Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1911)
- Date
- 1911-03-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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•Vi^ Gette 4 Nr. 9_ betten und Oktobristen zusammengesetzt. Eine Frist von einem Monat ist ihr zur Prüfung der Frage gegeben worden. Auch diese Tatsache zeigt, daß man die Sache nicht einfach abschieben, sondern ernstlich behandeln - und erledigen will. Hoffen wir, daß der 27. Februar einst in Wahrheit als glückliches Datum in der Geschichte der russischen Judenheit gellen möge!. Die taufe als „Kulttirfaktor“. (Schluß.) lind doch wagt es Köhler, in seiner neuesten Leistung, deren Oberflächlichkeit nur durch die beispiellose Fülle der Betätigungen dieses Mannes erklärlich, auf Heine als auf den hinzuweisen, besten Uebertritt zum Christentum eine wahre Kulturtat gewesen. Als ob Heine nicht schon vor der Taufe und gerade damals er selbst gewesen. Wahrlich, nicht der Taufe, diesem Akt freiwilliger Preisgabe seiner selbst, sondern der allein von der Geschichte vollzogenen, mit der Zerstreuung Israels unter die Völker begonnenen Integration, deren ethnologischer Zweck es zu sein scheint, im jüdischen Wesen das Wesen aller Völker sich spiegeln zu lasten, verdankt Deutschland seinen zweitgrößten Lyriker. Er hat es selber klar gefühlt. Ihm war die Taufe nicht Kulturtat, kein Vorgreifen dem Walten der Geschichte, ihm war sie erbärmliche Feigheit, ehrbefleckend, entwürdigend. Und doch hat er es über sich vermocht, die Tat zu begehen. Schon ein Jahr, nachdem er die oben zitierten stolzen Worte geschrieben, ist er Apostata geworden. Der Magister Gottlob Christian Grimm, Pfarrer der evangelischen Gemeinde zu Heiligenstadt bei Göttingen, hat ihm das „Entreebillet zur europäischen Kultur" gelöst. — „Vielleicht schicke ich Dir heute r och ein Gedicht aus dem „Rabbi", — gemeint ist der Rabbi von Bacharach, an denl der Dichter gerade zur Zeit (seiner Taufe arbeitete — worin ich leider wieder unterbrochen worden Ich bitte Dich sehr, das Gedicht, sowie auch, was ich Dir von meinen Prwatverhältnissen sage, niemanden mitzuteilen. Ein junger spanischer Jude, von Herzen ein Jude, der sich aber aus Luxusübermut taufen läßt, korrespondiert mit dem jungen Jehuda Abarbanel und schickt ihm jenes Gedicht aus dem Maurischen übersetzt, rd ieüeicht scheut er es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unumwunden zu schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht —. Denk nicht darüber nach." Mit diesen Worten teilte Heine seinem Freund Moser den vollzogenen Taufakt mit. „O des heil'gen Jugendmutes! O wie schnell-bist du gebändigt! angesehen werden. Doch das war in der guten alten Zett, wo man noch „viel Zeit" hatte, wo es noch keine luftgeheizten und elektrisch beleuchteten Synagogen gab. Jetzt ist das anders. Ein Ruck an ct-un Hebel — und die Luftheizung funktioniertein „Knipps" — und das Elektrische strahltein Wink und ter „Zwonzigmtnutenpredtger" steht auf der Buhneein zwei:« Wink — und er ist verschwunden. Es geht alles nach „Tempo" tm Tempel! prW D’öttD 2V1'» der in der Höhe Thronende 'wnd sicher lachen. Auch auf Erden lacht man. An den Synagogenbesuchern liegt es nun, die neue Einrichtung auch gebührend zu würdigen und vollzählig allezeit sich einzustellen. An den Kantoren und Predigern liegt es jetzt, ihre Shtuft zu „aichen". Bis hterhen und nicht WellerHalt! wenn die Schranke geschlossen ist. Jetzt bleibt doch auch manchem roch hinreichend Zeit übrig, nach Schluß der Andacht die inoffiziellen Gebete wie iTTOtf, fttn flttHfi ffTptf 71LNS, rc. anzusügen. Es wäre doch auch schade, wollte man'die herrlichen Gedanken jener Thoraabschnitte nicht täglich auf Herz und Gemüt wirken lassen. Dazu müssen eben auch Prediger und Kantoren e.n wenig beitragen- «Maß zu halten ist gut," lehrte schon einer der sieben Wesen Griechenlandf. Er fand liebevolles Verständnis in der Berliner Gemeindestube. Als dankbares Thema möchten wir zum Schluffe noch Zwanzsjackerednern folgenden Satz aus Berachot empfehlen: nn» rw 1'NW vn Daran ließe sich ein kurzer historischer Rückdtck knüpfen für öre Zeit von etwa 200 der gcw. Z. bis zum 5. Februar 1911. Allerdings müßte es ein kurzer Rückblick sein und unbedingt mit dem 5. Februar 1911 enden. D ch wir wollen nicht vorgretfen und selbst Maß halten. Sonst verfallen wir in den Fehler, den wir bei den andern rügest. Also nächstens mehr. Bm Menachem. Der Israelit. __ Und du hast dich, kühlern Blutes, Mit den lieben Herrn verständigt." „Einem Abtrünnigen" ist das Gedicht überschrieben, dem dieser Vers entnommen. Jawohl, der heil'ge Jugendmut war ihm gar schnell gebändigt. Und nicht das Bewußtsein, eine Kulturtat begangen zu haben, sondern brennende Scham über den eigenen „Luxusübermut" erfüllt seine Seele und benimmt ihm selbst den Mut, dem Freunde offen die Tc.t zu bekennen. Wie ein ertappter Verbrecher wendet er sich im Gefühl der „nicht sehr noblen Handlung" an ihn und sucht ängstlich jeder Auseinandersetzung aus dem Wege zn gehen. „Denk nicht darüber nach." „Luxusübermut"! Mit welch rindringender Schärfe bezeichnet nicht dieses Wort das einzige Motiv, das seit je den Mut gebändigt und zur Taufe, zur Verständigung mit „den lieben Herrn^ geführt hat. Heine hat das Judentum nicht in der Erkenntnis verkästen, daß dessen ethnische Auflösung zu geschichtlicher Notwendigkeit geworden sei, sein Austritt hat sich vielmehr in dem klaren Bewußtsein vollzogen, daß er, um mit des Psalmisten Worten zu reden, den Namen des Herrn gelästert, weil ihm das täglicheBrotab - ging. Es war der entscheidende Schritt seines Lebens. Er war zum Fremdling auf Erden geworden. „Ist es nicht närrisch? Kaum bin ich getauft, so werde ich als Jude verschrieen.... Ich bin jetzt bei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue sehr, daß ich mich getauft Hab'- ich seh noch gar nicht ein, daß es mir seitdem bester ergangen sei — im Gegenteil, ich habe seitdem nichts als Widerwärtigkeiten und Unglück." Es sollte ihm nie bester gehen. Denn nun erst, nachdem er es verkauft, ward ihm das Judentum zum „Unglück". Der Rachegeist seines Stammes heftete sich an seinen Sohlen und trieb ihn in die Fremde hinaus, in der ihm nicht Glück noch Stern gewinkt hat. Der Bodenständigkeit beraubt, bekam seine Dichtung jenen Vaganten haften Zug, der sie zur umfassenden Größe nicht mehr auswachsen ließ. Des heiligen Jugendmutes bar, büßte sein Charakter die stählerne Festigkeit, fein Sinnenleben jede Lauterkeit ein. Die ehedem in romantischer Ironie gewollte Dissonanz ward so zum beherrschenden Grundzug seines Wesens, er selbst ein furchtbarer Allesverneiner von mephistophelischer Elementargewalt. Das war die „Kulturtat" der Taufe! Wieviel Werte sie in ihm zerstört hat, läßt sich nicht ermeffen. Mit wunder Sittlichkeit ist er ins Mannesalter getreten, ist niemals mehr ein Pfadfinder geworden, der er hätte sein können. (Ter Ahn des Hauses Rothschild.) Der Tod d.7s Barons Albert von Rothschild veranlaßt die großen politischen Zeitungen zur Veröffentlichung ausführlicher Artikel' zur Geschichte des Hauses Rothschild. Wenn man den ungeheuren Einfluß erwägt, den die 'Rothschilds in der Finanzgeschichte des 19. Jahrhunderts haben, den märchenhaften Aufschwung ihres Geschäfts von kleinen Anfängen bedenkt, dann erscheint die Gestalt des alten M a y e r A m s ch e l Roth s ch iId, der erst vor einem Jahrhundert zu seinen Vätern versammelt wurde, der in der Frankfurter Judengasse wenige Jahre vor Goethe das Licht der Welt erblickte, in einem besonderen Lichte. Das Sinnen und Trachten dieses Ahnherrn der Rothschilds war durchaus nicht von Anfang an auf irdisches Hab und Gut gerichtet. Nicht Handel und Gelderwerb lockten ihn. sondern er wollte sich vertiefen in die Lehren des Talmuds. In Fürth besuchte er die Talmudschulc. Toch die Umstände zwangen ihn, sich dem Geldgeschäft zu widmen, doch auch hierbei zeigte er einen unpraktischen, mehr aufs Wissenschaftliche gerichteten Zug. Er trat in Hannover in ein Bankgeschäft ein, aber mehr als die modernen Geldstücke, die Maria Theresia- Taler und die preußischen Viergroschenstücke, interessierten ihn die alten Münzen, aus denen ihm der Geist der Geschichte entgegen trat. Ein tief inneres Bildungsstreben trieb ihn dazu, seinen antiquarischen Neigungen zu folgen und sich mebr dem Handel mit alten Münzen zu widmen, von dem fein Vater nie und mnimcr glauben wollte, daß er errr einträgliches Geschäft sein könne. Aber gerade dieser Liebhaberei, der er sich auch weiter widmete, als er in Frankfurt eine Handlung gegründet hatte, verdankte er die wichtigste und entscheidendste Beziehung, die er in seinem Leben anaeknüpft. Ter damalige Landgraf und spätere Kurfürst Wilhelm von H e s.s e n kaufte ihm 2. März 1911. Denn es ist nicht wahr, was Köhler sagt, da der bloße Intellektualismus den For schritt der Menschheit beherrscht. Der B t luntarismus vielmehr, das gewaltige Ethoi Dü der leidenschaftliche starkeWille durchdringt un^kchsj leitet die Geschichtewas aber vermag der nou J2L. zu wollen, dcr aufgehört hat, sich selbst z ug wollen? lorien Nicht Fahnenflucht ist d.'e Taufe. Denn d<^ H, zu ihr sich entschließt, hat längst vorher aufg hört, Soldat zu sein. Aber sie ist Selbstzei.«^»»! nichtung. Ist Mord, der nicht mehr Individuum aNein, der vielmehr dj^zssi, le .ff ritt Rasse trifft. Ist Rassenmord. Und we alle Kultur durch Rasten vertreten und dargestel wird, ist sie Kulturmord zugleich. J. B. itnen juzula Ronl Ähren Ordnet« ude LCfQ. auf SB sich ZI Jude: diese doch fesfior und orrespondenzen achrichien. Derrtsrhe« Metch. Merlin, 23. Februar. Der Hilfsvere der Deutschen Juden erhält einTelegram aus Petersburg unter dem 23. Februar üb massenweise Ausweisungen von Juden aus de Gouvernement Tschernigoff. Aus demKre Surasch dieses Gouvernements werden alle 219 Familien von der Ausweisung betroffr Diese völlig gesetzlosen Ausweisungen vollzieh sich zudem unter sehr grausanren Begleitm ständen. Um die jüdischen Familien zur schleunig! Abreise zu zwingen, werden bei 30 Grad Kä die Türen und die Fenster ihrer Wohnung von der Polizei geöffnet, sodaß die Ausgewiesen schwer zu leiden haben. Der Gouverneur von Tschernigoff besä alle gesetzlichen Beschwerden der Juden fle9 iRcxafe die Ausweisungen ohne Prüfung obzuweisen. in D, Anbei Frag« allen Stell« haben tapfer schmü Die ° Das I der Z Itchen ihre $ zuge i 100 ji Kreuz (Hört! Jude währe daß di überal ziere, haben Paritö die Ju Orden aller <! wollen Wir 1 Worte allen i lusfüh n die! esonde gern altrömische Münzen ab und fand Gefallen dem tüchtigen Manne. „Wie sie beide so unterhandelten und wie sich einander so belehrten über die Nacht der at Zeiten und die wenigen aus ihr herausbkinkeni Münzsterne", so schildert Gutzkow ihren Berk in einem 1835 über die Rothschilds veröffentlich prächtigen Aufsatz, „da bemerkte der Landgraf in sein Antiquar einen guten Geschäftsmann und eine Ehrli keit, die gerade so weit ging, als das erlaube Prvz seines Verdienstes. Er fing an anstatt von alter Bro auch über neues Silber ryit ihm zu sprechen und üb trug ihm manches kleine Geldgeschäft, bis 1891 Hofagentur Mayer Amschels Verdienste belohnte Als dann die Franzosen 1806 gegen Preus marschierten und Kursürst Wilhelm vor ihnen ffii teto, überließ et* seinem Hofagenten vertrauensv die Sorge für die Rettung seines Privatvermög! von 50 Millionen Gulden. Nur mit eigener Lebe gefahr wußte Rothschild diese Schätze vor dem griff der französischen Polizei, die sogar eine suchung bei ihm veranstaltete, zu retten. Als dcr Fü Primas Karl von Talberg Großherzog von Franks wurde, gab er dem allgemeinen Ansehen, das alte Rothschild genoß, dadurch Ausdruck, daß er zum Mitglied des Wahlkollegiums ernannte. Die Ri kehr des Kurfürsten Wilhelm in sein Land und Uebergabe des unversehrten Privatvermögens Mayer Amschel nicht mehr erlebt: er war ber 1812 gestorben. Aber er hatte das Fundament die weitere Entwicklung des Hauses gelegt, denn dankbare Kurfürst schenkte dem Hause die Verzinst! der Millionen seit sieben Jahren und überließ i die weitere Verwaltung des Vermögens. schiede und g> Juden getan. Partei ,Kreuz n ger i dort, t daß de rnchr l doch e sturzel> Die« t wenn i privat« tnfptrt, erwünj Konsei 19 arte seine r Haupt hängen innere nen. < drücke Hause führun Der K deutlich gungen tm vor