Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1911)
- Date
- 1911-03-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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©eite 12. Nv. 13. Der ASraelit. 30. -März 1911. daS nicht: erfolgen doch selbst Uebertritte aus anderen Bekenntnissen zum Judentum und ich kenne streng konservative Konvertiten. Aber sehr vereinzelte Fälle werden es immer bleiben, und auch hier kann nur das Gros als beweiskräftig gelten und ebenso können Ausnahmen die Regel nur bestätigen. Ich sage es wiederholt frei und offen, daß ich jede wahre Ueberzeugung achten kann, dann aber auch Respektierung meiner Ueberzeugung erwarten darf. Gegenseitige Achtung beruht eben nur auf Ueberzeugung. Nun wird aber niemand ernstlich behaupten wollen, daß jede Wandlung von Orthodoxie zum Radikalismus auf Ueberzeugung beruhtviel eher wäre dies von der gegenteiligen Wandlung anzunehmen, da sie nach landläufigem Begriffe Opfer fordert und an die Selbstüberwindung hohe Anforderungen stellt. Wenn trotzdem das Gros der Absolventen orthodoxer Anstalten in dieser Richtung verharrt und selbst in vereinzelten Fällen Männer, die „liberal" vorgebildet wurden, sich ihr zuwenden, so zeigt das klipp und klar die hohe, werbende Kraft des traditionellen Judentums. Im großen und ganzen aber steht fest, daß die religiöse Richtung der Bildungsanstalt maßgebend ist und bleibt für ihre Zöglinge. Die Nutzanwendung ergibt sich von selbst und bedarf keiner besonderen Formulierung. tlederprodnktion. In Nr. 12 der „Bl. f. Erz. u. U." findet sich eine Korrespondenz aus Alzey (Rheinheffen), deren ausgesprochener Zweck es ist, jüdische Schüler für das dortige staatliche Seminar und die damit in Verbindung stehende Praparandenfchule in Wöllstein zu gewinnen. Wir können es nun verstehen, wenn die jüdischen Seminare für sich Propaganda machen und geeignetes Schülermaterial zu gewinnen suchen. Wir haben aus Gründen des Anstands es stets unterlassen, selbst solchen Anstalten, die uns in religiöser Beziehung recht fern stehen, bei diesem Bestreben Prügel zwischen die Beine zu werfenwir haben es sogar ängstlich vermieden, an ihrer Tätigkeit Kritik zu üben, obwohl sich uns, dazu überreichlich Gelegenheit botwir wollten auch den Schein der Parteilichkeit vermeiden. Anders liegt die Sache hier. Wir wüßten absolut keinen Zweck, weshalb für Alzey Propaganda gemacht wird, noch dazu unter Anwendung recht bedenklicher Mittel und unter Verschweigung von Tatsachen, die eine Irreführung des Publikums bedeuten. Bor allem werden „reichlich bemessene Stipendien" in Aussicht gestellt. Aus diele Weise Schüler anzulocken, halten wir für verwerflich. Orthodoxe Anstalten haben sich u. W. noch nie eines solchen Lockmittels bedientsie haben es G. L. auch gar nicht nötig. Daß die freigebigen Herren auf den Lehrerkonserenzen für Herbeiführung eines künstlichen Lehrermangels plaidieren, macht die Sache nur noch schlimmer. Es wird in der betreffenden Korrespondenz ferner darauf hingewiesen, daß in Alzey auch Nichtheffen ausgenommen werden. Es wird aber verschwiegen, daß wiederholt hessische Landeskinder jüdischen Glaubens wegen Raummangels oder aus sonstigen Gründen zurückgewiesen wurden.*) Richtig ist, daß in den letzten Jahren sämtliche jüdische Abiturienten im Staatsdienst Verwendung fanden, verschwiegen wird aber, daß dies unter der liberalen. Aera des verstorbenen Geheimrats Dr. Eisenhut und in einer Zeit -es *) Tie Aufnahmebedingungen für Alzey sind sehr streng. Selbst Absolventen der Obersekundja einer Realschule haben nur dann Aussicht auf Bestehen der Eintrittsprüfung, wenn sie sich in Religion, deutsche Grammatik, bürgerliches Rechnen, Naturgeschichte und selbstverständlich in Klavier- und Violiuspiel besonders vorbeveiten! drückendsten Lehrmangels geschehen. Früher fanden trotz des simultanen Charakters der hessischen Volksschulen nur einige jüdische Lehrer Anstellung und zwar teilweise unter so schweren Kämpfen, daß man nach deren eigener Aussage Bücher darüber drucken konnte. Nachdem der Bedarf an Lehrern reichlich gedeckt — für katholische Lehrerinnen ist die Anstellung schon erschwert— sind die Aussichten für die jüdischen Lehrer recht ungünstig, soweit es sich um den Staatsdienst handelt. Den Alzeyer Seminaristen sei, so wird weiter hervorgehoben, zur praktischen Betätigung im Jugend- und Gemetndegottesdienst Gelegenheit geboten. Ob der Gottesdienst einer Reformgemeinde gerade das geeignete Uebungsfeld für junge Leute ist, die teilweise in kleinen Gemeinden Anstellung suchen und finden, wollen wir gar nicht untersuchen, sondern nur konstatieren, daß hier der Grund zu schweren Konflikten gelegt wird, für die es uns an Belegen nicht fehlt. Ebenso halten wir die Präparandenschule in Wöllstein für ganz ungeeignet, um jüdische Schüler dort auszubilden, da die Gemeinde nur klein und ohne Lehrer ist. Wie es dort mit dem Gottesdienst bestellt ist, davon schweigt des Sängers Höflichkeitebenso davon, wie verhältnismäßig minimal der Religionsunterricht der künftigen jüdischen Lehrer ist. Sollte man wegen der anderweitigen Verwendung der „reichlich bemessenen Stipendien" in Verlegenheit sein, so sind wir gern bereit, unsere guten Dienste hierzu anzubieten. Hessen teilt sich ja mit Bayern in den traurigen Ruhm, die geringstbesoldeten Religionslehrer zu haben. Möchte man nicht einen kleinen Teil der vorhandenen Mittel in diesen Kanal leiten? Nachschrift der Redaktion: Der „mysteriöse Herr Oppenheimer" teilt uns mit, er habe vergnügt gelacht, als er die betreffende Korrespondenz in den „Bl. f. Erz. u. u." gelesen. Dem Redakteur des Verbandsorgans scheine die Entrüstung ausgegangen zu sein. tt Referat über das Bundesfhema: Was kann der gtteirertteue südlrcde Cebrer für die scbttftntwacbeene Ingen« tun? >44 Gehalten aus der Konferenz des Zwei Vereins Rheinland d. B. g. j. L. D. zu Cöln. Bon Prediger I. Katzenft in aus Wetzlar. Sehr verehrte Gäste! Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, heute vor Ihnen über das Bundesthema: „Was kann der gesetzeStreue jüdische Lehrer für die schulentwachsene Jugend tun?" zu referieren. Aus der N^t der Zeit geboren, hängt die Beantwortung dieser Frage mit den allgemeinen Fürsorgebestrebungen für die Jugend eng zusammen, weshalb Sie mir zunächst einen kurzen Rückblick auf die letzteren gestatten werden. Die Frage nach Fürsorge und Jugendpflege ist line Folge der Umgestaltung unseres gesamten Wirtschaftslebens. Hasten und Drängen, I gen und Rennen nach materiellem Gewinn sind die typischen Merkmale unserer Zeit. „Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben" ist wehr denn sonst die Parole unserer Zeit. Der Verstand wird gebildet, das Herz bleibt öde und leer. Und so erklärt sich die Tat ache, daß trotz aller Fortschritte auf den Gebieten der Technik und Wissenschaft, trotz des RiesenaufschwungeS, in Handel und Industrie, die Menschheit nicht besser geworden, daß die Verrohung und Sittenlofigkeit unter der Jugend erschreckende Gestalt angencmmen. Die große Gefahr dieser r inseitigen Bildung haben ernste und beobachtende Männer bald erkannt und Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden find seit ca. 10 Jahren bemüht, dieser Gefahren nach drücklich zu bcgegnen. In richtiger Erkenntnis des Wortes „ein Bäumchen biegt sich, doch ein Baum nicht mehr," ging man daran, die Jugendlichen zu sammeln. In weiterer richtiger Erkenntnis, daß Leidesübung-n eine feg nsreiche Wirkung auf die leibliche und moralische Gesundheit deS Köpers ausübeu gründete man zunächst Sport- und Spielvereine. Diese sollten aber nicht allein daS große Anliegen der Jugendpflege b eiben. Man legte bald Wert auf die sittliche Entwicklung des Charakters, auf die Erweiterung des Grflchtskretses und Vertiefung der Weltanschauung und gründete Forrbildungsschulen, evangelische und katholische Jünglingsvereine, Heime Bon größeren Institutionen leisteten Hervorragendes aus! diesem Gebiete der „Rhetn-Matnische Verband für BolM btidung" und der „Ausschuß für Volksvorlesungen", und ich konnte mich als AuSschußmitglted für die 3. Rhein-j Mainische Volksakademie, die im verflossenen Herbste in Wetzlar tagte, fast 14Taze aus eigener Anschauung über-1 zeugen, welche Fülle von ersprießlicher: Erfolgen bereits! zu verzeichnen sind. Aehnliche Gründe, die für die allge-I meinen Jugendpflege-Bestrebungen bestimmend gewesen! sind, haben auch ronangebende jüdische Stellen ver-I anlaßt, rhr Augenmerk auf die schulentlassene Jugend,! denn nur diese kommt in Betracht, zu richten. Das! eingangs geschilderte „moderne Leben" hat auch das einst! vorbildliche jüdische Familienleben gelockert, daS Elternhaus! wird leider dem religiösen Teil der Erziehung nicht mehr! vollauf gerecht, und der jüdische ReligionSlehrer steht sich! ein s wertvollen Mitarbeiters beraubt. Gleichgültigkeit,! Unwissenheit, Mangel an Berantwortlichkeits- und Gemein-! schaftsgefühl bedrohen daS Erbe unserer Väter. Aus! diesem Gesichtspunkte heraus muß der Gedanke des Bundesvorstandes, über „den Einfluß des gesetzestreuen! jüdischen Lehrers auf die schulentlassene Jugend" referieren zu lassen, als ein segensreicher bezeichn« werden. Oder sollten wir Lehrer und Lehrerinnen nicht die berufensten sein, tatkräftige Hilfe auf diesem Gebiete zu leisten? Ich bin sogar der Ansicht, daß ohne unsere Mitwirkung all die Bestrebungen Utopien bleiben werden. Und ich habe zu dem ernsten Willen, dem pädagogischen Geschick und taktischen Feingefühl der j> bischen Lehrerschaft das Ver ttauen, baß eS uns auch gelingen wirb, manch' köstlichen Schatz unserer Religion, der zu versinken droht, wieder zu > heben und in den Dienst der Heranwachsenden Generation zu stellen, auf daß er sich weiter vererbe von Geschlecht zu Geschlecht. Die Wurzeln nun für eine gedeihliche geistige und soziale Arbeit an der schulentlassenen Jugend liegen in der — Schule. Die Schule darf nicht nur Unte.richtganstalt sein, fordern auch Erziehungsanstalt. Nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität des zu Bietenden kommt es an. Nicht nur Arbeit für den Kopf, sondern auch für das Herz und das Gemüt. Im Herzen entspringen die guten und bösen Triebe, die die Richtung unseres Willens bestimmen. Die Belehrung mutz unterstützt werden durch das einwandfreie von wahrem Idealismus und liebevoller Hingebung getragenen Beisp el des Lehrers und durch Uebung seitens der Schüler. Auch sittliche Fähigkeiten und Tugenden können, wie technische Fertigkeiten, nur durch Uebung erreicht werden: praktische Anleitung zur Gebetübung,- empfehlender Besuch des öffentlichen Gottesdienstes an Freitagabenden und Samstagnamittagen, wo angängig, Einrichtung von Jugendgotttsdiensten, Betätigung oer Sabbatruhe am Verbot des Schreibens, Dispens an Feiertagen, Anregung zum Bau einer eigenen Suckoh oder Einladung in die Lehrerlaubhütte usw. Der Lehrer muß sich das Vertrauen seiner Schüler erwerbendurch Feste anläßlich der Wiederkehr historischer Gedenktage, durch Spaziergänge den Kindern auch den Rel'gionsunt reicht lieb machen. Auch Beziehungen zu den Eltern sind anzukttüpfen, und zu genannten Fisten sind dieselben eiazulaoen. Ein solcher Unterricht, — wie ich ihn in großen Zügen nur andeuten konnte, — wird ein guter vorderer tender Boden auch für die Erzieh mg an der schulentlassenen Jugender wird die Schüler in freundschaftlichem Verhältnis zum Lehrer belassen und diesem die Möglichkeit eines weiteren erziehlichen Einflusses geben. Ein solcher Lehrer wird den Eltrn als der nächst ihnen berufene erziehliche Berater jederzeit willkommen sein, ja, noch mehr, sie werden ihn suchen, seinen Rat begehren und seine Tat erheischen. Sie werden chm gefügig sein, besonders dann, wenn er es verstanden hat, das Herz der Kinder zu erobern, und ihm auch das nötige Verständnis und eine tatkräftige Unt rstützung für seine nunmehrige Arbeit an der schulentlassenen Jugend cntgegenbringen. (Fortsetzung folgt.) eorrerpondenren n. Nachrichten. Kö u, 21. März. Wie bereits telegraphi ch berichtet, fand am 15. März die erste Entlassungsprüf u n g am hiefigen Jüdischen Lehrerseminar unter dem Vorsitz des ins Königl. Provinzial-Schulrates Herrn Dr. HoereS aus Koblenz statt, bei der sämtliche Examinanten bestanden, nachdem am 12. März die ReligtonSlehrrrprüfung in sämtlichen Fächern deS Religionsunterrichts und Kantorats abgehalten worden war. Da in der zweiten Seminarklaffe in Mathematik, Naturkunde und Erdkunde noch keine Abschlußprüfung gemacht war, mußte dieses Mal auch in diesen Fächern schriftlich und mündlich geprüft w rden Bet der vom 6. bis 8. März stattgeftmdenen schriftlichen Prüfung wurden folgende Themen bearbeitet: Religion: 1. Göttliche Allwissenheit. 2. 2 salm 19 ist zu übersetzen und unterrichtlich zu erklären — Aufsatz: Die Gräfin Terzky — Geschichte: Die Entstehung der Rheinprcvinz — Erdkunde: Der Schwarzwalb und seine Bewohner — Naturkunde: Insekt und Blüte — Mathematik: eine Rentenrechnung, eine quadratische Gleichung mit mehreren Unbekannten, eine stereometrische und eine trigonometrische Aufgabe, Franzgfisch: Zola, i» döbäcle, Uebersetztung aus dem Text ins Deutsche — Musik: Hrans zur vierstimmig zu harmonieren. — Jeder Examinand hatte eine Leyrprobe in Religion und in einen: Profanfach zu halten. Di An -m S staucht« jergkex lar de: llle, mren ai en m< müder Weisen, penn d ttbe zr ex, w« lenen. Frei is Mo iten £ irscher Mos rophez End« ehr fü rfüllui erwan r den! nz hi, lätze d cher A hlte, achdenl iachbar vigen 1 oten s nden ist vor rs im Und Drossel «ollten nen e nd Heu »rum 3 :s finfl ickte. 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