Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1911)
- Date
- 1911-03-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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M März 1911 Der JSrseNt. No. 18 Bette 7 nferes ereffe. Fülle, c orer der )rgan srden. Lande komt Ordenen -toren Hin- Man alten l und , die ifchen testen rennage. I der nmen der wxen t, an ihre jierim : im •r 40 selbst einen Mg mrde «schi- ' dab «sich -wach und e jüdem mus, eines schen x die rblick deregenlmer- Vege atten > sich der hnen 'aum lung wie ende gbe- :amverhren chick- }inv icken die verliber das m, der wen nan sene und Sak- :age chstgechs- > ab lorauch außer den ^nunziationen der Minister nicht viel Positives von der Sitzung zu verkünden ist, kann doch die Tätigkeit der Zentrale als segensreich bezeichnet werden. Sie Hut als „Hüterin des Gesetzes" ihrer Aufgabe vollauf entsprochen. Daß sie ihre beste Kraft im Abwehrkampf verbrauchte, daran ist nicht sie, sondern sind die Umstände schuld. Sie bewacht mit heiligem Ernst, der kein Paktieren und Feilschen kennt, die Fundamente unseres religiösen Zusammenlebenskein Unberufener kann es mehr wagen, ungestraft das Heiligtum zu entweihen. Was sie von den Vätern ererbt haben, es ist nun erworben, um es zu besitzen. Aufgabe der „Machstke Ha das" ist es nunmehr, den Bau zu befestigen, ihm die festen Stützen zu sichern. Ueber ihre Arbeit will ich nächstens berichtenfür jetzt nur soviel: daß die Männer, die diese „Freie Vereinigung der ungarischen Orthodoxie" gegründet haben, auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen und ihr Werk zielsicher zur Ausführung bringen. gtttftlattb. Aus der Duma. Petersburg, 16. März. Am 15. März trat die Kommission für persönliche Freiheit zunl erstenmal zur Behandlung des Rayonentwurfes zusammen. An der Sitzung nahmen 15 Mitglieder, unter ihnen auch die beiden jüdischen Deputierten, teil. Als Referent in dieser Angelegenheit wurde der Oktobrist Andronow gewählt. Zu einer endgültigen Stellungnahme kam es in dieser Sitzung nicht. Dagegen beschloß man, die von der Duma für die Behandlung dieser Angelegenheit bestimmte Frist von einem Monat mit Rücksicht auf den Umfang und die Schwierigkeit des zu bewältigenden Materials um einige Wochen zu verlängern. Inzwischen rüstet man sich in der Duma zu einer neuen Judendebatte. Dieser Tage ging nämlich den Dumamitgliedern der Kommissionsbericht über die Reform der Verwaltung der Städte zu. Laut den Beschlüssen der Kommission sollen die Juden für die städtischen Wahlen in eine eigene Kurie gebracht werden, in welcher ihnen das Recht etngeräumt wird, 5 bis 10 Prozent der gesamten Gemeinderatsmitglieder zu wählen, ohne Rücksicht darauf, daß die Juden in vielen Städten die Majorität, in manchen sogar 70 Prozent der Bevölkerung, ausmachen. Die Begünstigung gegenüber dem jetzt geltenden Gesetze vom Jahre 1892 besteht also bloß darin, daß die Juden nunmehr ihre Vertreter nicht nominieren, sondern wählen können. Zum Stadtpräsidenten darf ein Jude auch nach dem neuen Gesetze nicht gewählt werden. Die Begründung dafür ist echt russisch: „Der Vorsitzende muß ein Mensch sein, der gegenüber der Regierung für die ehrliche Führung der städtischen Geschäfte die Verantwortlichkeit zu tragen fähig ist." Hingegen hat die Gesetzesvorlage nichts dagegen, daß ein Jude in der engeren Stadtvertretüng Platz nehme, da die Juden, die in vielen Städten die Mehrheit bilden, doch das Recht haben, zu verlangen, daß ihre Meinung in der Führung der Geschäfte zur Geltung gelange (816!). Nun hat die Kommission mit Stimmenmehrheit sich gegen den Vorschlag der Regierung ausgesprochen, wonach als Jude derjenige zu betrachten sei, der als Jude geboren wurde, weshalb die getauften Juden auch der jüdischen Kurie zuzuzählen wären. Die Majorität der KommissionSmitglieder war der Meinung, daß die Assimilation der Juden mit den Russen nicht gehindert werden dürfe. Dieser Punkt der Vorlage dürfte in den Dumaberatungen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Klerikalen und Nationalisten führen. Zum Referenten wurde der Kischenewer Deputierte, der Nationalist Sinodino, bestimmt. Odessa, 15. März. Trotz der Proteste und Rekurse der Odefsaer Judenschaft hat es General Tolmatschew durchgesetzt, daß die große Odessaer Chewra-Kadischa unter die Leitung der Stadtverwaltung gelangt ist. Dai alte Ehewra-Statut wurde außer Kraft gesetzt und ein neues dekretiert. Die Beamten werden nunmehr fast ausschließlich städtische Beamte sein und am I.März alten Stils ist auch bereits das neue Taxregulativ für Beerdigung usw. in Kraft getreten. England. Die erste orthodoxe Rabbiner-Konferens in örobbritannien. (Bon unserem Korrespondenten). N. Leeds, 15. März. Vom 7. bis 10. Adar tagte in Leeds die erste Konferenz orthodoxer Rabbiner Großbritanniens. Schon die Tatsache, daß es in England Rabbiner gibt, die sich stark genug und berechtigt glauben, die Leitung des religiösen Lebens der englischen Judenheit selber in die Hand zu nehmen, ist ein vielsagender Markstein in der Geschichte der englischen Juden. Ist ja schon die neuzeitliche Entwicklung des englischen Judentums an und für sich eine der merkwürdigsten Erscheinungen unseres modernen Goluslebens. Vor 25 Jahren hat die jüdische Bevölkerung Englands kaum mehr als 30,000 Seelen gezähltdie Judenver folgungen in Rußland haben sie seither zu einer Biertelmillion anwachsen lassen. Die Fluten des Haffes in Rußland und Rumänien und der öko nomischen Not in Galizien haben auf diese Weise schon manchen dürren Boden unserer Diaspora in einen fruchtbaren Acker verwandelt. So geschah es auch in England. Die Einaewanderten brachten neues Leben in den welkenden Gemeindekörper. Talmud Thoras, in denen Tausende jüdischer Kinder täglichen Religionsunterricht erhalten, entstehen fast jedes Jahr- Vereine, Verbände zur Festigung des jüdischen Gefühles, zur Verbreitung der Thora reihen sich aneinander. Aber inmitten all dieses bewegten und vielverheißenden Lebens ist die Gesamtverfaffung des englischen Judentums dieselbe geblieben, obgleich die geänderten Verhältnisse ihr lange entwachsen und die Aufrechterhaltung der alten, für diese Berhältniffe gar nicht geplanten Ordnung der ferneren Entwicklung des Gemeindelebens in den Provinzftädten offenkundig im Wege steht. Denn noch immer beansprucht das Londoner Rabbinat, als das einzige des Landes angesehen zu werden wie vor 50 Jahren, als London noch die einzige Gemeinde des Landes und die jüdische Gesamtbevölkerung kaum der zehnte Teil der heutigen war. Die Rabbinerkonferenz soll nun eine neue Epoche der Entwicklung eröffnen. Mit diesem Vorgefühl wurde auch die aus allen Teilen des Reiches besuchte Konferenz eröffnet. Etwa 20 Rabbiner und 50 Laien nahmen als Delegierte an den Beratungen teil, die drei Tage hindurch vom Morgen bis in die späten Mltternachtsstunden andauerten. Eine große Menge von Begrüßungsschreiben und Telegrammen ist aus allen Teilen Großbritanniens und auch vom Auslande eingelaufen. Nach Erledigung der Formalitäten und der Wahl des Präsidiums wurde eine Huldigungsdepesche an den König von England abgesendet, die umgehend mit königlichem Danke huldvoll bestätigt wurde. Der erste Vorsitzende, Herr Rabbiner D a i ch e s, Leeds, hielt die Eröffnungsrede. Er wies auf die historische Bedeutung dieses Kongreffes im Leben der englischen Juden hin, über den wir mit Recht D'THV ro"a sprechen können. Er warf einen kurzen Ueberblick über die zur Verhandlung stehenden Fragen und hob besonders die Notwendigkeit der Organisation der Rabbiner und der Gesetzestreuen des Landes hervor. Ter Rest des ersten Berhandlungstages war der Erziehungssrage gewidmet. Rabbiner Hnrwitz ans Sunderland entwirft in einem trefflichen Referat einen wohldurchdachten Lehrplan für Talmnd-Toras, der, reich an vorzüglichen pädagogischen Ideen, den praktisch tätigen Schulmann verriet. Er wies nach, wie refultatlos das K a t e ch I) i c r e » der Religionsl?hre für den jüdischen T o raunte r r i ch t sei,' dessen einzige Aufgabe darin bestehe, Unsere fugend mit den Urschrift e n der Religion selbe v in Berührung zu bringen. In der Tistufsion. an der sich besonders die Herren Tr. Fuchs, Schulleiter ans Liverpool, Tay an Hhamson (Vertreter des durch Trauerfall am Kommen verhinderten Cliiesrgbbj Tr. Adler» und Rabbiner Sckönseld, London beteiligten, wurde unter anderem die Frage des .Iwrith Beiwritb", die Methode, das Hebräische als lebende Sprache tir den Religionsunterricht einzilführen, behandelt. Man war sich darin einig, das; die Methode noch viel zu wenig erprobt sei, um ein endgülitges llrteil über ihre Vor- . und Rachteile bilden zu können, das; hingegen das Lehrmaterial gerade dieser Richtung in religiöser Hinsicht viel zu wünschen übrig lasse, ans welchem Grunde die neue Methode noch nicht empfohlen werden kann. Tie Gründung allgemeiner jüdischer Bolks- und Mittelschulen wurde als dringendes Bedürfnis erkannt, die Unterstützung der Ieschiwah in London, die ans dem Gebiete des Thorastudiums Großes zu leisten verspricht, wurde als Pflicht der Organisation anerkannt." Der nächste Punkt der Tagesordnung war: „Die Reinheit des Famllienlebens". Referent: Rabb. Bloch, Btrmigham. Das Referat kulminierte in folgenden Resolutionen, die auch von der Konferenz angenommen wurden: „1. Tie zu gründende Landesorganisation der Gcsetzestreuen soll für die Errichtung von jllKipö sorgen, wo solche nicht vorhanden, die bestehenden sollen von beit Mitgliedern des Rabbinerverbandes periodisch aus ihr riT"UP3 hin untersucht werden. (Eine für die englischen Verhältnisse charakteristische Tatsache wurde während der Tisknssion vielfach mitg.'- teilt, daß nämlich in mehreren Städten di? Ortsbehörde mit Rücksicht auf die jüdischen Steuerzahler neben den städtischen Bädern unentgeltlich rituelle Bäder errichtet hat.) 2. Eine populäre Schrift über PH3 soll in englischer und jüdischer Sprache herausgcgeben worden. 3. Tie Konferenz bebauenzu sehen, daß die Zierde jüdischer Frauen, die Bedeckung ihres Haares, in England fast in Vergessenheit gerät und legt energischen Protest ein gegen Rabbiner, Prediger, Schochetim und Religionslehrer, deren Frauen in der Vernachlässigung dieser Pflicht beispielgebend vorangehen. 4. Eine Landeszentrale zur Registrierung der die die Reinheit der jüdischen Familien bedrohen, soll gegründet werden. (Ein trauriges Bedürfnis, das die Massenwandernngen gezeitigt haben.)" Herr Rabbiner Hilm an (Glasgow) behandelte in einem glänzenden Referate die Gittinfrage, die seit Monaten die Gemüter in Aufregung hält: Ten Kernpunkt der Frage bildet das Gutachten des Chiefrabbi Tr. Adler, das er vor einer ad hoc zusammengesetzten parlamentarischen Kommission abgab. Tas staatlich? Ehescheidungsgesetz Englands ist nämlich veraltet, engherzig und beruht auf dem Prinzip der llnauftösbartcit der Ehe. Selbst wenn es von beiden Hälften gewünscht, kann die Ehe nach englischem Gesetz nur im Falle des Ehebruchs der einen Ehehälfte aufgelöst werden. Wenn Mann und Frau ihre Moralität nicht opfern wollen, so müssen sie für ewig aneinander gekettet bleiben, wenn ihnen guck das Zusammensein zur Hölle geworden. Tas Gesetz soll nun, vor den Forderungen der Logik und der wahren Moral weichend, abgeändert werden. Bor der speziellen Kommission, die die Vertreter aller stünde und Religionen vor sich geladen hatte, sprach sich der Chicsrabbi, der die jüdische Anschauung klarzulegen gerufen worden war, für die alte englische, also katholische Ehescheidnngspraxis aus und empfahl das gegenwärtige — von allen als drückend empfundene Gesetz — ferner in voller Kraft gelten zu lassen. Man will katholischer fein als das englische Ltaatsgefetz. Tenn im englischen Gesetzbuch verbietet es kein Paragraph, daß Gittin nach jüdischer Auffassung und nach jüdischem Gesetz gegeben werden sollten, nur als zivilrechtlich die Ehe auflösend mit; der Staat diese rein konfessionellen Scheidungen nick« anerkennen. Nun tritt der Chiefrabbi vor die Kommission hin und verlangt ein Strafgesetz gegen jene Rabbiner, die Gittin nach jüdischem Gesetz arran gieren, ehe die Scheidung beim Iivitgericht durchgefi'rhrt ist. Tie e i n g c wa n d e r t e n, ausländischen Rabbiner wurden angeklagt, daß sie sich um die Folgen ihrer Handlnngen nicht tümmernd, durch die Gittinpraxis zahllose Familien ins Unglück türzen. In vornehmer, aber eindringlicher Kritik widerlegte Rabbiner Hilman das Adlersche Nutachten. Mit glänzender Dialektik und von johen ethischen Prinzipien ausgehend, verfocht er ne Superiorität des jüdischen Eheaesetzes und egte unter stürmischer Begeisterung der Kongreßteilnehmer energischen Protest gegen das Gutachten des Chieftabbis ein. Mißbräuchen gegenüber, die Vorkommen mögen und die gerade