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Der Israelit · 1911-03-30 · Heft 13 (30.3.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 13 (30.3.1911)
Date
1911-03-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 13 Der ZLvttltt. Kaufmann A. M. Loeb ans Dieburg ließ in seinem Referate „W a s u n s n 0 tt t ir t" die verschiedenartigen 2trämnngen des jüdischen Lebens der Gegenwart, die ja auch in die stille der Dorfgemeinden hineindiingen, Revue passieren und schilderte in ernsten und sarkastischen Aorten, die mancherlei (Wofahren, die der altjüdischen Treue von innen und außen drohen, aber auch das probate Mittel, das auch heute nach geeignet sei, uns und unsere Binder gegen allen Ansturm zu seien und dein Judentum zu erhalten: die gewissenhafte und unverkürzte Erfüllung des (Gesetzes. lieber die Tätigkeit der „freien Vereinigung" im abgelausencn Jahre referierte Herr Jacob Rosenh e i m aus Frankfurt a. M., dabei auch die allgemeinen t^efichtspllnkte hervorhebend, die fiir die Arbeit der Bereinigung maßgebend feien. Während der Redner mit dem Hinweis schloß, daß alle Organisationsarbeit, aller innere Zusammenschluß, so unerläßlich er auch sei, doch seinen eigentlichen Wert erst in der Wiederbelebung des Thora-Studin m s in Deutschland finden könne, jenes Thora-Studiums, das allein in schlimmeren politischen Zeitkäufen, zur Zeit des Unterganges des jüdischen Staates und Tempelbaaes, das jiidische Volk lebendig erhalten habe, hob sich der Vorhang und es entrollte sich vor den Zuhörern in szenischer Darstellung ein geschichtliches Bild, das die legten Ausführungen des Referenten Packend illustrierte/ Bon vier jungen Mitarbeitern der „Freien Bereinigung" dargestellt, ging das Festspiel „Jab ne" von Max Neuberger in Lzene. In lebhaftem Dialog wird der (»egensaß der Anschauungen zwischen Rabbi Jochanan den Latten, der in der Thora die Ewigkeit des jüdischen Bottes geivährleistet sieht, und Flavins Josephus, der mit ^taat und Tempel auch der Thora und der jüdischen Bolts-Existenz das (»rab gegraben wähnt, vor Augen geführt. Brausender Beifall bekundete den mächtigen Eindruck, den der ganze Berlauf des akademischen Teils des Bezirkstages auf die Hörer, unter denen die Jugend stark vertreten war, ansgeübt hatte. ' Rach einer Pause^ ergriff Here Provinzialrabbiner Dr. Ca hu anS Fulda das Wort, um noch einmal in humorvoller Rede, die auch des Ernstes nicht entbehrte, die Konsequenzen aus den vorangegangenen Reden zn ziehen, und es trat alsdann die Fidelitas in ihre Rechte. Das vorbereitende Komitee, das von den Ortsgruppen der „Freien Bereinigung" und des „Berbandes der Tabbatfreunde" gebildet worden war, halte gleich den ausübenden Damen und Herren sein bestes getan, um das Publikum biS in die späte Nachtstunde durch trefflich gespielte Darstellungen ernsten und heiteren, jüdischen und allgemeinen Inhalts zu unterhalten. Am Büfett und an den Berkaufsständen des . „I ii d i s rh e n B o l k s j ch r j f t e n - B e r l a g s" G. in. b. H., eutivickelte sich ein lebhaftes Treiben, und die gespendeten (Genüsse materieller und geistiger Art sandelt ein überaus dankbares und aufnahmefähiges Publikum. Borangegangen war der Tagung eine Plenarsitzung der „Kommission für ländliche Wohlfa hrtspfleg e", in welcher zunächst Herr David Reis in Heilbronn ein gründliches Referat über die geplante Einschränkung des Detail- Reifens und ihre Wirkung auf die jüdische Landbevölkerung erstattete. Die daran sich anschließende lebhafte Diskussion führte zu Beschlüssen, die den Vorstand der „Freien Vereinigung hoffentlich zu geeigneten Maßnahmen in dieser für das Wohl und Wehe der am Sabbat geschloffenen Geschäfte außerordentlich bedeutungsvollen Angelegenheit veranlassen werden. Zu einer weiteren Aussprache führte der Vorschlag der Schaffung einer mit Vokalisation und Anmerkungen versehenen Ausgabe des Kizur- Schulchan-Aruch, die für die von der Kommission eigerichteten Schiurim auf dem Lande häusig verlangt werden. Es soll, zunächst durch eine Rundfrage bei erfahrenen Praktikern Klarheit über die zweckmäßigste Art der Herausgabe gewonnen werden. KrrfttanS. H'etersv«rg, 22. März. Die Wehrpflicht krer Juden in Rußland ist seit langem ein Gegenstand der Hetze bei den Antisemiten. Nun hat die Land es Verteidigern gsko mmission der Duma eine Resolution angenommen, in der sie in der Erwägung, daß „die Juden auf das Heer zersetzend wirken", die Juden als ein für das Heer besonders schädliches Element bezeichnet und den Wunsch ausspricht, daß ein Gesetzentwurf eingebracht werde, welcher die Frage der Wehrpflicht der Juden regelt. Worauf diese Machenschaften hinzielen, ist leicht ersichtlich. Man will die Rechtlosigkeit der Juden etwas fester fundieren und sie auf diese Weise für die Zukunft erhalten. kine ^sbbinerconferen? in Zacken 9er 5onntagsmbe. Warschau, 22. März. Am letzten Sonntag fand hier eine Rabbinerkonferenz in Sachen oer Sonntagsruhe statt, die, von den bedeutendsten Chassidtm- Rabbis einberufen und von 28 Rabbinern besucht, sich in gründlichster Weise mit dieser brennenden Frage beschäftige und einige Beschlüsse faßte, die von größter Wichtigkeit für die weitere Entwicklung der Angelegenheit sein werden. Es wurde vor allem eine Agitations- Commission gegründet, die das Interesse aller jüdischen Kreise im Rayon für diese Lebensfrage wecken soll. Die Konferenz findet es für gut, wenn neben dem einheitlichen Gesuche im Namen der gesamten jüdischen Bevölkerung auch noch Einzelgesuche der verschiedenen Gruppen und Stände an zustelliger Stelle eingebracht werden, die je von ihrem Standpunkte aus auf die ruinöse Wirkung des Gesetzts in seiner absoluten Form Hinweisen. So sollen die Rabbiner ausschließlich vom Standpunkte der Religion sich auf die Heiligkeit des Sabbat berufen und die Gefahren zeigen, die seine Verletzung für das jüdische Leven auch in politischer Beziehung mit sich bringen müßte. Die Kaufleute, ebenso die Hanüwerter müßten hingegen auf die empfindlichen Schäden für Handel und Gewerbe, die vom Gesetze drohen, Hinweisen. Etwa 80 Vertrauensmänner im russisch - polnischen An-- siedelungsgebtete sind bereits gewonnen, die dem Agitations-Komitee, welches, aus 13 Mitgliedern bestehend, mit dem Sitz in Warschau, in Permanenz arbeitet, zur Seite stehen werden. - Es wurde nun auch die Frage der Gesamtorganisation aufgeworfen. Einige sind der Meinung, daß die jüdische Lage in Rußland gebieterisch eine Körperschaft erheischt, die als Vertretung der gesamten jüdischen Bevölkerung gelten könnte. Dem tritt Rabbi Chaim Soloweizik mit aller Entschiedenheit entgegen. Die Parteien innerhalb der russischen Judenheit, so führt der Rabbi aus, seien so verschiedenartig in ihren Ansichten und Bestrebungen, daß man sich heute von einer Zusammenfassung der heterogenen Elemente kaum etwas Ersprießliches versprechen könne. Mit dem Mandate, im Namen des ganzen Volkes sprechen zu dürfen, müssen wir heute sehr vorsichtig sein. Andrerseits aber darf sich keiner der Pflicht entziehen, der jüdischen Gemeinschaft nach Kräften zu dienen. Diese Meinung war nun für die Vorlage so entscheidend, daß man sie von der Tagesordnung absetzte. Ebenso erging es der Chedarim- Fcage, über welche zu entscheiden sich diese Versammlung nicht für kompetent erklären konnte. GngMnr». kine tuöen-vebslle im Konöener öemeingemte London, 12. März.*) Seit den Vorfällen im Londoner Vorort Houndsdich ist die Judenfrage nicht von der Tagesordnung der Londoner öffentlichen Meinung gewichen. Nun hat sie auch in den Londoner Gemeinderat, der sich bisher von der Diskussion offiziell ferngehalten hat, Eingang gefunden. Den Anlaß hierzu gab folgender Vorfall: Vor einigen Wochen erschien in der konservativen Tageszeitung „Standard", dem Organ der hohen Aristokratie, eine Artikelserie gegen die Juden im allgemeinen und gegen die Ghettojuden im Besonderen. In einem dieser Artikel beschuldigte das Blatt die städtische Verwaltung, daß sie die billigen Wohnungen der städtischen Häuser nur an Juden vermiete, obgleich diese die Wohnungen nicht reinhalten die christlichen Mieter dagegen ausschlteße, weil diese keine Bestechungen geben, wie es die Juden tun. Die Stadtverwaltung forderte die Zeitung auf, *) Wegen Raummangels verspätet. __ _ 30. März 1911. die Beschuldigungen zu beweisen oder sie zu be* richtigen. Am 28. Februar erschien auch tatsächlich im „Standard" eine Entschuldigung wegen des falschen Berichtes und der Verfasser derselben bekannte reumütig, daß er die städtischen Beamten grundlos verdächtigt habe. In der letzten Sitzung des Gemeinderates wurde nun die Sache zur Sprache gebracht. Mr. Harris, ein jüdisches Mitglied des Gemeinderates, bemerkte in seiner Rede, daß die Beschuldigung des „Standard" eine sehr ernste gewesen sei, die nur den Zweck hatte, den Rassenhaß in England wachzurufen. Er beantragte, dem „Standard" die Mißbilligung auszudrücken. Reverend Headlam (ein Christ) unterstützt den Antrag und spricht der Stadtverwaltung dafür, daß sie jüdische Mieter vorzieht, das Lob aus. Die arme jüdische Bevölkerung sei reinlichkeitsliebender als die christliche arme Bevölkerung und auch nüchterner als diese. Kein Hausherr sehe trunksüchtige Parteien in seinem Hause. Die besten und ruhigsten Bewohner des East End seien die Juden. Miß Adler, die Tochter des Chief Rabbi, die gleichfalls gewähltes Mitglied des Gemeinderates ist, freute sich, die Gelegenheit ergreifen zu können, gegen die Hetzartikel des „Standard" öffentlich Protest zu erheben. Aus den Verleumdungen gegen die Stadtverwaltung sei ersichtlich, welchen Glauben man den übrigen Beschuldigungen, die sich in den Artikeln gegen die Juden richteten, schenken dürfe. Es sprachen noch viele zu dieser Frage, und alle Redner verurteilten einstimmig die antisemitischen Angriffe des „Standard". Schließlich wurde der Antrag Harris einstimmig angenommen. Türkei. PreßMmmen;ur (Monismus - Debatte in 9er Kammer. (Von unserem Korrespondenten.) Konstantinopet» 7. März.*) Die türkische Presse ohne Ausnahme wählte die letzte Kammerverhandlung, in welcher — wie an dieser Stelle bereits berichtet — der Zionismus angegriffen wurde, als Stoff für ihre Leitartikel. Merkwürdig ist es, daß die liberale Presse plötzlich antisemitische Tendenzen zur Schau trägt, die ihrem Charakter keineswegs entspricht. Hussein Dschahid spricht im „Tanin" über den Angriff der Opposition und stellt deren Vorgehen als ein Bemühen hin, Zwietracht unter den einzelnen Nationen zu säen. Zuerst wurde von den Feinden des Kabinetts heimlich die Verleumdung verbreitet, die Regierung verkaufe das Land den Juden. Er sagt etwa so: „Das Land soll den Juden verkauft werden! Wer in der Welt tut das? Kann man einer konstitutionellen Regierung einen solchen gemeinen Verrat zutrauen? Das Land ist doch keine bewegliche Habe, von dem sich ein Teil den Juden verkaufen ließe! Dieser Teil der Frage ist nur für die große Masse berechnetein anderer Teil geht aber die Politiker an, und dieser ist etwas weniger leicht verständlich. Eine Reihe reicher Juden wollen die über die Welt verstreuten Glaubensgenossen nach Palästina führen, um dort eine unabhängige Regierung zu errichten. Wenn einmal diese Grundlage zur Verleumdung gelegt worden ist, stellen sich die anderen Märchen und falschen Behauptungen, die diesem Zwecke dienen sollen, leicht ein. Bekanntlich sind die größten Finanzmänner der Welt Israeliten. Wenn dem so ist, hat sich nicht die Regierung in der Anleihefrage an ein Konsortium von Ftnanzleuten gewandt, und gehören nicht auch Israeliten zu diesem Konsortium? Sogleich heißt es aber dann: Haben wir es nicht gesagt: Die Negierung steht dem Zionismus freundlich gegenüber, da sie mit jüdischen Bankiers Geschäfte macht? So etwas läßt sich ja sehr leicht behaupten. Wenn dann ein Minister noch einen *) Wegen Raummangels verspätet. 30 5 jübifi das Jude amte Unte natm einen dürfe mit i Leuti häng wolle schwc eine Mar vertt hetzei 3w° bemi und habe beuti ologi diese nisn maw fahr ande in d> teuer rollen fahre mit ums Gros die * lei, Wur schw, tism sich auf, „Pr auf schen Dies« gung nur Oste Crin Barc über Jude Zeit, Tani genw und nism uns 1 des b a fast stelle m e n Pal in h „Ha venti Ause Ödes teress jungj Amt die t ließet hörte Jude alle

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