Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-04-06 · Heft 14 (6.4.1911) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 14 (6.4.1911)
Date
1911-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448818--66443-2494605
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

s April 1911 Der JSraelit. es mit den Konsumgenossenschaften aufzunehmen, die tm Zeichen des Kampfes gegen den jüdischen Handel entstanden sind und die bis jetzt nur bewirkt haben, daß sie das Judentum vom Lande zum Stadtproletariat tiefsten Elendes herabdrückten. Mt der Stellenvermittlung für schabbosfeternde Handelsgehilfen geht Hand in Hand die Popularisierung des Schabbosgedankens. Was man vor Jahren nicht zu ahnen vermochte, die Hoffnung einer streng orthodoxen ungarischen Litteratur, sie wird realisiert. Wird nun noch der Plan des Neutraer Distriktkomitees verwirklicht, der die Erziehung der Jeschiwabachurim auf gesundere Grundlagen stellen und diese durch das Erlernen eines Handwerks — wie es die Jeschtwa des Gaon aus Jaffa, Kuk, bereits versuchte — auch fürs Leben vorbereiten will, dann bildet unsere Orthodoxie mit ihren kampfgewohnten Myriaden die Elitetruppe der Judenheit der Diaspora. Für jetzt steht der Zusammenschluß der Machsike Hadasvereine zu einem großen Landesverband bevor. Ueber dem autonom wirkenden Diftriktskomitee soll sich die Budapester Zentrale erheben. Für den 27. d. M. ist die erste große Landeskonferenz angekündigt. Bon dieser erwartet man die Parole für die Zukunft. gtttftlonfr» Aetersönrg, 2. April. Die von dem verstorbenen Baron David Günzburg begründete und geleitete Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Petersburg sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Der Fortbestand der Anstalt hängt von äußeren Faktoren ab. Sie hat bisher den Namen des Barons Günzburg geführt und muß jetzt nach dessen Tode den Namen eines anderen Leiters annehmen. Hierzu bedarf es einer speziellen behördlichen Genehmigung, die noch ausfteht. Ferner müßten die Dozenten und Hörer das Wohnrecht in Petersburg erlangen. Bisher waren die Hörer der Akademie als Handwerker oder als Diener im Hause akademisch gebildeter Juden angemeldet und konnten nur auf diese Weise ihren Studien in Petersburg obliegen. Nunmehr ist man jedoch entschlossen, die Akademie aufzulösen, wenn es nicht gelingen sollte, für ihre Hörer das legale Aufenthaltsrecht in Petersburg zu erwirken. —:—:—-===? Die Projenfnorm bei den Prinaffctiüiern- Hdeffa, 25. März. Die Verordnung des Ministerrats, wonach auch bei der Zulassung der sogenannten Externen (Privatschüler) zur Prüfung die Prozentnorm, wie sie in den Bestimmungen vom 22. August 1909 fixiert ist, zur Anwendung gelangen soll, hat unter der jüdischen Jugend in Odessa, die Tausente solcher bildungsbestissenen Privatschüler in ihrer Mitte hat, große Bestürzung hervorgerufen. Da es nichtjüdische Externe überhaupt nicht oder nur in verschwindend geringer Anzahl gibt, so bedeutet diese Verfügung einfach die Annullierung des Externenwesens überhaupt. Merkwürdig ist, daß diese Verfügung von Personen jüdischer Abstammung spricht, im Gegensatz zu den erwähnten Augustregeln, wo von «Juden" die Rede ist. Die neue „Rechtseinschränkung auf dem Verwaltungswege" soll also auch auf die Täuflinge ausgedehnt werden. Neben diesem Umstande kommt noch in Betracht, daß die betreffenden Regeln ausdrücklich von der „Aufnahme von Juden in die Mittelschulen" sprechen, ihrem Wortlaute nach also keineswegs auch für die Zulassung zu den privaten Prüfungen bei der Schulbehörde gedacht sein können. Man sieht also, daß man es hier keineswegs mit einer „authentischen Auslegung" eines bestehenden Gesetzes, sondern einfach mit einem neuen Gesetz zu tun hat, welches unter U mgehung der legislativen Instanzen vom grünen Tische des Mtnisterrates aus eine neue schwerwiegende Rechtseinschränkung der Juden festegen will. Wie verlautet, wird in einflußreichen jüdischen Kreisen beabsichtigt, in dieser Angelegenheit eine Interpellation in ter Reichsduma zu veranlassen. Vom Internationalen RassenhonoreB. London, 24. März. Es werden bereits umfassende Vorbereitungen zu dem am 26.-29. Juli 1911 in der hiesigen Universität stattfiudenden Internationalen Rassenkongreß getroffen, auf dem, laut Programm in erster Reihe darüber beraten werden soll, durch welche Mittel die Vorurteile beseitigt und zwischen den europäischen Völkern und den übrigen Völkern der Welt freundliche Beziehungen hergestellt werden könnten. Seinen internationalen Charakter erhält der Raffenkongreß dadurch, daß auch Indien, China, Japan, die Türkei, Persien und Aegypten auf ihm vertreten sein werden. Ueberdies werden am Kongreffe englische Schriftsteller wie Sydney Oliver, Charles Bruce, Hanry Johnston usw. teilnehmen. Ueber die jüdische Rasse wird das Referat natürlich (!) kein anderer als Israel Zangwill halten und von den 50 Referenten auf dem Kongresse sind 10 Juden. Erwähnenswert ist auch, daß selbst die Idee eines Rassenkongresses von einem Juden, Professor Dr. Felix Adler in Newyork, stammt. Nun erläßt das Kongreßkomitee einen Aufruf an die Juden Londons, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Tic Kongreßkeitung wendet sich an alle jüdischen Anhänger der Idee der Völkerfreundschaft mit der Bitte, Alle» anfzubieten, das; der Rassenkongreß stark besucht fei, damit er eine großartige Demonstration werde für den Frieden und die Freundschaft zwischen den europäischen Böllern und den Völkern asiatischer, afrikanischer und australischer Abstammung. Tie Kongreßleitung weiß es ganz gut, daß Europa nur ein Rassenproblem hat, d. i. die Juden frage und da es in Europa kein Land gibt, in dem keine Juden wohnen, und da die Juden in eitrigen europäischen Landern verfolgt und gehetzt werden, so liegt es nahe, daß der Rassenkongreß geeignet ist, in erster Reihe das Interesse der Juden wachzurufen. Ob es dem Rassenlongreß gelingen wird, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Völkerschaften zu verbessern oder Nicht, die jüdische Rasse wird in erster Linie einen moralischen Nutzen vom Kongresse haben. Deshalb steht zu hoffen, daß die Juden und besonders die jüdischen (Gemeinden in England, den Rassenkongrest mit allen Mitteln unterstützen werden." Wie man ferner hört, wurde der Chief Rabbi of England, Dr. Adler, zum Vizepräsidenten des Kongresses ausersehen. Dr. Adler soll in einer Zuschrift an die Kongreßleitung die Ehrenstelle bereits angenommen haben. * * * Der älteste Sohn des jüngst verstorbenen Lord Swaythling ist in die Lordrechte des Vaters getreten. Der junge Lord Swaythling hat sich auch bereit erklärt, alle die religiösen und hamanitären Institutionen, die sein Vater ins Leben gerufen oder durch Subventionen gefördert hat, gleichfalls zu protegieren. Demgemäß wurde der junge Lord dieser Tage zum Präsidenten des orthodoxen Synagogenverbandes gewählt. Der Lord hat die Wahl angenommen. Türkei. Die Dahlen?um DeSfdilis-Umumi. Korrstarrttrropet, 24. März. Nachdem sich am 25. Dezember v. I. die aschkenafische Kultusgemeinde neu konstituiert hatte, verlautete b ld, daß alle Einigungsversuche mit dem Großrabbinat gelungen seien, da der Großrabbiner den Wünschen der aschkenasischen Gemeinde entsprechen werde, alles sollte erfüllt werden! Was aber hinter den Kulissen der Öffentlichkeit sich zwischen diesen beiden Gegnern abgespielt hat, bekundet ein Aufruf des Komitees obiger Gemeinde an die Wahlberechtigten, die diese zur Stimmenthaltung auffordert. Die Generalversammlung der Kultus'gemeinde hatte am 25. Dezember beschlossen, daß zur Wahl für die Ro. 14 Gelte 7 Nattonal-Bersammlung ihrerseits ein eigenes Wahlkollegium zu bilden fei und eine eigene Kandidatenliste, aus welcher sechs Mitglieder für den Medschlts gewählt werden sollen Bier Tage später ging eine diesbezügliche Mitteilung schriftlich an den Chachambaschi, der erst am 14. Febr. (1*)# Monate später!) antwortete, daß die Wahlkommiffion sich im Prinzip für die Bildung eines speziellen Wahlkollegiums der aschkenasischen Gemeinde ausgesprochen habe, daß sich jedoch die Mitglieder des aschkenasischen Kollegiums zwecks Festsetzung der Kandidaten in gemischter Sitzung mit dem Wahlkollegium der sephardischen Gemeinde von Galata und Pera vereinigen müßten. Eine Woche später ging nun ein zweites Schreiben an den Großrabbiner, das die Gründe obigen Verlangens klar legte und um möglichst schnelle Erledigung der Angelegenheit mit Rücksicht auf die kurze Zeit bis zur Wahl ersuchte — bis heute (wieder l1/* Monate!) ist keine Antwort des Großrabbiners eingegangen, deshalb sah sich das Komitee der aschkenasischen Kultusgemeinde zu obiger Parole gezwungen, erklärte aber zugleich, daß diejenigen Afchkenasim, die von sephardischer Sette gewählt werden sollen, nicht als Vertreter der aschkenasischen Juden im Medschlis- Umumt zu batrachten seien. So nahte denn der heiße Tag! Das Resultat war nach solchem Vorgehen des Großrabbiners leicht vorauszusehen) es ist nur schwer zu begreifen, daß trotzdem unter den 60 Gewählten einige Gegner Rabbi Nahoums sich befinden; Haskeny und Galat haben diese berufen, werden sie dem Sinne der Wähler entsprechen? Unter den Mitgliedern sind auch sechs Afchkenasim — von Sephardim gewählt) ein Teil von diesen wird voraussichtlich bald demissionieren oder überhaupt das Amt ablehnen. Gegner des Großrabbiners sind sie aber ohnedies nicht. Die ganze Wahl ist also im Sinne des Oberhauptes der türkischen Juden verlaufen .... Du hast's erreicht, Oktavio! Amerika. JUSifdie Sarmer. - Aervyork, 8. März. Der Präsident des „Verbandes der rumänischen Juden" in Newyork Leo Wolfsohn und der Verbandssekrstär Salamon Diamant hatten vorige Woche eine Unterredung mit dem Expräsidenten Theodore Roofevelt, in welcher die Frage, der rumänischen Juden eingehend behandelt wurde. Die Vertreter des Verbandes teilten Roosewelt die letzten Berichte aus Rumänien mit, aus denen hervorgeht, daß die Lage der Juden in Rumänien immer trostloser wird. Sie baten schließlich Mr. Roofevelt seinen großen Einfluß zugunsten der bedrückten rumänischen Juden an den geeigneten Stellen geltend zu machen. Mr. Roofevelt antwortete, daß es gegen die angenommenen Gepfloflenheiten der internationalen Politik verstoßen würde, wenn er als Expräsident sich in diese von Rumänien als „intern" bezetchnete Angelegenheit des Landes hineinmischen wollte. Die Frage selbst interessiere ihn jedoch in außerordentlichem Maße, er bitte daher die Vertreter des Verbandes, ihn eine Abschrift des Memorandums zu übersenden, welches die Leitung des Verbandes gegenwärtig über die Lage der Juden in Rumänien ausarbeitet. * * * In Philadelphia wurde mit dem Namen „Jewish Agricultural and Colonial Association" eine jüdische Gesellschaft gegründet, die den Zweck verfolgt, ihre Mitglieder aus genossenschaftlicher Basis theoretisch und praktisch zu Farmern heranzubilden. Die Zahl der Mitglieder darf nach dem Statut nicht mehr als 300 betragen. Mitglied kann nur derjenige werden, der das 21. Jahr erreicht hat, zumindest zwei Jahre ununterbrochen in Amerika lebt und die ersten Bürgerpapiere bereits besitzt. Die Gesellschaft wird das für die Farmer nötige Farmland erwerben und zu je 80 Acker an die Mitglieder abtteten. Eine Vorbedingung für die ordentliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.