Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1911)
- Date
- 1911-02-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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•vtf^-.^-><^c» ^f,/1. .-^flM'-y «tte e. Nr. 8 Der LLw ütt. 23.Februar 1911. nrbeitsstillen Moirat hat den Vorzug, schon einmal im. jüdischen Kreise heimisch getvesen zu sein und die Früchte gezeitigt zu haben, die auch Wir — in kleinerem Maßstabe - von ihr erwarten. Es waren die 'V'IN, die Persamnrlungsinvnate ^*7^ un^ die wahrend der Fahrhunderte der Amoraim und Geonim Scharen der Thorabeflissenen zum Studium der Gotteslehre zusamnlenriefen, damit sie nach den Zeiten schwerer Arbeit für Hans und Hof ihr ganzes Sinnen und Trachten cmsschließlich auf das Studium des Gesetzes richteten. Wie wir nun selber konzentriert und von jeder Ablenkung isoliert uns hem Xfjoi'afhibiinn für diese kurze Spanne Zeit hingeben wollen, so soll uns auch ein Lehrer Pfadweiser sein, der nicht durch hundert Amtsgeschäste behindert ist, sich selbst mit der nötigen Ruhe recht tief in die vorliegende Materie des Thorastudiums zu versenken, sondern für diese Zeit sei ein Mann unser Führer, der während Jahrzehnten seines Lebens sich ausschließlich dem Thorastudium gewidmet hat und der, wie man es selten findet, sein ganzes Denken und Sinnen auf das Lernen konzentriert, der so ganz, wie .mans zu nennen pfogt, „im Lernen liegt". Deswegen, liebe Buudesbrüder, möchten wir Euch für dieses Mal nach Heidelberg einladen, weil wir zur Zeit in der glücklichen Lage sind, hier einen Mann in ilnserer Mitte zu haben, der dein engeren Freundes- und Schülerkreise des berühmten Lehrers und N2'L?^Leiters Rabbi Elieser Gordon in Telz entstammt. Er ist gewohnt, mit klarer Logik und mit der Schärfe des Geistes Den dargebotenen Stoff zu durchleuchten, nach der Methode der Begriffsbildung, die viele Geonim vorbildlich gemacht haben, die Probleme herouszuarbeiten und sie dem Verständnis des jungen Akademikers zu erschließen. Er ist nicht nur auf seinem ureigensteu (Gebiete völlig zu Hause, sondern er verbindet mit dem Wissen auch volles Verständnis für die Probleme des modernen Wissens. Um jeder -Zersplitterung der Gedankenwelt vorzubeugen, haben wir darauf verzichtet. Euch nach moderner Art ein „reichhaltiges" Programm vorzulegen. Unser Zweck ist ja gerade die Konzentrierung und Vertiefung und nicht die flüchtige Berührltng mit einer Reihe von Gebieten. Teshalb geht unser Programm nicht in die Breite, sondern in die Tiefe, und wir möchten nur wünschen, .daß unsere Bundesbrüdcr sich einmal in die münvllche Ähre, die uns darüber Aufschluß gibt, wie wir' 5;« »tHUn und.das schriftlich fixierte Gotteswort zu verstehen und zu erfassen haben, recht gründlich hineinleben. Wir denken uns die Sache so, daß zwei Stunden von dem oben erwähnten Herrn doziert wird, und daß dann die Bundesbrüder in wenigstens vierstündiger Arbeit sich das Dargebotene selbst verarbeiten und in lebhafter Aussprache. diskutieren. Tas gibt daun eine Fülle des Stoffes, der in gewissem Sinne selbst produziert, die Repetition des nächsten Tages zu einer neuen Behandlung derselben Materie gestaltet und Lehrer und Lernende zu tiefergehenden Betrachtungen und zu neuem Eindringen veranlaßt. Tann werden die Lernenden zu Lehrenden, sie schaffen neue Anregungen, und im Austausch der Gedanken entfaltet sich neues Leben des Geistes. Tiefes Programm soll natürlich nicht ausschließen, daß eine Abendstunde auch dein *pr>, Vorträgen aus der jüdischen Geschichte rc. gewidmet werden kann. Wenn so das Hauptstudium die volle Hälfte eines Tages in Anspruch nimmt, kann der Nachmittag zll Spaziergängen und Ausflügen in die herrlichen Berge und das idyllische Neckartal verwendet werden. Diejenigen unserer Bundesbrüder, deren Eltern besorgen, daß sie während des Ferienmonats einer Ausspannung bedürfen, können mit Recht daraus Hinweisen, daß sie gleichzeitig eine Erholungskur in Heidelberg mitmachen, wo die im Monat März schon sprossende und grünende Natur eine reiche Erholung gewähren wird. Bekanntlich hält der Frühling nirgendwo früher Einzug als in dem milden Klima Heidelbergs, imb wenn anderwärts noch kalter Frost die Natur im Winterschlafe gefangen hält, lächelt hier schondie Frühlingssonne und zaubert uugeahnß.,plötzlich ^ine» wunderbare Blütenpracht hervor Jen , Mprk der Vögel zu neuem himmelstrebenoen Gesqyg ' iuib* schwellt die Brust des Jünglings mit jungen Glücksgefühlen und adelt und stählt ihn zu neuem, kraftvollem Streben. — -- —" Wir wünschen lebhaft, daß der Appell der wackeren Heidelberger lauten Widerhall wecken, und eine stattliche Schar von Juristen und Medizinern, Philologen und Naturwissenschaftlern zürn „Kalla-Mond" an den Neckar wallfahren Möge. Tann werden, wie in alter Zeit, die leuchtenden Augen „derer, die den Honig der Thora gekostet", immer neue Freunde zu den alten hinzugewinnen, und aus dem kleinen Anfang kann sich unter günstigen Umständen eine weittragende Belebung des Thorastudiums in Deutschland entfalten. Stuttgart. 22. Februar. In Sachen Kirchengemcinde Stuttgart gegen Aron ist nunmehr die Berufungsfrist verstrichen, ohne daß, von Seiten der .Kirchengemeinde Stuttgart die bestimmt in. Aussicht gestellte Berufung au öcu obersten Perwaltungsgerichtshof erfolgt wäre. Das in Nr. 5 unseres Blattes auszugsweise veröffentlichte Urteil, welches den Austritt aus der Landeskirche und Kirchengemeinde des Wohnortes, o h n c gleichzeitigen Austritt aus dem Judentum als statthaft bezeichnet uird die Kirchengenreinde Stuttgart mit ihren Steueranfprüchlü an Aron kostenfällig obgmnesen hat, ist somit rechtskräftig geworden. Man darf armehmen, daß nunmehr, nachdenr die Kirchengemeinde die hochbedeutsame Entscheidung anerkannt hat, auch eine andere Angelegenheit ihre Erledigung finden wird. Wir meinen das immer noch schwebende Schächtverbot gegen den Schochet der Israelitischen Religiousgesellschaft Stuttgart. Eine aktenmäßige Darstellung dieser Angelegenheit ist ja s. Zt. in diesen blättern erschienen. Es genügt daher, au dieser Stelle daran zu erinnern, daß der Rechtsvertreter des Schochet in seiner Beschwerde gegen das Verbot, die I s r a e l i t i s ch e R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t Stuttgart als Dissideutenvere in im Sin ne des Gesetzes von 1872 bezeichnet hatte, welcher das Recht der freien gemeinsamen Religionsübung im häuslichen und öffentlichen Gottesdienst zustehe. Tie Kgl. Kreisregiernng hatte s. Zt. die Beschwerde abgeiviesen, mit der Begründung, die Israelitische Religionsgesellschaft sei als Dissidentenverein nicht anzusehen. Sie vertrat damals den offenbar auch von der Kgl. Kirchenbehörde eingenommenen Standpunkt, daß Israeliten nach dem Wttbg. Gesetz überhaupt nur dissibtctcu können, wenn sie konfessionslos werden. Nach dein Urteil, welches die Kgl. Kreisregiernng im Fall A r o n gefällt hat, ist dieser Standpunkt als irrig bezeichnet. Es ist ferner aus drücklich ausgesprochen, daß „die Israelitische Religionsgesellschast Stuttgart als eine selbst ä n d i g e n e b e rr d e r i s r a e l i t i s ch e n Kirchengemeinde Stuttgart bestehende Religions-Gen» s s e n s ch n f t israelitischen Bekenntnisses zu betrachten ist." An anderer Stelle in den: Urteil ist die Israelitische Religionsgesellschaft geradezu als Dissidentenverein im Sinne des Gesetzes von 1872 bezeichnet. Als solche besitzt sie, wie schon ausgeführt, das Recht der freien Religionsübung im häuslichen und öffentlichen Gottesdienst. Ta das Schächten nun unbestrittenermaßen eine Religionsübung ist, so kann der Staat die Israelitische Religionsgesellschaft nicht hindern, zur Ausübung derselben einen Schochet anzustellen, und kann diesen Schochet ferner nicht zwingen, sich dem Stadtrabbinat Stuttgart zur Prüfung und Autorisierung zu unterstellen. Es ist daher zu erwarten, daß, das Ministerium des Innern, bei welchem die Sache augenblicklich ruht, nunmehr in einem der Israelitischen Religionsgesellschaft günstigen Sinne entscheiden wird. & J. 20. Februar. Fünfzehn hiesige jüdische! orthodoxer Richtung haben eine Eingabe an die Bürgermeisterei und Stadtverordnetenversammlung gerichtet, die absolute Sonntagsruhe betreffend, welche mit Beweisgründen und Gutachten versehen, in folgender Weise schließt: „Wir ersuchen bei einer etwa erfolgenden Neuregulierung des Ortsstatuts, denjenigen jüdischen Firmen, die an den Samstagen ihre Geschäfte geschloffen halten, am Sonntag in der Vormittagszeit die gesetzlich zulässige Frist freizugeben, um ihre Angestellten jüdischer Konfession (die christlichen Angestellten bleiben selbstredend beide Tage von jeder Arbeitsleistung befreit) in einer für den öffentlichen Verkehr nicht bestimmten und die allgemeine Sonntagsruhe nicht störenden Weise zu beschäftigen." Oesterreich. Hie MsffenSemlmffrsfion Ser jUdifrhen Schänfter. Wie«, 15. Februar. Die Massendemonstration der hier aus Galizien eingetroffenen 2000 jüdischen Schanker verlief verhältntsmäsig ruhig. Zunächst begab sich eine Deputation nach dem Handelsministerium, wo sie freundlichen Empfang und auch einige unbestimmte und dunkle Andeutungen erhielt. Von dort zog die Maffenabordnung vor das Parlament und eine aus hundert Personen bestehende Abordnung begab sich unter Führung der Abgeordneten Stand, Mahler, Straucher und Breiter in die Säulenhalle des Parlaments, wo sie von Obmann des Polenktubs und einigen anderen polnischen Abgeordneten empfangen wurden. Dr. Stand sagte in seiner Ansprache, es handle sich darum, das unverschuldete Elend von Tausenden dem Polenklub und der Regierung zur Kenntnis zu bringen. Die Sache sei keine konfessionelle. „Wir wahren die Interessen von Juden und Nichtjuden und können nichts dafür, daß infolge der historischen Entwicklung Her Prozentsatz der jüdischen Schenker ein größerer, als der der christlichen ist." Der Präsident des Polenklubs Dr. Lazarski äußerte sein Befremden darüber, daß so eine große Abordnung in Wien erschienen sei, wodurch die falche Anschauung erweckt werden könnte, als ob man in Galizien nicht zu seinem Rechte kommen könnte (?) und hierzu Massen nach Wien dirigieren müßte. Es handelt sich um eine LandesangÄegenheit, die im Lande selbst ausgetragen werden sollte. Er müsse der Anschauung entgegentreten, als ob die Juden in Galizien schlechter behandelt würden als die übrige Bevölkerung. Es 'tztzhe nicht nur den Juden, sondern allen ariVMü Bevölkerungsschichten schlecht. Das Elend^wM) vermehrt durch die stete Zuwanderung russischer Juden. Der Polenklub wollte trachten, alles, was sich tun läßt, zur Linderung des ihm vor-- getragenen Notstandes zu tun. Die jüdischen Abgeordneten haben an den König nach Budapest folgende Huldigungsdepesche abgesendet: „Eine vieltausendköpfige Deputation jüdischer brotlos gewordener Schenker Galiziens und der Bukowina huldigt ihrem erhabenen Monarchen als Hort der Gerechtigkeit, Weisheit und Güte und versichert ihre unwandelbare Treue und stete Anhänglichkeit an die erhabene Person Ew. Majestät und das aller höchste Herrscherhaus." Die Abgeordneten Stand und Mahler begaben sich heute nachmittags .mit fünf galizischen Schenkern nach Budapest, wo sie morgen vormittag dem Ministerpräsidenten Freiherr« v. Bienert ihre Bitte um Schaffung von Uebergangsbestimmungen vortragen werden. Die Massendeputation fährt heute nachts in zwei Extrazügen in ihre Heimat zurück. Nachmittags fanden beim „Goldenen Widder" und im „Hotel Zentral" zwei Monstreversammlungen der galizischen Schenkerdeputationen statt. Der Andrang war so groß, daß die Polizei wettere Zuzüge verhindern mußte. Dr. L a n d a u sprach sich abfällig über die Aeußerungen des Obmannes des Polenklubs Dr. Lazarski der Deputation gegenüber aus. Die Behauptung Lazarskis, in Galizien gebe es keine konfessionellen Unterschiede, sei nichts als Heuchelei. Es sei das letztemal gewesen, daß eine jüdische Deputation sich an den Polenklub um Intervention gewendet habe. Unter Hochrufen auf den König teilte der Abgeordnete Dr. Mahler die Antwort mit, die der Direktor der Kabinettskanzlei Freiherr v. Schießl der Abordnung gab. In wohlwollendster Weise übernahm der Kabinettsdirektor die Huldigungsadreffe für den König und erklärte, daß der König in seiner väterlichen Güte sich gewiß auch der Schenker annehmen werde. Abgeordneter Dr. Mahler bemerkte dazu, A der sein des sam St Sto & lass Tes eröj Kin des die geg mir wo Kri phi reil übe Ku ein Ku ein! an ctm So üb, sich He nn! M z». anj die jür M ven Dr Kr di, feil Hai wu in Ar Gl üb Ei od M sei ur ve wi zu sa ur ab ur tei s e zu de fo: ov ha zu gu