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Der Israelit · 1911-03-02 · Heft 9 (2.3.1911) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 9 (2.3.1911)
Date
1911-03-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Ctztefag and L cfei* Organ 9es Bundes gesehestteuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands (Chissuk Euiunoh). Bon Herkules erzählt die griechische Sage, daß die ihm' feindlich gesinnte Juno zwei Schlangen-in seine Wiege gesandt, die ihn zu ersticken drohten; der junge Held aber ergriff sie mit beiden Händen und erwürgte sie. Der „Bund" ist nun zwar kein Herkules, aber es hat nicht an Versuchen gefehlt, ihn auch in der Wiege zu ersticken. Es ist ja noch in. aller Gedächtnis, wie man seinerzeit die Werbetätigkeit des Bundes für seine Penfionskaffe als niederen Mammonismus erklärte und sie zu unterbinden suchte, wie man den Vorsitzenden des Bundes der Unfähigkeit und grober Täuschung zieh und seine Mitglieder von sich „abschüttelte", wie man ihm aus seiner segensreichen Tätigkeit anläßlich der Beratung des preußischen Volksschulgesetzes einen Strick drehen wollte usw. Alle diese Dinge haben es nicht zu verhindern vermocht, daß der Bund innerlich und äußerlich erstarkt ist, und der uns vorliegende Rechenschaftsbericht, der den Zeitraum von 1905—1908 inklusive umfaßt, legt davon beredtes Zeugnis ab. Er zeigt, daß der Bund zu einer achtunggebietenden Organisation angewachsen ist, obwohl er von vornherein seine Grenzen recht enge gesteckt hat. Wir wollen die Besprechung des Rechenschaftsberichts zu einem kurzen Rückblick benutzen, was der Bund bisher geleistet, aber auch einen Ausblick tun auf die Aufgaben, die er in der nächsten Zeit zu lösen hat. Eins wollen wir vor allem hervorheben: an dem Kampfe des jüdischen Lehrerstandes um eine sorgenfteie Existenz, um Hebung seines Ansehens, um Geltendmachung der ihm gebührenden Rechte hat der Bund ehrlich und kräftig mitgewirkt. In seinen vterteljährttck stattfindenden BorstandssitzuMerr^MeKMKii^EWEung^ der laufenden Geschäfte eüWWö.MWerMKn'/ über alle einfchlägigen'^MandrsfrageN Wttgefunden und sie haben manche werwolle Anregung zu tage gefördert. Welch werwolle Dienste unsere Vertreter dem gesamten jüdischen Lehrerstand anläßlich der Beratung des preußischen Bolksschulgesetzes und des preußischen Lehrerbesoldungsgesetzes geleistet haben, wie wir besonders die Anrechnung der im Religionslehreramt verbrachten Dienstzeit als einen wichtigen Posten unseres Berdienstkontos buchen dürfen, das wurde schon mehrfach an dieser Stelle hervorgehoben. Ebenso haben wir bereits der Anstrengungen gedacht, die seitens des Bundes behufs Gründung, neuer jüdischer Volksschulen gemacht werden. Wir sind dabei unsere eigenen Wege gegangen, aber es haben uns nie andere Jntereffen geleitet, als die Rücksichten auf das Wohl, unseres Standes und der jüdischen Schule.*) Der Bund subventioniert z. Zt. dreizehn Fortbildungskurse. Als wichtigste Disziplinen werden behandelt: ntno, v"v, O'pDiSl *j"in ttmo, die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, Homiletik, religiöse Zeit- und Streitfragen. In jüngster Zeit sind noch liturgische Hebungen hinzugekommen, sodaß diese Kurse auch der Fortbildung im Kantorat diene. Das Vermögen des „Bundes" beträgt ca. 23000 M. An Jahreseinnahmen sind ca. 4500 Mörk AN verzeichnen. Wenn man bedenkt, daß MShe^rtztzentlich nur unser rühriger Vorsitzender, HerrllSWdlschuldirektor vr. Lange und der "ihm wacker zur Seite stehende Kassier Herr t. Ettlin ge r—Frankfurt a. M. für die Penronskaffe tätig gewesen sind, so kann man mit >em Erfolge immerhin zufrieden sein. Die Festetzung der Bertetlungsquote für die Bezugsberechtigten der Penfionskaffe steht der demnächst stattfindenden Generalversammlung zu. Sie dürfte 100 M. betragen. Der Bund leistet also auch hier dasselbe wie andere ähnliche Vereinigungenmehr kann man billigerweise nicht von ihm verlangen. Ist die Kaffe erst einmal in Tätigkeit getreten, so wird auch der Kreis derjenigen Kollegen, die eine rege Werbetätigkeit für sie entfalten, immer größer und sie selbst dadurch immer leistungsfähiger werden. Was nun die Aufgaben anlangt, an deren Lösung der Bund in der nächsten Zeit herantreten muß, so bezwecken sie fast ausnahmslos die Hebung der Lage der jüdischen Reltgionslehrer, vor allem derjenigen in Preußen. Es liegen ihm bereits mehrere dahingehende Anträge vor. Da wir von der Aussichtslosigkeit der Organisationsbestrebungen in Preußen überzeugt sind, so entsteht gerade für uns die Pflicht, eine Besserung auf Grund der bestehenden Berhältniffe anzustreben und besonders bei der preußischen Regierung eine Regelung der Anstellungs- Verhältnisse — Schutz gegen willkürliche Gntlaffungen — sowie eine Erhöhung des Dispositionsfonds zu urgieren. Wenn dieser Letztere auch nur einer beschränkten Anzahl von Gemeinden zu gute kommt, so wird doch dadurch der *) Es ist hier vielleicht der Ort, um einen schwerwiegenden Irrtum zu berichtigen, der nnserem Kollegen, Herrn Spatz-Rexingen unterlaufen ist. Er zählt zu den Gegnern der jüdischen Volksschule auch die Gesetzestreuen und macht chnen den Borwurf, daß fie hier Hand in Hand mit den Neologen gingen. Es sei hier ein für allemal erklärt, daß unseres Wissens ausnahmslos von gefetzestreuer Seite der Errichtung neuer Volksschulen das Wort geredet wird. Nur da, wo die Regierung, ohne die Wünsche der Gemeinde zu berücksichtigen, die Stellenbesetzung als ihr Recht in Anspruch nimmt, kann die Frage entstehen, ob nicht gerade auS religiösen Gründen die Religionsschule vorzuziehen wäre. Das hat mit einer prinzipieller Gegnerschaft nichts zu tun. Kreis der unterstützungsbedürftigen Gemeinden kleiner, und bester eine kleine Beihilfe als gar keine. So hoffen wir, daß der Bund sich auch künftig m. G.H. als eine kraftvolle Organisation erweisen wird, die das Wohl der Mischen Schule und des jüdischen Lehrerstandes stets mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln anstrebt, die aber auch ihrem Untertitel — Chiffuk Emunoh — Ehre macht, indem sie uns stets daran mahnt, daß alle unsere Bestrebungen in letzter Linie nur einem Zwecke dienen sollen: Erhaltung und Kräftigung des traditionellen Judentums. Beneraloersammlnng des Vereins Israel. Kantoren und der Ihrigen Kuttüsheamten im Königreich Bayern. imm Im Buche Juchasiu wird uns die erste synagogale Feier mit Chor nebst sämtlichen gesungenen Stucken mitgeteilt. Ein Aufschwung moderner Art begann im 14. Jahrhundert, durch den Maharil, der auf die deutschen Juden den stärksten Einslütz, ausübte. Eine Umwälzung entstand in Italien durch Salomo de Rossi, der 1560 in Mantua das Licht der Welt erblickte und einer der bedeutendsten Musiker seiner Zeit war. Sein Werk „Haschirim ascher Lischlomo" wurde nicht nur in Italien, sondern auch in anderen Ländern in viele Synagogen eingeführt, wodurch der Ehorgesang seine Förderung fand. Bon verschiedenen Mißständen abgesehen, die sich im 17. Jahrhundert durch die Wahl ungeeigneter Schiluche de Zivure vollzogen, die fremde Melodien, Volkslieder und .dergleichen heim Gesänge verwendeten und bildete sich anfangs des 18. Jahrhunderts, besonders in Polen das Institut der „Sänger und Baß" heraus, bis endlich zur Zeit der Emanzipation die Lrotzen Werke von Sulzer, Naumburg, Lewandowskh und vielen anderen erschienen, die den synagogalen Gesang in die geregelten Bahnen der Kunst lenkten. Tiefen zu pflegen ist die Hauptaufgabe des Schliach Zibur. Aber er muß nicht nur auf dem Gebiete der Musik und des Gesanges, sondern auch im jüdischen und profanen Wissen wohl bewandert sein. Seiner Gemeinde leuchte er als Muster tiefer Religiösität voran, um ^auch nach dieser Richtung hin seiner alten Vorgänger würdig zu sein. In der jüngsten Zeit machen sich Bestrebungen geltend, die auf eine Veredlung des Synagogengesangs und eine Hebung des Kantorenstandes hinzielen. Möge jeder sein Scherflein dazu beitragen, zur höheren Ehre Gottes und zum Wohle urckeres Standes. Tie Ausführungen des Referenten fanden reichen Beifall. Ter Bortrag soll, eventuell auszugsweise, veröffentlicht werden. Rach dem Ernste der Tagung kam auch der gemütliche Teil zu seinem Recht und man trennte sich in vorgerückter Abendstunde mit dem Bewußtsein, einen echten „Feiertag" verlebt zu haben. Mögen die Hoffnungen eines bisher in sewer Bedeutung recht unterschätzten Standes in ErfiWmg gehen und möge er sich einer immer größeren Wertschätzung erfreuen. I. Oppenheimer-Neumarkt i. O., Schriftführer. Berichtigung: Ter in der vorigen Nummer von „Erz. u. Ähre" erwähnte Antrag Krämer-Ansbach muß richtig lauten: Ti» orthodoxe Bereinigung

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