Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1911)
- Date
- 1911-03-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 12 »rr JsraelU. 23 März 1911 Prinzip des SiLtengesetzes sich ableilen laffen, anerkennt er sie besten Falles als sittliche Postulate, anderenfalls er sie überhaupt ablehnt. So ist ihm die Schöpfung, in der die Allmacht Gottes gegenüber allem Zeitlich - Räum^ lichen zum Ausdruck kommt, lediglich Symbol für den Primat der praktischen Vernunft über der theoretischen, so ist ihm die Lehre vom Messias nichts als Symbol für die gewaltige Idee der Menschheit, für das Reich der Zwecke, deffen Verwirklichung die praktische Vernunft postuliert; so ist ihm der Sabbat Prinzip sozialer Freiheit und Gleichheit, das unmittelbar aus der Idee der Menschheit sich ergibtso ist ihm endlich die Versöhnung Prinzip individueller Freiheit, die das Wunder der Selbsterneuung in ureingeborener Kraft jederzeit vollzieht. Und so ist ihm das jüdische Gesetz-eine bedauerliche Verirrung des jüdisch-ethischen Genies, eine „Einseitigkeit der jüdischen Religion", die ,,das ganze Leben durchaus beherrschen will", ein „starrer und indiskreter Ritualismus". Ja, so versteigt er sich schließlich dazu, den Gesetzescharakter des Judentums überhaupt zu leugnen und das Judentum nur noch als Lehre anzuerkennen, freilich als Lehre, die von ihm als „modernem Juden" nur soweit anerkannt werden kann, als sie in ihren einzelnen Teilen aus dem Grundbegriff des einzigen Gottes als Gesetzes und Vorbilds der Sittlichkeit sich ergibt. Damit ist in der Tat das Judentum zu einem bloßen Formalprinzip der Sittlichkeit degradiert, aus welchem an der Hand der praktischen Vernunft die einzelnen Sätze abzufolgern sind. Judentum islReligion gewordene Kantische Ethik. (Fortsetzung folgt.) KochmrrmWav. vle Krisis in Jerufalem, uv Wie aus dem in der vorigen Nummer veröffentlichten Aufruf der „Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung" hervorgeht, und wie unsere Leser auch schon aus den direkten Nachrichten unserer Korrespondenten erfahren haben, befindet sich die heilige Stadt zurzeit in einer schweren Notlage. Was dieser Notlage ihren eigentümlichen Charakter verleiht, ist die völlige Ratlosigkeit, in der sick die leitenden Kreise der Jerusalemer Gemeinden diesmal offenbar befinden und die sie unfähig macht, ein systematisches Hilfswerk im Ausland zu organisieren. Ein uns vorliegender Maueranschlag, der in Jerusalem publiziert worden ist, fordert — und auch das ist eine merkwürdige Erscheinung — die Bevölkerung der heiligen Stadt selbst auf, sich der ohne Nahrung kraftlos dahinsiechenden Greise, der hungernden Kinder zu erbarmen und den letzten Pfennig herzugeben, um des „Hungers Schmach'' abzuwenden. In der Tat ist es eine in ihrer Art neue Erscheinung, die in der langen Kette der tränenreichen SfW» Tp# unsere Brüder mit der ganzen Wucht des Ungewohnten, Unverstandenen trifft: keine Hungersnot, sondern eine Wirtschaftskrisis in optima forma mit all ihrem Gefolge von Zusammenbrüchen und Kreditverweigerungen, ihren pantschen Schrecken und schleichenden Aengsten. Am furchtbarsten sind die armen alten Leute getroffen, die ihr kleines Kapital von 1V00 oder 1500 Franken einer der beiden neuen „Altersversorgungsanstalten .(ennn o'apt sbo» und O'rHJ *]ÖK) überantwortet hatten, um ein sorgenloses, wenn auch kümmerliches Brot zu genießen und die nun, nach dem Zusammenbruch mit Verlust ihres kleinen Besitzes völlig hilflos dastehen. Aber nicht minder jammern die vielen jungen und älteren Talmide-Chachomim, die mit ihren Familien von den Jeschiwoth knappen Lebensunterhalt empfangen hatten, deren Berus das Studium der Gotteslehre war und die nun, zu irgendwelchem Broterwerb selbstverständlich völlig unfähig, mit zusehen müffen, daß die Anstalt, von der sie und ihre Familien lebten und der sie vielleicht auch ihre kleine Mitgift anvertraut hatten, ihnen notgedrungen das karge Brot ganz oder teilweise entzieht! Der Bäcker, der Krämer verweigert den Kredit, drängt auf Zahlung und schn eidet die Nahrung ab, — wer bare Münze besitzt, schließt sie ängstlich in seine Truhen ein, und kein Bankenkonsortium ist nahe, das, wie in den Ländern der Kultur, hilfreich einspringen, in die finanziellen Wirrnisse Ordnung bringen und auch das Vertrauen wieder Herstellen könnte. Soll der ]2^n 212", die städtische Ansiedlung Palästinas, die denn doch das Rückgrat der ganzen jüdischen Position im heiligen Lande bildet, zugrunde gehen? Soll sich ein Auswandererstrom aus Palästina in den großen Schmelztiegel der neuen Welt ergießen? Das wird die jüdische Diaspora nicht dulden. Die ganze Fülle von Idealismus, die, man mag sagen was man will, denn doch Tp** 212?' mxv otr? in den vergangenen Jahrzehnten die große jüdische Gemeinschaft in der Davidsftadt geschaffen, darf nicht umsonst verschwendet sein!! Gewiß wird der Hilferuf, den die Deutschholländische Palästina-Verwaltung hat ergehen lassen, überall verstanden werden und Widerhall finden. Für den Augenblick gilt es, mit vollen Händen zu spenden, um die gewaltigen Summen aufzubringen, die zu einer Sanierung und zur Erhaltung des 2ltt" überhaupt notwendig sind. Darüber hinaus aber darf man zu der genannten Verwaltung das Vertrauen haben, daß sie sich an der momentanen Hilfe nicht genügen lassen, sondern, im Einvernehmen mit den Chalukaverwaltungen der anderen Länder, in eine ernstliche Prüfung. der Ursachen eintreten wird, aus denen die herrschende Krise erwachsen ist. Die Erörterungen darüber können sich nur auf genaue Feststellungen stützen, die vorzunehmen vorläufig nicht Sache der Presse sein kann. Es wird darauf zurückzukommen sein. Daß die Bevölkerung Jerusalems in ihrer heutigen Zusammensetzung und angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes für absehbare Zeit im wesentlichen auf die Unterstützung der Diaspora angewiesen ist, ja daß auf diese Unterstützung selbst ein Teil derjenigen angewiesen bleibt, die nicht ausschließlich dem minn sich widmen, wird kein Kenner der Verhältnisse bestreiten; ebensowenig wird sich bestreiten lassen, daß zur Aufbringung der Unterstützungen die Initiative der Jerusalemer Anfi alten, also ein gewisser Sammelapparat, nicht entbehrt werden kann. Allein bet voller Anerkennung dieser realen Notwendigkeiten bietet sich dem guten Willen und der wirtschaftlichenEinsicht der an der Wohlfahrt Palästinas interessierten Kreise dennoch ein recht weites Feld zu besserndem Eingreifen, wobei die Lehren der gegenwärtigen Krise nicht unbeachtet bleiben dürfen. 2Lir hören gerne, daß die deutsch-holländische Verwaltung die Initiative zu einer Aussprache über die hier gestellten Probleme bereits ergriffen habe und möchten hoffen, daß man sich in Ost und West dieser Initiative nicht verschließen wird. Vielleicht ist der Augenblick gekommen, in dem die Anschauungen, von denen die deutsch-holländische Chalukaverwaliung bei der Umgestaltung ihres Hilfswerkes vor vier Jahren ausging, auch anderwärts Anklang rinden. Kleiner Feuilleton. Lin Won über die fkrstdliitia vonMarros. (Schluß.) 8 <>• Tic Mühle muß zur Herstellung bes Mazzo uieWS unter Aussicht eines gesetzeskundigen, gewissenhaften und mit den Cinrichtungeii der Mühle vertrauten Aufsehers gereinigt und in Stand gesetzt werden. TaS erste mit der neu hergerirhteteu Mühle gewonnene Mehl darf für Mazzvs nicht verwendet werden. Das Wetveibe darf vor dem Mahlen nicht angefruciitet werden: ein Perfahren, das bei den neuen Mühlelteinrichlungen übrigens and: sonst nicht mehr eingehalte» wird. Auch soll das chelrcide nicht gewaschen werden, wenn es auch schart wieder getraclnel wird. § 7. Tie Lücke für du» Mazzvmehl Men nai uud von einem nicht gestärkten Stoffe feilt. Alte Snrtc tonnen nur verwendet werden, wenn die Nähte vorher ausgctrenut und dieselben mit heißer Asclien-- lauge sorgsältig ausgewaschen wnrdei:. § <s. Ins Wasser zu den Mazzzothteigen muß Abends zuvor schon geschöpft werden, und zwar etwa eine halbe Stunde bevor die Sterne sichtbar werden. Das Wasser wird dann gut gedeckt und bleibt über Nacht an einem kühlen Ort im Hause ansbewahrt. Das am Sonntag zu verbrauchende Wasser wird Donnerstag Abend geschöpft. $ 1). Cs ist Brauch, das geschöpfte Wasser zu seihen uub es a» einen kalten Ort zu stellen. Doch lall es nicht durch gestärkte Tücher geseiht werden. oVp'oreneS Wasser darf nicht nns Jnirr gestellt werden, um es auftaucn zu lasse». § 10. Flußwasser ist wegen seiner geringeren Tewpetatut dem Brunnenwasser vorznziehen. Nur wenn die Flüsse durch Schmelzen des Schnees au geschwollen sind, ist Brunnenivasser geeiaueier. § 11. Wen» fiel) beim Backen daS gestern ge schöpfte Wasser als zu wenig erweist, daN anderes Wasser hinzugeschüttet werden, nur soll das Mazzo wasser mehr sein als das neu hinzu zu schüttende. 8 1^. Da die Wärme bas (Nil,reu beschlrnuigr. so dürfen die Mazzos nicht in einem geheizten Nanme hergestelli werden. Selbst der »tritt des Souneu scheius ist durch Schließen der Fensterläden, durch Bor hänge u. dergl zu verhüten. Auch dürfen die Mazzzos nicht vor offenem Fenster uud nicht unter freiem Njummol geknetet werden. $ IM. Kein Teig darf ruhig liegen bleiben, d. 1,. olmr daß man denselben -bearbeite. Sollte ein Teig einen Zeitraum von IS Mi»»ten ruhig liegen gebliehen sein, so ist derselbe Chomez, also für den O'rlmtucU auf Besuch unerlaubt, ganz wie Brot (s. $ I!B. CS ist sehr daraus zu achte»: n) das; beim Be ginn des Mozzothbackeus nicht zn viel Borratsteig: nach einander geknetet werben: auch darf zu einem Teige nicht urehr als ea. 2» Pfd. Mehl genommen werde». Das Mehl darf in das (Sefiif: nicht hi»-ingedrückt, sonder» muß leicht eingefaßt werd/n: >»> daß immer die zuerst gekneteten Teige auch zuerst durch die Maschine gebracht und bem Ofen zugesührt wer den; c) daß, wenn die Mazzoth rund ausgeschnitten werben und die dabei eiltstehendeu Teigreste wieder aus die Maschine zurückgebracbt Werben, um auch daraus r n n d e Mazzoth zu bereiten, aus den znw zweiten Male entstehenden Teigresten nicht wieder r » u d e Mazzoth bereitet werden dürfen, sondern es müssen nunmehr viereckige daraus hergestellt wer de», damit nicl!t wieder Teigreste entstehen. 8 I I. Diejenigen, welch.' das Mehl in das .giiet Hecken bringen, dürfen nicht aucl; das Wasser hinein bringen: auch socken die Wasserbehälter stets sorgfältig gedeckt werden, damit kein Mehlstaub hineiukomme. Fst ein Teig zn flüssig, so darf kein Mehl nachgegeben werden, weil es sich dam, nicht mehr gehörig mitrn-rar beiten läßt. 8 1">. Auf gehörige Reinigung des cknetbeck-ms ist fehc zu sehen; es soll dasselbe Mindestens alle Ick Whinten von allem daranhängenden Teig befreit und i e st a lt s g e t r o ck u e t werden. 8 10. Die Tische, sowie die Maschine selbst, die Messer und die Form zum Ansstechen der Mazzoth, sowie die Stnpfeleisen, alles muß stets von dem daran längenden Teige sorgfältigst gereinigt werden. Sehr nunim ift ■di>' Tische mit Metaliplatten zu über ziehen, weil sich an diese der Teig weniger anseßt, dieselbe» all cd tühlende Cigenschast besitzen nnd die Cmhrllng erschweren. 8 17. Auch der Mneter har feine Omi de stets von daran klebendem Teige zu reinigen. 8 Id. sobald die Mazzoth gestnpsett sind, sollen solche unverzüglich in den Ofen kommen, in keinem Falle dürfen die Mazzoth lange in de» Händen gehalten werde», denn die Wärme der Hände verursacht Sänernng, die Mazzoth bleiben vielmehr ans dem Tisch am besten ans Metallplatten - liegen, bis solche in de» Ofen gelangen. Ist die Mazzo in den Ofen gebracht, so darf sie nicht eher herausge-