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Der Israelit · 1911-03-16 · Heft 11 (16.3.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 11 (16.3.1911)
Date
1911-03-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Einzigkeit Gottes hat niemals einen Mittler geouldet und hat den Manschen in der Lehre von der Versöhnung aus eigener Kraft die Rückkehr zu Gott und die Wiedergewinnung eines reinen Daseins erstreben lassen. Das Judentum hat ferner stets den sokratischen Gedanken der Lernbarkeit der Sittlichkeit verkündet, hat ein ganzes Volk zu solchem Erlernen angeregt und solchermaßen weder die Scheidung von Priester und Laien, noch ein soziales Proletariat aufkommen lassen. Es hat der Menschheit den Sabbat geschenkt und ihr damit das unvergängliche Prinzip sozialer und politischer Freiheit gebracht/ hat diese Freiheit auch dem Individuum, nicht zwar als Besitz, sondern als Ideal gewährt, zu dem es hinanstrebea und das es als „Reinheit des Herzens" mehr und mehr verwirklichen soll. Es hat endlich als krönenden Abschluß in seiner Lehre vom Messias den Begriff der Weltgeschichte durch die Entdeckung des geschichtlichen Zeitbegriffs der Zukunft aufgestellt, hat sich gerade in dieser Lehre zu einem Universalismus ohnegleichen erhoben, hat gegenüber der kausalen Notwendigkeit des historischen Geschehens in der Weltgeschichte die Gesetzmäß gkeit des Sollens errichtet und dem sittlich Guten allein endliche Zukunft und Verwirklichung verheißen. So sehen wir die gesamte Kanttsche Ethik im Judentum radiziert. Was Kant in kritischer Methode der praktischen Vernunft ablauscht, den Gegensatz zwischen Sein und Sollen, dies Fundame, tt jeder Ethik, die Freiheit des Vernunftwesens, die Würde der Menschheit, das Postulat der endlichen Errichtung des Reiches der Zwecke auf Erden, all das sehen wir im Judentum, zwar nicht in wissenschaftlicher Deduktion, wohl aber als religiöse Lehre verkündet. Der religiöse „Fortschritt" der Menschheit bedeutet aber Cohen den Fortschritt zu einem Ziele hin. Dies Ziel kann kein anderes sein, als die Sittlichkeit. Denn was wäre Religion, wenn sie nicht der Sittlichkeit diente. Auf die Frage also, was das Judentum für den religiösen Fortschritt der Menschheit bedeutet, was mithin , das Judentum der Menschheit an sittlichen Werten gebracht hat, antwortet Cohen mit dem ganzen Stolz des Juden: Alles! Setze an Stelle -Gottes die Sittlichkeit, und du siehst im ganzen Judentum nichts als eine Propädeutik zur Kantisch- Cohenschen Ethik. Damit ist die geheimste Wurzel der intimen Beziehung Cohens zum Judentum aufgedeckt. Die Sittenlehre des Judentums ist Cohen im genauesten Sinne des Wortes adaequat. Auch die Beziehung dieser ganzen Sittenlehre auf Gott macht Cohen keine Schwierigkeit. Denn das Sein des jüdischen Gottes ist frei von jedem Dogma. Von diesem Sein sagt das Judentum unter sorgfältigster Vermeidung jeder näheren Bestimmung, die ja doch nichts sein könnte, als eine vollkommen unzulässige Begrenzung, nichts aus, als die absolute Einzigkeit. Absolute Einzigkeit bedeutet aber „absoluten Unterschied von allem anderen Sein", also „absolute Ge ftigkeit". Und somit ist für Cohen Gott „nur das Gesetz und das Vorbild der Sittlichkeit" und ohne weiteres in das System der praktischen Vernunft einbeziehbar. So braucht der Philosoph dem Juden kein Opfer zu bringen. — Die im Judentum unter religiöser Umkteidung schlummernden ethischen Probleme und Erkenntniffe hat Kant in ein rein ethisches und wissenschaftliches System gebracht. Bei einem solchen Verhältnis zwischen dem Judentum und der Kantischen Philosophie bedarf es keines weiteres Hinweises, wie unermeßlich groß in den Augen Cohens die Bedeutung des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit war und ist. (Fortsetzung folgt.) KschmrM-scha«. 3um Kapitel „riafionaljudenfum und Religion". Die wahnwitzigen, von unerhörtem religiösen Nihilismus zeugenden Sttlübungen des Herrn Brenner im vysn ’jy'isn, die wir in Nr. 6 an dieser Stelle zur Charakterisierung der hebräischen Umsturzpresse in Palästina niedriger hängten, haben eine erfteuliche Wirkung gehabt. Nachdem die gesamte hebräische Preffe ihre Entrüstung über das im besagten Artikel zum Ausdrucke gelangte Verhältnis des jungirüöep betör^ rufe", koschs, s au> kan« Sterb- Träger t Gott diesem petita* Durch e die Mann auscht lfange DaS iptes- ) bellt der vermung n der mnen zwar ne in immt -d - mzen und neinschaft seine Ergänzung zu suchen hat. Es soll aber auch zweitens das Haus mit seinem häuslichen Erwerb, seinem Streben und seinem Zweck mit dem Hause GotteS, dem die eine Schekelhälfte zugeführt wirb, in eine Korrespondenz tteten, aus der der Einklang beider in Ziel und Richtung hervorgeht. Der erworbene Schekel sei ehrlich und rein erworben, so rein, daß dessen eine Hälfte das Gotteshetligtum bauen helfen darf, während die andere Hälfte zu Hause den Wohlstand mehren hilft. Auch dieses „Zuhause" sei ein Heiligtum. Im Judentum darf es nicht «zweierlei Maß und Gewicht für heiliges und. bürgerliches Leben, nicht zweierlei Anspruch an öffentWhH nationale und an private individuelle Berhälttiiffe.,'gMn^ Tempel und Familienhnus — sie sollen sich Schekel teilen, und sie sollen einander würdig viebeiven Seiten der Gottesverehrung bilden. Dies ist die Lehre des Diese Lehre weist jeden Gedanken an einen aus der Hunderitausknde ergebenden Musterung erwachsenden Nationalstolz weit von fich. Musterungen, die Las Machtbewutztsrin im Volke heben wollen, indem sie ihm seine Heeresstärke in stolzen Zahlen vor Augen rücken, find in Israel strafbar und todbringend. Dies wird im Anfänge der Stdra mehrmals betont. Zugleich wird die Zählmünze als Sühne bezeichnet. Die Anbeter beS goldenen Kalbes haben durch die Vergötterung deS durch Magterkunst WS Leben gerufenen Gebildes den Tod verschuldet. Eine stolze Heerschau erzeugt aber ebenfalls die Gebilde des selbstverblendeten Ruhmes und der strahlenden Glorie und führt zu Vergötterung der materiellen Macht. Mit dem Halbschekel der Sühne zählte sich darum jeder weg vom Tode zum Leben hin. Durch diese Münze zählt Gott seine Mannen, Gott der im Mtschkan wohnt. Am Ende des zweiten Buches Samuel werben wir zum Zeugen einer von König David anbefohlenen Volkszählung gemacht. Gegen den Rat des Heerführers hatte der an der wachsenden Macht seweS Volkes sich weidende König diese Musterung anbefvhlen und den Zorn Gottes auf fich geladen. Rach geschehener Zählung hielt der Todesengel Musterung in den Reihen des Volkes und lat seinem schauerlichen Gang erst Einhalt am Felde Arawnas, das um den von allen Stämmen Israels erbrachten Kaufpreis erstanden wurde.**) Auf diesem Felde, dem Nationaleigentum Israels, rauchte am dem namens der JsraelSstämme dem Gotte Israels errichteten Altar das Sühnopfer. Es war nach Chr. II. 3, 1 dasselbe am .rBerge Moyia liegende Gebiet, auf welchem später König :M»lomodeN ^Tempel Gottes erbaut hat. Auch--dort, zwischen „Dan und Beerseba", hatte ein verführerischer Geist** ) deS Königs Herz geneigt gemacht, die materielle Macht über die Maßen zu erheben. Der Anblick der stattlichen wehrhaften Reihen schwellte die Brust des in seinem zahlreichen Heere Genugtuung findenden Königs. Doch bald darauf sehen wir, wie auf die Mahnung deS Propheten Gab der König reumütig an seine Brust schlägt, wir er, dem Beispiele MoscheS folgend, fich mit seiner Person dem strafenden Engel in den Weg stellt, und wir vernehmen mit tiefer Rührung ben Ruf des. treuen Königs: „Stehe, ich habe gesündigt, ich habe mich vergangenwas haben ober diese Schafe getan? Laß doch deine Hand, o Gott, nur wider mich und meines BaterS Haus sein!" (Sam. II. 24, 17.) Wer denkt da nicht an daS ‘"p&Dö 82 pK &K1 deS heutigen Thoraabschnittes „wo nicht, so lösche mich aus auS Deinem Buche", mit welchem der tteue Hirt Mosche für seine Herde eintritt! Hier wie dort lautet jedoch die Antwort des Allerbarmers : Das einheitliche Zusammenschließen deS ganzen **) Sam. II. u. Chron. I. 21, 25. Y' DTD7- ***) In Chr. I. 21. fvV genannt. ' .Ko. U Sette » jüdischen Arbeiterorganes zur Bibel und zum. Christentum ausgesprochen hat, ist, wie mau jetzt erfährt, dem vysn 7jnsn auch vom Odessaer Palästinakomitee die Subvention, die es dem Organ seit seinem Bestehen zukommen ließ, entzogen worden. Natürlich ist man darüber in den Kreisen der jüdischen Himmelsstürmer in Palästina sehr ungehalten. Dem gemaßregelten i'yxn *?jnsn kommt ein anderes gesinnungsverwandtes Jerusalemer Blatt, NNNttN zur Hilfe. In einem länger» Artikel in Nr. 17 dieses Blattes wird zunächst verraten, daß der Beschluß des Odeffaer Komitees auf Grund einer Einwirkung von Achad Haam herbeigeführt worden ist. Nun werden mehrere Zitate aus den Schriften Achad Haams aufgeführt, die beweisen sollen, — und zum Teile auch wirklich beweisen —, wie wenig man allerdings in diesem Kreise das Recht für sich in Anspruch nehmen kann, sich über die Brennerschen Ausführungen zu entrüsten, wie diese vielmehr die Ideen- und Gedankengänge Achad HaamS als die Grundlage betrachten dürfen, aus der sie mit logischer Notwendigkeit hervorgegangen sind. Weit bemerkenswerter find aber folgende Sätze des Artikels, die als das Urteil Eingeweihter und Nahestehender über den Charakter deS hebräischen Gymnasius in Jaffa höchstes Jntereffe verdienen: „Wie darf nun das gleickje Odessaer Komitee nach all dem das hebräische Gymnasium unterstützen, wo ja bekanntlich ebenfalls Tinge g r l e h r t wer d e n, die im krassen Gegensätze fru der heiligen lieber tiefer ung des Indent u m s und der Religion .st e ben. Müßte nicht das Komitee auch von dieser Anstalt von jetzt an verlangen, daß sie ihr Lehrkollegium von allen antireligiösen Elementen -(D'DTliTfiW reinige und an ihrer Stelle M i s r a ch i st e n anstelle, die den ganzen Lehrplan auf der Basis der Orthodoxie Frank* f u r t e r Observanz u m g e st a l t e n?" Denkt man sich die hämischen Bemerkungen, die in diesen Kreisen einmal unvermeidlich sind, wenn von Religion und Ueberlieferung die Rede ist, hinweg, so enthält dieser Satz durchaus Wahres und Beherzigenswertes. Es gibt für das Odeffaer Komitee, wie für alle anderen Organisationen, die dem Palästtna-Schulwerk ihr Jntereffe widmen, keinen Mittelweg. Entweder sie arbeiten auf eine gute positive jüdische Erziehung hin, oder sie müssen es erleben, daß auch Ideen von der Art des Herrn Brenner sich zersetzend und zerstörend in Palästina breit machen. Das zionistische Akttonskomttee und die Nationalfondsverwaltung, die den antireligiöfen Charakter des auf dem Boden des Nationalfonds stehenden Gymnasiums gegenüber dem „Misrachi" mit so großer Entschiedenheit bestritten haben, sind mit ihren Bertuschungsversuchen jetzt in so eklatanter Weise ad Volkes um feilt Panter, um Mtschkan und Mtkdasch, ist das sühnende Gegenmittel gegen den Zerfall der Einheit in eine Vielheit der Meinungen und ba Götter. Aleine» Feuilleton. Die Mit. (;jitt Ausführung des Tschirikowschen Schauspiels im Frankfurter Komödienhaus.) Tie eigenarttgen Verhältnisse in Rußland haben anch eine ganz eigenartige Litcraturgattung gezeitigt: P r o g ro m - L i te r a t u r. Man kennt die dickleibigen Bücher, die auf Grund von Protokollen, Dokumenten und mit einem großen Zahlen- und Taienapparat ausgerüstet, die Schrecken der Pogrome der Kulturwelt vor Augen führen und die Abgründe und Sümpfe im politischen und Gesellschaftsteben Rußlands aufdecken wollen, in denen jene blutigen Erscheinungen ihre Quelle haben. Indessen weit mächtiger als das geschriebene Wort, selbst als die beredter! Zahlen, spricht doch die dichterische und plastische Kunst zu uns. Und anch diese hat nicht lange gewartet, sich des Stoffes zu bemächtigen und uns mit den Machtmitteln, über die sie allein verfügt, die Ereignisse im Lande der Not aus dem dunklen Milieu heraus restlos zu erklären. Aus der Pogrom-Kunst, ivenn dieser Ausdruck erlaubt ist, ist unseren Lesern das Fabianskische Bild bekannt, das uns in unauslöschlichen Farben ein Blutbad, wie es unzählige Städte Ruß- 4 ftdisaiäaaäüfiii

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