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Der Israelit · 1911-03-16 · Heft 11 (16.3.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 11 (16.3.1911)
Date
1911-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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' iS i%mi z<ch«tt»SKevstchr. 1. Aufruf drr Deutsch-Holländischen Palnstina-Uerwaitung — 2. Leitartikel: Referendar Jsaae Breuer Was läßt Hermann Cohen vom Judentum übrig?- 3. Wochenrundschau: Zum Kapitel Ratioualjudrntum und Religion. — 4. Aufsätze: Rabb. Dr. Kaatz: Liberales Judentum. 5.f»omU etil: Rabb. I. Nobel: «grlfünöe und Mifchbanfuhne. 6. Kleines Feuilleton: „Die Juden". — Ein Mort über dir Herstellung non Morros. — Kassenschnüffelei. — Disziplin und Kehre. — 7. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Hirsch Hildesheimer-Stiftung.) — Darinstadt (Friedhof der ifrael. Religionsgesellschaft zu Gießen. — Dir Synodalwahlen in Haben. ‘ Karlsruhe. — Oldenburg (Sieg der Orthodoxie.) — Der Kopenhagener Konüikt. — Delegiertenkonferenz -er EmigrationsgefrUfchaft. Kiew. — London (Antisemitismus.) — London (Lord Swaitlings Testament.) — Leeds (Orth. Rabbiner- Konferenz.) — 8. Vermischtes: Köln. —> Snaßburg. — Regensburg. — Gießen. — München. — Würzburg. — Dettelbach (Unterfranken). — Fürth. — Schwabach. — London. — 9. Bereinswesen: Frankfurt a. M. — Berlin. — Basel. — Ärakau. — Szaszregen. — Zsorna. — Kassa. — 10. Personalien: Frankfurt a. M. (Carl Guggenheim — Tilsit. — Mareldsweisach. — Jchenhausen. — Schmieget. — Sulzbach i.O. — Rimpar. — 11. Sprechsal. — 12. Briefkasten. — Bereinskalender — Faniiliennachrichten. 13. Beilagen: Feuilleton-Beilage: Von Arthur Kahn: Die Geschichte Meier Keichenstrmr. — Erziehung und Lehre: Zum ersten Iahrzrtttage Dr. K. Platos Korrespondenzen und Nachrichten. — Bücherschau. — Briefkasten. War labt fiermann Loden vom Inaentnm übrig? Bon Referendar Jsaac Breuer. I. Jni Jahre 1910 fand in Berlin, wie wohl noch in aller Erinnerung, der 5. Weltkongreß für freies Christentum und religiösen Fortschritt statt. Der Zusatz „religiöser Fortschritt", der offenbar ganz allgemein verstanden war und nicht bloß im Zusammenhang mit dem „freien Christentum" Gegenstand der Erörterung werden sollte, legitimierte den Kongreß zu einem umfassenden Ueberbltck über die religiösen Bestrebungen der Kulturmenschheit überhaupt und erhob seine Beratungen zu einem Niveau, das an abwechslungsreicher Fülle und geradezu verwirrender Mannigfaltigkeit der vorgetragenen Gedanken seinesgleichen suchte. Und so durfte auch das Judentum nicht fehlen. Es galt, die Bedeutung des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit darzulegen. Als Interpret des Judentums trat Cohen auf. Sein Vortrag ist mittlerweile als Sonderausgabe im Verlag des Protestantischen Schriftenvertriebs im Druck erschienen. Der Vortrag verdient weitgehende Beachtung, aus subjektiven sowohl wie objektiven Gründen. Aus subjektiven: da jede Meinungsäußerung des gefeierten Marbürger Philosophen, selbst wenn er den kantischen Lehrstuhl verläßt und (übrigens keineswegs das erstemal) unter die Propheten geht, mit dem Respekt angehört und mit der Behutsamkeit kritisiert zu werden wohl wert ist, die die Autorität eines drr ragendsten Neubegründer der kritischen Philosophie beanspruchen darf. Aus objektiven : denn die Tribüne, von drr herab der Philosoph seine Lehrmeinung über "das Judentum verkündete, sicherte dieser das aufmerksame Ohr einer erlauchten Versammlung von ausgezeichneten Vertretern nicht nur des liberalen Christentums, sondern der modern-ethischen Bewegung überhaupt, deren Belehrung über das Wesen des Judentums seitens des jüdischen Philosophen uns umso weniger gleichgültig sein kann, je kritikloser und unbefangener sie infolge ihrer ohne weiteres vorauszusetzenden Unkenntnis jüdischer Dinge der vorgetragenen Anschauung ausgesetzt waren. Daß sich Cohen dieser seiner persönlichen Verantworiungsschwere, Wortführer einer bis auf den heutigen Tag verkannten und verleumdeten Religionsgemeinschaft zu sein, vollkommen bewußt war, wäre bei einem Manne seinesgleichen selbst dann schlechthin zu präsumieren, wenn nicht schon jeder Satz der uns nun vorliegenden Rede Zeugnis dafür ablegte, wie wohl abgewogen jeder Ausdruck, wie bedächtig überlegt jeder Gedanke und wie sorgfältig gefeilt jede Periode dieses ästethtsch ungemein genußreichen Vortrags war. Es war ein gewagtes Unternehmen, vor einer vorwiegend christlichen Versammlung über die Bedeutung des Judentums zu sprechen. An der Scylla hochmütiger Glorifikation des Judentums zu Ungunsten seiner Tochterreligionen Nicht minder, wie an der Charybdis wehleidiger Klage über Verkennung und Mißachtung konnte man leichtlich zu gänzlichem ScheMrn kommen. Mit geradezu musterhaften:/ Takt Mt Cohen beide Schwierigkeiten übery«übrn7--Me unter unseren heutigen Schriftstellern ldtder^mmer seltener werdende Kunst des Andeutens, des zarten Verschleierns, die den Leser dazu erzieht, erst zwischen den Zeilen die letzte Tiefe des Gedankens selbsttätig zu reproduzieren, diese Kunst versteht Cohen ganz meisterhaft. Feinster Hauch philosophischer Abgeklärtheit liegt über der ganzen Rede und verleiht ihr einen ungemeinen Reiz. Man vergleiche die Stelle, wo Cohen über die Bedeutung der messianischen Hoffnung des jüdischen Volkes für seine Fortexistenz zu reden kommt: „Man weiß, wie sehr die jüdische Religion des Ankers der Hoffnung bedurft hatwie sehr sie noch heutigen Tages dieses Affektes bedarf, der daher dem Affekte die Ehre nicht rauben läßt. Unter allen Verfolgungen und Bedrückungen äußerer und, was am seltensten bedacht wirj innerster seelischer Art, behauptet der Jude sein Religiosität kraft seines messianischen Grundaffekt! der Hoffnung. Seine messianische Hoffnung is sein Trost und seine Zuversicht. Die Leide aber, so traurig sie immer, und nicht allein fü: den, der sie zu erleiden hat, sind, so haben doch niemals weder den Untergang eines Mm schen, noch den eines Volkes heröeiführen können wenn nur geistige und sittliche Kraft vorhanden waren, den Leiden Widerstand zu leisten." Oder wenn er den Gedanken leise andeutet, daß nur die Rückkehr zum alten Judentum das Christen tum aus den dogmatischen Schwierigkeiten der Gegenwart zu retten vermögen wird: „Das Ver ständnis der alten und lebendigen Religion mutz unabhängig gemacht werden von dem, was die Folgezeit gebracht hat. Der Grundgedanke der alten Religion ist nicht die Folge, sondern die Zukunft, in ihrer Sprache „das Ende der Tage". Man muß umlernen, man muß vor neuem anfangen". Das sind feine Worte, und in ihnen kommt ein sittlicher Idealismus der Geschichtsauffassung zum Ausdruck, der in einer Zeit, wie der unsri gen, die sich mehr und mehr daran gewöhnt hat, die Existenz sozialer Erscheinungen nur in ihreu materiellen Grundlagen verankert zu sehen und die Sicherung dieser Grundlagen als einzigen sozialpolitischen Gesichtspunkt zu erachten, nicht hoch genug bewertet und nicht eindringlich genuc beherzigt werden kann. Die unbedingte Zuver sicht in die Zukunft des Judentums, die sich au die tief eingehende Erfassung der welthistorischen Bedeutung des Judentums gründet, und der mannhafte Stolz des Philosophen, Träger dieser welthistorischen Traditionen zu sein, zugleich seit freimütiges Bekenntnis zu diesen Traditionen all das sind Züge, die man bei unseren jüdischen Geheimräten wenig gewohnt ist und dteEindruc und Wirkung auf den Kongreß nicht verfehlt haben werden. Die Bedeutung, die das Judentum für den religiösen Fortschritt der Menschheit gehabt, wird von Cohen in allem wesentlichen richtig skizziert wobei freilich davon abgesehen werden muß, daß Cohen, hierin ganz unter dem Etnstuß der Bibel kritik, einen von uns selbstverständlich negierten religiösen Fortschritt innerhalb des Judentums selbst annimmt. Ein prophetisches Judentum gibt es für uns nicht, und ebensowenig können wir hinsichtlich des Sabbats vom Dekalog des Exodus bis zum Dekalog des Deuteronomiums einen Fortschritt erblicken. Auch der Messias glaube wird von Cohen zweifelsohne in einer den Quellen widersprechenden Weise seines wohl umschriebenen positiven Inhalts beraubt. Allein es läßt sich gleichwohl nicht bestreiten, daß die kgelrämie «nctlMlrcdlranrübne. (Zum Wocheuabschuitt.) Bon Rabbiner I. Nobel in Halberstadt. Der Schluß der Sidra behandelt das rfttDp/ das Mucherwerk, seinen Altar und die Art seiner täglichen Darreichung vor Gott durch Aharon und filtop/ Licht und Duft, die beiden edelsten, idealsten Hevegaben aus der Sroffwelt sollten, ftch gegenseitig ergänzend, am Anfänge und Ende des täglichen MischkanbiensteS himmelwärts steigen. Licht und Dust sollten die heilige Atmosphäre der GotteSwohnung zu einer wohligen machen und es der Seele ermöglichen, mitten in den stofflichen Verrichtungen und Opferungen sich heimisch zu fühlen als Herrin einer dem Ideale zuströmenden materiellen Welt. pttfü—1'’rö* Mit diesen drei Worten spricht uns der wunderbare Wechsel in der Geschichte des GetfteS an, der in Israel bald auf Höhen menschlicher Vollendung, bald in Tiefen menschlicher Entwürdigung Platz griff. Vom Sinai stieg Gott, ba8 Gesetz in seiner Rechten, vom Himmel zur Erde, zu Israel nieder. Im goldenen Kalbe ließ Israel der Erde einen Gott entsteigen. Im Gotteszelte gründete Gott seine Wohnstätte auf Erden. Vom Sinai kommend, vom Berge Paran strahlend eroberte die GotteSoffenbarung tm Sturm und stammenden Blitz des Volkes Geist und Willen und Tatkraft. Mit seinem begeisterten ntWtt „wir wollen alles, was Gott geredet, tun, und wir wollen«L. verstehe«, stellte sich das Volk in den Dienst des :getPenhmÄen; Gottes. Doch wie bald machte diese Sinatstimmung lttserj anderen Begeisterung Platz, die sich imTrwzeum den' goldenen Abgott und im Rufe: „Dies deine Götter, Israel!" äußerte. ES hat sich hier nur zu bald gezeigt, daß die Eroberung JSraelS im Sturm und Feuer keine bleibende gewesen. Bleibend sollte diese erst werden, als Gott sich auf Erden eine bleibende Stätte gründete, um in Israels Mitte zu wohnen. An diese Wohnung knüpft sich der Gedanke der Stavlttät für die Beziehungen Israels zu seinem Gotte. Am Fuße des Berges Horeb gab auch sechshundert Jahre später der Engel dem Prophetm Elias die Lehre: „Nicht im Sturm und nicht im Feuer, sondern im leisen Säuseln der Stimmen suche, erkenne Gott!" Im Sturm, der Berge entwurzelt, und im Feuer, das den FelSgestein schmelzen macht, spricht Gott, erscheint Gott; allein in dem Hause, in dem jeder Nagel nach GotteS Weisung geschmiedet ist, in dem jedes einzelne Brett und das ganze Gefüge Gottes Willen künden und tausend SSuselsttmmen np*7 «TÖttl Vlp den Eintretenden grüßen und von früh bis spät jeden seiner Schritte und jede seiner Bewegungen lenken, in diesem Hause wohnt Gott. Die Anwesenheit Gottes hat hier in diesem Hause bleibendere Zeugen als im borü&e*5 gehenden Momente der Welterschütterung, und dir betör^ Menge wird nicht gleich nach anderen Göttern rufe" wenn ein einzelner Mann, und wäre es auch ein Moschs, einmal über Erwarten lang dem Gesichtskreise des aw geregten Volkes verschwindet. In diesem Hause kan» der Irrtum nicht aufkommen, als ob ein einzelner Sterb licher Träger der göttlichen Donnerstimmen und Träger des Gottesglanbens zugleich sei. Dies Haus gehört Gott und der Nation. Gott und die Nation haben an diesem Hause gebaut und sie bauen aus seinem inneren Heilig Mm, hinaus ins Leben, das heilig werden soll. Durch MeHallep des Mischkan schreitet in hehrer Ruhe die MäkWt.Aattes, und die Nation, die Mann für Mann zu Äesem 'Mischkan in innige Beziehung gesetzt ist, lauscht auf di^es Schreiten. Zum Zwecke dieses Mischkanbaues wird am Anfänge der S.dra kOT '2 eine Zählu g angevrdnet. Da> Gotteswort will diese Zählung der Häupter als Hauptes erhebung der Söhne Israels Vtt^ litt ttv7li '2 begriffen wissen *) und deutet schon dadurch an, daß mit der Erhebung der Hauptzahl eine moralische Erhebung ver bunden sein solle. Die Grundidee der N'LNV Bestimmung stellt sich unserer Betrachtung so dar, daß wir in der von jedem einzelnen geforderten Schekelhälfte erkennen sollen daS Prinzip der Zusammengehörigkeit und zwar nach zwei Seiten hin. Es soll erstens der Einzelne in Israel, gleichviel welche soziale Stellung er einntmnu und wie viel er von den Gütern deS Geistes und — Goldes sein eigen nennt, sich als einen Teil des Ganzen wissen. Der Einzelne mit seiner Habe, seiner Kraft und Begabung, ist nur ein Halbes, das in der Bolksgemein- *) Bgl. Mtbr. rabb. z. St. iiiä 16 sittli Me, alle, Sta Dar uigf> begr als Sii der Got und der kehr rein hat Lerr ganz solch und men bat Prir brac nicht wäh „m verv Absc Beg geste Uni siege risch setzu sittli wirk Jud M-t Gegl dam wese der l auf zwa: aber deut Zia!s gion die! ligiö mith Wer schaff zweit Stre die e denz Nicht und ' Gott« Hälft dieser es n> bürg' natto Tenst Sche Seit' des 1 Huni NatU bewu Heer« Jsra der <i münz Kalb, kunst Eine des Glor Mit weg der i zum

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