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Der Israelit · 1911-03-02 · Heft 9 (2.3.1911) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 9 (2.3.1911)
Date
1911-03-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 18. No. 10. Der JSrqelit. ». Mürz 1S11 Menge, nicht die Macht, nicht Erfolg im Augenblick — — nichts Greifbares rettet das jüdische Volk." Die jüdische Erziehung seiner Kinder zu jüdischen Juden in Begeisterung und Siegesgewißheit, in Unerschrockenheit und Charakterstärke, in Gewissenhaftigkeit und Treue — das allein verheißt und verleiht den Sieg. Die Disposition in den bringen Schlitten. Bon Dr. M. Munk in Lemberg. V. Pentateuch. Mut zum Handeln ist das Erziehungsproblem des Buches Exodus. Trotz der Erkennnis des höchsten Gottesbeariffes „Ich bin" zagt er die Sendung anzunehmen. Er tut es — aber gezwungen durch Gottes Zorn (4,14); Auch er muß lernen, den Boden Unlust zu bearbeiten, er mehr, als ein anderer, denn er ward erkoren, ein ganzes Volk zu erziehen. In gefahrvoller Umgebung fürchtet er, die Milopflicht am Sohne zu erfüllen, Gott zwingt ihn dazu (4,29). Seine erste Sendung an Pharao scheint mißlungen, und sein Mut ist ganz gebrochen. „Wozu hast du mich geschickt? Kaum zu Pharao gekommen, hat es dem Volke geschadet". (5,23) Der Mut, solche Worte zu Gott zu sprechen, scheint ihn befähigt zu haben, die hohe Ausgabe zu übernehmen. ,Letzt wirst du sehen, was ich tun werde" (6, 1). Und Gott sagt: „Ich bin mn! Die Patriarchen haben mich nur als Macht der Genügsamkeit (Raschi Gen. 17,1 u. Ex. 6,3) gesehen, meinen Begriff fT"in glaubten sie wohl, aber ich gab ihnen nicht die Gelegenheit, diesen Namen kennen zu lernen. Ihnen habe ich versprochenjetzt muß ich tun, was ich versprach. Nachdem ihr gelernt habet, gehorsam zu sein, befreie ich euch jetzt, und ihr sollt mein Volk auf dem jpü ^D-Boden der Väter werden, denn ich bin mn". Und Gott handelt, die ganze Natur ist ihm untertänig, sogar der verstockte Pharao wird bezwungen. Den Pharao der Genesis hindert Gott, seine Absicht auszuführen; den Pharao des Buches Exodus zwingt Gort, den eigenen Willen zu beugen und Gottes Willen zu tun (11,1-8). Unter dem Eindrücke dieses Eingreifens Gottes in die Natur und dadurch in die Weltgeschichte erhalten die Israeliten die ersten Verordnungen zur Betätigung des Guten (12). Der Neumond ist nach allen traditionellen Kommentaren das Bild der Erneuerungen, die dem Menschen nützlich sind (vgl. den Segensspruch, der angesichts des Neumondes gesprochen wird). Der einzelne Mensch hat immer an seiner Eri euerung zu arbeiten, er betet „Ein reines Herz schaffe mir, Gott, und graden Geist erneue in mir" (Ps. 51,12). Tun dies die Menschen, so erneuert auch Gott das Volkstum. Wir beten deshalb am Neumondstage „Einen neuen Altar errichte in Zion". Schon eine ganz dünne noch fadenartige Mondsichel ist der Heiligung gewidmet. Verschmähe daher die Kleinarbeit nicht, sei pedantisch in der Pflege der Mizwoth und pflege den Mut zur Reinheit. Der Monat, in dem der Kerker der Unlust, der Schwäche, durchbrochen wurde, sei euch der Hauptmonater sei euch die erste eurer Erneuungen. Sich befreien heißt die erste aller Erneuungen im Wechsel des Lebens. „Zeiget Mut zu einer freien Tat und nehmet am Sabbat, dem zehnten Nissan, vor Augen der Mizriten, das von ihnen als Götzen verehrte Tier, um es am 14 dieses Befreiungsmonats zu schlachten. Zeiget weiter den Mut, das Blut dieses von ihnen verhimmelten Lammes an die Außenpfoste *) zu streichen. Das Opfer selbst effet in Geselligteit, denn ihr sollt ein Volk sein, und ein Volk muß Geselligkeiten pflegen, aber ohne leidenschaftliche Aufregung, sondern mit wohl behüteter Mazzo und bitterer Beilage. Das alles habt ihr gelernt in der egypttschen Knechtschaft, und das alles muß der *) Wenigstens nach der Ansicht deS nnSC1 'n in der Mechiltha. D. Red. ' Mensch vertragen können, wenn er ein freier Mensch sein will. Macht euch innerlich frei und ich mache euch äußerlich frei. Der Stolz der Egppter, ihre Erstgeborenen, werden fallen, ihr sollt aber euern Stolz, eure Erstgeborenen, heiligen. Handelt so, daß eure Frucht eine heilige ist, Helligkeit ist das letzte Erziehungsmittel, und deshalb sollt ihr diese ersten Gebote der 21v NLP-- Stufe in die Tefillin hineinschreiben (bis Kap. 13)"! Das Gebot der Anlegung der Tefillin steht als Gebot der Heiligkeit erst im Deuteronomium. II. Teil. Offensive ist die vierte Stufe, die Stufe des insm „dem Frieden nachzujagen". Es wäre ein Mißgriff pädagogischer Natur gewesen (13,17), hätte sich Israel jetzt schon durch ein Feindesvolk durchschlagen müssen. Vorher mußten sie noch in der Wüste lernen „Frieden zu suchen". Die Erziehung zum Neben des Guten war ja noch nicht beendet. Hinter sich Mizrajim, vor sich das Meer sehend, haben sie den kaum gewonnenen Mut schon wieder verloren. Aber Gott handelt, er bezwingt Natur und Menschenwitz zugleich, Israel sieht die Gleichheit von Natur- und Sittengesetz. Israel sieht Gott als alleinigen Beherrscher der Natur, als Richter der Menschheit (Kap. 1) als Arzt (15, 26), als wohlwollenden Versorger mit Speise und Trank (16 u. 17). Die Mannaspeise, die Nahrung aus Gottes Hand, soll die Nasse veredeln, soll sie befähigen, heilige Gedanken zu verstehen. Aber Israel glaubt noch nicht vollkommen (17,7). Nach dem Sohar war Israels Sünde bei Maffah und Meribah, daß sie noch immer fragen konnten: „Ist denn der Geschickelenker in unserer Mitte oder der nicht wahrnehmbare Schöpfer des Alls aus dem Nichts?" Dieser Zweifelsucht folgte sofort die Strafe in Gestalt des Amalek. Wie Bescheidenheit, dieser Hauptcharakterzug des Meiden des Bösen leicht in Schwäche, dem größten Feind des Zuges zum Guten, verfällt, so gefährlich ist auch die Uebertreibung des Mutes zum Handeln, Dreistigkeit genannt. Amalek hatte die Dreistigkeit, den Zweifelsgedanken in Worte und Taten umzusetzen. Israel zweifelte an der Allmacht Gottes, Amalek nahm sich heraus, der Welt zu zeigen, man dürfe an der Unüberwindlichkeit des Gottesvolkes Weiseln (vgl. II. 15,14). Amalek sprang ins eiße Bad, er verbrühte sich allerdings, aber zeigte doch anderen den Weg. Gegen dieses Extrem des Mutes, gegen diesen Trieb, den Zweifelsmöglichkeiten offene Türen zu gewähren, gibt es nur ein Mittel, „Hände unermüdlich gen Himmel gestreckt." Das unüberwindliche Vertrauen auf Gott ist das Geheimnis von der Unüberwindlichkeit Israels (Mischnah, Nosch Haschonoh 3, 8.). Die Vertllgung der Amalek- Zweifelsucht mit Stumpf und Stiel muß daher alle Stufen von 2lv nwy an begleiten, sonst kann die Gotteserkenntnis auf Erden nicht voll werden. Das Gebot der Erinnerung an Amaleks Tat und der ewigen Vertilgung gehört in das letzte Buch, das Buch der Gotteserkenntnis. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt, die geistige Erziehung zur Uebung des Guten. Jethro kommt (18), er bringt mit sich die Frau des Mosis und seine Kinder, deren Namen ihn erinnern, wie standhaft er im Hause, wo er Rettung und Gastfreundschaft gefunden, ein Fremdling geblieben, und wie er sich freute, daß er zurück zu seinen Brüdern nach Mizrajim konnte, ohne Pharaos Strafe zu befürchten. Jethro will den Moses, der schon am Gottesberge in der Wüste die Offenbarung ahnt, seiner Familie zurückgeben, nachdem er ihr entsagt hatte. Mosis geht seinem Schwiegervater entgegenseine Familie weiß er gut aufgehoben, und anstatt bekehrt zu werden, bekehrt er Jethro. Die Entsagung Mosis von seiner Familie wird erst im Buche der Offensive, dem „Buch der Gotteskämpfe" (IV. 21,14) Numeri, Kap. 12, begründet. Jedoch ist Jethro nicht umsonst gekommen, wenn auch Moses geistig zu hoch stand, um seinem Rate zu folgen, dem Volke verhalf er dazu, daß sie nicht den Boden unter den Füßen verloren: „Du Moses, magst dem Volke gegenüber wie ein Gott sein, frei von sinnlichen Bedürfniffen. Aber das Vok muß erst geübt werden, wenn es steigen soll. Falls du so handelst, dann wird Elokim, der Gott der natülichen Entwicklung, dich beauftragen, und sowohl du wirst stehen bleiben als auch das ganze Volk, jeder auf seinem Platz harmonisch zum Ziele kommen" (18,23). Damit ist Jethros Mission erledigt. Wer den Berg Gottes erklimmen will, darf den Boden nicht unter den Füßen verlieren. Der Körper muß m i t d e r En t w ick l u n g des Geistes gleichen Schritt halten, sonst ist die Offenbarung für uns Menschen unerträglich. Springe nicht, sonst fäll st du, steige langsam und zielbewußt. Der Verlauf der Offenbarung ist eine Bestätigung von Jethros Lehre. Israel sieht die ganze Philosophie vor sich. Am Meere sah Israel Gott als Beherrscher der ganzen Natur und als Gott der Vergeltung, jetzt sieht Israel denselben Gott als Gott der Wtffenschaft: Dieses Sehen*) der Wahrheit war das Volk nicht fähig, zu ertragen. „Rede Du mit uns, damit wir hören, ohne zu sterben. (II. 20, 19.) Israel sah die Stimmen (20,18). Die Ueberzeugung von der Einheit Gottes in Natur und Sittengcsetz ist dem Juden in Fleisch und Blut übergegangen. Wer den jüdischen Glauben abschwört, deffen Handlung widerspricht seiner innersten Natur, er ist der personifizierte Widerspruch. Endziel der religiösen Erziehung ist die Erkenntnis Gottes, deshalb offenbarte sich Gott. Israel sollte sehen (Vers 22), daß Gott vom Himmel spricht, und sollte fühlen, daß stufenweise es sich vom Irdischen erheben (Vers 20) muß, um das Ziel zu erreichen. Hebet nicht Gold und Silber in den Himmel, sonst zieht es Euren Geist zur Erde hinab. Einen Altar aus Erde sollt Ihr Euch machen (II 20,24) ohne Stolz und Aufregung. In der Schmone Effrei beten wir, „meine Seele sei wie Staub allem gegenüber". Zum geistigen Arbeiten müßt fern das Tierische in euch ganz darauf opfern (Ganzopfer) und auch bei Erfüllung der Lebensopfer zum Teil, damit die Harmonie zwischen Geist und Körper erhalten bleibe (Vers 24). Dann werdet Ihr meinen Namen, den richtigen Gottesbegriff, verstehen, und ich werde Euch meinen Segen geben. So Ihr aber eine noch höhere Stufe erreichen wollt, ein Altar aus Stein zu werden (gefühllos im Denken), verfallet nicht in den Fehler der Rücksichtslosigkeit gegen andere, verletzet nicht roh die Gefühle anderer (Vers 25), das sieht aus, wie Entweihung des Altars. Endlich springe nicht wild, sondern schreite stufenweise auf den Altar, im wilden Eifer offenbarst du deine Schwäche (V. 26). Nach diesen allgemeinen Regeln beginnt (Kap. 21) die Aufzählung der sozialen Gesetze, das sind die eine Volksgemeinschaft begründenden Verordnungen. Aus diesem Gesichtspunkte erklären sich auch die wenigen, vereinzelt stehenden Gesetze, die in den späteren Büchern erst ausführlich behandelt werden. Kap. 21 und 22, 1—14, ordnen geschäftliche Verhältniffe. Kap. 22, Vers 15—20 geschlechtliche Beziehungen. Die heidnischen Zusammenkunftsorte waren vermutlich zugleich Stätten der Unsittlichkeit, die das Volksleben entarten ließen und von der Arbeit zurückhalten. Vers 21—30 ordnen Standesunterschiede. Gib jedem das Seine, auch dem Tiere, z. B. msTNa? ^"»n 82'«? n&a niv'tt und Kap. 23, 1—9 verlangt Gerechtigkeit gegen jedermann, auch gegen den Feind. Vers 10—12 ordnet die Arbeitszeit. Vers 13—17: Einigungsprinzip ist Gott *) Anmerkung: Sehen wird in der Bibel gewöhnlich für jede sinnlich »ichere Wahrn -hinung gebraucht; ,Er hat Dich Erkenntnis sehen lassen (Deut. 4,32), „sie .sieht seine »Uföc" (Lev. 20,17.).

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