Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1911)
- Date
- 1911-03-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Nr. 10 Sette 20. _ seins fruchtreichem Boden die 5krast sich selber nicht gewinnen kann, dessen ist deS jüdischen Volkes lehrreiches Leben offenkundiger Zeuge. Also ruft uns das Erleben selber zu der Thora Pforten, um huldigend zu bekennen, daß . jeder Glücksstrahl, der des Lebens weite Höfe erhellet, dem Allgütigen entströme. — O, daß die Menschheit dieser Erkenntnis zureife, daß gut ist Gott, für alle Zukunft seine Liebe waltet und von Geschlecht zu Geschlecht seines Wortes Eidestreue iroiDtt nvn m ny non uyiyb P 212 '2 Hochansehnliche Feftversammlung! Stehen wir heute an einem Markstein in der Geschichte unserer Chewroh, so wollen wir in diesem Augenblicke stillen Gelöbnisses den Blick nicht nur in die Vergangenheit schweifen lasten. In Wort und Schrift ist diese bereits gewürdigt worden, und ihr wird noch der Tribut der Verehrung gezollt werden. Wir wollen und mit G. H. werden wir nicht am Abschluß, sondern am Anfang jugendfrischen Weiterlebens und Wirkens unserer Chewroh stehen. Da dürfen wir nicht an der Außenseite der Institution und bei den Personen stehen bleiben, die sich um sie verdient gemacht. Das Wesen und den inneren Wert, Bedeutung Und Aufgabe einer n"n man müssen wir zu erfassen suchen, um in diesem geistigen Gehalt der ihr zu Grunde liegenden Idee einen Plan zu zeichnen, nach dem wir weiter bauen müssen. Welch andere Idee aber könnte n"n zu Grunde liegen als rmn selbst? Jst's doch nun die wir pflegen sollen, die wir stets aufs neu empfangen, wenn wir das nLO aufschlagen, um zu lernen. Aber gerade eine man vermag in unseren Tagen auf dem gesamten Erdenrund das Ideal der nun hochzuhalten. Nach dem Vorbild des R. Jochanan ben Sakkai, der die reine Gotteslehre dem Hader und dem Zwist entzog und dadurch der Mittler ward zwischen des Chorebs Offenbarung und unseren Tagen und aller Geschlechter nach uns, so vermag auch heute nur in der ganzen Diaspora die min uns erhalten zu werden, wenn ihr ein Kreis — und sei er noch so klein — sich zur Verfügung stellt, in dem die nun allein der Mittelpunkt des Strebens bildet, ein Kreis, von dem es wörtlich gilt Dy ittNn *]DKnn3 p-wa -nn Sie allein ist König, um sie sammeln sich des Volkes Häupter. In solchem Kreis allein kann, losgelöst vom Kampf des Lebens, die min sich selber leben, und dort vermag sie — nicht obgleich, sondern, weil nur in Ideen lebend —, diesirebenSkraft, die reelle Wahrheit des Jdeelen zu beweisen. Nur die Idee lebt ein wahres Leben. Lautet etwa anders die Lehre der Geschichte? Tönt nicht aus allen Trümmersturzes dröhnendem Falle, allem Posaunenschall schmetternd kündenden Sieges der Geschichte gewaltige Wahrheit phnn n'a nin;wp iHTnitax'abe „Könige der Heere fliehen und flüchten, des Hauses Wohnerin verteilt die Beute" im Lebenskampf der ringenden Menschheit? Denn nicht der Menschheit mutwilliger Kampfeslust blieb die Beherrschung des Wellenganges überlassen. Wäre aus der wilden Wut ein Wort des Wissens nur gerettet worden? wäre jede zarte Regung empfindungsreicher Sittlichkeit nicht schon längst erstorben? Hätten rauhe Stürme wütend heulender Orkane nicht jedes schwanke Reis lieblicher Jdeenpflanzung für immer dem Mutterboden der Erde entrissen, und hätten Ströme unschuldig vergossenen Bluts nicht mit ewigem Fluch diesen Mutterboden bedeckt, auf daß er zeugungsunfähig für alle Zeit geworden? Aber, nein, es lebt die Idee, es lebt die Sitte, es lebt die min. Sollen wir da nicht einstimmen in des Psalmiften Ruf "pmapn itn mipa vy?D Pk niapn D'pb« „Da sieht man Deine Gänge, richtender Gott, die Gänge meines Gottes, meines Königs auf dem heiligen Gebiete der höchsten Sitte." Das Heilige, das nicht Faßbare, das Ideelle siegt — die min »er Israelit "" I~H. II m'iw — Unsere Weisen vergleichen im Anschluß an ein Psalmwort (68, 19) den Empfang der min mit der Gefangennahme einer Kriegsgefangenen. Fürwahr, zwei gegensätzliche Welten stehen sich im innern Lebenskampf des Menschen einander gegenüber. Das Irdische möchte das Urbersinnliche sich unterwerfen, und der Geist ringt mit dem Körper, ihn läuternd zu erheben. Im Sinne der min wird keine Welt der andern bis zur Vernichtung unterworfen. Nur Gefangene gibts. Und die Gefangene ist nicht der Körper, die Sitte ist es. Sie entstammt der fremden Welt des Geistes und soll in der Anmut ihrer edlen Schönheit des Hierseins Erdenstätte mit ihrem Strahl erfüllen. DHD? npy Wenn wir zur Höhe streben, bringen wir solchen Kriegslobn Heim n'aw, und haben der Gaben schönsten durch eigene Erfahrung auch der Welt mitgeteilt Dn*a mmö. Nicht schon gut sein, sondern erst gut tun. dann gut sein bildet den Inhalt wahrer Ethike Die Ethik der Tat, wie der moderne Denker sie erst erstrebt, in yorcri nuryi „wir wollen tun und verstehen" hat einmütig unser Volk vom ersten bis zum letzten Mann in ursprünglichem Empfinden erfaßt. Und jeder Taurohstätte Ziel und jedes Taurohstrebens Ernst muß tätig, Ausübung sein. So wird das Wissen des sittlichen Lebens nur auf den Schultern der sittlichen Tat getragen und die Lehre vom jüdischen Pflichtenleben nur vom Leben jüdischer Pflichten - lehre. Wohl ist daher in unseren Tagen noch klein der Kreis, der für die Aufgaben unserer Chewroh Interesse hat — aber das Verhältnis desselben zur jüdischen Gesamtheit ist nicht kleiner als dasjenige Jisroels zu den Völkern des Erdenrundes. Klein und doch lebensstark! Da zeigt sich wieder die Macht der reinen Idee, wenn die reine Ethik aus ihr fließt. Und was Israel unter den Völkern, sind die Siegelbewahrer der reinen nun in ihrem Volk. Auch unsere Chewroh beseelt dies Streben, zu jenen Hütern hl. Hut zu gehören, und auch an ihr hat sich bewährt dpim "aas *?y. Dann ttVtti (II 19, 4). „Ich trug euch auf Adlersfittichen." Warum, so fragt der beobachtende Geist der Welsen, das Bild des Adlers? Alle anderen Vögel tragen ihre Jungen, mit den Krallen sie haltend, unter ihrem Körper, den mächtigen Raubvogel fürchtend, der aus höheren Regionen auf sie niederrauschen könnte, ihre Zukunft ihnen raubend. Nur der Adler in der Höhe beherrscht das weite Luftgebiet. Ueber ihm schwebt kein Vogel, der Gefahr ihm bringen könnte. Sein Feind lebt unten, tief unter ihm, auf niederer Erde. Ihn bedroht nur des Menschen nachstellender Pfeil. Drum trägt auch der Adler seine Jugend auf den Schwingen und bietet gern die eigene Brust dem Geschoß des Jägers dar, wofern er seine Jugend nur fürs Leben rettet. Hochansehnl. Festversammlung! Die Völker alle, die der Vögel bunten Schar vergleichbar sind, haben nur die eine Furcht, ihre Jugend zu verlieren. Ein anderer, mächtigerer Geist, der in höheren Gedankenkreisen empor zur lichten Höhe strebt, könnte ihre Jugend, ihre Zukunft hinauf zu seiner Höhe locken. Mit den Krallen der täuschend als Mutterliebe erscheinenden Gewalt halten sie krampfhaft ihre Zukunft unter sich, ihren Blick zur Erde niederlenkend und lassen sie gar nicht die Möglichkeit des Höhenfluges ahnend schauen. — Doch Israel, die Tauroh, hat aus der Höhe über sich keinen Feind zu fürchten. Idealer, höher erhebt sich fern Gedankenflug gen Himmel. Edleres, Beferes hat keine Weltanschauung, hat keine Lebensitte je zu bieten, <lls des Himmels Tochter selbst, die Tauroh. Das jüdische Volk trägt nur den Haß des menschlichen Unverstandes. Da nimmt es die Zeit auf ihre Schwingen und durchmißt mit ihm die Ewigkeit nayD rpiy nyai nnnm onp „Der Gott der Urzeit gewährt ihm eine Stätte, wenn von unten her der Arm der Menschenmacht ihm eine dunkle Zukunft droht" (V, 33, 27). Es aber spricht: Was tuts? Mag die Gegenwart mich entbehren. Auf den Schwingen der, Unendlichkeit ruht sicher __9. WSrz 1911 die Zukunft meines denkenden Daseins mv» imva -mm« mm on«n nm wa Muß ich für die Gegenwart sterben, weil ich wie Ehrliche lebte, wird meine Zukunft ewig sein" (IV. 23, 10). Wie die Tauroh, so Jisroel und in Jisroel, was dieser Tauroh Träger sein will, — ewig, ewig im Ideal des Denkens, ewig durch die edle Tat, ewig durch die nun. Und weil die min keine Lehre, sondern Leben, Lebensgesetz ist, gerade darum hört sie niemals auf. Wäre sie nur Lehre, so müßte ja mit dem Geschlecht, in dem die Lehre keine Meister, keine Jünger fände, ihr Dasein besiegelt sein. Doch nein, hören wir des Midrasch Wort: Abba Josei saß lernend an der Quelle eines Wassers, da hatte er eine Erscheinung. Ein Geist offenbarte sich ihm und fragte ihn: Wißt ihr, daß ich so manches Jahr hier weile und ihr und eure Kinder gehen früh und spät hier aus und ein und kommen nicht zu Schaden? Doch nun wirds anders werden. Der Geist wird euch gefährden. — Und gibts kein Mittel der Abwehr dieses Schadens? forschte Abba Josei. „Doch, geh hin und rufe die Leute deines Ortes zusammen, sie sollen kommen mit seinem Spaten und seiner Schaufel ein jeder, und bei Tagesanbruch sollen sie das Wasser beobachten, und wenn sie in dem Wasserspiegel eine Bewegung gewahren, dann | mögen sie den Ruf erheben mc: pH ,der Sieh bleibt unser* und sollen den Platz nicht verlassen, bis daß sie einen Tropfen Blutes im Wasser bemerken — als Zeichen, daß der Geist getötet ist." — Der Sinn dieser Midrascherzählung? Der Zeitgeist ist der Geist, den Aba Josei reden hörr. Er war stets vorhanden. Noch nie hat die mm ein Geschlecht geschaut, das sie völlig gewürdigt hätte — in Erkenntnis und im Leben/ doch so lange ein Abba Josei am Quell des Geistes sitzt und lernt und Thorageist das Leben beherrscht, so lange wird am Maß der Thorahweisheit die Erkenntnis der Zeiten geimssen und der Wissensdünkel des Menschendenkens fällt in sich zusammen. Die mm lehrt den Menschen Bescheidenheit und zeigt ihm, daß er nichts weiß und nichts wissen kann. Doch das Geschlecht der Thorahweisheit sinkt ins Grab, und von des Zeitgeists Gedankenbläffe erscheint die Jugend angekränkelt. Ist das Judentum vernichtet? Nein, solange noch die Männer der Tat mit der Schaufel und dem Spaten ihres praktischen Berufes Wache halten am Geistesstrom der Zeit, der von Geschlecht zu Geschlecht dahinfließt, so lange ist das Judentum nicht verloren. Mögen sie nur, sobald sich ein leises Kräuseln der Wellen zeigt, eine Bewegung im ruhigen Spiegel des Geisteslebens der Kinder sich bemerkbar macht, mit innerer Ueberzeugung zuversichtlich und froh der bewegten Jugend zurufen pH der Sieg blieb noch immer unser, der Sieg bleibt unser, mit fester Stimme zurufen, und im Opfermut der Ueberzeugungstreue den Nachfolgern in freudiger Entsagung und beseeligender Selbstbeherrschung vorausgehen und ihnen Muster sein zur Erfüllung unserer Lebensdevise *>T! TDia. Sie werden Nachahmer ehrlicher Treue finden, und wenn sie ihnen erstehen, dann haben sie genug geleistet — sie haben das Judentum erhalten und vererbt, sie haben ihre Lebensaufgabe herrlich erfüllet. mm und niXQ Lehre und Leben müsien sich die Hand reichen, um dem göttlichen Thorahwort eine Stätte hinieden zu erhalten, mm und niXö müssen sich vermählen, um ein thorahkundiges, lebenswahres Geschlecht heranzubilden und zu pflegen. Auch unsere Chewroh n"n kann für die Zukunft kein anderes Ziel wählen, als sich den Geist und das Streben zu erhalten, die sie bisher geleitet und geführt; fllüföl mm in der Jugend Herzen einzupflanzen, im Geist der Männer zu fördern und zu pflegen, auf daß die Welt die Wahrheit endlich erkenne und im Sehnsuchtsbangen ihres Herzens zu Israel sich wende: O, Jakobs Haus, P Hfco na^ivia1? apy rva Gehet voran, damit wir folgen können auf dem Weg zum Gottes-Licht! Und reicher Friede wird den Taurohfreunden "fmm 'anitp ai DptP.