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Der Israelit · 1911-03-02 · Heft 9 (2.3.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 9 (2.3.1911)
Date
1911-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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, - ■ Seite 6. Rr. 9 erschien heute beim Ministerpräsidenten Grasen Khuen Hedervary. Präsident Adolf Frankl begrüßte den Chef der Regierung, dankte ihm für das Interesse, das er für die Angelegenheiten der orthodoxen Judenschaft bekundete und erbat auch für die Zukunft seine Unterstützung. Der Ministerpräsident erklärte in seiner Antwort, er sei überzeugt, daß die orthodoxe Judenheit in patriotischer und kultureller Hinsicht dem übrigenTeil der Bevölkerung nicht nachstehe. Er werde, sowie er es bisher getan, auch in der Zukunft es als seine Aufgabe betrachten, die Interessen dieses Teiles der Judenschaft nach Kräften zu fördern. Er ließ sich dann die Mitglieder der Depututton vorstellen. Auch der Staatssekretär im Kultusministerium, Eugen Balogh, bei dem die Herren ihre Aufwartung machten, empfing sie aufs freundschaftlichste. Mittwoch, den 22. d. M. macht die Deputation ihre Aufwartung beim Kultusminister Graf Johann Zichy. Mitglieder der Deputution waren Oberrabbiner Koppel Reich, Budapest- Reich, Batorkiesz- Reich, Ny'.tra Novak- Reich, Verbö; Gabel, N. Varad - M. Freudiger de Obuda; Dr. Jakob Schächter - S. Ulmann; Brerczet Eperjes- Rosenbaum, Boldogasszony - Ullmann, Besztreeze; Glosner, Kolozsvar- Schreiber, ^Preßburg; Grünwald, Szatmar- Fischer^ Kirvarda; Klein, Nagy-Szöllos; Deutsch, Balassa-Gyarmat. Ksorrra, 17. Febr. Sonntag den 12. d. M. hat die Generalversammlung des mn ''p^nv- Vcreines für die Komitate Oedenburg, Eisenburg, Raab und Wesprem stattgefunden. Anwesend waren die Rabbiner aus Csorna, Beleb, Mattersdorf, Steinamanger, Teth, Sarvar, Janoshaza, Gyömöre und Czell und zahlreiche Mitglieder aus obigen Komitaten. Der Oberrabbiner aus Csorna eröffnete als Vorsitzender die Sitzung mit einer längeren gehaltvollen Rede, in welcher er die Anwesenden begrüßte und darauf hinwies, daß der Verein auf der Höhe seiner Aufgabe steht und nahe daran ist sein Programm zu verwirklichen. Vor der Tagesordnungbeantragen Herr Steiner-Gyömöre und Oberrabbtner Janoshaza eine Resolution dahingehend, daß die orth. Gemeinden der im Verein vertretenen 4 Komitate gegen die Unifikationsbestrebungen der ungarischen Neologie protestieren und Verwahrung einlegen, sich mit der Leitung der Ungar, orth. Judenschaft solidarisch erkläre und mit alle ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Schaffung einer einheitlichen Organisation für Orthodoxe und Neologe kämpfen sollen. Herr Oberrabbiner Beled beantragt die Annahme einer zweiten Resolution dahingehend, daß in solche Orten wo, orth. und neologe Kultusgemeinden sind, nicht -nur in Kultussachen sondern in allen Angelegenheiten religiösen Charakters irgend eine Gemeinschaft ausgeschossen sei. Beide Resolutionen fanden begeisterte einhellige Annahme. Hierauf gelangte der Jahresbericht der Vereinsleitung zur Verlesung. Derselbe konstatiert mit Freude, daß auf unsere Initiative im abgelaufenen Jahre sechs mn 'p'lnv-Vereine entstanden sind, deren Tätigkeitsgebiet 28 Komitate umfaßt. Die N2V rn'OV-Sektion hat im abgelaufenen Jahre sehr Ersprießliches geleistet, indem sie von 235 angemeldeten Stellensuchenden *106 plazieren konnte. Die Veretnsleitung brachte im letzten Jahre 400Werke über' Frauenpflichten zur Verteilung. Die Vereinsleitung erwirkte es bei den orth. Gemeinden ihres Territoriums, daß diese 30 arme verlassene jüdische Kinder die durch die staatlichen Kinderasyle bei Nichtjuden in Pflege gegeben wurden, in ihre Obhut nahmen und für ihre religiöse Erziehung sorgen werden. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen und der Vereinsleitung Dank und Anerkennung votiert. Es gelangte hierauf ein ausführliches Referat Äsrn eltt. _ von der jüngst in Budapest stattgefundenen.Delegiertenversammlung sämtlicher ungarländischer mn 's)'Mv-Vereine zur Verhandlung. Alle dort gefaßten Beschlüsse wurden von der Generalversammlung ratifiziert. Nach diesem Gegenstände wurde die Beratung abgebrochen und der qVD auf ganz O"V vorgenommen. Bei dem Bankett hielt Herr Oberrabbiner Benedikt aus Steinamanger einen geistvollen halachischen Vortrag, an welchen sich eine lebhafte Debatte knüpfte. In der Nachmittagfitzung gelangten verschiedene Anträge zur Annahme. Der Verein wird fortab allen sozialen Fragen erhöhte Aufmerksamkeit widmen, welche mit der Religion eng verbunden sind. Es wurde zu diesem Zwecke eine eigene Wirtschaftskommission gewählt. Der Landesrepräsentanz der orth. Judenschaft, wird ein Vorschlag unterbreitet, wonach sie die Erteilung von runin mnn an orthodoxe Rabbinatskandidaten auf folgende Weife regeln möge. Der nnnn-Aspirant hat seine Absicht der Landeszentral-Rabbinerkommission mttzuteilen. Diese nominiert nun drei anerkannte Rabbiner aus der Gegend, wo der Kandidat wohnt, nur diese drei haben dann das Recht nach vorheriger Prüfung dem Kandidaten die mnn zu erteilen. Die Tnnn wird dann von der Zentralrabbinerkommission signiert. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden Herr Paskusz-Csorna zum Präsidenten, Herr Schiff-Keresztur und Herr Steiner- Szombathely zum Vizepräsidenten, Herr Isidor Gestetner-Csorna zum Kassier und Herr Berger-Beled zum Kontrolleur gewählt. Außerdem wurde eine 22gliedrige Repräsentanz und verschiedene Kommissionen gewählt und sodann die Beratung um 5 Uhr Nachmittag geschlossen. Um 7 Uhr abends war eine ^Sitzung der Nabbinerkommission. Es wurden /ktzoÄerselben nebst einigen laufenden Angelegenheiten mehrere Bestimmungen in derHechschertmfrage getroffen und eine Hechscher-Kommission bestellt. gtuftlanfr* Die Duma-DerhanUiung Uber das Rauon-proieftf. Petersburg, 25. Febr. Gestern um 8 Uhr abends kam endlich nach Erledigung einiger nebensächlichen Punkte die Gesetzesvorlage über die Aufhebung der Rayon-Beschränkung für dieJuden zur Verhandlung. Es war eine gewisse Kampfessttmmung zu merken, die sich ganz besonders in der nervösen Unruhe auf der rechten Seite des Hauses bekundete. Schon beim Verlesen des Projektes wurde der Präsident vom reaktionären Flügel mehrfach unterbrochen. Noch selten herrschte in der dritten Duma solche Spannung wie in diesem Augenblicke. Man fühlte gewissermaßen, daß die Geschicke von Millionen auf dem Spiele standen. Als erster Redner erschien der Kabelte Maklakow auf der Tribüne. Er weist nach, wie ungerecht und unhaltbar die Rayon-Gesetze heute noch sind. Im Westen, sagte er, habe zwa^her] Antisemitismus auch nicht aufgehört, aber» Dtzrt^ sei er eine Sache, mit der sich jeder für sich äbzustnden habe, während hier in Rußland der Antisemitismus zum Regierungsprogramm geworden sei. Im übrigen seien die Rayon-Gesetze weiter nichts als eine unerschöpfliche Einnahmequelle für die bestechliche Polizei. Keiner sonst profitiere von den Wohnbeschränkungen der Juden. Diese werden wie die Parias in schonungslosester Weise von Ort zu Ort gejagt und im Rayon zusammengepfercht, wo ohnehin bereits die Armut gewaltige Dimensionen angenommen hat. Die Regierung und das Land tragen zum guten Teile die Kosten dieser Austreibungen. Zugute komme sie höchstens nur der Polizei, die auch dadurch in einer Weise demoralisiert wird, daß das ganze öffentliche Leben darunter zu leiden habe. Die Juden erfüllen alle Bürgerpflichten 2. März ISN. 2 Mi L' bis ran und hätten somit Anspruch auf alle Bürgerrecht rauen „Erst müßt ihr die Juden in ihr Recht einsetze flr ih so schließt der Redner seine eindrucksvollen Au S, führungen, „dann könnt ihr nach Herzenslust i gerückt Antisemitismus machen." lesten Gleich nach ihm ergreift Markow II, di mndsc bekannte „Gelehrte" derVerbändler, das Wo: Er hebt die unverbrüchliche Treue der Rechte zum Köntgshause hervor und die patriotischk Gefühle, von der seine Partei beseelt sei ur j auch in ihrer Stellung zur Judensrage geleit werde. Das Judentum, meint er, sei so mächti daß der Kampf einzelner gegen dasselbe nich^rth auszurichten vermag und daß es daher der G^as ' sellschaft und dem Staate obliege, hier dec^^n Vernichtungskampf zu führen. D Entfaltung des jüdischen Elementes würde de 2. Ruin der Russen zur Folge haben usw. G 3] verwahre sich im Namen seiner Freunde dagege Als den Juden aus Kosten der Russen Opfer z Rabbi bringen. Die russische Politik könne k e i r> c x e höhere Kulturaufgabe verrichterxho als möglich st viele Juden aus de Lande zu treiben. Er bekräftigt noch dieU^x, wilden Ausfälle mit einigen perfiden Verlern r düngen und „Feststellungen" über das Wes %m des Judentums, wie man sie von ihm sch> Rabbi in früheren Dumareden gehört und weidlich l Frage lacht hat. Herr Es spricht dann von den Sozialdemokratinnen Pogorwosky. Er ergeht sich in AnklagiDas gegen die Regierung und rät den Juden, th n(mm Hoffnungen nicht auf die Bürokratie zu setze j^r sondern sich mit dem Proletariats und allen an! nimü ren gedrückten Nationalitäten gegen die Reg ^eds. rung zu verbinden, wassie bisjetztno Ai nicht getan. (Und hoffentlich auch fern Rabbi nicht tun. D- Red.) Gab Nachdem noch im Namen der Nationltst ja ä{ Baron Scherkasow gegen die Vorlage gespr^rül chen hatte, ergriff Abgeordneter »ciffcli horc witsch das Wort. In sichtlicher Erregu rckC* führte er u. a. aus, daß die Juden die einzi r^ickl Bevölkerung im Lande bilden, die das Recht d v Bewegungsfreiheit nicht genieße und, gewaltso an die Scholle gefesselt, in der Entfaltung ihr Kräfte gehindert sei. Er könne trotz den reakt nären Strömungen in der dritten Duma di nicht glauben, daß die Majorität derselben c>, übers Herz bringen würde, den Juden die e wje p mentarsten Menschenrechte vorzuenthalten. Ei J* derartige Behandlung der Juden spreche all r' Begriffen der Moral Hohn und zeige der Kultr Welt das russische Reich in einem Lichte, das il weder zum Ruhme noch zum Nutzen gereichen köm aT Die Judenheit des Landes habe den Glauben Rußland noch nicht verloren und appelliere Namen der Menschlichkeit und im Interesse Landes und des Staates an die Volksvertretur ihr zu ihrem Rechte zu verhelfen. In einer längeren sachlichen Begründung d Interpellation wirft dann der Abgeordni Fried mann einen Ueberblick über dieGeschics der Juden in Rußland, die Kulturaufgaben, sie in diesem Lande erfüllt haben, die Geschick ihrer Leiden und der traurigen Folgen, die für die Juden und die Gesamtbevölkerung zeitigt haben. 1 M ^Prhchen ni^h für die Vorlagen Rosc?- w^ im-Kamen der fortschrittlichen Arbeit ebenso Sacharvw, der aus dem Evangelir beweist, daß es gegen die religiöse Moral stößt, ein ganzes Volk wegen der Vergehen Ei elner büßen zu lassen. Madtjumtn, in und Basilewitsch (Oktobrist) beantrage die Vorlage einer Kommission zu überweisen. Es folgt nun eine kurze Erklärung des Vi sitzenden, in der er betont, daß es sich jetzt ni um die eigentliche Frage des Rayongesetzes ha dele, sondern vorerst nur darum, ob sie eir Kommission überwiesen werden soll- In ment l i ch e r Abstimmung wurde nun mit gegen 138 Stimmen beschlossen, die Vorla einer Kommission zu überweise Nach kurzer Debatte wird dann noch beschloss, die Kommission für persönlic Freiheit mit der Prüfung der Frage zu anschl warm tutior fehlt, zu er Berke war. Haus schloss postal Nähr Wirts, für! geruf p r ei Taus« Leber und 1 bishe Schn von ging leben diese schüft zielle keitsc

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