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Der Israelit · 1911-03-02 · Heft 9 (2.3.1911) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 9 (2.3.1911)
Date
1911-03-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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s. MLrz 1911 _ allein und nichts anderes. An den drei Festen, die den drei Perioden der Feldarbeit entsprechen, einigt Euch im Gotteshaus zu Jerusalem." Sowohl hier als im Kap. 34 find dieselben Gesetze im Anschluß an die drei Feste wiederholt. Sie entsprechen unserer Disposition. Bor dem Feste der Saat, der Befreiung, muß der gährende Trieb verschwinden (II 23, 18 und 34, 25 „Schlachte das Pessachlamm nicht, während du Chomez im Hause hast). Während dieses Festes säume nicht, deine Pflicht zu tun, die Nacht laste nicht nutzlos vergehen. Am Feste der Ernte bringe die erste Frucht Gott dar; Szukkoth ist das Fest des Gottvertrauens, des Fruchtgenusses. Mische nicht in die Frucht des reinen Denkens Sinnlichkeit. Fleisch ist Sinnlichkeit, und lebendes Fleisch soll die Milch der frommen Denkungsart einsaugen, um zu wachsen, soll aber nicht die Milch versinnlichen. Vers 20—23 verspricht Gott, das Verhältnis zu anderen Völkern zu ordnen. Das Ziel aller dieser Verordnungen ist die Erkenntnis (V. 24) „wir wollen tun und verstehen". „Bon der Tat zur Erkenntnis. Die Begebenheit war allerdings vor der Offenbarung, aber die Erziehung zu „Tun und Verstehen" Erkenntnis verlangt, daß die sozialen Verhältniffe" geordnet sind, sonst ist die Erfüllung des „wir wollen tun" unmöglich. Auch soll durch die Erwähnung der Begebenheit an dieser Stelle gezeigt werden, daß die Tat erst der halbe Weg und das Ziel der Tat die Erkenntnis ist. III. Teil. Der erste Hauptteil des Buches Exodus, das sind die drei ersten Sidroth, sind der Erziehung des Körpers und seiner Organe gewidmet. Der zweite Hauptteil, die drei Sidroth D'kSLwv nn'* der Erziehung zum richtigen Denken und normalem und humanem Fühlen. Sind Körper und Gefühl auch nun bezwungen, so ist deshalb doch noch nicht die gute Tat uno noch viel weniger die Erreichung des Hauptzieles, die Gotteserkenntnis, gesichert. Dazu gehört als drittes das gute Wollen, sonst verfällt man in seine alten Fehler zurück. Dies ist das Erziehungsproblem des dritten Teiles des 2iv ntpy= Buches. „Ohne Fleiß, kein Preis". Wer Gott erkennen will, muß ihn erkennen wollen, muß eine Wohnung für ihn in sich vorbereiten. Nur das was man erstrebt und mit Mühe sich erwirbt, was man sich erkämpfen muß, ist ein gegen alle Gefahren gesichertes Gut. Israel hatte in Mizrajim gelernt, den Körper geschmeidig machen für die schwersten, unangenehmsten Anforderungenhatte am Sinai gelernt, den Geist richtenjetzt sollten sie noch lernen, das Gute zu wollen. Gott wollte, sie sollen ein Heiligtum für ihn in ihrer Mitte vorbereiten. Aber noch bevor Moses den Befehl dazu übergeben hatte, zeigte es sich, daß sie den Wert der Erstrebung und Erhaltung des Guten noch nicht kannten. Die Erkenntnis Gottes am Sinai kam ihnen als ein Geschenk vom Himmel ohne Sehnsucht. Israel hatte nicht die Kraft, der Verführung des Erew raw zu widerstehen. Sie versetzten Gold in den Himmeldas Gold zog sie zur Erde hinab. Anstatt jno tid heißt es *\*iö V^D. Moses betet, er macht Gottes Antlitz „schwach", welcher Ausdruck sehr selten, und hier zum ersten Mal vorkommt. Moses zwingt Gott (Kapitel 32,31), ihm gleichsam zu gewähren, er erreicht es, daß Gott ihn soweit als möglich in das Geheimnis seines Wesens einführt und damit dem Volke das Mittel in die Hände gibt, jederzeit mit Erfolg zu beten. Der Hinweis auf die dreizehn „Führungen", mit denen Gott die Menschheit leitet, die Gott 34, 7 selbst dem Menschen mitteilt, bewirken d e Aufhebung der Folgen menschlicher Sünden. Auch das Volk hat gelernt, Gott zu suchen, sie trauerten, daß sie den yDBOi nwy^-Schmuck, die Nähe Gottes verscherzt haben. Die Erkenntnis Gottes vom Choreb war ihnen wieder verloren gegangen, und jetzt sehnten sie sich darnach. Jetzt fühlten sie die schwere Arbeit, Gott zu suchen. Das Gebet ist der stärkste Ausdruck des _ | Willens, soll es wenigstens sein. Richtig zu Gott beten, kann nur derjenige, der das Gute will. Das Verhältnis zu Gott ist durch diesen Zwischenfall ein anderes geworden. Gott tröstet Israel, er sagt ihnen, daß er sie weiter beschützen wird, daß auch sein Verhältnis zu anderen Völkern nicht geändert werden soll, daß die Einigung durch Wallsahctsfeste zu einen! Volke Gottes um so nötiger ist (Kap. 34. 10—15). Endlich ist das Verhältnis von Moses zum Volke ein anderes geworden. Das unverhüllte Antlitz Moses dürfen und können sie nicht schauen. Das Volk hat nun gelernt zu wollen, es übertrifft sich gegenseitig im Beisteuern zum Tempelbau, ihr Gold bleibt auf der Erde, ihr Silber bildet die Füße, auf denen die Schittimbretter aufrecht stehen, die das Heiligtum einschließen. Die Wohnung ist bereit für Gott, die Diener, die Priester, die nicht wie die Erstgeborenen sich vom rechten Weg haben ableiten lasten, haben ihre Weihe empfangen, um ihres Amtes zu walten- Gott schwebt über dem Heiligtum, bereit hinetnzuziehen. „Vor den Augen ganz Israels auf allen ihren Zügen" (II 40,38). Der Erfolg unserer Betrachtung ist, daß das zweite Buch Moses, als der zweiten Erzieh ungsftufe gewidmet, betrachtet werden kann, im Gegensatz zum ersten Buche, dem Buche, welches Genügsamkeit predigt, verlangt es Mut zum Handeln. Der Beherrschung folgt die Bezwingung 1. des Körpers, 2. des Geistes, 3. des Woüens. Aus diesem Grunde sind von den vielen Geboten, die Moses am Sinai gehört, nur die sozialen im zweiten Teil und die den Bau des Heiligtums betreffenden im dritten Teil enthalten, während die anderen erst im dritten Buche folgen. Bericht über das fünfzigjährige Jubiläum der Caimud Eborab in Lölu. Die min TiD7n man beging am Sonntag den 21. unter unerwartet großem Andrang von Mitgliedern und Freunden der Sache das Fest ihres 50jährigen Bestehens, das im großen Saale des Coloniahauses kurz vor 4 Uhr seinen Anfang nahm. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Schülerchor. Nach einem von Frau A. Auerbach verfaßten, von Frl. Bertha Wolf mit Verständnis vorgetragenen wirkungsvollen Prolog gab der Vorsitzende Herr M. 6. Munk einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung des Vereins, der bei seiner Gründung ein noch unbeackertes Feld vorfand und es seiner unentwegten Arbeit zuschreiben könne, daß heute ein recht ansehnlicher und beachtenswerter Kreis in Köln das Banner der min Hochhalte. Der bei der Konstituierung des Vereins von Herrn Salomon Rothschild 7“ST erlassene Aufruf') zur tatkräftigen Unterstützung des bedeutsamen Werkes, den Redner zur Verlesung brachte, beleuchtete die kritische Situation der damaligen Zeit, aber auch den sittlichen Ernst der Männer, die mit anerkennenswertem Mute in die Speichen des rotierenden Zeitrades eingristen und den einzigen Weg zur Rettung in min Ilv7n erblickten. Sämtliche bisherigen Leiter der Tran, so fuhr Herr Munk fort, sowohl der unvergeßliche Gründer Rabbi Jos. Wolf?“ST, der 36 Jahre hindurch mit allen, die feiner Lehre lauschten, ob Kind oder Greis, D'iTytP lernte, wie auch wnv7 Dvn Vinn? eine Nachfolger Rabbiner Dr. Nobel, Frankfurt md Rabbiner Dr. Cohn, Burgpreppach, bis zum heutigen Leiter, Rabbiner Dr. Wolf, der nun chon 10 Jahre in Cöln wirke, haben immer ein und dasselbe Prinzip verfochten, novb min zu verbreiten. Mit einer Ermunterung, daß der 0 Bergt, den Artikel „Geschichtliches jum rnstl* Jubiläum" tn voriger Nummer. _Seite 19 No. 10, Verein auch in Zukunft seiner Aufgabe treu bleiben möge, schloß Herr Munk seinen mit Beifall aufgenommenen Bericht. Diesem folgte ein von dem Schüler Jonas L. Wolf vorgetragenes, von Frau A. Cohn in Hamburg verfaßtes Festgedicht, das in seinem würdevollen Vortrag sichtlichen Eindruck machte. Den Mittelpunkt der Feier blldete die Festrede des Rabbiners Herrn Dr. Wolf, die auf vielfachen Wunsch unten wörtlich wiedergegeben wird. Die Feier wurde verherrlicht durch einige von dem Schülerchor zum Bortrag gebrachten Chöre, die von dem Lehrer, Herrn Julius Simons, in ganz besonders geschickter Weise dirigiert wurden und unverkennbar eine weihevolle Stimmung schufen. Vorder Festrede wurde Ps. 100, nach derselben m Dl?V zum Vortrag gebracht. An diesen rein akademischen Teil schloß sich eine gemütliche Zusammenkunft in den unteren Räumen der Coloniafäle, bei der der Zuspruch über alle Maßen groß war. Die Feier wurde in bemäfyxtex Kunst von Herrn Isidor Dülken geleitet. Das Festkomitee hatte in den Herren Jonas Wolf, Julius Bier und Referendar Jsi Kahn einige vorzügliche Tafelredner gewonnen, die der übernommenen Pflicht vollauf gewachsen waren. Außer diesen offiziellen Rednern nahmen noch Herr Rabbiner Dr. Wolf, Herr A. Auerbach, Herr S. Hanauer- Euskirchen, Herr A. Wolf jr. - Frankfurt a. M. das Wort. Leider konnten die auf der Rednerliste vorgemerkten Herren nicht mehr alle gehört werden, da die Zeit vorgerückt war. Die Damen Luise Dannenberg und Nahet Munk, sowie Herr S. van Geldern erfreuten die Zuhörer durch Klaviervorträge, während Fräul. Johanna Eoßmann durch mehrere Lieder zu festeln wußte. Recht stimmungsvoll trug Herr S. Grünsseld „Kol Nidre" auf der Violine vor. Auch Herr M. Seligmann erntete mit einem Couplet viel Beifall und Frl. Martha Munk mit ihrem humoristischen Vortrag. Man sang noch gemeinschaftlich ein zu Ehren des Tages von Herrn Emanuel Wolf gedichtetes Lied „Unserer Chewroh", worauf das Tischgebet verrichtet wurde. Nach dem Maariwgebet ging noch ein Theaterstückchen in Szene, das von den Mitwirkenden, Frl. Adele Stern und den Herren M. Seligmann, Alfons Nathan und Max Wolfs mit viel Geschick gespielt wurde. Und auch des Festkomitees, bestehend aus den Herren Viktor Weil, Emanuel Stern und Emanuel Wolf, werde zum Guten gedacht. Das Fest, das auch von Nichtmitgliedern stark besucht war und alle Teilnehmer bis zum Schluffe in ungezwungener Stimmung vereinigte, bewahrheitete wieder einmal die Tatsache, daß der Sinn für Taurohgeist noch in vielen Herzen lebendig ist und die alte Tauroh auch im modernen Zeitalter ihren Platz im Kulturleben der Juden und Menschen vollauf behaupten kann. Möge die n"n rmn wie heute, immer das Ziel verfolgen, ipK Tn oy .min zu vereinen, damit man auch nach der zweiten Hälfte des Säkulums das stolze Wort künden darf, daß sie stets bestrebt war, den blanken Ehrenschild des jüdischen nvte ihren Thorajüngern voranzutragen. Die Jestrede. Hochansehnliche Festversammlung Zu ungewohnter Stunde an ungewohnter Stätte versammelt uns das dankbare Gedenken der Tat, die vor einem halben Jahrhundert dem Schoße der Geschichte den Keim hat anverttaut, der zum Baum des Lebens, viel verästelt und weitverzweigt, erstarken sollte. Dankbarkeit ist die erste Empfindung, die da das Herz beseelt. Dankbarkeit vor allem gegen den allgütigen Lenker der Geschichte, der dem friedlichen Worte sittlicher Lebensweihe die Bezwingung der Welt verheißen, aus daß sie, innerlich wachsend, ihm diene, dienend, des Dienstes tiefe Beseligung jubelnd verkünde. Verkünde die Erkenntnis, daß der Schöpfer allein das Glück der Menschen gestalte — denn daß des sterblichen Menschen schwache Ohnmacht aus des Da-

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