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Der Israelit · 1911-03-09 · Heft 10 (9.3.1911) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 10 (9.3.1911)
Date
1911-03-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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9 März 19111 Der $6taettt. Seite U No. 10 die Hand der Judenmission hineinarbeitenden Veranstaltungen radikal-reformerischer jüdischer Seelenhirten. Wir meinen „Rabbi" Stephen Wise's „People's Synaqogue", in welcher mit christlichen Geistlichen allwöchentlich ein „vereinigter Gottesdienst" gepflegt wird. Glücklicherweise wenden sich hie jüdisch-orthodoxen Massen instinktiv von diesen selbsternannten „Heilsboten" ab, so daß die „Kehillah", im Gefühl ihres unvermeidlich herannahenden Fiaskos, bereits eine Kursveränderung vorgenommen hat. Sie will künftig ihre Haupttätigkeit auf den durch diplomatische Hilfe herbeizuführenden politischen Rechtsschutz unserer im Auslande verfolgten Glaubensgenossen beschränken. So sehr auch in dem gegenwärtigen Gährungsstadium, in welchem sich die jüdisch-amerikanische Orthodoxie befindet die Planlosigkeit und der Organisationsinangel ihres religiösen Lebens zu bedauern ist, bleiben diese, angesichts der beschriebenen Bevormundung, immer noch die kleineren Uebel. Und solange sich nicht aus seiner eigenen Mitte die richtigen Elemente Hervorarbeiten, um denk orthodoxen Judentum hierzulande die Signatur einer zielbewußten, überzeugungstreuen, kompetenten, echt-jüdisch volkstümlichen Zentralverwaltung aufzudrücken, gilt auch hier das Wort unserer großen Prophetin während einer ähnlichen vorzeitigen GährungSperiode: wvo mjns ynsa •l 13-0 Dy 3-12N70. In Ermangelung eines Bessern ist die private, im einzelnen sich bestätigende wahre Frömmigkeit gewiß der öffentlichen organisierten Heuchelei vorzuziehen. Und selbst in Anbetracht der unleugbaren Uebelstände, die eben wegen des Nichtvorhandenseins eines geistigen Zentrums im jüdisch-orthodoxen Leben hier vorherrschen, trifft auch schlechterdings der alte talmudische Spruch zu: i'TTÖ ivr ttyl VTPff 3viv „Versehen ist besser als Verbrechen!" vermischtes. Frankfurt a. M., 7. März. Nach dem vernichtenden Urteil, bas, wie seinerzeit mitgeteilt, das Schöffengericht im Januar über den gegen den „JSraettt" klageführenden Kultusverlag G. m. b. H. gefällt hat, hatte dieser doch noch den Mut, die Sache noch einmal an die zweite Instanz zu bringen. Die Verhandlung der Strafkammer am 6. dS. brachte das gleiche Resultat und eine scharfe Verurteilung deS GeschSftsgebahrenS der klagenden Partei, die vom „Israelit" als G. m. b. H. zur Ausbeutung jüdischer Wohltätigkeit dahingestellt wurde. Die Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts, bas dem Beklagten den Schutz des § 193 zugebtlllgt hatte, wurde von der Strafkammer verworfen. Es sei, wie der Vorsitzende betonte, in diesem Falle nicht einmal nötig, zum angeführten Paragraphen Zuflucht zu nehmen, da der ahrhettsbewets als erbracht betrachtet werden muß. Berlin, 24. Februar. Die beiden Abwehrorgantsationen „Verein zur Abwehr deS Antisemitismus" und der „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" haben sich zu gemeinsamem Borgehen vereinigt im Wahlkampf gegen die verschiedenen antisemitischen Parteien, lieber die Verwendung der eingehenden Wahlfondsbetträge wird eine Kommission, bestehend aus Vertrauensmännern beider Vereine, Beschluß fasten. Hamburg, 4. März. Am 28. Februar, 1. und 2. März bestanden unter Vorsitz des Herrn SchulratS Prof. Dr. Heskel bet der Schlußprüfun der Talmud-Thora-Realfchule 31 das Examen und erhielten die Berechtigung z jährtg-Freiwtlligen -Dienst. vereiasmere«. Frankfurt a. M., 8. März. Es bedurfte keiner besonderen ÄgitattonSmtttel, um für eine P e a h - Veranstaltung ein volles HauS zu bekommen. Der große Saal des Kaufmännischen BereMShaufeS mitsamt den Galerien war denn auch am Festabend am letzten DtenStag von einer Menge — eS dürsten etwa fünfzehnhundert Personen gewesen sein — gefüllt, die durch ihr reges Interesse für die Vorgänge auf der Bühne und das festliche Leben und Treiben im Saale beredtes Zeugnis für die große Popularität ablegte, deren sich die Jüdische Brockensammlung m allen hiesigen jüdischen Kreisen erfreut. Eingeleitet wurde die Fein mit einer Ansprache von Frau Erna Bamberger. Die altjüdtsche Peah- Jnsttiution, so ungefähr führte die Rednerin aus, „hat ihre foztalethtsche Bedeutung auch heute noch für unS und kommt in finnigster Weife in her Einrichtung der „Brockensammlungen«, die es drm Armen ermöglichen, für wenig Geld seinen mannigfaltigen Bedarf zu decken, zum Ausdruck. „Arbeit statt Almosen, Kauf statt Bettel!« ist die Devise der „Peah". Die Rednerin schilderte mit schönen eindrucksvollen Worten die segensreiche Tätigkeit dieser Institution und ihre erzieherische Wirksamkeit, nicht zuletzt auch in religiöser Hinsicht, da fie den arbeitssuchenden Glaubensgenossen ermöglicht, bei Heiligung des Sabbats ihrer ehrlichen Befchöstigung nachzugehen. Die Ansprache schließt mit einem warmen Appell an die Versammelten, bet Gelegenheit der „Peah" eingedenk zu sein und ihr durch Zuwendung aller entbehrlichen Gegenstände die Möglichkeit zu geben, ihre Aufgabe immer besser zu erfiillen. Unter letsem, geheimnisvollem Gesänge vom Hintergründe geht nun der Vorhang auf und enthüllt ein liebliches Bild: fünf Kinder in allerliebsten Zigeuner- Kostümen führen mit Kunst und Grazie und schelmischen Zigeunerallüren einen Zigeunertanz auf. Die lockenden Klänge der TambourinS und dte holden Sümmchen der leichtfüßigen, sich im kunstvollen Reigen drehenden Kleinen boten eine Augen- und Ohrenweide ganz seltener Art, die sehr dazu angetan war, die echte Feststtmmung, dte während der ganzen Feier obwaltete, sestzuhalten und zu verstärken. Es folgten dann drei Lieder, mtt vollendeter Kunst von der bekannten Konzertsängerin Frl. Alice B a e h r vorgetragen, worauf fich uns ein junger, recht vielversprechender Geiaenkünstler in Herrn Kurt Stern präsentierte, der seinem Instrumente weiche Töne entlockte, die der Versammlung zu Herz und Gemüt gingen. Eine treffliche Sprechkünstlertn, unterhielt uns dann Fräul. Else Adler, mit rbret prächtigen Rezitationen, und mit einem Ltedervortrage des bewährten KvnzertsängerS Herrn Theo Bachenhetmer fand der erste Teil deS Programms feinen Abschluß. Ein reges Geschäftsleben und Markttreiben entwickelte sich nun während der langen Pause im Saal und den angrenzenden Räumen. Alles drängte fich nach den Verkaufsstellen und den mit schönen Sinnsprüchen und farbigen Dekorationen geschmückten Buden. So prangte am Eingänge dte Einladung: „Wer Hunger ober Durst.verspürt, Nur immer hier hereinspaziert. Dte „Peah" braucht nicht lang zu locken, Man weiß: Ste hat die besten Brocke n." An der stets dicht belagerterr^To.m b o l a laS man: „Nun strömt herbei'in heflm. Haufen, Glückslofe bei unS etnzükausen! Ein jedes LoS als Treffer gilt, Glückslosen daraus Segen quillt!" Dazwischen huschten die Verkäuferinnen in ihren bunten Kostümen, dte mit viel Geschick ihre Ware anpriesen und ste auch immer mit großem Vorteil an den Mann zu bringen wußten. Wer hätte auch dem Werben so holder Mädchengestalten widerstehen können. Baiwaren alle Buden und Verkaufsstellen ausgeplünderr, und hier und da sah man dte Festgäste wahre Kämpfe um einen Bissen oder einen Schluck auSfechten. Bei dieser Gelegenheit sei noch vermerkt, daß die Brauerei Binding in liebenswürdiger Weise das Bier der „Peah" gratis für diesen Abend zur Verfügung gestellt hatte. Es dauerte eine geraume Welle, btS man die Gäste aus dem bunten Treiben heraus wieder auf ihre Plätze bringen konnte, um den zweiten Teil zu beginnen. Dieser wurde würdig und stimmungsvoll durch einen ausgezeichneten Liedervortrag des Fräulein Mathilde Oppenheimer etngeleiter. Ihre schöne ausgiebige Stimme und einnehmende Vortragsweise errang den ungeteilten Beifall der Versammlung. Roch einmal erschienen Frl. Alice B a e h r und Herr Theo Bachen, h e im e r auf der Bühne, um das Duett aus den „Jahreszeiten" formschön und kunstgerecht vorzutragen. Dann gelangte daS SituationSbtld „Ein Stündchen in der Peah" zur Aufführung. Die wttwtrkenden Damen und Herren waren mit so viel Liebe und Begeisterung bei der Sache, daß das Publikum beim Auftreten der verschiedenen Käufer und Käuferinnen aus dem weit ausgedehnten KunüevkretS der „Peah" aus dem Lachen gar nicht hsrauSvmk^lMtt-brochWMWtze' die heilere Sttmmung nur Hs,armüxArau (Fräulein Nellh BambergKr) .mit. , ihrem Sünde erschien und, von der die Aufsicht führenden Dame ermuttgt, ihren Jammer schllderte, daS Elend der aus Frankfurt ausgewtefenen, auf einer kalten Mansarde in Offenbach hausenden siebenköpfigen AuSlSnbetfamtlie, deren Vater vergebens nach Arbeit sucht. Hier findet die Arme daS, was fie so heiß ersehnt: nicht Almosen, sondern werktätige Hilfe, ehrliche Arbeit für ihren Mann. Die so recht das Programm der „Peah« Institution verkörpernde Scene htnterlteß einen nachhaltige» Eindruck, der auch durch die. darauffolgenden kamstchen Situationen, mit denen daS Stück schloß, nicht mehr abgeschwächt werden konnte. DaS Publikum zeigte fich sehr dankbar und rief stürmisch nach dem Verfasser (L. Schachnowitz) und dem Regisseur (Herr Oskar Ebersbacher vom Frankfurter Komödtenhaus). Mit einem Tanze, umer dem Titel „W a l d z a u b e r", in sehr gelungener Weise vo r den Damm Lilly und Alice S ch a m e 8 aufgeführt, schloß die Feier gegm 2 Uhr nachts, die allen attm Teilnehmern tooöl lange im Gedächtnis bleiben wird. > Wie wir hören, hat das Fest dem BavfondS der „Peah", zu dessen Gunsten eS stattfand, einen hübschen Ertrag geliefertnebenbei aber dürste eS der noch nicht überall genügend bekannten Institution eine ganze Anzahl neuer Freunde gewonnen haben. Frankfurt a. M., 8. März. Die Vorbereitungen für die Purimfeier des '22k am Sonntag, den 19. März, find ln vollem Gange und versprechen einen vergnügten Abend. Zur Bequemlichkeit der Festbesucher hat das Komitee sich veranlaßt gesehen, außer den jüdischen Buchhandlungen noch folgende Verkaufsstellen für EtnlrtttSkartm etnzurichtrn: G. M. Holz, Zigarrenhandlung, Konstabler Wache- Hacifa, Ztgarrenhandlung, Köcherstr. 51 - Konditorei Schmidt, Allerhetltgenstraße- S. Wolf, Wursthandlung, Filiale Wesersttaße. Frankfurt a. M., 6 März. Am Mittwoch, den 28. Februar sprach Herr Provtnzialrabbtner Dr. Bamberger aus Hanau im Saale der „Loge zum Adler" 'über „Die Memoiren der Glückl von Hameln". Der hochgeschätzte Redner schilderte ein bedeutendes jüdisches Fraumleben an der Wende des 17. und 18. Jahrhunderts und gab uns zugleich ein interessantes Stück jüdischer Kulturgeschichte eben dieser Zeit. Wir erfuhrm über die ersten Ansieblungen der Juden in Hamburg und Altona, Episoden aus der Geschichte der Juden in Metz, dann an Hand des Buches Einzelheiten über die Familie der Glückl und über hervorragende damalige jüdische Glehrte. Ihr Werk, in fieben Bänden geschrtebm, und zwar jüdisry-deutsch, in der Sprache der Zeenu Urenu, war von der Verfasserin nicht für die Oeffentlichkett bestimmt. ES hat jedoch durch seine Eigenart und Reichhaltigkeit alS Sittenbild viele Beachtung gefunden. Frankfurt a. M., 7. März. Eine echte iinvv HtttÖ bti? erlebten wir gestern abend anläßlich einer MD'Feier, die die Gumpertz-Daanfche mm TlttSn Stiftung auf p’ipiSD 'Dtt veranstaltete. Dte starke Betelliguag seitens der lernmden Mitglieder und zahlreichen Gäste zeigte wieder, wie lebendig der Thoragedanke in weiten jüdischen Kreisen dahier fich noch erhalten hat. Biele mm i-QI find bet dieser Gelegenheit gesprochen worden. Es sprachm der derzeitige Lehrer der Stiftung, Herr Sretnberger, sowie dte Herren Julius Lewin, Maximilian Michel, GinSberger und Harrh Hirsch. Die Verdienste des letzteren um dte Feier hob noch besonders anerkmnend und dankend Herr Julius L e w t n in seiner Schlußrede hervor. Mit dem I^yv'Gebete fand die schöne Thorafeier in später Stunde ihren würdigen Abschluß. Wien, 17. Febr. Ter jüdische Verein „Einheit" zur Erhaltung einer jüdischen -Speiseanstalt, verbun den mit einer „Mensa academiea judaicä“ hat die Be willigung zur Veranstaltung einer Effekten-Lotü'rie, zu Gullfteu der speisehalle und der Mensa acadeniica erhalten. Heute schon verabreicht der Verein „Einheit" in seiner, Wien II, Malzgasse 12 mit allen modernen und tmgienischen Einrichtungen ausgestatteten speisehalle, täglich mehrere hundert Spelscportionen, und die jüdische Studentenschaft, welche ihre eigenen Mensaräume aufsucht, empfindet es nicht nur als eine Wohl tat, sondern auch als eine bedeutende Errungenschaft, den Mittags- und Abendtisch gemeinsam in jüdischem Hause einnehmen zn können. Ter immer größer kver dende Andrang in den Räumen der speisehalle wäh rend der Mahlzeiten, hat eine wiederholte Erweiterung derselben notwendig gemacht und abermals muß der Verein darangehen/ den täglich sich steigernden Anforderungen zu entsprechen und der speisehalle, wie auch der Mensa academica ein eigenes, allen Ansprütlxm genügendes würdiges Heim zu schaffen und diesem geradezu heiligen Zwecke soll das Erträgnis der Lotterie gewidmet werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Aktion des Vereins „Einheit" in den weitesten .greisen tatkräftige Unterstützung finden wird. Seyueidemuyl, 20. Fcbr. Am 19.'Februar hielt Herr Maxim K o p l o w r tz aus Scharley (O.-S.) tm „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" einen Bortrag über Palästina. Die Versammelten folgten den interessanten Ausführungen des gewandten jungen Redners mtt größter Aufmerksamkeit. Mit einem warmen Appell, alle Bestrebungen zur Hebung der wirtschaftlichen Lage in Palästina zu unterstützen, schloß der Referent seine Ausführungen. Düffeldorr, 15. Febr. Am Samstag, 7. b. Mts. hielt im „Talmud-Thora-Beretn" dahier Herr cand. jur. Leo A d l e r aus Köln einen Bortrag über „DaS Leben Rabbi Aktbas«. Der geistvolle Redner verstand es, die Anwesenden zu fesseln und für den Gedanken der Thora zu begeistern. Prcstburg, 5. März. Am 1. März fand dte Generalversammlung der "tan mm rn2N, welche fich zur Aufgabe machte, täglich BOIS mm zu lernen, statt. Herr Moritz Frey widmete als Präses dieses Vereins einen warmm Nachruf dem vor kurzem dahingeschtedenen, durchThoragelehrsamrettausgezelchnclknHrcnE.V reiner der ein eifriges Mitglied des BrretnS war. Er ichitdette seine Thoragröße mb fyob auch fein /mr fiNT* hpTO! hervor. Personalien. Frankfurt a. M.» 9. März. Einen wahrhaften »Srbüler der Weisen« baden wir soeben, TBT.

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