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Der Israelit · 1911-03-09 · Heft 10 (9.3.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 10 (9.3.1911)
Date
1911-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 10 D« Sflmtitt. 9. März 1911. 9 alles dürcheinanderbraust und gährl — wie unklar und ziellos das gegen und untereinander kämpft, jeder akzentuiert mit Stolz sein Juden tum. Und in diesen etwas feurigen Zusammenkünften und Zusammenstößen dokumentiert sich am wohltuendsten und lebendigsten der schärfste Protest gegen Köhlers und anderer Jugendfreunde Zumutung. Trotz dem viel verschrienen und nachbarlich nahen Berliners, in dem ja schließlich auch noch viele brave Juden,—freilich nur vereinzelt—leben, hat das Berliner Judentum noch eine Zukunft,' und das kommende Berliner Judentum — jetzt noch Penäler, Lehrjungen, Studenten, Kommis usw. — hat eine Zukunft. Der Liberalismus wird schwerlich gut dabei abschneiden, soweit das menschlich voraussehbar ist. Gegenwärtig aber muß einmal festgestellt werden, wer denn eigentlich hinter dem ganz neu entstandenen „Liberalen Jugend verein" steckt und bei ihm Pate gestanden hat. Eine Großlogenschöpfung ist er sicherlich nicht. Da aber auch dieser Verein mit Logengeldern unterhalten wird, so darf man doch wohl einmal in aller Bescheidenheit die Frage stellen, ob denn irgend eine Bnei Brith-Loge das Recht hat, über den Kopf der Großloge hinweg, überhaupt in eine Logenschöpfung irgend eine Parteitendenz hineinzulegen. Die Tatsache an sich besteht, wie Ihr Berichterstatter von durchaus glaubwürdiger Seite in Erfahrung gebracht hat. Da aber bisher der Orden keine Parteistellung innerhalb der Bnei-Brith, weder offiziell noch inoffiziell gebilligt und sich bisher unparteiisch und neutral verhalten hat, so ist es umso gefährlicher für die Zukunft des ganzen Ordens, wenn nicht die Großloge mit größter Strenge gegen die Störenfriede in den Jugendveretnen vorgeht. Mag die Bildung dieses „liberalen Jugendvereines" auch nur ein Borstoß gegen die Zionisten sein, — er ist eine Gefahr für-den Orden. Denn man wird sich in Zukunft sehr reiflich überlegen, einer jüdischen Institution beizutreten, in der einige Logenmitglieder das Ordensprinzip einfach ignorieren und auf den Kopf stellen dürfen, um eine andere Richtung niederzuringen; auch Wenns „nur" Zionisten sind. Das nächste Mal könnte es die Konservativen treffen. Muß denn schon in ganz junge Menschen Parteigeist und Hader hineingetragen werden, bevor ihnen überhaupt noch das Judentum als Ganzes klar ist?? E. Rs. Aerlirr, 19. Februar. Nach Erledigung des geschäftlichen Berichtes der vorigen Sitzung wurden in der Repräsentantenversammlung folgende Zuwendungen angenommen: Frau Jetly Schönfeld zu Grabeserhalherzliches Lebewohl, nachrieien: der Direktor mtt den Lehrern. („Tie Juden".) Am Samstag gelangt im Frankfurter H o m ö b i e tt 1) a u f c zum ersten Male das. Tschirckofsche Drama: „Die Inden" zur Anssührnng. Es ist eine erschütternde Tragödie ans dem iüdischen Leben in Gastland, verfasst van einen: Dichter, der sich in der russischen Iudengasse gut austennt und als Christ das Bedürfnis empfand, einmal auch Nils dem Wege der Bühne. durch Darstellung eines Pogromes in seinen bestialisrlien Formen das sog. „ e n r o p ä i s ch e (>) c lv i s s e n " zu wecken. Das Stück ist in Rußland verboten und hat bei seiner Mfsührnitg im D e n t s ch e n T h e a t e r in Berlin vor einiger! Jahren großes Aussehen erregt. Wir behalten uns eine eingehende Würdigung des Dramas für die nächste Nnrnmer vor die bevorstehende Aygiette-Ausstellttttg »N Dresden) lesen wir in einer ,jcitnngskorr;spondenz,' „In der Historischen Abteilung wird zürn ersten Maleeine beschichte der Hygiene systematisch gegeben werden. Man wird zeigen, wie schon vor Tausenden von Jahren der Mensch geradezu verblüffende (Se- DarifCH entwickelt hat, die sich ans die gesttttdheit liche Förderung drs Individuums nnd damit nach der staatlichen Gesellschaft richten. In originelles Weise wird dem Besucher z. B. zum Bewußtsein gebracht werden, wie das gesainte Dichten und Trachten des Propheten Moses darauf hinansging, seinem heruntergekommenen Bolke die körperliche Ötesundheit, als die notivendige Voraussetzung für die geisttge Entwicklung, wiederzugeben. Tie religiösen Vorschriften, mit denen er feinem Volke eine hochentwickelte Agientz tungen und Wohltätigkeitszwecken 6000 M. Der Deutsch-israelitische Gemeindebund überreicht seine Bibliothek an die Gemeindebibliothek, Doubletten erhält die jüdische Lesehalle. Rentier Wolf zu Grabeserhaltungen überweist der Gemeinde 4000M. Für das 2. Waisenhaus in Pankow übernimmt die Gemeinde die Verwaltung eines Kapitals aus dem Gotthilf Salomonischen Nachlaß von 100000 Mark. Es folgt die Genehmigung eines Antrages von Mitgliedern der Versammlung auf Abänderung der Bestimmungen für die Repräsentantenwahlen. Zu den Statuten soll ein Nachtrag geschaffen werden, der das Proportionalsystem einführen soll. Ganz besonders sollen auch Mitglieder, die mit ihren Steuern im Rückstände sind, in Zukunft wahlberechtigt sein, auch sollen sie bei Verlust des abgestempelten Wahlzettels in Zukunft auf eine andere Weise wählen können. — Zur Kenntnisnahme kommt eine generelle Regelung der Einrichtung von Fortbildungsklassen an den Religionsschulen, die Schülerinnen, welche ein Jahr Unterricht erhalten, die Berechtigung gibt, an der Konfirmationsfeier der Herren Dr. Weiß, W. Warschauer und Dr. Bergmann teilzunehmen. Ein sehr wichtiges Abkommen mtt der städt. Waisenverwaltung wird genehmigt. Bisher besteht bet der Stadt Berlin der Brauch, jüdische Waisenkinder erst mit dem Beginn der Schulpflicht in einer jüdischen Pstegestelle, die von der Waisenkommission vorgeschlagen wird, unterzubringen. Bis dahin befinden sie sich in nichtjüdischen Familien. Die städtische Waisenverwaltung empfindet diesen Wechsel als eine große Härte und hat sich deshalb mit unserer Waisenkommission in -Verbindung gesetzt, um mit ihr zu beraten, wie dem abzuhelfen sei. Es hat eine Besprechung zMscksü Vertretern der beiden Körperschaften stLittgefütid'ekff Hierbei ist seitens der städtischen Waffenverwaltung der Vorschlag gemacht worden, die Kinder entweder in der christlichen Pstegestelle zu belassen und ihnen jüdischen Religionsunterricht zu erteilen oder aber die Kinder bereits vor dem schulpflichtigen Alter in jüdischen Pflegestellen unterzubrtngen. Dann müßten der städtischen Waisenverwaltung von unserer Waifenkommission geeignete Stellen für kleine Kinder, namentlich auch für Säuglinge, nachgewiesen werden. Seitens der Vertreter unserer Waisenkommission ist hervorgehoben worden, daß auf die Unterbringung der schulpflichtigen jüdischen Kinder in jüdischen Pflegeftellen von dem Standpunkt der jüdischen Gemeinde aus Wert gelegt werden müsse. Die Kommission sei deshalb, um den Stellenwechsel zu vermeiden, bereit, nach Möglichkeit auch schenkte, zeugen von einer hervorragenden Genial:-^ rät. Bon dem jüdischen Volte wäre heute vielleicht nichts mehr übrig, wenn Moses, der große Organisator, iricht das Heil in einer zielbewusst?» soziallwgiene gesucht hätte." Es bedarf hier keines Hinweises, daß die Ansfassnng der biblischen Gesetzgebung als von wesentlich hygienischem Charakter ebenso irrig ist lvie die Vorstellung von der menschlichen „Genialität" Mvsis. Immerhin darf die Anerkennung,der mosaischen Gesetzgebnn.a auch in der Forstl,! ini der,sw,,,hip,r-zyj,Ipge tritt, mit Genugtuung. dieser j Gesetzgebung gehört übrigens aitclv die > Sch-est) i a! | (Der Mörder in der Schlinge.) Wie ein Pendant zur Pulimgeschichte hört sich folgende (N'schichie an, die sich nach anctlich verbürgter Mitteilung im Torfe Ielediwa bei ttamarowka in Pußpalen ereignet hatte. Ter .Schultheiß, des Dorfes, Oer zugleich Post - Verwalter war, hatte vor einigen Tagen ei,rer Jüdin r>0() Rubel auszuzahlen, die sie von ihrem in Amerika lebenden Gatten erhalten hatte. Am Abend desselben Tages, au dem sie in der Poststelle des Schultheiß das Geld erhalten hatte, klopfte der Schultheiß an ihre Tür nnd bat sie, ihn etwas ansruhen zu lassen. >tanm hatte er die Tür hinter sich geschlossen, als er unter Todesdrohnngen von der Iran das Geld zurückforderte. Tie Frau übergab dem Schultheiß die .'»>»> Rubel und bat ihn,' sie sofort zu verlassen. Ter Schultheiß lächelte aber .höhnisch mrb sagte: „Nein, nwin Täubchen! Tu hast Dich zwar sehr anständig benommen, und drum will ich Tein Blut nicht vergießen. Du könntest mich aber doch anzeigen, nnd darum sollst Tu trotzdem sterben. Aber ich werde Dich eines leichten Todä Herben lassen. Vorher wollte * Pflegeftellen für kleinere Kinder zu beschaffen. Eine Schwierigkeit liegt nur darin, daß für diejenigen Sätze, die regelmäßig von der Stadt bewilligt werden, geeignete jüdische Pflegestellen nicht zu haben sind. Seitens der Vertreter unserer Waisenkommission ist den Vertretern der Stadt gegenüber die Erklärung abgegeben worden, daß eine Ausnahmestellung des Entgelts unsererseits nicht beansprucht werde. Es ist dementsprechend die Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht worden, etwaige Mehrkosten auf die jüdische Gemeinde zu übernehmen. In der geheimen Sitzung am 12. Februar wurde ein Grundstück in der Levezarstraße und ein Grundstück am Kottbuser Ufer zum Bau zweier Synagogen angekaust. Mit dem Bau soll bald begonnen werden. Das Urteil des Reichsgerichts in dem Hamburger Ufdienurnen-Projeß. (Bon unserw Korrespondenten.) Bk. Leipzig, 4. März. Auch das Reichsgericht hat jetzt zu Ungunsten der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg in einem Rechtsstreite entschieden, der über die Frage entstanden war, ob die Aschenreste verbrannter Leichen nur an der hierzu bestimmten besonderen Stelle des Israelitischen Friedhofes betgesetzt werden dürfen und nicht inmitten der ü b r i g en G r ä b e r, selbst wenn die Verstorbenen schon bei Lebzeiten Plätze für ihre Beerdigung reserviert hatten. Am 30. Mai 1909 war ein Mitglied der Gemeinde Heilbert gestorben und hätte in seinem Testamente bestimmt, sein Leichnam sollte im Hamburger Krematorium verbrannt und seine Asche in dem anläßlich des Todes seiner Ehefrau für ihn reservierten 2. Nebengrabe beigesetzt werden. Die Gemeinde weigerte sich aber, dies zu dulden, denn die Beisetzung von Aschenresten dürfe nur in dem hierfür besonders bestimmten Teile des Ohlsdorfer Friedhofes geschehen. Ebenso war den Hinterbliebenen Hetlberts versagt worden, die Aschenreste ihrer Mutter deren letztem Wunsche gemäß in der neben dem väterlichen Grabe gelegenen reservierten Grabstätte betzusetzen. Das Landgericht Hamburg hatte jedoch der Feststellungsklage statt gegeben, daß die Gemeinde verpflichtet sei, die Beisetzung der Aschenreste an diesen Stellen des Friedhofes zu dulden. Auch die Berufung der Beklagten war vom Oberlandesgericht Hamburg zurückgewiesen worden. Berufungsgericht hatte zu seiner Entscheidung ausgeführt, für die Frage, ob die Beisetzung von Aschenresten auch außerhalb der hierfür bestimmten besonderen Teiles des Friedhofes zulässig sei, seien in erster 'ich Dich nrit 'einen: Messer erstechen, jetzt werde ich Dich nur anfhängen." Bevor er aber die Frau in die Schlinge hängen wollte, steckte er selbst beide Hände hinein und sprang vom Stuhl, um zu sehen, ob die Schlinge sich auch fest zusammenziche. Die Schlinge war jedoch so vorzüglich ungelegt, daß sie sich mit eiserner Gewalt um die beiden Handgelenke des Schnltheißen schlang, der jetzt selbst in der Schlinge gefangen an dein Haken baumelte. Er stieß furchtbare Schmerzensschreie ans, da die Frau aber gefesselt war, konnte sie ihm nicht helfen. Am nächsten Morgen sahen ,pic Nachbarstente der Jüdin die grauenhafte Szene. geschafft, wo er erst nach vielen Stunden wieder ins Leben zurückgernfen werden konnte. Tie Frau war de»! Wahnsinn nahe, als rnan sie von ihren Fesseln befreite. Etegen den Schultheiß ist Anklage lvegen Raubes und Mordversuchs erhoben worden. (Las Ende einer hebräische« Lehrkanzel) Das Professorenkollegtum der Pariser Univkrsttät hat beschlossen, die hebräische Lehrkanzel, die durch den Rücktritt des Professors Philippe Berger vakant geworden ist, in eine Lehrkanzel für die Archäologie von Mittelasien umzugestalten. Die hebräische Kanzel ist nahezu 400 Jahre alt geworden, sie wurde im Jahre 1531 gegründet. Auf dieser Kanzel haben stets die bedeutendsten Hebräer und Kenner der Geschichte der Juden doziert, wie Munk, Renan rc. Ltr Pa Ve für Do zw« vor ab, „u Wi beis ger ihr, faß Fe, zwc daß d ei Di« nur g°h> flii< ein sol Hai dis wid alte rech die dem gehr meii von resei tori auc St, wer relig werk Feu, bleil Dar wei Feu, Ueb, verei man fühl, wo 1 bran an e beer! elitts habe pfint geger Gem disch, alles Kult, Hebe Urtei der bestai Fried nchm streit, Str spruö lege dessen nicht Die Feuei tust rein werd, an e hinge men begrü zu r

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