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Der Israelit · 1911-03-09 · Heft 10 (9.3.1911) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 10 (9.3.1911)
Date
1911-03-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Frankfurt a. M. 5671. fff: i w-. CorrcspondcBzen « Nach richte« aus Ser letzten Uchastrauimpost. Erfler deutfdier Ochsentag* (Bon unsrem Purim-Korresp?ndenien.) Uertin, 4. März. Nachdem bereits so viele „zuständige Stellen" sich in dieser „einschneidenden" Frage geäußert haben, war es nicht mehr wie recht, nunmehr auch einmal die Nächstbeteiligten, die Herren Ochsen, zu Worte kommen zu taffen. Es hatten sich daher heute Abend mehrere tausend dieser Rinder im Zirkus Busch eingefunden, um auch einmal ihrerseits ihr Urteil über das Schächten abzugeben. Den Vorsitz führte der erst jüngst aus dem „Rosenkavalier" vorteilhaft bekannt gewordene Ochs von Lerchenau, während die bekannten, polemisch veranlagten Ochsen aus Baba Kama als Beisitzer fungierten, Sekretär war Herr Graf Oxel von Oxenstierna, stud. med. aus Oxford. Als Zuhörer waren noch andere Säugetiere zugelassen, wie Affen, Schafe, Nilpferde, Menschen und Kaninchen. Allgemein fielen die prächtigen mit oxydiertem Silber belegten Hörner des Herrn Vorsitzenden auf, während einige der Anwesenden einen unangenehmen Geruch von Oxypropionsäure abgaben. Nach einigen einleitenden Worten des Herrn Vorsitzenden, in denen er darlegte, um wieviel beneidenswerter das Los derjenigen Säugetiere sei, die in der Vollkraft ihres Daseins von hier abberufen werden, als das derer, die sich alt, schwach, krank und hinfällig werden lassen, sich und anderen zur Last, wurde Herrn Boeuf a la mode, einem wegen der Fleischnot nach Süddeutschland importierten französischen Brummelochsen, einem kräftigem großen Tiere, das Wort zum Referat über die hier zu behandelnde Frage erteilt. „Sehr geöhrte Mitochscn, begann dieser seine Rede, quod licet bovi, non licet Jovi, es sei mir deshalb hier erlaubt, die Frage, die unsere höchsten Lebensinteressen hzrührt, hier etwas eingehender zu behandeln. Das Schächten ist Jahrtausende alt. Du sollst schlachten, so wie ich Dir besohlen habe, hat schon Moschech von Gott gesagt bekommen, niemand nahm irgendwelchen Anstoß daran, wir wurden geschachtet nach altjüdischem Ritus und befanden uns wohl dabei. Erft in Ihrem gesegneten Deutschland, war es den sogenannten Tierschutzvereinen Vorbehalten, eine Schächtfrage zu konstruieren. Man suchte nach allerhand Ersatzmitteln, und wie man für die köstliche von unserer holden Weiblichkeit stammende Butter die die Welt vergiftende Margarine eingeführt hat, so hat man auch für das Schächten minderwertige Surrogate geschaffen. Bouterole und Stirnschlag haben sie dafür ersonnen - meine Herren, wer einen solchen Stirnschlag schon einmal durchgemacht hat, der weiß, was das für einen rechtschaffenen Ochsen zu bedeuten hat, mir selbst hat man in Paris mehr wie fünfmal vor den Kopf gehauen, ohne daß ich nur im mindesten lebensgefährlich verletzt wurde, dagegen habe ich die gräßlichsten Schmerzen ausgehalten, bin wie wütend herumgerannt, habe mehrere der kleinen Menschenwürmer zertreten und wenn ich noch jetzt hie und da etwas Migräne verspüre, so kommt dies noch aus jener Zeit. Vergebens bat ich die Schlachthofärzte, mich doch nach jüdischem Ritus schächten zu lassen, aber diese Kerle, die eine Weltsprache begründen wollen, verstehen noch nicht einmal das einfachste Gebrumm eines Ochsen. Ich sagte ihnen, daß unsere Väter, Großväter und Urgroßväter, hinauf bis ins tausendste Geschlecht, stets nur geschachtet worden sind und sich nie darüber beschwert hätten, alle sind sie auf die sanfteste Art hinübergeschlummert —, aber niemand verstand mich und so wurde ich von der Schlachtbank wieder heimgeführt, in den Stall, wo ich ein wenig beneidenswertes Dasein weiterführen mußte. Und was die Tierschutzvereine betrifft, die hätten doch wahrlich Gelegenheit, sich um andere Dinge zu kümmern, da werden in den schönen Parks Hirsche gezähmt, so lange bis sie aus der Hand fressen, dann wird die Hofjagd angesagt und die armen seither mit den heuchlerischen Menschenbestien so befreundeten edlen Tiere werden bis aufs Blut gehetzt und geschossen, bis sie elendiglich verenden, ähnlich ist es auf der Sauhatz, auf der Vogeljagd und anderen „Vergnügungen", denen die angeblich vornehmsten unter den Menschenbestien huldigen Unschuldige Vögelchen sperren sie in Käfige, Fische und Krebse werfen sie lebendig in den Kochtopf, alte im Dienst ergraute. Droschkengäule schlagen sie halbtot. Grausamkeiten, die niemals einem anderen Warmblüter, der lebendige Jungen wirft und sie an der Mutterbrust nährt, in den Sinn gekommen." Es entspann sich nun eine längere Debatte, in der alle, auch verschiedene Nichtochsen, ihren Abscheu über die neu aufgekommenen Todesarten kundgaben und das Schächten als die sanfteste und angenehmste Todesart bezeichneten. Namentlich wurde festgeftellt, daß das Bewußtsein auch durch Betäubung nicht schwinde, schon aus dem Grunde, weil keines vorhanden sei. Schließlich wurde die folgende Resolution resp. Protestkundgebung zur Verlesung gebracht: „Die hier versammelten 10,000 Ochsen aus aller Herren Länder legen auf das entschiedenste Verwahrung ein gegen die Abschaffung des seit Jahrtausenden wohlbewährten Schächtschnittes zugunsten anderer grausamer Todesarten/ es soll verhütet werden, daß die Menschenbestien immer weiter aus Kulturstufen hinabsinken, die von ihnen schon in grauer Vorzeit überwunden wurden, daß sich ihre sog. Humanität in Hamanität verwandle. Aus diesem Grunde sollen auch internationale Menschen-, im Gegensatz zu den seither bestehenden falschen, wirkliche Tierschutzvereine begründet werden. Diesen soll in erster Linie die Aufgabe zufallen, in der Schweiz das Abfallen der Menschen von den Bergen zu verhindern und in Deutschland die systematischen Hetzjagden zu beseitigen. In Frankreich soll gegen die Wiedereinführung der Todes strafe vorgegangen werden, in Rußland gegen die Pogrome und in Rumänien gegen die dort beliebten Judenverfolgungen. Die Schtmpfwörte: Rindvieh, Ochs, Esel, Schafskopf werden in Zukunft nicht mehr angewendet, dagegen sollen an deren Stelle die Worte: Mensch, Knabe, Mädchen, Direktor, Geheimrat usw. gebraucht werden." Es folgen noch einige Schlußworte der auswärtigen Gesandten, von denen einer hervorhob, daß man sich unter keinen Umständen das Maul mehr verbinden lasse, auch wenn man nicht dresche und daß die Zeiten vorbei seien, in denen die Ochsen zitterten, wenn neue Wahrheiten an das Licht kommen. Man trennte sich mit dem Rufe aus den Sprüchen der Väter: Al tehi bos Tchol odom Sei kein Ochs für jedermann. Zur Kleifchnot. Frankfurt a. M., 14. Adar. Wie man hört, sollen alle Mitglieder der Religions-' gesellschaft auf Gemeindekosten mit Röntgenapparaten versehen werden, damit ihre Frauen das Netz, das fie täglich dom Mctzgcr erhalten, bis auf die Knochen durchschauen können. Es ist ferner in Erwägung gezogen, ob nicht bei diesem Anlaß auch Mi kro,kope angeschafft werden sollen, um die ron den konzesftonierten Bäckern gelieferten Brötchen auf den Frühstückstischen leichter entdecken zu können. Wer rettet die Falufchus? Frankfurt a. M, njnb V'8 n^nöl- Auf unseren Appell: „Wer rettet die Falalchas?" ergoß fich eine ganze Flut von Wohltaten über diesen unseren versprengten Stamm. Unsere großen und kleinen Organisationen schicken jetzt alles Ent b ehrliche einfach nach Abessinien. Der Badische Oberrat schickt ihnen mehrere tausend Exemplare neuer, noch unbenutzter Gebetbücher, an denen dort großer Mangel ist. Der D. I. G. B. schickte ihnen zwei fertige Entwürfe zu etnerGemetndeorganrsativn. ch muß mbczug ouf den zweiten ein Mißverständnis obwalten, denn ste antworteten in ganz unverständlicher Weise: Diese Macholkonserven find für uns ungenießbar. Uebrigens soll dort die Zwangsorgantsatton für die Falaschas bereits dom Kaiser aller Kaiser, Dienelik — vorausgesetzt, daß fich die Nachricht von seinem Tode nicht bestätigt — in die Hand genommen worden sein. Manche Gemeindevorstände haben fich zu ihren Herden geflüchtet und konnten bis jetzt noch nicht in die Organisation gezwängt werden. Die Pariser Zentrale der A l l i a nc e mugre letder ihr Versprechen, das gcscönte ArchtvmaUrial der aufgelösten Deutschen Konferenzgemeinschast den abesstnischen Brüdern zu überweisen, vorläufig zurückrrehmen. Petersburg, -n*6l nr6 Töt&rfc In einer Versammlung, die, von Purischkewttsch, Raab und Schneider einberufen, in Kischinew ab- -k l * I - t HUI >>,WMMlll^«»»«»»WWWWWW»W»WWWMWW»WMMWW

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