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Der Israelit · 1911-03-30 · Heft 13 (30.3.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 13 (30.3.1911)
Date
1911-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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80. März 19X1. LDfCi. Korrespondenzen und Machrichten. Derrlsiche» Metrtz. tteprZsenksntensibung. Aerti«, 12. März. E. Rs. In der letzten Repräsentantensitzung teilte der Vorsitzende mit, daß der stellvertretende Vorsitzende des Gemetndevorstandes Herr David Leopold Netter sein Amt als stellvertretender Vorsitzender niedergelegt hat. Im Amte als Vorsteher bleibt er. Herr Kommerzienrat Eisn er und Sanitätsrat Stern sind an seine Stelle gerückt. Der Bankier Gustav Güterbock hat zu Wohltätigkeitszwecken 1500 Mark hinterlasien, welche auf 5 Institute, Malbisch Aramim, Armenkommission, Hachnoffas Kalloh, Haspokat Ewjonim, Mischan-Abelim, verteilt werden. Die Herausgabe eines Schulberichts über die Knaben- und Mädchenschule sowie über die Religionsschulen wurde auf ein Jahr verschoben. Als Mitglieder in die gemischte Deputation zur Beratung der Aenderung der Bestimmungen für die Repräsentantenwahlen wurden gewählt von Seiten des Vorstandes Justizrat Tim endo rf e r und Geheimrat Pieck, von den Repräsentanten Dr. Minden, Dr. Weigert, Löwenthal und Dr. Cohn. In die gemischte Deputation zur Beratung über eine Ergänzung des Statuts der vereinigten Synagogenvorstände von Seiten des Vorstandes Justizrat Timendorfer und Geheimrat Pieck, von den Repräsentanten: Geheimrat Blumenthal, Prof. Blaschke, Siegfried Sacho und Löwenthal. — Als Mitglied in die Durchreisenden - Kommission Herr Emil Cohn. Eine Aenderung des Plätzetarifs für die Synagoge Rykestraße wird genehmigt. Die Satzungen für die Bibliothek- Kommisston sollen in Zukunft gedruckt werden. Zu den Kosten der Dresdner internationalen Hygiene-Ausstellung, Gruppe Hygiene des Juden, welche im Monat Mai stattsindet, werden 500 Der JSrarllt. _ Mark bewilligt, die Bibliothek-Kommission wird ermächtigt, aus ihren Beständen und aus der Wolf'schen Sammlung Objekte, die nach ihrer Auffassung für die Ausstellung geeignet sind, für diese zur Verfügung zu stellen. Der Religionsverein Westen (Synagoge Passauerstraße) sieht sich genötigt, die Synagoge umzubauen. Dazu gehört ein Kostenaufwand von 35000 M. Die Versammlung bewilligt hierzu 14000 M. Zuschuß, die nach Fertigstellung der Baues ausgezahlt werden sollen. Es folgen Bewilligungen für Mietung verschiedener Säle zur Abhaltung von Festgottesdiensten. Für die Neuregelung der Gehaltsverhältnisse der Lehrer und Lehrerinnen werden 59300 M. bewilligt. — Eine längere Debatte entsteht bei Punkt 28, Antrag von Mitgliedern der Versammlung auf Einführung eines Predigtgottesdienstes am 1. Freitag eines jeden Wintermonats um 8 V* Uhr in der Synagoge Lindenstraße, an welcher sich die Herren Dr. Cohn, Dr.Minden, Emil Pincus Professor Blaschke und Oskar Tietz, besonders beteiligen. Aus der Rede des Herrn Oskar Tietz heben wir hervor, daß er jedem seiner Angestellten gestattet, zur Totenfeier zu gehen, daß seine Rayon-Chefs in ihn dringen, einen größeren Teil Nichtjuden anzustellen, da durch das Fehlen Vieler der Geschäftsgang leiden müsse. Herr Tietz versichert, daß, so lange er lebt, er so etwas nicht dulden werde, er würde aber sehr erfreut sein, wenn ein einmaliger Freitag Abend-Monatsgottesdienst um 8% Uhr nach Geschäftsschluß zustande kommen würde..... Die Angelegenheit wird dem Ausschuß III zur Beratung überwiesen. Atertin, 26. März. Ueber Unruhen, die am 22. Januar in D e b d u (Marokko) stattgefunden haben, berichtet die israelitische Gemeinde von Udscha an das Zentral-Komitee der Alliance Jsraelite Universelle das Folgende: Seit langer Zeit befindet sich die Gegend von Debdu im Zustand vollkommener Anarchie. Unsere Glaubensgenossen haben unter den Nachwirkungen der zwischen den benachbarten Stammen stattfindenden Kämpfe zu leiden. Bor einiger Zeit wurde ein Europäer auf dem Wege nach Debdu, wo er einen Israeliten besuchen wollte, von einem der benachbarten Stämme ermordet. Der arabische Häuptling, der ihn begleitete, wurde gleichfalls getötet. Der Tod des eingeborenen sehr einflußreichen Häuptlings bedeutete die Einleitung von Feindseligkeiten gegen die Juden. Die Anhänger des Häuptlings eröffneten in Debdu selbst den Kampf. Bier Juten, darunter zwei Frauen, wurden in dem Gewühl getötet, zwanzig Häuser ausgeraubt und eingeäschert. Das jüdische Viertel ----V -—v.. ■'■"VV-:- . ' "g 1 _Rr. 13. Sette 5 blieb acht Tage lang geschlossen. Bei dem eingetretenen Wassermangel stillten die Bewohner ihren Durst mit frischgefallenem Schnee. Daß Frauen und Kinder Belästigungen seitens der Muselmanen zu erdulden hatten, ist selbstverständlich. Das Zentral-Komitee hat sich telegraphisch an die französische Gesandtschaft in Marokko gewendet mit der Bitte, sich für den Schutz unserer Glaubensgenossen zu verwenden. Ferner nahm das Zentral-Komitee Anlaß, mit dem seinerzeit in Paris weilenden marokkanischen Minister des Aeußern El Mokri von den Zwischenfällen in Debdu, zu sprechen. Der Minister gab die Zusicherung, daß er die Aufmerksamkeit der marokkanischen Negierung auf die bedauerlichen Vorfälle lenken und das Mögliche aufbieten würde, daß den Juden in Debdu Gerechtigkeit widerfahre. öberheffifdier öezirkslag 9er „dreien Vereinigung“. Alsfeld, 27. März. Es war ein glücklicher Gedanke der „Freien Vereinigung", zur Wacherhaltung des jüdischen Interesses unter der Landbevölkerung, abgesehen von den Vorträgen ihrer Wanderredner, auch Bezirkstage zu veranstalten, die Gelegenheit bieten sollen, eine größere Zahl benachbarter Landgemeinden zusammen,uführen und die Gemeinsamkeit jüdischen Empfindens in ihnen zu beleben. Der erste nach dieser Richtung unternommene ersuch, den der gestrige in unserem Städtchen stattgehabte oberhessijche Bezirkstag darstellt, darf jedenfalls als ein glänzender Erfolg bezeichnet werden. Aus der ganzen Umgegend waren sowohl Mitglieder der „Freien Vereinigung" als auch sonstige Freunde unserer Lache herbeigeeilt und Alsfeld selbst mit seinen 70 jüdischen Familien stellte ein stattliches Kontingent der Besucher. Lo war denn der große Saal des Hotels Deutscher Kaiser dicht gefüllt, als um 4 Uhr nachmittags der Vertreter deS Vorstandes der „Freien Vereinigung" den Bezirkstag mit warmen Worten der Begrüßung eröffnete. Namens des Vorstandes der Kultusgemeinde Alsfeld cutbot Herr Rothschild der Versammlung die herzlichsten Willkommgrüßc; cs gereiche der Gemeinde zu hoher Ehre und Befriedigung, daß in ihrer Mitte der Bezirkstag zum ersten Male zusammcntrete. Das Wort ergriff hierauf Herr Großherzoglicher Provinzialrabbiner Tr. Hirschfeld. Ter Redner verstand es, durch seine markigen und geistvollen Ausführungen, die mit der Erinnerung an die gemeinsame Darstellung des jüdischen Zentralheiligtums vor Jahrtausenden den Ausblick auf die bedeutungsvolle Aufgabe der „Freien Bereinigung" in der Gegenwart verband, von vornherein eine begeisterte Stimmung zu schaffen, die dann während des ganzen Abends auch ans der Höhe blieb. Tie Rede klang in ein jubelnd aufgenommenes Hoch auf den Großherzog von Hessen aus. fliegenden Handel nachlauft. In all' Eurem rechtschaffenen Tun sollt Ihr von mir geschützt sein und daran denken, daß ich einen Namen aus Eurem Alten Testament führe, daß ich Josef heiße. Ich begrüße hier Eure Gesetzrollen, ich ehre jedes Heiligtum, das in Wahrheit verehrt wird und keinen Menschen ans Haß verfolgt, weil er nicht gleicher Weise das Gleiche leistet. Künftighin soll der Religionshaß in meinem Staate nur durch die Verachtung bekannt sein, die ich dafür hege. Haltet fest an Euren Gesetzen und macht Euch immer mehr fähig, dessen teilhaftig zu werden, was ich für mein ganzes Volk — ohne Unterschied — im Herzen hege." (Fortsetzung folgt.) (Keuerbestattnng in der Bibel.- Man schreibt uns aus Köln: „In dem stenographischen Berich, über die Verhandlungen des preußischen Landtages vom 22. Marz bei dem Kapitel der F e n e rb e st a t t u n g ist eine Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten H o f f m a n n abgedruckt, welcher versucht, die Leichen-Verbrennung aus der Bibel nachzuweisen. Tie hierfür angeführten Belegstellen sind von dem Abgeordneten falsch interpretiert worden. Tie Stelle in Jeremias K a p. 34, Vors 5 bc handelt keineswegs die Feuerverbrennung der Leichen, sondern bezieht sich auf die m jener Zeit bei bedeutenden Männern üblichenT o t e n f e u e r, bei denen über oder neben der Leiche die sämtlichen Gewänder des Verstorbene u sowie auch sein Totenbett :c. verbrannt wurden, darnit niemand anders mehr diese benutze. Im Uebrigen ist dies ja grammatikalisch sehr leicht nachzuweisen. Das hebräische Wort für Verbrennen „fzaraph" ist transitiv und zieht also stets den Aecusativ nach sich. Beweise z. B. hierfür 1. Exodus Kap. 20, Vers 43, 2. Leviticus Kap. 20 Vers 14, 3. Numeri Kap. 31, Vers 10, 4. Teutoronoium Kap. 13, Vers 17. Bei den vom Abgeordneten .Hofsmann erwähnten Stellen dagegen ist das Wort Szaraph mit dem Dativ konstruiert und bedeutet der Dativ hierbei, wie überhaupt an vielen Stellen, im Hebräischen, daß etwas „im Interesse des betressenden Menschen geschah", „für ihn". Beweis z. B. Genesis Kap. 12 Vers 1. Im Uebrigen aber widerspricht die zweite vom Abgeord? neten Hoffmann angeführte Belegstelle l. Chronik« Kap. 10 Vers 14 seinen eigenen Ausführungen. Ta heißt es wörtlich: „Und sie begruben ihn (den König Assa) in seinen Gräbern, die er sich gegraben hatte in der Stadt Davids und betteten ihn in der Ruhestätte, die er mit Gewürz rc. gefüllt hatte and veranstalteten für ihn eine Leichenfeier, überaus groß." — Hier also ist ausdrücklich der Begräbnis-Akt vorher genannt und getrennt von dem später folgenden Berbrcnnungsakte der Utensilien des Toten. . Was nun die Bemerkung Hoffmanns betrifft, auch Saul sei verbrannt worden, so gehen die Ansichten darüber auseinarrder wie der Vers Samuel Buch I Kap. 3l, Vers 12 zu verstehen ist. Aber selbst nach der Ansicht derer, die tatsächlich eine Verbrennung Sauls annehmen, sind doch die Motive einleuchtend, aus denen heraus man Saul verbrannt hat. Er war im Kampfe gegen die Philister gefallen, cs war ihm von den Feinden der Kopf abgchauen worden und sein Leichnam nach Entfernung der Rüstung an die Mauer der Philisterstadt geheftet worden, sodaß die Leiche, deren Kopf fehlte, dem Spott anderer ausgesetzt war. Es ist daher das Bestreben der jüdischen Soldaten verständlich, daß sie die Leiche ihres Königs, die so per Verachtung preisgegeben tvgr, nach Möglichkeit derselben entziehen wollten und darum entgegen jeder andern Gewohnheit und Pflicht — dieselbe ausnahmsweise verbrannten. Leo Munk." (Siehe auch Wochenrundschau. D. Red.) (Die älteste Synagoge in Indien.- Tie älte ft e Synagoge in Indien befindet sich in Kalkutta. Sie ist über 150 Jahre alt. Tie Judengemeiude von Kalkutta beschloß nun eine neue Synagoge in attermodernstem Stile aufzuführen. Tic Kosten des grandiosen Baues wurden von den zwei reichsten jüdischen Familien in Kulkutta S a s s o o n und Ezekhiel gespendet. (Ter Mönia von England und die jüdische Bibel.- Agläßlich des 300-jährigen Jubiläums der englischen Bibelgesellschaft überreichte eine Deputation unter Führung des Erzbischofs von Canterbury Küttig Georg von England ein Exemplar des Alten Testamentes in Prachtausgabe. Auf die Ansprache des Erzbischofs erwiderte der König: „Es freut mich sehr, daß die englisch sprechende Welt die Bibel so hoch hält, die im Jahre!0l l unter der Aufsicht meiner Urahnen ins Englische übersetzt wurde. Tie Bibel kam jh ihnen, wie das große Licht in der Finsternis, sie gab dem englische» Volke die Kraft, die Wahrheit selbst zu finden. Es ist meine sichere Hoffnung, schloß der König, daß meine Untertanen niemals aufhören werden, das erhabene Erbgut, die Bibel hvchzuhalten. Sie ist der wichtigste nationale Schatz und das teuerste Otesckenk, das in dieser Welt gegeben werden kann."

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