Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1911)
- Date
- 1911-02-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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r-^ij<-*!rW*rjr >>-» if: Öl. Kebruar 1911. Der JSraektt. 9h. 8 Seite 5 durchschütteln und zu neuem, besserem Sein zusammenballen. Aber uns, den Individuen, ziemt es nicht, über die Gesamtheit der Ahnen, denen wir alles verdanken, das Verdikt zu sprechen und freiwillig unS selbst aufzugeben, auf daß wir zu bloßem Dünger herabsinken, dem andere Art sich entringen soll. Uns selbst zu höchst möglicher Vollendung zu differenzieren, das allein ist unsere Aufgabe. lieber alles andere mag die Geschichte richten. J. B. (Schluß folgt.) r orrefpondenzen achrichten. Deutpkhrs Metrh. kin falmudifcher Ferienkurs 9es Bundes jüöifcher UksSemiker. Araukfurt a. M., 21. Februar. Die auf dem Würzburger Bundestag gewählte „Talmud - Thora - Kommission" des B. I. A. hat die glückliche Idee gefaßt, während des Monats März einen talmudischeu Ferienkurs in .Heidelberg zu veranstalten, der den Mitgliedern Gelegenheit bieten soll, einmal vier Wochen lang unter kundiger Leitung ausschließlich und gründlich zu „lernen". Dem überaus temperamentvollen Ausruf, der von herzerfreuender Begeisterung für niöS .TYinrr zeugt, entnehmen nur folgende Sätze: „Unsere Idee ist gar nicht so kühn und unsere Phantasie hat uns nichts vorgegaukelt. Wir haben nur ein klein wenig zurückgeschaut in die Zeiten der Vergangenheit, wo noch ein starkes jüdisches Leben pulsierte und ein klein wenig hinübergesHielt nach jenen Volksschichten der östlichen Lande, wo noch altes Judentum l.'bt, und wir haben erkannt, dast junges altjüdisches Leben nur dann und dort immer wieder aufs neue wird geboren werden, wo der gewaltige Geist, das Lebenselexier des Judentums, nicht auf Flaschen gezogen wird, sondern des Judentums Lehre im lebendigen Flnst der Ueberlieserung weiter getragen wird von Vater aus Sohn, von Lehrer ans Schüler, wo sie nicht aus Kompendien erlernt, sondern geistiges Eigentum jedes einzelnen wird; wenn sie die Geister ergreift und erhitzt im eifrigen Streit der Gedanken, wenn sie die Seelen erfasst und erfüllt mit beherrschender Kraft, wenn sie selber das Prinzip des Lebens wird, das alles beherrschende und bezwingende: unter dessen Regime jede Tat steht, das Anstoß und Flugkraft gibt jedem Gedanken und jeder Acußerung seelischer Energie. Tiefes Lebenselementes' kann auch die deutsche und mit ihr die westeuropäische Jndenheit nicht ferner cntraten, wenn sie nicht einer immer weiter mit sich greifenden Lähmung und Entkräftung und unheilvollem Siechtum entgegen gehen will. Am allerwenigsten aber kann ein Bund jüdischer Akademiker ohne ,-mji ein mehr als kurzzeitiges Dasein fristen, wenn auch in seinen Reihen und an seinem Körper die Zeichen fortschreitender Assimiliernng an die ans ihn einstürmenden Kulturen und abnehmender jüdischer Volikraft sich mehren sollten. Wie erschreckend wirkt doch die Unsumme der Taufen und Mischehen in unseren Tagen, wie empörend das kecke Auftreten der gesetzeslosen Liberalen und Assimilanten, wie verletzend das einseitige jüdische Setbstbewußlsein thorafremder Nationalist n und Zionisten. Wollen wir leugnen, daß die'e Fakta mitunter auch bei Sprösslingen orthodorer Häuser zutreffen? Sehen wir nicht, wie jahraus, jahrein diese Bewegungen auch Kinder und Jünglinge und Jungfrauen aus unserem Lager In ihren Bgnnkrcis ziehen, um sie dann dem Judentum immer mehr und mehr zu entfremden? Ist daran nicht im letzten Grunde der Mangel an der Beschäftigung mit der jüdischen Gesetzeskunde schuld, die jüdische Bildung und jüdische Einsicht und jüdische Tat erst erzeugt? .Haben es nicht treffliche Männer versäumt, Herz und Geist ihrer Kinder vor allem m t THin zu sättig n, statt ihnen zuerst die hellenistische Bildung zu reichen? Und gingen sie nicht ihrer Kinder verlustig, ehe sic sich dessen versahen? Ist schließlich nicht der Tiefstand jüdischen Wissens im weiten Kreise derer aufs äußerste beschämend, die heiliges Pf.ichtgebot als niXö 7N 121^12, a's stumpfe G.wohnheit mit satter S.lbstzufriedenhett üben, ohne daß bei Ausübung der ihrer Seele int tiefsten Grunde erbebt, weil sie keine Ahnung von dem hohen Werte und der Bedeutung du miö haben, weil sie ihnen nicht durch die Fülle der Einzelvorschriftcn und Ausführnngsbestimmungett zur vertrauten Freundin ihres Innenlebens geworden ist? Deswegen kann sie in ihnen nicht Begeisterung luediMt, ui djt Woll n, nicht Tun Alle diese Erscheinungen tragen Keime des Abfalls in sich, darum auf zur reitenden Tal! Dies kann nur geschehen, indem jeder einzelne Bundesbrüder bei sich selber ansängt. Das ist nun keineswegs so gemeint, daß alle Bundesbrüder sich ausschließlich dem Thorastndium widmen müssen. Soviel aber muß und kann zuwege gebracht werden, daß alle Bundesbrüder wenigstens einen so intimen Einblick in das Thorastndium gewinn n, daß es ihnen zutn dauernden Lebensbedürfnis wird, stets weiter zu forschen und das Erlernte wieder an gleichgesinnte Freunde draußen im Leben oder an die Heranwachsende Generation weitcrzugeben. Dadurch wird das Bedür nis nach ."Hin geweckt und in die späteren Wirkungskreise unserer Bundesbrüder hinausgetragen. In jedem dieser Kreise wird mit dem intensiven Verlangen auch die Möglichkeit erwachsen, einen -Gelehrten als Lehrer und Forscher ansässig zu machen, dessen Bestreben darauf gerichtet sein wird, die Lehre des Gesetzes in der Geineindc heimisch zu macheil und Scharen der Schüler um sich zu sammeln. Also nicht Vollendung, wohl aber Grundlegung des Wertes sei unsere Aufgabe, und soviel dazu nötig, kann ein jeder an Hingabe und geistiger Arbeit leisten, w.nns nur am gut n Willen nicht gebricht. Aber nicht nur, weil der jüdische 'Akademiker in erster Linie berufen ist, diese wichtigste Gegenwartsarbeit jür die Erhaltung des Judentums itt Deutschland zu leisten, müssen wir unverzüglich an die Arbeit gehen, sondern es dürste sich bei näherer Betrachtung auch ergeben, daß es uns jüdische:, Akademikern noch am ehesten möglich ist, die Vorposten in diesem schweren Kampfe um die Erhaltung der jüdischen Zukunft in Deutschland zu stellen. Tenn während der Kaufmnunsstand das ganze Jahr hindurch vom frühen Morgen bis zum späten Abend ar, seine Verussarbeiten gefesselt ist, ist der junge Akademiker in der beneidenswert glücklichen Lage, die goldene akademische Freiheit zu genießen. Wenn nun auch der gewissenhafte Student während des Semesters durch den Besuch der Vorlesimgett und die praktischen Arbeiten in Laboratorie-k und Seminarien nur wenige freie Stunden außerhalb seiner akademischen Tätigkeit gpszuw.isen hat, so genießt ec doch während der fünf 'Ferienmonate im Jahre volle Bewegungsfreiheit, und wenn er auch diese Ferienmonate zu häuslichen Repetitionen, zur Nacharbeitung seiner Kollegien und zu privaten Studien verwendet, so wird llns doch kein einziger widersprech n, wenn wir behaupten, daß es jedenr möglich ist, einen Monat seiner Ferienzeit dem Thorastndium zu widmen. Ihr werdet zwar cinwenden, unsere Freunde: Was wollt Ihr nur von uns? Wir lernen ja täglich eine Stunde. Wir wissen wohl, daß es unsere tägliche Pflicht ist. Wir kennen den Paragraphen 346 des nm rnv *]1"tf? VDHT, de da mgt: „Jeder jüdische Mann ist verpflichtet, Thora zu lernen, si er nun r.ich oder arm, ob et sich vollkommener Gesundheit erfreut oderchon Schmerzen gepeinigt wird, ob er jung ist oder hochdetagt, sogar der Arme, der von Tür za Tür wandern muß, um seines Lebens Notdurft za erbetteln, auch der Familienvater, der mit schwerer Arbeit Frau und Kind ernäheen muß; sie alle sind verpflichtet, eine bestimmte Zeit am Tag und bei der Nacht für das Thorastttdinm fesizusetzen. Denn es steht geschrieben: Du sollst sinnen in ihr am Tage und bei der Nacht." Aber sehet, unsere Freunde, gerade für uns, die wir in der Tat den hastigen Stunden unserer Arbeit etil Stündchen des ThorastudiumS abringen nach den Mühen des Tages, abgemattet, den tNeist zerqnält mit vielerlei Gedankenarbeit, gerade für uns ist es nötig, daß tvir der Thora einmal einen Monat widmen, wo wir nicht nach anderem Wissen hasten und jaget,, sondern sie allein auf nuferen Geist und unser Gemüt wirken lassen: wo wir nicht nur Lin Stündchen lernen, um unserer Pflicht genügt zu haben, sondern wo wir uns Muße nehmen, uns ansschließtich mit ,-piri zu beschäftigen, in sie vn§ zu versenken, ihren tiesschachtigen Gcdankcngängc.r n ächz "gehe,k, unser.' ganze ungeschwächte Geisteslrast aus sic zu verwenden, um sie zu erlassen, sie uns einzuprägltt, um in der Methode, sie tief zu ergründen, recht heimisch zu werden. Hundertfach wird dann im kommenden Semester die karge Stunde unseres Lernens von Erfolg gesegnet sein, wenn wir einen Ferienmonat uns ganz den, Thorastudium gewidmet haben, nicht um desto mehr zu crhasten, sondern nur, um in Ruhe des Geistes und in Konzentration d r Gedanken in die dargebotene Materie cinzudringen, um den Spuren göttlicher Weisheit zu folgen. Tiefe Methode dev .Lernversammlungen in einem Jeschaja Horowitz, bekannt als Verfasser des mit 15 anderen aschkenasischen Gelehrten Jerusalem fliehen, wo man sie vorher längere Zeit im Gefängnis zurückgehalten hatte, und er ließ sich in Saffed nieder. Das Abhängigkeitsverhältnis der Aschkenasim von den Sefardim, das lctzlere zur gewaltsamen Unterdrückung der ersteren mißbrauchten, wird auch noch späterhin in der Zeit des Rebbe Abraham Halewi aus Mizrajim ^caum VJ1 JME?) bezeugt Auch die um das Jahr buT\ durch R. Jehuda Hachasid gegründete aschkenasische Gemeinde war nicht von Dauer; erst vom Jahre ab ist die Lage der Aschkenasim in Jerusalem eine günstigere geworden und ihre Zahl erstarkte rasch, sodaß im Jahre bereits 300 Familien aschkenasischer Juden gezählt wurden (siehe Dfr^YV TI3N- Jerusalem, P. 43, 63 ff.). Bon dieser Zeit an. datiert die neuere Entwicklung der aschkenasischen Gcnteinde in Jerusalem, die das laufende Jahrhundert aussüllt und deren Geschichte Gegenstand eines zweiten Vortrags des gel.hrten Redners bilden soll. (Bon der Geschichte der Schweizer Jude«.) Tie schweizerische Jndenheit hat ihre eigene loidroiche und tampsbewegte Geschichte. Ehedem unter dem Schutze der deutschen Kaiser und ihrer Rechtsnachfolger, galten sie nur als geduldete Landsassen, die so und so oft mit und ohne Grund verfolgt und ausgewiesen, sich aber immer wieder zu behaupten wußten. Mehrere Tagjatzungsbeschlüsse in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts haben die Juden grundsätzlich aus der Schweiz ausgewiesen. Ganz judenlcer wurde aber das Land trotzdem nicht. Wohl, hörten mit dem 16, Jahrhundert in der Schweiz die großen Judenverfolgungen aus. Aber die Ausweisungsgebote rvnrdcn Mvollständig durchgeführt. Das wäre schon wegen pes Widerstandes der Nachbarn, das fremde Volk aufzunehmen, schwierig gewesen. Dazu kam den Juden in den Untertanenlanden die Käuflichkeit der Landvogteibeamten zugute. Eine von den Juden für ihre Tätigkeit von jeher bevorzugte Gegend war das Gebiet der Grafschaft Baden. Hier waren schon die so weither besuchten Zur zacher Messen für die Juden ein besonderer Anziehungspunkt. Tie Grafschaft Baden wurde tcotz der geradezu zahllosen Befehle der Tagsatzung nie jndenjrei und später, als sie kein eidgenössischer Ort mehr dulden wollte, wurde die Grafschaft vou der gleichen Tagsatzung geradezu als eine Art Domäne zur Ansiedelung bestimmt. Tie Ausweisungsgebotc wiederholen sich zwar immer wieder, aber dessenungeachtet zählte man im Jahre 1631 in der Grafschaft zwanzig Judenfaniüien. Als die Grafschafisleute bei den Tagherren wiederholt daraus drängten, die Inden „abzuschafsen", kamen die Herren im Jahre 1611 zu dem Schlüsse, der Judenschütz sei ein obrigkeitliches Regal, das nicht vermindert werden dürse. Es ivar und blieb von nun an der Geschäftsstandpunkt, der die Gnädigen Herren in der Judenfrage bestimmte. Während sie im Jahre 1654 den Landvogt von Baden neuerdings beauftragten, er solle Juden, Zigeuner und anderes Gesind der alten Ordnung gemäß nicht dulden, erließen sie dem Juden Salomon Guggenheim von Lengnan, der wegen eines Vergehens aus dem Lande verbannt worden war, doch die verhängte Landesverweisung gegen blanke 600 Gulden. Im 18. Jahrhundert vermehrte sich die Judenschast in der Graftschaft Baden ziemlich rasch. Im Jahre 1702 waren es 35 Familien: 1744 schon 70 und 1776 112 Familien. Bemerkenswert ist dabei das große Uebergewicht der männlichen jüdischen Bevölkerung. So gab es im Jahre 1776 216 unverheiratete ittäuttliche gegen 132 tveibliche Israeliten. Tie Volkszählung von 1860 ergab jür Ending e n 850, jür Lengnan 448 jüdische Einwohner. Es war dies unmittelbar vor der. Lösung der Judcncmanzipationssrage im Aargan. Bis dahin war das Niederlassungsrecht der Juden beschränkt. Eine Ansiedelung außer den beiden Dörfern Endingeu und Lengnan bedurfte einer ausdrücklichen Erlaubnis der Regierung. Seil der G. Währung der freien Niederlassung und der Gleichstellung iu den staatsbürgerlichen Rechten ist die jüdisch. Bevölkerung in den beiden Judendörfern rasch zurückgegangen. Nach der Zählung von 1910 wohnen in Endingeu noch 155, in Lengnan 91 Inden, wobei an letzterem Orte hie Insassen des Altersaspls inbegrisjeu sind . •rrm /Möö ims1 vi bz ''22V2 d'ödi nsr mre /2Wn ,r»sn iw er ci obix /•ao^n nroi /"icn wm? iban mn di? ."U3 13 "M3 /M3 blK Mratn frj-fc 'vxn Drri - b' iL3' nrs psn Kreuznach. E. Agulnik. i z