Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1911)
- Date
- 1911-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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jjijüpipijj^i.j JMiJ. HJU.HB.MWf JW'U^-Ü f'F -' rz INI da agt, n For »er Be 2. März 1S11. Nus Sem Neickslsg. Aerti«, 28. Februar, je Etho» Die Verhandlungen über den Militäretat im ingt un^kchstag am 25. und 27. Februar wuchsen sich derno ^er regen Debatte über die Juden frage 10 >* S us. Aus die Interpellation der liberalen Fraktonen über die Zurücksetzung der Juden l)enn o<^ Heere sah sich Abg. Raab von der Wirtousg ch^^ichen Bereinigung bemüßigt, mit ^'lzei^^meinen Ausfällen gegen die Juden aufzuoa^Een, wie sie der deutsche Reichstag in solch s o‘ gehässiger und zugleich unsachlicher Weise noch .Lno we^^en gehört hat. Dieses Benehmen des wilden 'argejtel Antisemiten veranlaßte die anderen Parteien men Schluß der Debatte am Samstag nicht juzulassen und in einer Fortsetzung derselben am E^E^vntag mit dem famosen Herrn Raab ge- »ührend abzurechnen. Zunächst besorgte dieses —— »us ziemlich gründliche Art der Zentrumsabge- ^^rdnete Gröber. Er führte in bezug auf die zu den ungefähr folgendes aus: „Ich kann eS nicht billigen, daß er — Raab — fich auf Bismarck tn der I u d e n f r a g e bezieht. B Smarck hat sich zwar einmal in seiner Jugend absprechend über die Juden geäußert, aber sein ganzes späteres Wirken hat diese jugendliche Aeußerung wieder ausgelöscht. Cr ist doch später für die Parität aller Stände und Konfessionen eingetreten und hat sie gesetzlich festgelegt. Wir in Deutschland find doch nicht ouf der Welt isoliert. Andere Staaten haben doch auch Juden und haben die Frage gelöst. In Oesterreich find die Juden längst zu allen Aemtern zugelafsen und bis in die höchsten Stellen gelangt. Auch Italien, England und Frankreich haben jüdische Offiziere. Jüdische Soldaten haben tapfer für unser Vaterland gekämpft und fie find, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, nachhause gekommen. Die Juden haben fich im Kriege vollkommen bewährt. DaS haben die verantwortlichen Stellen festgestellt. In der Zeit der Gefahr haben fie nicht hinter den christlichen Mitbürgern zurück^estanden, sondern fie haben ihre Pflicht geran. An dem deutfch-franzöfifchen Feldzuge haben Ü000 jüdische Soldaten rellgenommen und 100 jüdische Offiziere. Davon haben 373 das Eiserne Kreuz oder eine ähnliche Kriegsauszeichnung bekommen. (Hört! hört! links.) Und nun ist seit Jahrzehnten kein Jude mehr O/fizier geworden in der preußischen Armee, während eS in Bayern geschieht. Das beweist doch, daß die Parität, die reichsgesetzltch festgelegt ist, nicht überall ausgeübt wird. Dabet werd.n aber alle Ojfiziere, die fich taufen laffen. Gerade wir Katholiken haben allen Anlaß, für die ehrliche Durchführung der Parität einzutreten. Dieselben Leute, die heute gegen die Juden Vorgehen, gehen morgen gegen die kattoltschen OrdcnSleute vor. Wir treten für die Gleichberechtigung aller Stände, Klaffen und Konfessionen ein und wir wollen auch nicht, daß den Juden Unrecht geschieht. Wir treten für die Gleichberechtigung ein nach den Worten des Kaisers Friedrich, der Duldung gegenüber allen Konfessionen haben wollte. In der darausfolgenden Rede des Nationaleralen Osann, der sich im wesentlichen den lusführungen Gräbers anschließt, ist folgende, n die Adresse der Konservativen gerichtete Stelle esonders bemerkenswert: „Der Herr KrtegLmintster hat fich mit voller Entschiedenheit auf den Standpunkt der Verfassung gestellt und gesagt, daß er die Tendenz der Zurücksetzung der Juden nutzt billige. DaS hat auch sein Vorgänger getan. Ich kann auch sagen, daß die konservative Partei den Standpunkt vertritt. DaS hat auch die ,Skreuzzeitung, gesagt. Die,Sreuzzettung^ hat vor etn ger Zeit Über Antisemitismus gesprochen. ES heißt dorr, daß fich die konservative Partei überzeugt habe, daß der antisemitische Paffus in ihrem Programm nicht mehr durchzuführen sei. Es. fänden fich bei den Juden doch auch viele konservative Elemente, währmd Umsturzelemente bet raffenreinen Deutschen fich fänden. Dies wäre al.o ein Berlaffen des alten Standpunkres, wenn ich annehmen kann, baß das nicht bloß eine private Aeußerung der ,Kceuzzettung^ war, sondern inspiriert ist von der Parteileitung. Trotzdem wäre eS erwünscht, heute zu erfahren, welche Stellung denn die Konservattven jetzt einnehmen." a. »vere ilegram uar üb aus de em Kre en alle betrosft oollzteh egleitm hleunig! ad Kä ohnung ewiesen f besä m eisen. geglb fallen d wie der at blinken! rt Berk sserttlich f in sei, ite Ehrli 3e Prvz ter Bro und üb 1891 »lohntet t Preus ks\ nen ffii rauensv vermag :r Lebe dem ine der Fü Franks das aß er Die Ri ) und gens rr bev rment denn Serzinsli rliefi Kopsch von der Fortschrittlichen artei führt u. a. folgendes aus: „Eigentlich verdient er (Raab) gar keine Antwort, seine Angriffe können unsere jüdischen Mitbürger überhaupt nicht treffen und es genügt, fie niedriger zu hängen, um die antisemitische KampseSweise und die innere Berechtigung deS Antisemitismus zu kennzeichnen. (Schrich.ig!) Der Widerwille über die Ausdrücke des Herrn Raab war durchaus allgemein im Haufe und auch dem Kiiegsmimsttr müssen die Ausführungen des Herrn Raab zu denken gegeben haben. Der KUegSminister hat in diesem Jahre wesentlich deutlicher seine Mißbilligung der antisemitischen Regungen im Offizierskorps zum Ausdruck gebracht als im vorigen Jahre, wo er diese antisemitischen Re- Der JSraeÜt. aungen noch zu erklären versuchte. Diesmal hat er fie sogar mißbilligt. Am SamStag hat der 5trtegSmtnister Gelegenheit gehabt, solche antisemitische Regungen tn Reinkultur zu hören, und zu sehen. Ich frage ihn nun, ob ein mit solchen Vorurteilen erfüllter Offizier oder Unteroffizier zum Vorgesetzten geeignet ist. Herr Raab hat am Samstag gesagt, wir wollen unsere deutschen Jungen nicht tn die Lage bringen, fich gegen jüdische Vorgesetzten zu vergehen. Wenn etwaS Aehn Uches von Sozialdemokraten gegen adelige Borgefitzte gesagt worden wäre, hätte es eine allgemeine Empörung gegegen, denn das ist eine Untergrabung der Disziplin. Solche Ausführungen müssen wir, da fie den koryesfionellen Frieden stören, bedauern. Wohin sollen wir kommen, wenn die kons sfionelle Scheidung weiter betrieben wird? Die Erfüllung dieser Forderung bedeutete dte Preisgabe der Einigkeit tn unserem deutschen Heere. Weli»e Veranlassung liegt zu dieser Forderung vor? Sind die katholischen Mitbürger nicht richtig behandelt worden? DaS müßten wir entschieden mißbilligen. Wtr find alle verpflichtet, miteinander zu leben und zu arbet en ohne Unterschied des Glaubens." Daraus ergriff der Preußische Kriegsminister v. Heering en das Wort zu einer Erklärung, dte soweit sie die Frage der jüdischen Offiziere betrifft, folgendermaßen lautete: „Ueber die Juden im Heer brauche ich keine Mahnung, von meinem Standpunkte nicht abzugehen, da ich keinen Untersch ed machen lasse, nicht nur von Glaubens-, sondern auch von StandeSwegen. Ich betone und unterstreiche noch einmal: Antisemitische Regungen find auch hier und da, kewußt ober unbewußt, tn der Armee vorhanden. Wundert Sie das, meine Herren? (Stürmische Rufe link«: Nein!) In einem Volks Heer müssen doch auch Abfärbungen von dm Strömungen im Volke vorhanden sein. (Stürmischer Widerspruch link.) Ich arbeite dem mit Macht entgegen und tue alles, was ich kann. Gegen antisemitische Vorgesetzte würde ich immer ein schreiten. Die Kommandogewalt des Kommandeurs aber muß so bleiben, wie fie ist. Herr Gothein hat Fälle angeführt, die ich nachgeprüft habe. Der Assessor Dannenbaum wrr nicht zum Offizier geeignet, wie ich nachgeprüft habe, und seine Angaben waren unzutreffend. Wenn ein Fehler vorkommt, wo ein Grundsatz der Gleichverech.tgung verletzt worden ist, greife ich ein." Abg. v. Oertzen (Rp.) sucht die Zurücksetzung der Juden im Heere damit zu erklären, daß die Judenemanzipation noch zu jung sei, um sie für den Offiziersstand zu befähigen. Er hofft, daß es darin später beffer wird. Auch Raab ergreift noch einmal das Wort und versucht einige Ausführungen seiner Hetzrede zu begründen, worauf die Debatte geschlossen wird. Die ein gebrachten Resolutionen werden Übgelehnt. Leipzig, 25. Februar. Der Erlaß einer Verordnung über das Schlachten nach jüdischem Ritus (Schächten).imstädtischen Schlachthof und die damit im Zusammenhänge stehende Eingabe führte in der letzten Sitzung des Stadtrates zu einer längeren Debatte. Der Vorsteher Dr. Rothe gab hierzu zunächst die Eingabe des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig bekannt. In dieser wurde um Erlassung der Schächtgebühr, die 10 Mark pro Rind betragen soll, gebeten. Nach den von Sachverständigen und Fleischern abgegebenen Erklärungen würde dadurch das Schächten auf dem Leipziger Schlachthose unmöglich gemacht werden. Erfahrungsgemäß würde nur das Fleisch von zwei Dritteln der geschlachteten Tiere als koscher befunden. Der Fleischer müsse also mindestens 3 Rinder schlachten, und damit erhöhe sich die Gebühr auf 15 Mk. Es würden jährlich etwa 1500 Stück Tiere geschächtet werden. Der Vorstand bitte daher um Wegfall der Gebühren. Stadtv. Schn au ß als Referent berichtete zu der Vorlage, daß in den Ausschüssen die Oeffentltchkeit des Schächtens verlangt, wurde, damit jeder fich überzeugen könne, wie das Schächten vor fich gehe, und ferner um fich ein Urteil selbst zu bilden. In der Debatte ergriff zuerst Stadtverordneter Schreiber das Wort. Er sowie Stüdtv. Bammes wendeten fich gegen die Erhöhung der Gebühren und erblicken darin eine Verteuerung des Fleisches, die durch die neuen Bestimmungen absolut nicht herbeigeführt werden dürfe. Rr. S. Sette S Stadtrat Hofmann glaubt, dab die Oeffentlichkeit des Schächtens Zustimmung finden könne und keine rechtlichen Bedenken dagegensprechen. Die geforderten Zuschlaggebühren seien vom Rate festgesetzt worden mit Rücksicht darauf, daß ihm durch das Schächten erhöhte Kosten erwachsen durch Einführung der Beaufsichtigung und außerdem durch Inanspruchnahme größerer Räume. Wenn später das Schächten sich noch weiter ausdehne, würden voraussichtlich neue Schlachthallen gebaut werden müssen. Die Bedenken wegen eitler Verteuerung des Fleisches in Leipzig halte er nicht für stichhaltig, dazu sei der Prozentsatz der Schächttiere doch viel zu gering Die Anträge des Verfassung- und Verkehrsausschuffes lauten: 1. Ziffer 3 in der Verordnung zu streichen. 2. in Ziffer 4 der Verordnung die Gebührensätze um das Doppelte zu erhöhen und zwar aus 20 Mark (statt 10 Mark), 12 Mk. (statt 6 Mk.), 6 Mk. (statt 3Mk.) und 4Mk. (statt 2 Mk.),- 3. den Rat zu ersuchen, in die Verordnung Bestimmungen aufzunehmen, nach denen a. die Fleischverkäufer in ihren Lokalen das Fleisch von geschächteten Tieren als solches zu deklarieren haben und b. verhindert wird, daß mehr Tiere geschächtet werden, als der tatsächliche Bedarf für die Israeliten erfordert; 4. das Gutachten im übrigen im zuftimmenden Sinne abzugeben - 5. die Eingabe für erledigt zu erklären. Antrag 1 wurde einstimmig angenommen - Antrag 2 mit gleicher Sttmmenzahlsonach tritt eine Erhöhung der Gebühren etn- Antrag 3 a wurde gegen die 19 Stimmen der 3. Abteilung und 5 b einstimmig angenommen. Anträge 4 und 5 fanden ebenfalls einstimmige Annahme. Es hat sich in der Verhandlung leider gezeigt, daß dte wahrhaft gerechte und tolerante Haltung der sächsischen Regierung bei der Vertretung Leipzigs bis jetzt wenig Verständnis und Nacheiferung findet. Da wäre noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, denn es liegt bei den meisten der in Betracht kommenden Herren mehr Unkenntnis als Uebelwollen vor. Leipzig, 28. Febr. Wie verlautet, hat der Rat der Stadt Leipzig beschlossen, der von der Stadtverordnetenversammlung festgesetzten Gebührenordnung für oder beffer gegen das Schächten nicht beizutreten, sondern bei seinem Beschlüsse zu beharren. Die Festhaltung einer Gebühr von Mk. 10.— wird damit begründet, daß die Beaufsichtigung, gemäß den ministeriellen Bestimmungen, einen besonderen Beamten, sowie daß das rituelle Schächten mehr Platz erfordere als die anderen Schlachtmethoden. Stuttgart, 27. Februar. Herr Rechtsanwalt Dr. Gunzenhauser, der Rechtsvertreter der Kirchengemeinde Stuttgart in Sachen Aron teilt uns mit, daß, entgegen der in der vorigen Nummer veröffentlichten Mittellung, die Kirchengemeinde bereits unterm 1. Februar gegen das Urteil der Kgl. Regierung des Neckarkretses in der Sache Aron Berufung eingelegt habe. Die Berufungwird in kurzer Zett vor dem Berwaltungsgerichtshof in Stuttgart als Berufungsinstanz zur Verhandlung kommen. Damit entfallen natürlich auch die an die angebliche Nichterhebung der Berufung geknüpften Folgerungen. Ungarn. Audapest, 21. Februar. Eine aus 40 Mitgliedern bestehende Deputatton der Landes-Repräsentanz der orthodoxen Judcnschaft Ungarns YifÜMiT