Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1911)
- Date
- 1911-03-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Ctttt e. Nr. IS es zur Tat rverde, erst noch der Erwägung und Prüfung der dazu berufenen Instanzen, vor altem der führenden russischen Rabbiner unterbreitet werden würde. Der Vorsitzende. Herr Dr. James Simon gab darauf die Erklärung ah, daß, wie bisher nach einstimmigem Urteil der „Hilssverein" in allen Unternehmungen jede gebotene Rücksichtnahme und Vorsicht habe walten und durch sie seine Entschließungen bestimmen lassen, dies sicherlich auch in diesem Falle, dessen Bedeutung niemand Unterschüße, geschehen werde. So geeignet nun diese autoritative Erklärung ist, die Besorgnis zu zerstreuen, als könnte die Allgemeinheit eines Tages vor eine v o l l e n d c t e T a t s a ch e, zu der sie Stellung zu nehnreu vorher nicht die Gelegenheit fand, sich versetzt sehen, so legt sie den Organen der Oeffentlichkeit utn so mehr die Pflicht auf, rechtzeitig und schon im Beginn ihre Wünsche und ihre Gedanken zur Sache unzweideutig zum Ausdruck zu bringen. Unsererseits soll diesem Pflichtgebot in einem besonderen Artikel genügt werden. (Soweit wir unterrichtet sind, ist das Rabbinerseminar in Jerusalem bereits eröffnet. Red.) Aresta«, 10.März. In der letzten Repräsentanten-Versammlung am 8. ds. rief der Antrag des Vorstandes, eine Erweiterung des Gräberfeldes auf dem Friedhof an der Lohestraße durch Verlegung der Leichenhalle vorzunehmen, eine 2 Stunden lange, an Aufregungen und interessanten Einzelnheiten reiche Debatte hervor, die doch am Ende zur Ablehnung des Antrages führte. Sie war für die Eingeweihten vorauszusehen, denn auch im Vorstände hatte sie eine geteilte Aufnahme gefundeu und war zuletzt nur mit 4 gegen 4 Stimmen dadurch zur Annahme gelangt, daß die (Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab. In der Debatte bestritt der Ref. Schlesinger das Bedürfnis, es sei kein „frivoler Handel" mit Grabstellen, wenn der Erlös wohltätigen Zwecken, wie dem Krankenhause zufließe, zudem handele es sich nur um Beschaffung von 54 Grabftellen, die Halle reiche auch für starken Besuch ausdas Bedürfnis werde übrigens mit den wenigen Stellen, die man schaffen wolle, nicht befriedigt, nur Unzufriedenheit werde dadurch erzeugt, namentlich bei den Minderbemittelten, dagegen müsse jeder liberale Mann eintreten. Die folgenden Redner der Opposition schlugen noch schärfere Töne an: Pros. Wohlauer erklärte, daß man den Vorstand gegen die Erbitterung der Gemeinde schützen müffe, wenn die wenigen Stellen von ein paar Nutzend reichen Familien in einer Stunde vergriffen fein würden, und Justizrat Mann aus Israel", durchaus nicht etwa die Absicht bat „seineu Maubcusgeuvsseu zu dienen", sondern darauf aus ist, der „entschieden christlichen" Bewegung Prosetyten zuzuführen. Tie „harmlose", unwahrhaftige Ausmachung der Einladung schmeckt stark nach einer Vorspiegelung falscher Tatsachen. Eine „entschieden christliche" Methode? .... Auel die „Staatsbürger-Zeitung" hat sich in diesen Tagen einmal „judensreundlich" gezeigt. Anknüpfcnd an den von Tr. Arthur Kahn ergangenen „Generalbohkott" im „Israelit", - auch von anderen jüdischen Zeitungen des In- und Auslandes tznatürlich ohne Quellenangabe. Red.) übernommen — schreibt die „Staatsbürger-Zeitung: „Meidet die Renegaten! Diesen Ruf, den sich Deutsche nnd- Ht'bräer gleichmäßig zu Herzen nehmen sollten, stößt Tr. Arthnr Kahn ans." Dann bringt die Staatsbürgerin eine Reihe von besonders markanten Lätzen aus dem Kahnscheii Generalbohkott und schließt mit den Worten: „Wir haben dein nichts hinznznfügen." «. llebrigens hat auch ein Teil der Provinzblätter, agrarische, antisemitische, nationalliberale usw. sich mit Tr. Kahns Aufforderung an die anständig Denkenden, von den Tausjuden äbzurücken, mehr oder miiider eingehend beschäftigt, mit Ausnahme der Pastoralen Zeitungen, was auch leicht verständlich ist. Wenigstens ist die „Staatsbürger-Zeitung" so aufrichtig, zuzugeben, baß ihr die unterschiedslosen Judentaufen und das Tausjudentum ebenso unsympathisch find, wie anständigen Juden und C-Hristen überhaupt. Uebrigens dauert der „Froschmänsekrieg" in den Berliner Blättern über Inden und Judentaufen immernoch an. Wenn aber nns, ans dem Boden des altüberlieferten ManbenS stehende Inden irgend etwas an diesem Federkrieg noch interessieren und freuen kann. _D« LSvrckit. _ Hirschberg meinte, daß man vor den Wahlen nicht den Zankapfel in die Gemeinde werfen solle. Vergebens mühten sich die beiden Vorsitzenden des Vorstandes, Geh. Rat Wollstein und Ed. Sachs, ab, in längeren Ausführungen den Nachweis zu erbringen, daß die Halle morsch sei und fallen müffe, daß die 39,000 Mk. durch die Grabstellen, wie in Berlin, gedeckt würden und Neberschüsse lieferten. Herr Stadtrat Marck hielt eine Renovation der Halle für einige tausend Mk. für möglich, für wahrscheinlich, daß immer neue Wünsche nach Grabftellen kommen würden, die nicht zu befriedigen und bei den hohen Preisen (1500 Mk.) von einem großen Teile der Gemeinde nicht zu erfüllen seien, dadurch schalte man aber von amtswegen den ganzen Mittelstand aus, er sei aus wirtschaftlichen und ethischen Gründen dagegen. Nach einer Schlußdebatte erfolgte die Abstimmung, welche die Ablehnung mit 8 gegen 5 Stimmen ergab. Mit gleicher Mehrheit gelangte darauf der folgende Antrag Ka lisch zur Annahme: „Dem Vorstande soll die Ausarbeitung eines neuen Projektes anheimgegeben werden, durch welches alle durch Umbauten, Belegung freier Plätze re. zu schaffenden Begräbnisstätten zu angemessenem Preise fretgegeben werden sollen." Ungarn. Unsarifdier Brief. (Bon unserem Korrespondenten.) Z. B. A. gsubapeft, 12. März. Gegen uns haben die Herren mit den zwei linken Händen das Spiel für immer verloren. Wenn sie noch bis vor Wochen daran zweifelten, die Antworten der verantwortlichen Minister unseres Reiches, die der Landesrepräsentanz bei ihrer Aufwartung gegeben wurden, müssen sie aus ihrem Traumzustand gerüttelt haben. Da half kein Anbtedern, Anschwärzen, Dreschen und Erpressen, minister lovntns esr, causa finita. Die Worte des Grafen Zichy haben in den weitesten Kreisen der ungarischen Orthodoxie lebhafte Erregung erweckt und unsere Leitung findet in ihnen nicht nur reichlichen Lohn für ehrliche Arbeit, sondern auch Aufmunterung zu unentwegtem Weiterwtrken. Der Graf sagte: „Er wisse, daß das moralische Kapital, welches die an den alten Satzungen der Religion festhaltenden orthodoxen Juden repräsentieren, unschätzbar sei, und er werde nach wie vor bestrebt sein, die berechtigten Interessen der Orthodoxie zu fördern." so ist es die von asten, auch den extremst gegenüberstehenden Parteien übereinstimmend angenoinmene Ansicht, daß nur daö g 1 a u b e n streue Judentum berechtigt sei, gegen Auslosung, Assimilation und Taufe ablehnend und kämpfend zu verharren. Am Schlüsse seines Artikels „Das auserwählte Volk" in der „Deutschen Montagszeitung" vom K!. März, schließt Dir. S. v. Werth mit folgenden Worten: „Wir müssen daher bei den heutigen Hebräern der Diaspora scharf unterscheiden zwischen den achtungswerten, religiösen Bewahrern uralter Vätertradition und den verächtlichen, irreligiösen Bewncherern, welche aus der atlantischen Weisheit (die heute, nach dreitausenjähriger Irrfahrt durch semitische Wüsten wieder zur Urheimat zurückkehrt) mammonistisches Kapital schlagen wollen. Tie unter Berufung aus ihre entfernte Abstammung von dem „auserivählteu Volke Juda" des deutschen Volkes Gottesbewußtsein zertrümmern wollen". Was sagen unsere Reform- und Assimilationsjuden zu diesem Rüffel? Sie schweigen, wie bisher. Die Antworten Maybaums, Rathenaus usw. haben nur einen Teil, eigentlich nur die Schale, nicht den Kern der „Judenfrage" berührt. Eine volle, die ganze Sache umfassende Antwort haben sie nicht gegeben. Es gibt ja auch nur eine Antwort daraus und nur e i n die ganze Frage lösender Rat: „Rückwärtsreform, rückwärts ins Judentum hinein. Das wäre ein Fortschritt, bei deni die K u l t n r u n d Versittlich uua aller, auch der Nichtjuden, nur fortschreiten würden. Diesen Rat gab mit den hier zitierten Worten in einer großen jüdischen Volksversammlung in Berlin seinen Zuhörern, Tr. Arthur Kahn. Dieser Rat zwingt zum Nachdenken. Elchanan. W. März 1911. Für uns hat der Entwicklungsgang unseres gegenwärtigen Lebens eminenteres Interesse. Und davon gibt es zu berichten die Fülle. Vor allem von der „Landeskonferenz der orthodoxen Landesrepräsentanz." Diese ist unter der gegenwärtigen Führung zum berufenen Organ der orthodoxen Organisation ausgebaut worden. Alles, was sich im Laufe des Jahres im Lande an Stoff angesammelt hat, wird von der kompetenten Behörde zugunsten der autonomen Organisation verarbeitet. In den verschiedenen Kommissionen sitzen die maßgebenden Faktoren und wirken mit Feuereifer in selbstlosester Hingabe für die heilige Sache, der sie dienen. Man hat in der Budapester Zentrale mit dem alten System der stummen Leisetreterei gebrochen und mit Ausnahme der politischen Kommission, die über die Beziehungen zu den höchsten politischen Behörden berichtet, wird alles vor der breitesten Oeffentlichkeit verhandelt. Diesmal war im Brennpunkt des Interesses die Hechscherimfrage. Und da mancher Unfug mit der Erteilung der Hechscherim an unbefugte Elemente vorgekommen ist, „wurde im Namen der 40 Rabbiner der Landesrepräsenz, die von sämtlichen orthodoxen Rabbinern des Landes ihr Mandat haben, an drei Rabbiner die Aufforderung gerichtet, ihre auf Branntwein für Peffach erteilten Hechscherim binnen acht Tagen öffentlich zurückzuziehen,' im widrigen Falle ihr Vorgehen namens der 40 Rabbiner gebranntmarkt und ihre Chasaka, selbst auf irgend einen anderen Gegenstand einen Hechscher geben zu können, für null und nichtig erklärt wird." Mit gleichem Ernst, nur mit wenigerErfolg, wurde dieJeschiwofrage behandelt. Die in den Jeschiwoth herrschenden Zustände sind so verfahren, daß sie einer dringenden Sanierung bedürfen, wozu sich aber die „ZaunKodoschim"-Organisation zu schwach zeigte. Es handelt sich um die Erhaltung und den Ausbau der Jeschiwoth. Zehntausende jüdischer Jünglinge opfern ihre Zukunft dem Dienste der heiligen Tauroh; dieser Idealismus, wie er in den Zeiten des Altertums kaum seines Gleichen hat, wird nur von dem abrahamitischen Opfermut der Väter, die ihre Kinder in die Bote Hamedrasch schicken und keinen Augenblick an die materielle Sicherstellung des Lebens derselben denken, übertreffen. Und für die Gegenwart dieser „Zaun Kodoschim" wird jammerwenig getan. Sollen sie nicht aus dem Wege verhungern, müssen sie wie die Schatten von Dorf zu Dorf wandern und so sich einer Demoraltsationsgefahr aussetzen, die der Zukunft unseres Judentums, das in ihnen feine künftigen Fahnenträger erkennt, kaum nutzen kann. Man hat nun auch zur Regelung dieser Frage eine Kommission eingesetzt, die, wie zu erwarten ist,. endlich auch hier die rettende Tat bringen wird. Ein Zwischenfall erschwerte die Verhandlung betreffs „der Besserung der Lage der Gemetndebeamten". Von einem gemaßregeltenSchochet verhetzt, verbanden sich einige Gemeindebeamten mit ihren Kollegen von der neologen Konfession und schickten ein gemeinsames Memorandum zum Ministerium, in dem sie mit recht scharfen Ausdrücken sich gegen die Autorität der Rabbiner und die Kompetenz dsr Vorstände wandten. Ste verlangten das Unmögliche, daß man ihre Lage über die Köpfe der Gemeinden hinweg bessere und das behinderte die soweit ruhige Landesversammlung, sich mit der notwendigen Objektivität mit der Frage zu beschäftigen. Nur dem beschwichttgenden Eingreifen Frankls ist es zu danken, daß man von strengeren Maßnahmen gegen selbstvergessene orthodoxe Gemeindebeamten abgesehen hat und trotz ihres nicht genug zu verurteilenden Paktterens mit Gegnern ihre Frage zur Frage der Landeszentrale machte. Dann wurde zur Vorbereitung der nächstjährigen großen orthodoxen Landeskonferenz geschritten. Gemäß den Statuten läuft das sechsjährige Mandat der dermaligen Leitung bald ab und es muß demnach rechtzeitig für den normalen Wettergang gesorgt werden. Wenn nun