. | Der auffällige Rückgang in den Betrügen der außer-s ordentlichen Mt glteder ist zum Teil wenigstens darauf! zurückzuführen, vaß fich hier und da die irrige Meinung heran »gebildet har, der Verein sec durch die Gründlings d.s Verbandes der Sabbatfreunde" über-! flüsfig geworden. Demgegenüber ist sestzufiellen, daß der! „Verband der Sabbaifreunde" mit Rücksicht auf den! Verein von jeder Tätigkeit auf dem vom letztere bearbeiteten Gebiete der kaufmännischen Stellenver-s mirtlung absirht. Hoffentlich genügt diese Aufklärung,! um dem Verein -ie allen Freunde zu erhalten und zahl-s reiche neue zu gewinnen. Das Bcreinsvern ögen beläuft fich am Ende deös Berichtsjahres auf 32 .28,50 Mk. gegen 31868,40 Lik.! am Ende 1909. Die BerficherungSkaffe zahlte im Berichtsjahres 1080,50 Mk. an 11 Mitglieder. Die Summe der feits dem Bestehen des Vereins an Stellenlose ausgezahlten! Entschädigungen beträgt 16 654,53 Mk. Die Stellenvermittlung, der bekanntlich die gle ch-s art'gen Vereine in Berlin, BreSlau und Ha mburg angeschloffen nd, konnte als Jsr. Stellenvermittlungs-Zentrale in 1910 wieder ein sehr! befriedigend's Ergedn s erzielen. Es wurden 180 Stellen,! davon 156 Gehüf n- und 24 Lehrlingsstellen besitzt, ge gen s 143 und 25 im Voij hre. Zum Vergleich führt der Bericht die Resultate ders Stellenvermittlung der großen kaufmännischen Vereines an, deren Mitglieder stch aus allen Korfe'fionen rekru-s tieren, die beweisen daß auch bei diesen großen Vereinen! die gleichen Verhältnisse obwalten, wie in unserem relativ kleinen Kreise. Wirt man die Resultate der drei Kaufmännischen Vereine in Hamburg, Frank-! furt und Leipzig zu ammen, so ergibt sich, daß nur rund 3s % der Bewerber Stellung finden konnten, gegen 45°/0 bet unserem Deren. Es lügen also die Berhältniffe bei uns eher noch etaas c.ü stiger; jedenfalls dürsten die Ziffern als Beweis dafür dienen, baß für die jüdischen! Handtungsgch lfen dte Wahrung deS Sabbats! ihre Chancen det dem Suchen einer -Stelle nicht beeinträchtigt. Als Gesamtrrsultat dcr Steller Vermittlung ergibt fich, daß von 1895 bis 1910 d^rch dieselben zusammen 1246 Stellen besetzt wor-s den sind. Aus dem Vorstand schieden satzungsgemäß aus: dies Herren Rosenhetm, Sulzbach und Etting-s Hausen, von denen die beiden ersten in der Hauptversammlung vom 26. März wiedergewählt wurden. Herr! Etringbausea hatte den Wunsch ausvesproch n, von seiner Wiederwahl Abstand zu nehmen, sich indeffen bereit er-s klärt, cem Verein alS Mitglied deS Berwaltungsrates feine K aft Wetter zur Verfügung zu stellen.! Neu in den Vorstand gewählt wUide Herr Liaxs T annenbaum. In den Berwaltungsrat wurde neu gewähl Herr Emanuel Ettinghausen -Frankfurt a. M.- wiedergewählt die Herren: Dr. Eduard Biverfeid Berlin, Jak. B lum e n f e l d-Leipzig, Dr.E.Fränkel München, A. Kober- Breslau. Berlin, 26. März. Heule fand die stark besuchte ordentliche Generalversammlung deS „Israeli-> tischen Fo^tbtldungsverein^ Montefiore" statt. Aus| dem vom Vorsitzenden erstatteten V^rwaltungSbeitcht ging heivor, daß auch daS abgelaufene Berichtsjahr eine | Periode steigender Entwicklung für den Verein war. Die Anzahl der Mitglieder erfuhr eine namhafte Erhöhung, ebenso ko nten die Schiurim, für deren Leitung fich die Herren Dr. Biberselb, Dr. Bletchrode, Dr. Carlebach, Dr. Hildesheimer, Dr. Li ebermann, Dr. Munk, Max Neuberger und Dr. Neuwirth in liebenswürdiger Weise zur Verfügung! gestellt hatten, vermehrt werden. ES geschah dies zums Teil mit besonderer Berückfichttgung der vor fich gehen-1 den Verschiebung in den WohnungSverhältNiffen derl RetchShaupistadt. Dieser Umstand führte dazu, auch in den Stadtteilen Bellevue und S.O. Schiurim einzurichten, die sich denn auch» ebenso wie tm allgemeinen d:e im BereinSheime veranstalteten Kurse eine« regm Besuches erfreuen. Ergänzt wurde die Lehrtätigkeit deS Vereins! noch durch eine Anzahl Vorträge hiesiger und auswärt öeT J Redner über historische und aktuelle Themata a«S dem