Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1911)
- Date
- 1911-03-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 22. Nr. 9 Der JSraeltr. 9. März 1911. gehalten wurde, wurde einstimmig beschlossen, daß die Jaden überall die Revolution durch Streik, Generalbohkott usrv. fördern. Purischkewitsch erbrachte — mittels eines Gummischlauches — schlagende Beweise dafür, baß die Juden fich auf einem Gebiet zusammenrotten und sich beharrlich weigern, ins Innere zu ziehen. Herr Raab- Berlin schilderte mit herzerfreuendem FastnachtShumor, wie die Juden Deutschlands in schamlosester Weise das Heer boykottieren. Einige echte Russen spendeten dem Redner für seine getstvollen Ausführungen eine ganze Flasche Wotka. Herr Raab weinte vor Rührung. Die Russen auch, als fie fich von der Flasche trennen mußten. Zuletzt sprach Schnetder- Wten über den Anteil der g a l i z t s ch e n Schnapsjuden an der Weltrevolution. Auch ste, so führte Schneider aus, begannen es mit dem Streike. Zuerst mit dem Hungerstreike, und nun haben fie die Frechheit, die Arbeit einzustellen und die Schenken zu schließen. Bet den Worten „Schenken schließen" bekamen einige Russen einen Nervenchok, und die Verhandlungen mußten abgebrochen wer.en. Ungarischer Brief. j(Von unserm Purim-Korrespondenten.) Kndaprst, -in** Qtf 12V' Nunmehr werden Einzelheiten von der letzten Audienz der mosaischen Etnhettspatrioten beim Minister bekannt. Die Ansprache der Deputation lautete ungefähr folgendermaßen: „Wir find ungarische Patrioten mosaischen Glaubens (die letzten zwei Worte waren sehr leise und näselnd zugefügt). Also kommen wir ungarische Patrioten im Namen der Liebe und Einigkeit und bitten, uns dte Gewalt in dte Hönde zu geben, auch unsere lieben orthodoxen Glaubensbrüder zur Liebe und Einigkeit zu zwingen. Wir wünschen, daß jedem Orthodoxen etn Gendarm zur Seite gegebe" wird, der darüber zu wachen hätte, daß er, der Orthodoxe, immerein freundlich Geficht uns gegenüber mache und nie einen schiefen Mund ziehe oder dte Ohren verstopfe, wenn er an unseren Tewpeln vorübergeht. Die orthodoxen Synagogen sollen durch je eine Abteilung österreichischer Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten bewacht und sogleich geschlossen werden, wenn etn deutsches Wort darin ertönt." „Daß es so weit gekommen ist," fügte der Redner der Deputation hinzu, „und dte schöne Einheit bet uns zerrissen wurde, ist die Schuld jener eingedrungenen Fremden, der Chazaren. Es ist ein Stamm, verstreut unter den Nanonali äten in allen Komitaten des Magharenlandes. Ihre religiösen Gebräuche find verschieden von denen aller anderen Völker und die Gesetze des Landes beachten fie nicht. Wenn's dem Minister beliebt, möge bestimmt werden, daß fie alle aus dem Lande getrieben werden." Hier unterbrach der Herr Minister den Redner mit folgender huldvoller Bemerkung: „Ich glaube, diese letzten tlasftfchen Sätze schon einmal irgendwo gelesen zu haben." „Ja," antwortete der Führer, „klasfisches Ungarisch klingt an dte Bibel an. DaS hat schon unser Redakteur Ezabolczi nachgewiesen. Wir haben diese Redewendungen aus dem Buche Esther, der Rede HamanS entlehnt." Nun wiesen dte Herren noch nach, welche Gefahr Kaftane und Seitenlöckchen für's Land bilden und baten inständigst um eine Verfügung, daß selbige überall, wo ste auf vaterländischem Gebiete sichtbar werden, von amtswegen beschnitten werden. Der Herr Minister zeigte fich sehr freundlich. Er begleitete dte Herren hinaus und machte ihnen höchsteigenhändig dte Türe auf . . . Als Muster der Einigkeit für s ganze Land darf die Gemeinde Fiume dahingestellt werden. Der Herr Vorsteher dortselbst konnte leider an der Deputation nicht ietlnchmen, da er gerade an diesem Tage in der Kirche fein mußte, wo er eine doppelte Sztmche erlebte: dte Taufe seines Sohnes und die Trauung seiner Tochter mit einem rassenretnen christlichen adeligen Herrn. Bet!>er darauf im Hause drs Herrn Vorsteher stattgefundenen Schmaltnee (Tauf-Seude) beschlossen die anwesenden Nemetndemttglieder, den Herrn Vorsteher für lebenslänglich in seinem Amte zu bestätigen und ihm für diese Amtsperiode im Voraus das Vertrauen auszusprechen. Ns issrV' Allerlei Stammbuebrpriicde. 5ür die Berliner Rabbiner: . Gehorcht der Zeit und dem Gesetze der Stunde!" (Schiller: Maria Stuart 111 3) Sür die vereinigten anfUemlfifdien Gruppen: „Selten habt ihr mich verstond.n, Seiten auch verstand ich euch; Nur wenn wir im Kot uns fanden, So verstanden wir uns gleich." (Heine: Heimkehr.) Jür die Alliance: „So'n bischen Französisch, Das ist doch ganz wunderschön." (Kalisch: Der gebildete Hausknecht, i ww Sür Herrn Bruhn: (an die anständige Presse.) „Zwischen uns sei — die W a hr h e i t." (Goethe: Iphigenie III.) Für die Reithsöuma: „Mit solchem Gesindel muß ich mich herumschlagen". (Friedrich II.: Schlacht bei Zorndors.) Sür Herrn Chr. Luöroig Seiger: „Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind." — (Schiller: Don Karlos.) Große Weste von Kanzelreden, die uns nach der Neuordnung des Gottesdienstes übrig geblieben sind, bill g, teilweise auch ganz umsonst und preiswert abzugeben. Wadöinat -er Jüdischen Gemeinde?u Kerlin. Silr Herrn Chaim llahum . „Es kann ja nicht immer so bleiben, Hier unter dem wechselnden (Halb)Mond.". (Kotze me: Trost beim Scheiden.) 5ür die QJanderarmenhaffen: „Ist Mitleid Sünde'?" (Schiller: Jungfrau von Orleans.) Sür den Verein für Seuerbeflaftung: „Bist mit dem Teufel Du und Du, Und willst Dich vor der Flamme scheuen'?" (Goethe: Faust I.) Sür die Bibelhrifiber: „INI Auslegen seid frisch und munter! Legt Jhr's nicht aus, so legt was unter." (Goethe: Zahme Genien.) Gin neues Kuch «der GnU;ie« von Dr. Theodor Kesstng ist soeben im Verlage der A. Z. d. I. mir e nem Vorworte von Geheimrat Gregor Ludwig »rschiencn. Das Buch enthält genaue Angaben über die Religionsgebräuche der Wilden in Ga'izi n. Besonders l bhast sind ihre Vokstänze am Tifchoveoo, ihre Bußübungen am Purim und ihre Zeremonien bei Keitstenoerdrennunge« geschildert. Ein ganzes Kapitel ist ihren Laubhütten gewidmet, in denen sie am Osterfeste ihre Mazzoth verzehren und ihre Chanukahlampen entzünden. Die dabei gesungenen Lieder, Akdomnns genannt, sind dcm'Dxte beigefügt. Sür Herrn Tfieofler Leüing: „Seht, wir Wilden sind doch'beff re Menschen." (Seume: Der Wilde.) Sür die russische Verbandsprefie: „Denn, was sie sinnt ist Schrecken, Und was sie blickt ist Wut, Und was sie spricht ist Geißel, Und was sie schreibt ist Blut." (Uhland: Sängers Fluch.) Sür Herrn Raab: „Mich dünkt, ich hör ein ganzes Chor, Von hunderttausend Narren sprechen. (Goethe: Faust I.) WMMWWWM Angebot, Eine Schabboslampe, Megiloh, mehrere Machsaurlm u. s w. bei einem überzeugten Christen in Berlin W. billig za haben. Die Gegenstände stammen alle aus dem Nachlasse eines Synagogendieners in Posemuckel hinter Posen und sind, seitdem sie in Berlin sind, ungebraucht. Kommerzienrat Schmatinski, Qerlin W. Berichtigung. Konstanttnopel» ^>T> Böse Zungrn streuten aus, daß der Chachambaschi all?r Chachambaschts von Haudu bis Kusch sein geistliches Amt mic dem eines Hofmarfchads an der Hohen Pforte vertauschen wollte. Das ist eine in jeder Beziehung zutreffende V erleumdung. Es ist erstens nicht wahr, daß er Hofmarschall werden wollte, zwettenS ist es nicht wahr, daß er als Hofmarschall seinen Chachambaschipostenaufgeben wollte und drittens ist cs nicht wahr, baß er nunmehr alle AuSstcht auf Erlangung dieser hohen Stelle verloren hat. V, I - .. f?