Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-03-16 · Heft 11 (16.3.1911) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 11 (16.3.1911)
Date
1911-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448815--66392-2494551
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ns.-;- io mm 1T11 London, 9. März. Lord Swaithlings Testament erregt allgemeines Ji teresse, nicht allein infolge des großen hinterlasscnen Besitztums — soweit einstweilen festgestellt werden konnte 1150000 Lstr. —, sondern auch durch die gemachten Klauseln. Seine Kinder verlieren bis zu dreiviertel des Erbteils, wenn ste aus dem Judentum austreten, oder eine Person andern Glaubens heiraten. Ebenso seine beiden Töchter, die sich zum „liberalen Judentum", entgegen seinen Wünschen, bekennen, falls sie dieser oder einer gleichartigen Bewegung direkt oder indirekt nach seinem Tode Geldhilfe zukommen lassen. Er setzte jedoch hinzu, daß er ernstlich hofft und feierlich es jedem Kind ans Herz legt, niemals und unter keinen Bedingungen den Glauben zu wechseln, noch außerhalb des Glaubensgemeinschaft zu heiraten. Leeds, 10. März. Die erste orthodoxe Rabbiner-Konferenz wurde am Dienstag von dem Vorsitzenden Rabbiner I. H. Da ich es mit einer eindrucksvollen Ansprache eröffnet, die sich ausführlich über die Ziele und Absichten der Konferenz verbreitete und gleich mit einem Protest gegen das Auftreten des Chief Rabbi in der bekannten Angelegenheit des Eherechtes einsetzte. Am wichtigsten waren die Vorschläge des Redners hinsichtlich einer Organisation der englischen Rabbinate überhaupt. Ein Huldigungstelegramm wurde an den König gerichtet und von diesem beantwortet. Die anschließende Diskussion, in der der Londoner Dajan Hhamson die Haltung des Chief Rabbi eindringlich verteidigte, war äußerst lebhaft und stellenweise stürmisch. Ausführlicher Bericht über den Verlauf der Verhandlungen folgt. llrmisedtes. Köln, 15. März. Wie uns telegraphisch berichtet wird, haben bei dcr heute am Jüdischen Lehrerseminar zu Köln zum ersten Male stattgefundenen Entlassungsprüfun g alle Zöglinge das Examen gut bestanden. Straffburg i. Elf., 5. März. Eine auch wettere Kreise interessierende Angelegenheit wird jetzt hier viel besprochen und in den Togetzblättern erörtert. Wie den Lesern des „Israelit" noch erinnerlich sein dürfte, hatte Straßburg vor zwei Jahren seine Schächtfrage. Seit kurzer Zeit wirb infolgedessen das Verbot durckgeführt, das Blut geschächteter Tiere zur Wurstfabrikation zu verwenden. Für unsere Stadt hat dtese Einrichtung deshalb große Bedeutung, well auch sehr viele christliche Metzger ihr Bieh schächten lasten. Nun hat ein jüdischer t^roßmetzger, der auch sehr viele christliche Kunden hat, argefangen, einen Teil seines Schlachtviehs schlagen zu lasstn, woraufhin die Verwaltung der Hauptgeme'nde mit vollem Rechte den Schächtern untersagt hat, für diesen Metzger zu schlachten. Seinen Zorn über den ihm zugefügten Schaden macht der Herr Metzger in einem Sct reiben an eine Tageszeitung Luft, das jedem Antisemiten zur Ehre gereichen würde. „Was heißt heute rituell schachten? Auf die jetzt hier angewandte und vorgeschriebene TötungSart sind die Tiere schneller und sicherer tot. Auch die jüdische Nachb scheu ist illusorisch, indem durch unser neues beurscheS Fletschbeschaugesetz, das hier mit aller Strenge grhandhabt wird, es schon vorgekommen ist, daß koscher gestempeltes Fletsch teils der Freibank als minderwertig, teils dem Wasenmeister zum Bergraben überwiesen wurde. Der einzige Unterschied für den jüdischen Käufer besteht darin daß er in einem jüdischen Geschäft etwa 10 Pfennig pro Pfund mehr bezahlen muß als in einem christlichen für die gleiche oder bessere Qm ltät." In diesem Tone ist das ganze Schreiben gehalten, und es wäre nur noch der Verwunderung Ausdruck zu geben, daß die „Straßburger Post" für den Brtefschreiber Partei nimmt, wenn döse Zeitung in einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Artikel über den Reichtum der Juden nicht erst gezeigt hätte, daß ste Logik vermissen läßt, sobald fie von Juden spricht. Regensburg, 26. Febr. Dieser Tage starb in Regensburg der jüdische Aktiengesellschafts - Direktor Nathan. Da er bestimmt hatte, verbrannt zu werden, verweigerte der Distriktsrabbiner Dr. M e h e r die Aufbahrung der Leiche im jüdischen Leichenhaus. Deshalb wird nun der Rabbiner der Gegenstand eines heftigen Angriffs in der sozialdemokratischen Preffe nnd man wirst ihm Unduldsamkeit vor. „Mit Unrecht," schreibt dazu die ,, Kölnische Bolkszettung", „hat er doch nur getan, was seine Amtspflicht ist und was erst vor kurzem der Rabbiner in München getan hat, als der jüdische Kommerzienrat Levrecht zur Feuerbestattung nach Ulm überführt wurde: die Ablehnung der Mitwirkung bei einer dem jüdischen Ritus widersprechenden Bestatt unasart.".! Der Israelit. Gießen, 12. März. Die Reichstagsersatzwahl im Kreise Gießen .brachte im ersten Wahlgange am letzten Freitag kein abschließendes Resultat. ES wirb eine Stichwahl zwischen dem Antisemiten Werner und dem Sozialdemokraten Beckmann stattfinden. Dieses Resultat kommt nicht überraschend. Nach tem vorläufigen amtlichen Wahlresultat wurden insgesamt 23 511 Stimmen abgegrben. Davon erht lt Beckmann - Gießen (Sozialdemokrat) 7976, Dr. Werner (Wirtsch. Bg.) 7958, Pfarrer Korell (Fortschr. Bp.» 5059 und Prof. Dr. G i s e v i u s - Gießen (Natl.) 2516 Stimmen. Es ist gegen die Wohl im Jahre 1907 ein bedeutender antisemitischer Stimmenrückgang zu konstatieren, der aber leider zumrist der S ozt aldemokratte zugute kam. München, 10. März. Bor kurzem wurde hier die Klinik des Vereins Krankenhetm,das erste jüdische Krankenhaus in unserer Stadt, eröffnet. Schon seit vielen Jahren war von den jüdischen Aerzten und Patienten das Bedürfnis nach Errichtung eines jüdischen KrankenheimS in unserer Stadt als dringlick, empfunden wo. den. Bor Längerem war auch innerhalb der Münchener Loge ein Fonds als Grundstück iür die Schaffung einet solchen Anstalt gesammelt worden. Aber erst in der lltzten Zeit ist es gelungen, die großen Schwierigkeiten zu Überwinden, die fich dem Werke entgegengestellt hatten. Der im Jahre 1909 begründete „Verein Krankenheim, israelitische Privat k l i n t k" übernahm die Aufgabe dcr Schaffung eines KrankenheimS im Anschluß an das fett Jahren hier bestehende „Israelitische Schwesternh e t m". ES gelang ihm im vorigen Jahre, ein sehr geeignetes, günstig gelegenes schönes HauS (Hermann Schmidstraße 5) zu erwerben, das nunmehr nach vollendetem Umbau seinem Zwecke zugeführt worden ist. Der ganze erste Stock des stattlichen Baues ist den Schwestern überlasten worden. Das zweite Stockwerk und der Oberstock dienen den Zwecken der Klinik. Einige größere hochherzige Stiftungen — der Herren Oskar Tietz, Kommerzienrat Jfidor Bach, Simon Hermann — haben es möglich gemacht, daß die Klinik, die im allgemeinen — natürlich unter Ausschaltung jeder Gewinnabficht — die Deckung ihrer Selbstkosten aus dem Bettteb erstreben muß, schon von Beginn an auch Arme«.unh Minderbemittelten zur Berfügunä/gestM'werden kann. Es find htefür vorerst Mt ytm, MÜrdliche Krankrnsäle, einer für männlicye, etfiStz fürn wtMichr Patienten zur Verfügung gestellt. Aufnahme in die Klinik finden sowohl chirurgische wie innere Krankheiten. Nur ansteckende Krankheiten und Geisteskrankheisten find ausgeschlossen. Die Leitung der Klinik liegt in den Händen der Oberschwester des israelitischen GchwestcrnheimS. Jedem Patienten steht die Wahl eines Arztes vollständig frei. Der Betrieb der Klinik wirb satzungsgemäß nach streng rituellen Grundsätzen geführt. Bei der Eröffnung hielt der Borfitzende deS Vereins Krankenheim, Herr Julius Basch, dem das Zustandekommen des Werkes in erster Linie zu danken ist, eine Ansprache. Herr Rabbiner Dr. Werner sprach seine Freude über die Errichtung der Anstalt und die wärmsten Wünsche für'deren Gedeihen auS. Namens deS Schwesternheims sprach dann noch Herr Dr. med. Stelmann und für dm ärztlichen Beirut des KrankenhetmL Herr Dr. med. W e i ß b a 11. An die Eröffnung schloß sich ein Rundgang der zahlreich erschienenen Gäste durch die sämtlichen Räume der Anstalt an, deren Anlage und Ausstattung allgemein reichen Beifall fand. E freulicherweise wurde die Klinik gleich nach ihrer Eröffnung so gut frequentiert, daß die vorhandene Beuenzaht an manchen Tagen schon vollständig beiegt war und eine Erweiterung, zu der die Möglichkeit im Hause selbst besteht, schon bald wird erwogen werden müffen. &Vüvzburg, 8. März. Die Verwaltung der JSr. Kranken -und Pfründner-Stiftung schreibt uns: Die Redaktion hätte vielleicht bester getan, den unsere Stiftung betreffenden Artikel in Nr. 7 des Israelit zurückzuweisen, mindestens wäre es am Platze gewesen, uns denselben vor seiner Aufnahme zur Aussprache einzüsenden. Da dies unterblieb, wellten wir zuerst überhaupt nicht auf den Artikel reagieren. Nachdem der Verfasser jedoch in Nr. 9 so weit geht, den Eintritt in n t ch t j ü d i f ch e Kliniken zu empfehlen, so glauben wir eg dem Interesse aller derjenigen, die in unserem Krankenhause Hilfe suchen möchten, schuldig zu sein, hier die Erklärung adzugeben, daß — natürlich mit Ausnahme der angeführten Satzungen — der betreffende Artikel auS Unkor rekthetten und Unwahrheiten zusammengesetzt ist. Die Verwaltung hat das Bewußtsein, daS Krankenhaus ganz im Sinne der angeführten Satzungen zu leiten und bedarf durchaus nicht der Beeinfluffung durch anonyme Korrespondenzen. (Bisher ist von dcn in dem ersten und zweiten Artikel angeführten Tatsachen keine als unrichtig erwiesen worden. In der Beurteilung dieser Tatsachen wird die Verwaltung, welche durch strenge Ueberwachung und Aufficht das von ihr nicht bestrittene religiöse Manko des derzeitigen Hausverwalters zu ersetzen sucht, natürlich anderer Ansicht sein wie ihre Krittler, die sich ihrerseits auf § 28 des Statuts berufen. Dort ist nicht von Aufficht, sondern von persönlicher Zuverlässigkeit als Vorbedingung der Anstellung die Rede. ES handelt fich hier übrigens um eine prinzipielle Meinungsverschiedenheit über den Wert deS ganzen rituellen Ro. m Seite? BeauMchUgunkSwesrns, dir auch sonst zutage tritt und die nicht durch Würzburger Lokalnotizen auSzugleichen ist. Soweit das Würzburger Krankenhaus in Frage kommt, scheint unS die Sachlage genügend Geführt und wir schließen hiermit die Diskussion. Red. d. JSr.) Teitelbach (Untersranken), 6. März. Heute abend hatten wir daS Vergnügen, Herrn LoutS Sahn auS Franttu t a. M. namens der Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege", 8 btcllungDer „Freien Bereinigung für die Jntereffen deS orthodoxen Judentums", hier sprechen zu hören. ES ist unmöglich, im Rahmen der kurzen Mitteilung hier zu schildern, welch erhebenden Eindruck der Bortrag auf alle Anwesenden machte. In glänzender Rede verstand eS Herr Kahn, alle Zuhörer zu scffeln, ja zu begeistern. An unserem Auge zog ein Bild der zettgerö'ifischen Judenhett, deS Modernen Judentums mit allen dasselbe bewegenden Problemen und Zeilftrgen vorüber, belegt mit' den Zahlen der Statistik. Wir haben dabei die außerordentlich verzweigte und fürsorgliche Tättgkett der „Freien Bereinigung" im Interesse der J131ÖK* Wir lernten die Männer kennen, welche ihr ganzes Sein und Sinnen in den Dienst deS unverfälschten Judentums stellten und vernahmen mit freudiger Genugtuung» w'e unsere Negierungen diesem heilige:nsten Streben wackerer Männer durchaus verständnisvoll gegenübersteht. DaS eine ist sicher: viele — selbst Orthodoxe — ahnen kaum, was die ,,Freie Bereinigung" selbstlos leistet und — selbstlos verschweigt! Herr Kahn öffnete manchem die Augen und alle Anwesenden zeichneten fich sofort alS Mitglieder ein. EL ging schon auf 12 Uhr, als » an fich trennte. Herrn Sohn gilt unser innigster Dank für feine interrffanten Darbietungen, für bin genußreichen Abend. Möge die „Fre'e Bereinigung" blühen und wachsen mWlfT ‘TOS*? DlpfcH/ möge fie fortfahren, tüchtige Redner hinauszufenden auf kleinere Plätze. Fürth, 12. März. In der Aula der Israelitischen Realschule fand am Samstag 10V* Uhr eine sehr zahlreich besuchte Feier statt. Die Hauptwand, deren Mitte ein schönes, von einem Freunde der Anstalt zu diesem Zweck gestiftetes Bild des greisen Regenten einnahm, war mit Blattpflanzen und weißblamn Stoffen schön dekoriert. Eröffnet wurde die Feier durch daL Prinzregentenlted. Es folgten Deklamationen patt toll scher Gedichte. Darauf hielt der Direktor der Anstalt, Herr Dr. Fetlchenfeld, eine etwa halbstündige Festrede, die an den BibelverS anknüplte. „Sine schmückende Sttom ist das Gretsenalter; aus dem Wege der Gerechtigkeit und deS WohltunS wird fie erworben" und die erhabsnen Tugenden unseres Regenten den Zuhörern recht eindringlich vor die Seele führte. Den Abschluß bild.te der Gesang der KönigShhmne. Rech Schluß des feierlichen Aktes wurde die Festschrift von Mayr „Unser Prinzregent" unter die Schüler verteilt. Schtvabach, 13. März. Unter den zahlreichen Widmungen, welche unserem allgrlirbten Londesvatrr anläßlich seiner 90jährigen Jubelfeier von hohen und höchsten Persönlichkeiten, von Schrifstellern, Von Dichtern und sonstigen Berufenen geweiht wurden, verdient eine, die bet uns und anderwärts den Festgottesdtenst verschönern Hais, ganz besonders in Ihrem aesch. Blatte erwähnt zuwe:oen: eine hebräischeNachbildung der bayerischen Nationalhymne. In formvollendetem klasfischen Hebräisch, teils Uebersetzung, teils eigene Dichtung, in meisterhaftem rhythmischem Wohllaute steht das ttefewpfundene innige Lieb seinem herrlichen Borbtlde würdig zur Seite und schmiegt sich besten getragener Melodie wie aus gleichem Guffe. Wie mit einem Zauberschlage gewann es unsere Herzenwer es einmal kennt, wag eS nimmer misten. Neben der vortrefllichen, von Herzen grherden und darum die Herzen ergreifende Rebe unseres hochverehrten Rabbiners bildete das mit wahrer Begeisterung gesungene Lied einen Glanzpunkt unseres Festprogramms. Sein Wunder, daß -er Wunsch hervorttar, dem willkommenen Musenttndk das Bürgerrecht in der Synagoge zu verleihen, so daß es auch in Zukunft bet gegebenen Ani äffen, als z. B. allerhöchsten GeburK- und Namensfesten zur Verherrlichung deS Gottesdienstes beitragen solle. London, 7. Febr. Die Londoner Steuerbehörde hat gestern die Erbschaftssteuer des siebenten MtllionenvermögenS, daS in diesem Jahre seinen Besitzer wechselt, etngezogen. ES handelt sich um den auf 1588000 Lstrl. bezifferten Nachlaß des Dtamantenhandlers Anton DunkleS. Mehrere Sttftungen Dunkles find auch jüdischen Anstalten zugefallen. So erhielten je 500 Lstrl. daS Israelitische Waisenhaus in Fürth, die jüdische Gemeinde in London und die Gesellschaft für notleidende Ausländer in London. Uerei*$we$em Frankfurt a. M., 15. März. Zum Schluffe seiner Semestertätigkett konnte der '22k feinen Mitgliedern und Gästen noch einmal einen interrffanten und lehrreichen Bortrag bieten. Am letzten Donnerstag sprach Herr canb. med. B. Kruperntk aus Bern über „Die Zweckmäßigkeit in der Natur". In wissenschaftlicher und doch leicht verständlicher Weise zeigte der Referent an dir Hand mehrerer Beisptete aus den verschiedenm Gebieten der Wiffenschast, insbesondere der Physiologie, die Unmöglichkeit, die Naturzweckmäßig kettauS mechanischen Ursachen zu erilären. Er zeigte auch, daß immer in der ganzen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.