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Der Israelit · 1911-03-23 · Heft 12 (23.3.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 12 (23.3.1911)
Date
1911-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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28. März 1911. Der JttaelN. Skr 12 Seite s öffnete die Versammlung, indem er zuvörderst der Verluste, welche im abgelaufenen Jahr Zentralkomitee und Ausschuß durch den Tod zahlreicher Mitglieder erlitten habe, gedachte. Es sind dies die Herren: Rabbiner Dr. M. Horovitz-Frankfurt am Main, Stadtrat Fedor Prtngsheim - Breslau, Rechtsanwalt Dr. Stadeker-Mannheim, Gustav Levinstein-Berlin, Martin Le brecht-Nürnberg, Geh. Rat Isidor Löwe-Berlin, Eduard Cohen- Frankfurt a. M., Dr. Hirsch Hildesheimer- Berlin, Dr. Ernst Magnus-Berlin und R. Reifend erg-Berlin. Durch Kooptation wurden u. a. die Herren Rabb. Dr. Nobel und San.-Rat Dr. Jaffe, beide in Frankfurt am Main, in den Ausschuß und anstelle von Dr. M. Horovitz Herr Geh. Justizrat Cassel- Berlin zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Das Zentralkomitee hat ferner beschtoffen, die verstorbenen Dr. M. Horrovitz und Dr. H. Hildesheimer zu immerwährenden Ehrenmitgliedern zu ernennen. Der Mitgliederbestand hat sich, wie der Vorsitzende sodann in seinem Geschäftsbericht mitteilte, um 2000 gehoben und beträgt jetzt mehr als 22,000 mit ca. 155,000 Mk. Jahresbeiträgen. An Schenkungen erhielt der Hilfsverein 195,000 Mk., so daß sich die Gesamteinnahmen auf 350,000 Mk. gegen 277,000 Mk. im Vorjahre beliefen. Der Vermögensbestand war am 31. Dezember 1910 mit Mk. 690,276.40 ausgewiesen, nachdem die Wiffotzky-Stiftung im Betrage von Mk. 226,816. 20 für technische Erziehung der Juden Palästinas (Technikum in Haifa) aus der Kaffenführung des Hilfsvereins ausgeschieden und einem für diesen Zweck begründeten Spezialverein überwiesen war. Die Tätigkeit des Hilfsvereins erstreckte sich auf alle bisher geübten Zweige, die aber fast sämtlich eine ansehnliche Erweiterung erfuhren. Das Schulwerk des Hilfsvereins, das sich über Galizien, Bulgarien, Rumänien und die Türkei erstreckt, umfaßt bereits 50 Bildungsinstitute aller Art, die zum Teil ganz unterhalten, zum Teil nur subventioniert werden,' davon 30 in Palästina. Neubegründet wurden Schulen in Saloniki und Jaffa. In Haifa ist eine Mittelschule als Unterbau für das Technikum errichtet worden, während in Jerusalem die bekannte Lämelschule in das Eigentum und die Verwaltung des Hilfsvereins überging. Auch sind in Jerusalem und.Jaffa bereits Terrains erworben worden, auf denen binnen kurzem Lehrgebäude auch für das Lehrerseminar erstehen sollen. Insgesamt erforderte das Schulwerk, zu dem auch die zahlreichen Kindergärten hinzutreten, rund 180,000 Mk. Die Lage der Juden in Rußland hat sich Sonntagsbetrieb doch nicht recht vorwärts kommt Oder ist der strenge Schluß am Sabbat schuld? Soviel steht fest, daß, der Sonntagsbesuch ein sehr mäßiger ist. Bei schlechtem Wetter kommen noch weniger Leute als bei einigermaßen besserem, und bei sehr schönem Sonnenwetter fast gar keine jungen Leute. Im Sommer können die Leiter dieses Instituts ohne große Einbußen an Besuchern, sich 2 bis 3 Monate Ferien gönnen. Sich und ihrem „Judentum". Ter ganze Bestand muß aus neuem Zuzug ergänzt werden; aus N achwuchs älterer Reformgemeindemitgtieder könnte diese Synagoge eben nicht bestehen. Ein beträchtlicher Teil der Nachkommenschaft der früheren Mitglieder geht, wenn überhaupt zu einem Gottesdienst, zur Kirche. Um nun dem Mangel an Besuchern und sich immer vermindernden Mitgliedern obzuhelfen, hat der Vorstand in dieser Woche an die Mitglieder der hiesigen Gemeinde folgendes Zirkular verschickt: „Jüdische Reform-Gemeinde in Berlin X. Johannis Straße Nr. 16. An die Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Tie Wahlkämpfe des letzten Herbstes haben auss neue gezeigt, daß das Wesen und die Bestrebungen der jüdischen Reform-Gemeinde nicht genügend bekannt sind. Wir fühlen uns deshalb verpflichtet, allen, denen das Judentum am Herzen liegt, die Gelegenheit zu bieten, unsere religiöse Anschauung und die Art unseres Gottesdienstes im rechten Lichte kennen zu lernen. Unker Prediger, Herr Tr. M. Levin, wird in unserem Gotteshause, Jobannis Straße 16, an drei ans einander folgend:n Sonntagen, am 19. durch die verschärfte Durchführung der Rayonbestimmungen, den Kampf gegen die Bildungsbestrebungen der Juden und die dadurch herbeigeführten traurigen wirtschaftlichen Notstände gegen das Vorjahr noch verschlimmert. Nach dem Maße seiner sinanziellen Kräfte hat der Hilfsverein diesem Elend gegenüber seine Hilfstätigkeit in unvermindertem Maße fortsetzen, auch bei Bränden und zugunsten der Progromwaisen, über die von ihren Pflegeeltern vorzügliche Berichte vorliegen, helfend eintreten müsien. Für dieses Hilfswerk, einbegriffen die russische Auswanderung, hat der Hilfsverein die Summe von 250,000 Mk. ausgegeben. Als Vorläufer feiner Geschäftsberichte, die sich im Laufe der Jahre zu immer voluminöseren Bänden ausgewachsen haben, überreicht der „Hilfsverein der deutschen Juden" jedesmal den Besuchern seiner General-Versammlungen eine kurze „Uebersicht über seine Tätigkeit" in dem abgelaufenen Jahre, die in gedrängter Kürze ein Bild von seinen Leistungen in der Vergangenheit und seinen Absichten und Plänen für die Zukunft zu zeichnen und der (Genehmigung durch die. Versammlung zu unterbreiten bestimmt ist. Dieser Gepflogenheit ist der „Hilfsverein" auch diesmal treugeblieben. Der Eindruck des für die kulturelle, politische und wirtschaftliche Höherftellung elender und bedrückter Glaubensbrüder getanen Hilsswerks, ist, auch abgesehen von der Höhe der materiellen Aufwendungen, so sympathisch, daß die Kritik nur allzugern davor verstummen möchte. Und in der Tat hat der Hilfsverein unter allen den großen Verbänden, welche die verschiedenen religiösen „Richtungen" im Judentum zu gemeinsamer Tätigkeit für jüdische Interessen ausrufen, bisher relativ am wenigsten zur Kritik Raum und Anlaß gegeben, wie er sich andererseits auch zu allerletzt darüber zu beklagen Grund und das Recht hätte, daß von den Organen der Oefsentlichkeit seine Leistungen und seine Absichten einer ungerechten oder nörgelnden Beurteilung unterzogen worden wären. Unsere Versicherung darf daher umsomehr Anspruch ans Glaubwürdigkeit erheben, daß wir keineswegs leichten Herzens und nur der gebieterischen Forderung des Pflichtbewußt sei ns gehorchend, gegen einen Punkt in dem Programm der zukünftigen Tätigkeit des Hilfsvereins, von dem die „Uebersicht" die erste Kenntnis gibt, sofort Verwahrung einlegen. Ter betreffende Passus lautet: Wie nach modern gebildeten Lehrern, ist auch nach Rabbinern ein lebhaftes Bedürfnis im Orient vorhanden. Neben der Ausbildung von tüchtigen Lehrern durch ein Lehrerseminar, hat der Hilf 6verein der d e u t sche n I udcn si ch di c und 26. März und am 2. April über folgende Themata sprechen: 1. Tic Stellung der Reform zur Heiligen Schrift: 2. Tie Entwickelung des Judentums und die Refvrni; 3. Tie Gestaltung des Gottesdienstes in der Reform. Wir laden hierdurch alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde in unser Gotüshans ein. Berlin, ini März 191l. Ter Vorstand der Jüdischen Reform-Gemeinde: .Minden. Beginn des Gottesdienstes: Vormittags lO1/^ Uhr präcis." Tiefe Art Geschäftsbetrieb ist wahrhaftig nicht billig, kostet eine Masse Porto und erweckt nur den Nachahmungstrieb solcher Kreise, die sich dieser radikalsten Reform im Judentum wesensverwandt fühlt. Ich meine die In den Mission in Berlin, die gegenwärtig mit Tamps und Elektrizität arbeitet. Aber selbst der Judenmission, in der ein halbes Dutzend getaufter und billig getaufter Juden, besonders im Zentrum und Norden Berlins — im Osten kriegen sie nicht mal die 20 Pfennig Eintrittsgeld zur Deckung der Unkosten — tätig sind, und ausfallender Weise in der Nähe der Neforrnshnagoge in der Zicgelstraße, erwächst jetzt eine unsaubere Konkurrenz. Erst vor zwei Wochen lud durch große Plakate an den Litfaßsäulen ein ungewisser Herr Springer (woher?) die Juden des Westens zu einem Vortrag: „Hat das Judentum eine Zukunft?" ein. Herr Springer erhob aber 50 Pfennig Entree und indem er die Hörer darüber nicht im Zweifel ließ, daß das Judentum der Zukunft eine Zukunft habe, sicherte er sich durch besagtes Entree vor allem einmal stine eigene Gegenn e u e Aufgabe gestellt, durch die B e - g r ü n düng eine s R a b b i n e r k nr s u s in Je - r n s a l e m m oder» g e b i l d t e , miss e n s ch a f t - lick: a u f _ b c r H ö h e st e h e n d e R a b b i n c r , die dabei fest im überlieferten Judentum nmrzeln, h e r a n ubilde n, die bei der notwendigen Entwickelung des indischen Gemeindewesens tut Orient tnNräftig Mitwirken können." Tie Vertretung und ergänzende Erläuterung dieses Programmpunktes siel in der Versammlung Herrn Tr. PaufNathan zu. Wir haben jederzeit, wenn wir zu dem Kulturwerk des Hilfsvereins Stellung zu nehmen Anlaß fanden, der Tatsache deutlichsten Ausdruck gegeben, daß gerade in der Person dieses Mannes, so wenig er privatim auf dem Boden unserer religiösen Anschauungen steht, uns noch am ehesten die Bürgschaft gegeben erscheint, daß die Verbreitung der Kultur unter den Juden des Orients durch den Hilfsverein, speziell sein Schulwerk in Palästina, sich, solange Tr. Nathans Einfluß maßgebend ist, unter Erhaltung und Förderung — nicht bloß Schonung! — derjenigen religiösen Grundlage vollziehen werde, die Gott sei Tank noch die überwältigend große Mehrheit der palästinensischen Judenheit ans sich vereinigt' das ist die strengorthodoxe. Wir durften die Ueberzeugung hegen, und glauben es auch heute, daß ein Mann wie Tr. Paul Nathan bewußt seine Hand nie dazu bieten werde, die Machtmittel des „Hilfsvereins" als Hebel zu benutzen, um die in der Orthodoxie lebende jüdische Bevölkerung Palästinas in dieser religiösen Anschauung zu erschüttern und westeuropäische, d.h. mehr oder weniger rationalistische Tenkensart unter unseren Brüdern im heiligen Lande zu verbreiten. Insoweit war also sicherlich Herr Tr. Nathan der geeignetste Mann, um durch seine Ausführungen die überschweren Bedenken, welche schon die erste Verlautbarung des Projektes eines Rabbinerseminars in Jerusalem bei uns wachrusen mußten, zu beschwichtigen und zu zerstreuen. Daß es ihrn nicht gelungen ist, darf als Beweis dafür gelten, daß hier der Punkt erreicht ist, bei dem die in der Sache liegenden Gefahren und Verhängnisse zu sehr bedrohlich, die gefährdeten Interessen zu empfindlicher Struktur sind, um ihr Wohl und Wehe von persönlichen Momenten abhängig zu machen. In den General-Versammlungen des „Hilfsvereins" herrscht der gedämpfte Ton; inan liebt dort nicht Akzentuationen und Unterstreichungen, und man bedarf ihrer dort auch nicht, um verstandeu zu werden. Und so durfte in der Diskussion Herr Dr. Meier Hildesheimer sich damit genügen lassen, in kaum strichhasten Zügen die verhängnisschwere Bedeutung des neuen Projektes anzudeuten und der Erwartung Ausdruck zu geben, daß das Projekt, bevor wart, und konnte jedenfalls sich nach dem Vortrag aus dem erzielten Ertrag ein gutes Souper leisten. Wenn wir Juden nur ein bischen mehr Stolz hätten, wo wir doch so das Geriß haben und Jeder, Katholiken, Protestanten und Freireligiöse uns gar so gern haben möchten, wir tonnten wirklich ganz anders dastehen. Wie weit schon die Liebeswerbungen um uns gehen, teilt heute die „Böelt am Montag" durch folgende Notiz mit: „Mit Speck fängt man Mäuse. Die jüdischen Bewohner des Berliner Vororts Friedrichshagen erhielten vor kurzem folgende verheißungsvolle Zuschrift: Sehr geehrter Herr! Am nächsten Sonntag, 5. d. M., abends 8 Uhr, wird Herr Levh-Wandsbeck einen Lichtbildervortrag über „Heilige Stätten im Lande unserer Bäter" (Jerusalem und die Arbeit unter Israel) im Saale Scharnweberstr. 111, 2. Hof, 1 Treppe, abhalten. Hierdurch erlauben wir uns. Sie und Ihre werten Angehörigen zu demselben ergebenst einzuladen. Es wnrch uns eine große Freude sein, wenn Sie uns mit Ihrem Besuch beehren würden. Der Eintritt kostet nur 20 Pfg. Wir sind überzeugt, daß die Teilnahme an diesem Bortrag für Sie von besonderer» Interesse sein wird, da Herr Leby als ein Mann ans Israel nach Dillen intereffanten Erfahrungen bewogen wurde, durch derartige Vorträge seinen Glaubensgenossen zu dienen. Indem rvir uns der Hoffnung hingeben, daß Sie unserer Einladung gärigst entsprechen werden, zeichnet hochachtungsvoll (gez.) Blechcr." Tiefer Herr Blecker ist der Leiter der „entschieden christlichen" Jugendbewegung. Man geht rvvhl nicht fehl mit der Annahme, datz der Referent Leon, „ein

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