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Der Israelit · 1911-03-23 · Heft 12 (23.3.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 12 (23.3.1911)
Date
1911-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der JSraelit üo 13. Seite 3 23. MSrz 1311 Die Wewer Emlgrafionshonferen?. Eine Versammlung, die dieser Tage in Kiew unter Beteiligung von 60 Delegierten, die ungefähr ebeso viele Städte des russisch-polnischen Ansiedlungsrayons vertreten, stattfand, verdient die weitgehendste Aufmerksamkeit aller jüdischen Kreise. Die Einberuferin der Konferenz, die Kiew e r Emigrationsgesellschaft, der die Führerschaft unter allen Organisationen dieser Art zusteht, sieht ihre Hauptaufgabe darin, den Strom der Auswanderer nach dem menschenarmen Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten Amerikas zu lenken, wo sie nicht wie im Überfüllten Norden unwillkommene, von allen Seiten beargwöhnte Gäste sind, sondern allezeit lohnende und auch dem Lande ungemein nutzbringende Beschäftigung finden. Man mutz rückhaltlos anerkennen, datz die Gesellschaft weit davon entfernt war, im Rahmen eines Kongresses, wie ihn seinerzeit die Wiener I t o i st e n wünschten, die Emigrationsmisere zum Gegenstände einer öffentlichen Schaustellung zu machen. Die Konferenz hielt sich streng in den durch die Sachlage gegebenen Grenzen und beschränkte sich vornehmlich aus eine genaue Berichterstattung über die Wege, die die Gesellschaft bislang gegangen und eine Präzision ihres Arbeitsprogramms für die nächste Zukunft. Dabei ergaben sich Umstände, die von größter Wichtigkeit für die jüdische Emigration sind: Man erfuhr erstens, daß der von der Gesellschaft organisierten Auswanderung über Galvefton von der amerikanischen Regierung kein Hindernis mehr in den Weg gelegt wird und zweitens, daß auch die russische Regierung der jüdischen Auswanderung nunmehr keine Schwierigkeiten macht, daß sie Massenauswanderungen sogar ihrerseits zu fördern bereit sei. Das ist erklärlich und man hat kaum Anlaß, sich über den letzten Grund dieses „freundlichen Entgegenkommens" zu fteuen .... Aber bedenkt man die Paßschikanen, die bis dahin ein wesentliches Kapitel in der Geschichte des Emigrantenelends ausmachten, so wird man, wie die Dinge einmal liegen, auch diese Feststellung der Konferenz mit Befriedigung entgegennehmen. Von den Resolutionen, die die Konferenz nach mehrtägiger Verhandlung gefaßt hat, seien die wichtigsten hier wiedergegeben: „Nach wie vor sei das Schwergewicht in der Tätigkeit der Gesellschaft auf die Organisierung der Emigration nach dem Süden und Südweften der Union über Galvefton zu legen und die Unterstützung der dortigen Ansiedler so etnzurichten, daß sie in der neuen Heimat festen Fuß fassen können." uommnt werden, als bis sie gehörig ausgebacken ist: sollte sie vorher heransgenommeu Worben sein, so ist sie Ehomez. § 19. Tiejenigen, welche Mazzoth hinanstragen, um sie in den Ofen zu bringen, haben v o r der Backstube stehen zu bleiben und n i ch, t in der Backstube yt warten, bis die Mazzoth ihnen abgeilvmwen werben, denn bei warmer Temperatnr des Zimmers tritt die Säuerung des Teiges schon vor 1* Minuten ein, eventuell sogar sofort. 8 20. Jene Mazzoth, die für den (Kennst an den beiden Seder-Abrnden bestimmt sind, werden Mizivoth genannt und finden bei denselben folgende besondere Bestimmungen statt: a) Es soll das Mehl lür diese Mizwos; womöglich nur aus solchem Gelreide hergestellt werden, das schon iwm schneiden an beaufsichtigt wurde (miEtp). v) bei dem Wasserschöpfen zum sutctcn dieser Mi,yvoth Teige, sowie beim Win* teil derselben und den übrigen Arbeiten dabei soll erwähnt werden, das; dieses gescisehe zur Zubereitung der Mizwoth, die für die Erfüllung der Pflicht des Mazzohgennsses an den beiden Seder-Abenden bestimmt sind (Le'schem Mizwath Mazu,: e) das Wasserschöpfen zum kneten gedachter M'izwost, sowie das kneten derselben und die übrigen Arbeiten dabei, namentlich das Einschiesten derselben in den Ofen, soll durch erwachsene israelitische Personen geschehen. tz 21. Sogenannte dicke Mazzoth (Rell,-Mazzoth) sollen nicht gemacht werde». Ter Ofen mnst beim Backen sämtlicher Mazzoth stark durchgeheizr sein, das; die Mazzoth -nöglichst schnell backen. 8 22, Ter Ofen must vor dein Gebrauch glühend gemacht (gekaschert) und so alles etwaige Ehamez ans demselben durch die Gluthitze entfernt werden. Hätte man den Ofen auch wiederholt geheizt, jedoch nicht in der Absicht ihn damit zu kaschern, so genügt dieses „Die informationelle Tätigkeit, die im wesentlichen den verschiedenen Auswanderungsbureaus obliegt, soll von der Gesellschaft ebenfalls in jeder Beziehung gefördert werden." „Mittels eines gutgeleiteten Organes in Jargon und Hebräisch sollen die weiten Schichten im Rayon, aus denen sich die Scharen der Auswanderer zusammensetzen, stets über die wichtigsten Fragen der Emigration Klarheit erhalten. Die Auswanderer sollen auf diesem Wege alle nötigen Fingerzeige für ihre Reise und volle Auskunft über die Verhältnisse im Lande, das sie zum Ziel ihrer Wanderschaft gemacht, erlangen." Die Kiewer Emigrationsgesellschast ist auf dem besten Wege, eine der brennendsten Fragen des jüdischen Lebens im Osten, wenn auch nicht einer endgültigen Lösung entgegenzuführen, so doch mindestens in ein neues Stadium zu bringen, das bessere Perspektiven für die Zukunft eröffnet. Und es wäre zu wünschen und zu hoffen, daß man in den weitesten jüdischen Kreisen ihren Bestrebungen das verdiente Interesse entgegenbringt. liberaler Ment««. Ein Bortrag von Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. XII. Lassen Sie mich das durch ein historisches Beispiel illustrieren, indem ich hier eine überaus feine Bemerkung B e r n f e l d's zitiere, die er in der Einleitung zu seiner vom Mekize Nirdamim herausgegebenen Edition des Kebod Chachamim von Messer David aus Mantua über Gemeindestreitigkeiten in Avlona macht. Ich zitiere in deutscher Uebersetzung: „Bekanntlich sind viele von den philosophisch (Gebildeten und Weisen in Spanien und Portugal zur Zeit der Vertreibung in den Völkern unrergegangen. Es fiel ihnen schwer, sich von Vaterland und Geburtsort zu trennen. Besitz, Habe und Heimat zu verlassen und in eine ungewisse Ferne hinansznziehen. Ihre grosse philosophische Bildung bewirkt, daß in ihrem Herzen jene Liebe und Treue zur Religion verblaßte, die sich in ihrer ganzen überwältigenden Kraft bei den frommen deutschen und französischen Juden zeigte, denen philosophische Spekulationen fremd waren, Tiefe frommen Juden philosophierten nicht viel und spekulierten nicht viel, sie suchten keine Beschönignngsgründe, sondern sie gaben einfach ihr Leben hin für die Heiligung des indischen Glaubens. Nicht also viele der philosophisch Gebildeten und Weisen in den Ländern Spaniens und Portugals. Als der Sturm kam, bestanden sie die Versuchung nicht. Sondern sie suchten einen Beschwichtigiingsgrund, um ihre Religion um des Zwanges, um der Verfolgung willen verleugnen zu können. Am Anfang war diese Verlengnnng ihnen selbst widerwillig, schließlich aber sühlnickit. Tie glühenden Kohlen müssen über die ganze Osenfläcke ansgebreitet werden. (Bei neueren Heizeiiirichtungen mit Steinkohlen, die nur au den -seiten der Bodenslüche des Ofens brennen^ die mittleren Teile des Ofens aber niemals berühren, ist das Käschern des Ofens durch Holz rcsp. Holzkohlen vorzziinebin n, welche über die ganze Os? ns lache gestreut werden.) tz 2?j. Beim Einschiesten der Muzzos in brn Oftu ist darauf zu achten, daß die Mazzo keine Falten sclilägt und einzelne Teile derselben aufeinander zu liegen kommen: da solche doppelt znsaminengelegie Stücke Ehomez sind. - Auch soll nicht eine Mazzo die andere beim Backen berühren. Ebenso sind aufgeblasene M'azzos Ehomez. Es ist ferner daraus zu achten, daß keine Mazzo ans dem Ofen genommen Wird, bevor sie vollständig ausgebucken ist. 8 24. Wenn sicli im Teige ein Körnchen Pfeffer, ^alz oder Kalt eingeknetet findet, so ist derselbe für Mazzo verboten. Finden sich die ermähnten Beimischungen nur an der Außenseite, so genügt es sie zu entfernen. Tasselbe gilt von einem Weizenkorn, das mit dem Teige eingetnetet wurde. Um derartigen Vorkommnissen vorznbengen, ist es üblich, das Mehl vor dem Gebrauche zu sieben. llebekks. (Aus den Auszeichnnngen meiner Mutter > Bon I. Oppenheim. In einer kleinen Judengemeinde unweit von Prag lebten die Bewohner des Ghettos unter stetem Truck, einfach und zurückgezogen, abgeschlossen von der Welt. Von den Mühen und Lasten des Hausierhandels ermüdet, kamen sie am Freitag nach Hause, um das ten sie sich dabei wohl. Und aus diesem Grunde wuchs die Zahl der Marannen."*) Ich halte es ftrner für gut, einen in diesem Zusammenhang gehörenden Ausspruch anzuführen, der deshalb besonders wertvoll ist, weil er dem Munde eines freisinnigen Theologen entstammt. f. a r n a ck sagt in seiner Dogmengeschichte er Charakteristik Augustins: „Noch hat cs in der Welt keinen starken religiösen Glauben gegeben, der nicht an irgend einem entscheidenden Punkt sich aus eine äußere Autorität berufen hätte. Mir in den blassen Ausführungen der Lieligionsphilosophen . . . wird ein Glaube konstruiert, der seine Gewißheit lediglich den eignen innern Momenten entnimmt. Tiefe sind unzweifelhaft die Kraft seines Daseins und seiner Erhaltung. 2tbcr sind nicht Bedingungen nötig, unter denen diese Kraft wirksam wird? .... Das Leben und die Geschichte weisen darauf hin, daß kein Glaube überzeugungs- und zeugungskräftig ist, der nicht den Gehorsam gegen eine äußere Autorität in sich schließt' und nicht das Bewußtsein ihrer absoluten Macht hat." Ich denke, dieses Zeugnis eines freisinnigen Theologen wird auch dem jüdischen Liberalismus maßgebend sein, und die Wichtigkeit der historischen Tatsache wird nicht bestatten werden können. Orthodoxe Wahrheiten wirken bekanntlich am überzeugendsten, wenn sie aus dem Munde freisinniger Forscher stammen. Das Urteil Harnacks wird auch durch die Geschichte des Judentums bestätigt. Es dürste wohl über jeden Zweiftl erhaben sein, daß, je intensiver der Glaube an die göttliche Autorität des Judentums ist, desto intensiver auch der Wille zum Judentum sein wird. Diese Autorität erscheint dem gläubigen Juden nicht als ein von außen kommender, tyrannischer Zwang, dem er sich äußerlich unterwirft. Sondern die innere Ehrfurcht, die er vor den autoritativen Wahrheiten und Pflichten hat, wirkt auf ihn befreiend, so daß er sich frei und freudig ihnen unterwirft. *) Mein verehrter Lehrer, Herr Professor A. Berti per, hatte die Freundlichkeit, mich in danke swerte. Weise aus die sehr - emerkenswerten und in ihr r Schlichtheit tief ergreifenden Stellen aufmerksam zu machen, die sich über diesem Punkt im a^nif TIK. nSCD des R. Josef Janbez finden, der, selber ein spanischer Exulant, unter anderen: berichtet: 2,2in irniiim "itr« "nac nte nSs 221221 nasro 21*11 cröisrm pun 'dpi v'V:ni *iv 21*2 21122 n« nw •a>ni2 rurnip br 22112121 2012 1122 (ed. Amsterdam 1781, S. 51). na tiram 1N2 nvmeDn- O'V271 rran p '2 ' vn *w» Q'wwni '"w.i nsrnp bv niab ava 2*ii2D m rvan nraann 1^X2 2'*IXS712 (S. 12s.) .-)£> schwer verdiente Geld für den Sabbath zu verwenden und den Ruhetag mit der Familie zu feiern. Eni alter Rabbiner lernte die ganze Woche fleißig M't seinen Schülern, deren er viele hatte, dein; er war ein gelehrter uvd frommer Mann. Tie Schiller fanden Unterkunft in den Häusern bei den armen Leuten und die reichen gaben ihnen Freitische. Ter Be - ne her der (Gemeinde, tiii wohlhabender frommer Mann namens Solomon Lischt, wohnte dem Tempel und dem Rabbinatsl am'e gegenüber. Er war Gctreidelieferant und genoß das Vertrauen seiner Anftrar.oebcr. Er bewohnte das schönste HauS im Ghetto und die höchste Zierde darin war seine einzige Tochter Rebekka. Früh starb ihm die Iran, und da seine Srtwäoerin, Muhme Behle, ihm die Wirtschaft versah und das Kind wahrhaftig mütterlich liebte und gut zu erziehen verstand, so heiratete er nicht mehr. Sein Hans war ein gastfreies und er - wohltätig und Ncnndlicb ein Vater der Arnien. Rebekka war der Liebling -- nicht mir des Ghettos — des ganzen Städtchens. Sie genoß schon eine bester,- Erziehung und wurde auch in profanen Gegenständen unterrichtet. Lie galt für eine kleine Gelehrte, und oft hatte der Rabbi gesagt: „Das hätte eia Junge werden sollen!" Ter Vater nahm sie oft nach Prag mit, wo sie Verwandte hatten. Allgemein wurde ihre geradezu ausfallende Schönheit bewundert. Taß sich viele um die Hand des schönen und wohlhabenden Mädchens bewarben, war selbstredend. Sie war 17 Jahre alt und gab Niemandem Gehör. Ter zärtliche Vater, dem es unendlich schwer ankam, das teure Kind sortzngeben, lies; ihr vorläufig ihren Willen. Ta brach uni das Jahr 1782 eine ,chreck!itl>c Hungersnot in Böhmen aus. Das Elend war überall

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