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Der Israelit · 1911-02-23 · Heft 8 (23.2.1911) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 8 (23.2.1911)
Date
1911-02-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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*&*>*«* .Vi-p? •.v-'^--.- H«r dsUeton. vttd-r-e«e« Aett. Ctzassidische Geschichte». Nach der Zusammenstellung eines galizisch'en Chassid bearbeitet von Sch. Me drei Söhne. (Fortsetzung.) Am schwersten drückte den Bater die Sorge um den Jüngsten. Menasse — so hieß dieser — kehrte sich wenig an des Vaters Mahnungen und die weisen Belehrungen des Rabbi. In völliger Abkehr von Gott und den Sitten in seinem Vaterhause führte er ein liderliches Leben zum Schrecken der ganzen Umgebung, denn er scheute auch vor Verbrechen nicht zurück, wenn sie seinen wohllüftigen Zwecken dienten. Das Gebetbuch des Rabbi warf er, nachdem er heim gekommen war, in eine §cke und wollte es nicht mehr sehen.. :{- Nun beschloß der Kaufmann, seine Söhne in die Welt hinauszuschicken, da er, ihrem Herzensdrange nachgebend, sich andererseits von der harten Schule des Lebens auch Heilung und sittliche Besserung für sie versprach. So zogen denn alle drei, reich versehen mit Geld, Empfehlungen, weisen Ratschlägen und guten Wünschen in die Fremde. Zuerst kehrte der Aelteste, Elchanan, nach wenigen Jahren heim. Er war ein stattlicher Mann geworden, von reichem Thorawissen und praktischer Lebensweisheit. In ernstem Streben und redlicher Arbeit hatte er sein Ziel erreicht, und er stellte nunmehr seine reichen Kenntnisse in den Dienst des väterlichen Geschäftes, das dank diese neuen Kraftzufuhr einen ungeahnten Aufschwung erfuhr, Zwei Jahre später kam auch der Jüngste, Menasse, heim. Er kam nicht, sondern man brachte ihn — direkt aus einer Strafanstalt, wo er verschiedene Strafen abgebüßt hatte. Er hatte sich im Leben verloren und führte ein lichtscheues Dasein, bis ihn die gerechte Strafe ereilte. Nun war er krank an Körper und. Seele, gebrochen an Geist und Gemüt. Im hohlwangigen greisenhaften Gesichte saßen , die Spuren des Verbrecher- und HWezftKep-Mß und unerkennbar, und im matÜHnHyge fWWc! zuweilen ein wildes Feuer auf, *. oasNÄtzreckerv um sich verbreitete. Doch war er bereits zu schwach, um den wilden Regungen der Seele zu folgen und wie mit ehernen Fesseln war der Witte Brausegeist an den hinfälligen frühverbrauchten Körper gebunden. Sfofö mußte Menasse das Krankenbett besteigen, von dem es für ihn ein Aufkommen nicht mehr gab. Als er in den letzten Zügen lag, und nach altem Brauche die Wachskerzen matt und leise brannten, um mit der Seele des Sterbenden mählig auszufiackern, da richtete sich Menasse noch einmal im Bette ein wenig auf. Sein halbgebrochenes Auge erhielt einen seltsamen Glanz und er deutete schwach und mit kaum merklichem Lippenbeben nach einer Ecke des Zimmers. Die Umstehenden sahen sich verständnislos h .^ ufld UinMnd^r dahtttMenoen. n^ den Wlnk dejMtMenden #ü vev- ,. _, . _ f fölte aus < einem verborgenen Winkel des' Wchrgnkes ein 'klÄnesiMPärMs Büchlein --.eß wir has Gebetbüchlein des- Rabbi und >- es hchw Minken. Wie in; einer letztep . ZftMmfröäÄtNtz Mff dieM mckch d «n Buche, tü seinem erloschenen Äuge leuchtete es noch einmal hell auf und seine zitternden halberstarrten Finger suchten in den gelben Blättern. Bald war ba$ gxofe Sündenbekenntni s- 'aufgeschlagen. Untz nun bewegten sich des Sterbenden blutleeren LiWsi Kleist, leises bis sie erstarrten-.^; .' Hie Leidestäge waren vorüber. Auch .der RaM hübte sich unter den - zahlreichen Gästen, die ipder Traüerwoche ' des Kaufmarms Haus fültt^ch eingefündett. Als einige seiner Chässidim ihm ihre Verwunderung darüber ausdrückten, daß er sich der Trauer um einen Verworfene» anschließe, sagteer in seiner kurzen warmen Art: «Er hatte nicht die Willenskraft, sein wildes Blut zu zähmen. Aber rein ging er dennoch von dannen, da er sich noch im letzten Augenblicke des ihm einst gemachten Geschenkes erinnerte und, wohl spät, doch die ihm einst gewiesene Brücke fand, die seine Seele zu ihrem Schöpfer führte." Bald zwei Jahrzehnte waren seitdem verflossen. Es waren Jahre des Glückes, des sieten Aufsteigens für den Kaufmann. Der Aelteste, Elchanan, hatte sich inzwischen mit der Tochter eines reichen gelehrten Mannes vermählt und Kinder erzeugt, die alle, wohlgeraten und gut geartet, die Freude der Eltern und der Stolz des Großvaters waren. Von Menachem, dem Zweitältesten Sohne des Kaufmannes, fehlte jedoch jede Spur. Alles Suchen, Ausschreiben und Nachfragen war ergebnislos, so daß man ihn aufgab und unter die Toten zählte. Doch der Rabbi runzelte die Stirn und schaute in die Weite, als durchblickte er das Weltall in seinen Tiefen und Fernen und sagte gedehnt: „Er kommt, er kehrt heim, sobald die Wogen in seiner Seele ebben und Ruhe in sein Herz eingezogen ist." Man rüstete sich zu einem großen Feste im!l Städtchen. Des Kaufmans Enkelin, die wunderschöne und mit allen Gaben des Geistesund Hebens ausgestattete Tochter Elchanans, wurde einem Manne, einem Sohne des Rabbi, angetraut. Von nah und fern strömten die Gäste herbei, auch die verwandten und befreundeten Rabbihäuser aus Belz, Lady und Lubawitz cWBdu vertreten und nach vielen hunderten zWtE die Schaaren, die in glühender Begeisterung und gehobener Feststimmung die Großen und Leuchten der Diaspora umgaben. In sechs Reihen saßen die geladenen Gäste an reichgedeckten Tischen und vor ihnen waren endlose Tafeln aufgerichtet, für die Armen, die aus der ganzen Gegend zufammenströmten. An der Spitze der Tafel saßen zu beiden Seiten des Brautpaares, in ihren weißleuchtenden Atlasgewändern die Rabbis, aus deren Augen wie Licht und Wärme strahlte, auS deren Mund die Worte der Thora wie glühende Feuerfunken durch den Raum sprühten. Der Wein Perlte in den Gläsern und spiegelte sich im weichen Goldlichte der vielarmigen silbernen Kandelaber. Bet den schmetzenden Klängen der Geigen und Flöten einer in der Mitte postierten jüdischen Musikkapelle drehten sich die frohgemuten Chässidim im Reigen, Psalmen rezitierend und mch Mye herrffiiWt iwiHreffe, in dem hie vom Leb^n MdÄngte«Hell hatten an Mc FWde der Glücklicher!, hie Armen und Niedrigen ftoh sein durften mit den Reichen und Große». Es sah ihnkeiner kommen, niemand Platz nehmen, den aMery Aüffim Mgrm, der im schäbigen verstaubten Gewände, mul; an der Lutersten We hetz Ärmen-TischeS fäß.' Er sah wie träumerch Hör sich hin und ttr seine« Augen perlten Tränen Auch ihm wurden gleich den anderen Armen die vollen Schüsseln '! und ein Glas köstlichen Weines gereichte Doch der blüffe Mann mit den verwitterten harten Zügen berührte kaum Speise und Tränk. Personnen saß er da und sah stieren Blickes über das lustige Treiben hinweg, als schaute er in ftemde ferne Welten. Als die Musikanten wieder zum Tanze aufspielten, griff der Fremde lcrygsam in seine Tasche und holte ein schwarzes längliches Paket, aus dem er ein wunderliches--altes Instrument auspackte, halb Flöte, halb Trompete. Er setzte das seltsame Ding an den Mund und spielte mit im Takte. Nun wurde man aufmerksam auf den ftemden Spielmann. Die Musikanten luden ihn ein, in ihre Mitte zu treten und an ihrem Spiele tellzunehmen. Doch er lehnte ab. Er sei ein einsamer Mann, der sein Lebtag seine eigenen Wege ginge und nicht gewöhnt sei, mit dem Chore zu musizieren. In den Pausen aber, da die Klänge der Kapelle verstummten, griff er wiederum nach seiner wundersamen Flötentrompete und spielte, spielte... Es war ganz ruhig geworden im Festranm, an den Armentischen sowohl wie in den ReiM der illustren Gäste. Auch die Rabbis hörten stillergriffen zu. Und mitten in die Stille blies und pfiff es und jubelte und trällerte es, wie Wonnenschauer, und schluchzte es dann leise wie Ktndeswimmern .... Alles horchte, die Blicke auf den ftemden Spielmann geheftet. Selbst die Musikanten,'die anfänglich argwöhnisch auf den Eindringling herabschauten, vergaßen ihren Aeraer und horchten. Ohne Pause wogten die Töne Wetter. Man sah liebliche farbenfchtllernde Täler vorüberziehen und hörte das Jauchzen einer iugendftohen Seele... Dann zogen ttef und gedehnt, wie von des Lebens Not und Schwere getragen, Klänge von mattem Glanze und gebrochenem Rhytmus durch den Saal. Kampf und Trotz, ein verzweifeltes Aufbämnen gegen das Schicksal, ein Ringen auf Tod und Leben .... Dann wieder ein Suchen und Rufen. Heimweh, Sehnsucht nach etwas Entschwundenem, Haschen und Greisen nach Unerreichbarem .... Und nun weich und süß und schmelzend, ein geheimnisvolles Flüstern und Rannen, ein kraftloses sich Tragenlaffen, wie ein Schiff, das von den sturmgepeitschten Wogen in das ruhige Hafenwaffer getragen wird. Nun war es totenstill geworden im Saale. Alles sah nach dem wundersamen Musikanten. Dieser aber schien selbstvergessen und weltverloren und ganz niedergedrückt. Er legte die Flöte aus der Hand und griff tief in das Futter seines zerschlissenen NockeS, so ttef, daß man das Krachen und Reißen des Zeuges hörte. Ein kleines schwarzes Büchlein kam zum Vorscheine, das der Fremde andächtig an die Lippen führte. Und nun begann von neuem das Spielen. Es waren ergreifende und herzbezwingende Psalmtöne, die nun durch den Saal drangen. Der Rabbi drückte, wie aus einem schweren Traume erwachend, dem Kaufmann die Hand und flüsterte: „Umarme deinen Sohn. ' Er ist heimgekehrt!" (Fortsetzung folgt.) Eii Boi SD aw m W mti str W OG erl W lut schi der nie led we me gel in dä kei Tc der M wr Rr so! r wr ru A, Ki ett de wr S eu ih l ho n< in ifi so di di C tc r> iiin .LS-L.:,

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