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Der Israelit · 1911-02-16 · Heft 7 (16.2.1911) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 7 (16.2.1911)
Date
1911-02-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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«d Lelm PiJ^ojIkI^ Beil Organ des Bundes gesebestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. '1 V 4 Ein Beizer an der Arbeit. In der jüngsten Nummer des Verbandsorgans versucht „Einer für Biele" in einem Sprechsaalartikel aus dem Großherzogtum Heffen eine kleine Hetze zu inszenieren. Er macht die Gesetzestreuen für das Scheitern des Organisationsentwurfs, den seiner Zeit die hesiische Negierung den Landständen Vorgelege verantwortlich. Er nennt sie zwar nicht direkt, sondern spricht vorsichtig und behutsam — es ist ja die Parole ausgegeben, den Frieden zu wahren — nur von den „immer widerstreitenden (!) Elementen", aber man kennt den Jargon dieser Hetzer zu genau, um nicht zu wissen, auf wen sie zielen, und was sie dabei beabsichtigen. Sie suchen der jüdischen Lehrerschaft durch gewaltsame Verdrehung der Tatsachen die Ueberzeugung beizubringen: „Die Orthodoxen, das sind eure Feinde, eure Freunde aber sind in einem ganz anderen Lager zu suchen!" Wir verkennen gar nicht die Gefahr für das gesetzestreue Judentum, wenn te — was Gott verhüten möge, — Erfolg haben ollten. Darum muß einem jeden solcher Versteh, die Wahrheit zu entstellen und Tatsachen zu fälschen, rechtzeitig entgegengetreten werden. Die Arbeit ist nicht angenehm, aber sie muß getan werden. Wohl hat die hessische Regierung der zweiten Kammer der Abgeordneten einen Organisations- Entwurf mit Zentralkasse und Zentralbehörde — Oberrat — vorgelegt. Aber trotzdem sie früher versprochen hatte, daß beide Seiten gehört werden sollten, lieh sie ihr Ohr ausschließlich ihren „liberalen" Ratgebern. Der Entwurf war darnach. Auch die neologen Rabbiner erklärten ihn für unannehmbar. Den liberalen Machthabern scheint er freilich noch nicht weit genug gegangen zu sein, denn nicht weniger als 121 Amendements, sämtlich ohne Begründung, abon jener Seite dazu ein. Und dieser nd brachte es, wie es der Berichterstatter der 2. Kammex -.«ausdrücklich hervorhob, dahin, daß der Entwurf gar nicht vor das Plenum der Kammer kam. Wäre es den Neologen wirklich ernst damit gewesen, den kleinen Gemeinden und ihren Lehrern zu Helsen, so hätten sie den Vorschlag, für die Orthodoxen und die Reformer je einen Oberrat zu schaffen, ruhig akzeptieren können. Ein friedliches Zusammenwirken auf neutralem Boden hätte sich dann leicht mit der Zeit ergeben. Nur wenn sie von dem Gedanken ausgingen, daß man ihnen für ihre höheren finanziellen Leistungen Konzessionen auf religiösem Gebiete machen müffe, war ihre ablehnende Haltung verständlich. Was nun gar die gesetzestreuen jüdischen Lehrer anlangt, die in dem „Unabhängigen Verin für das Großherzogtum Heffen" ihren Mit-. telpunkt haben, so sind sie sich bewußt, alles getan zu haben, was in ihren Kräften stand, um zu retten, was zu retten war. Als von unserer Seite bei dem Vorsitzenden des anderen Vereins angefragt wurde, ob er bereit sei, in gemeinsamer Sitzung der beiden Vorstände über diejenigen Maßnahmen zu beratschlagen, die gegeeignet wären, dem hessischen Lehrerstande die Vorteile des Gesetzentwurfs zu sichern, auch wenn dieser zu Fall käme, da wurde uns eine brüske Ablehnung zu teil. Das ist die Wahrheit und wir erbieten uns, die Beweise dafür zu erbringen. Und wir vermögen ferner nachzuweisen, daß wenn irgend jemand bei gemeinsamen Verhandlungen über Standesangelegenheiten Friedensliebe und Entgegenkommen gezeigt hat, es der Vorstand des vieiverhohnten „Unabhängigen Vereins" war. Die widerstrebenden Elemente sind nicht in unserer Mitte. Das Ulirken des gc$etze$treuen Dbrers in neologen Gemeinden in und außerhalb der Schale. Bon Lehrer Mryberg, Oldenburg. (Schluß.) Von nicht zu unterschätzendem Wert für die Pflege religiöser Gesinnung ist das Lesen guter Jugendschriften. Von allen Seiten sucht man heute an den Grundsäulen der Thora zu rütteln und ihr Fundament zu untergraben. Irrige Vorstellungen und Lehren, in das Gewand wissenschaftlicher Abhandlungen gehüllt, drohen die Köpfe der Heranwachsenden Jugend zu verwirren. Was durch eine fromme Erziehung im Kindesherzen mühsam gepflegt worden, wird gar leicht durch fremde, unjüdische Eindrücke in Frage gestellt. Diesen Gefahren muß entgegen gearbeitet werden, und gute Jugendschriften beiden ein wirksames Mittel dazu. Sie helfen den Religionsunterricht vertiefen und ergänzen. Wohl wüsten auch wir die Forderung aufstellen, daß die .Jugendschrift künstlerischen Anforderungen genügeaber vor allem verlangen wir, daß sie von echt jüdischem Geiste erfüllt sei. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, ist für uns die Auswahl von Büchern für eine Schülerbibliothek ziemlich schwierig. Es kommen für uns hauptsächlich die Erzählungen von Lehmann und S. Cohn in Betracht. In neuerer Zeit hat der ^Jüdische Volksschriftenverlag" in Frankfurt am Main eine Anzahl Jugendschriften herausgegeben, die sich auch zur Vetteilung als Prämien gut eignen. Daß die Erzählungen von Lehmann auch von Erwachsenen gern gelesen werden, ist bekanntsie sind ja in erster Reihe für diese geschrieben worden. Die Schülerbibliothek könnte dann noch eine Erweiterung erfahren durch Anschaffung von Werken für jüdische Geschichte und Literatur und durch Erzählungen wie Mendel Gibbor von Bernstein, Berenike von Schumann, die Killeberger u. a. m., die sich mehr für die schulentwachsene Jugend eignen. So würde ein Band gewoben, das jene noch mit der Schule verknüpft. Und das ist unbedingt nötig, denn wenn der Lehrer bei seiner religiösen Erziehung aus dauern de Erfolge rechnen will, so muß er es zu ermöglichen suchen, auch auf die schulentwachsene Jugend Einfluß zu gewinnen. Die Erfahrung lehrt nämlich, daß gerade in dieser Uebergangszeit, wo Jünglinge und Jungfrauen der Autorität des Lehrers nicht mehr unterstehen, ein persönliches Freundschaftsverhältnis zwischen dem Lehrer und seinen früheren Schülern bezw. Schülerinnen oft von entscheidendem Einfluß auf deren religiöses Verhalten ist. Der Lehrer werde vor allem der geistige Be« rater seiner ftüheren Schüler. Er gründe für sie, da wo es angeht, in einem Jugendvereine, der Jünglinge und Jungfrauen umfaßt, einen religiösen, geistigen und geselligen Mittelpunkt. Daß hier Vorträge religiöser, jüdisch-geschichtlicher und apologetischer Art nicht fehlen dürfen, ist selbstverständlich. Ohne die Selbständigkeit der jungen Leute zu beeinträchtigen, wird er sich bei einigem Takte den religiösen Einfluß leicht wahren können. Wenn es sich um die Berufswahl seiner früheren Schüler handelt, so biete der Lehrer alles auf, um sie in Geschäften unterzubringen, die am rottf geschloffen sind, und ebenso sorge er für eine religös zuverlässige Pension. Zu diesem Zwecke stehe er in ständiger Verbindung mit dem Verband der Sabbatfreunde und weise auch auf die Vorteile der in Frankfurt bestehenden Bersicherungskasse gegen Stellenlosigkeit hin. Handelt es sich darum, ein Mädchen in ein Pensionat oder einen Knaben in eine auswärtige Schiffe Hu bringen, so wird der Lehrer durch seine größereJßktfääm* heit mit den einschlägigenVerhättniffen leicht den Nachweis führen können, daß die auf gesetzestreuem Boden stehenden Schulen und Institute nach keiner Richtung hin den Vergleich mit jenen zu scheuen haben, in denen die religiöse Erziehung ganz vernachlässigt wird. Für diejenigen unter seinen Schülern, die sich einem akademischen Beruf widmen wollen, bietet der „Bund jüdischer Akademiker" an einer ganzen Reihe von Universitäten geeignete Stätten, wo sie ihr jüdisches Wiffen erweitern und im Kampfe gegen die Anfechtungen, die gerade der akademische Bürger zu bestehen hat, mit dem nötigen Rüstzeug v rsehen werden. Auf diese Weise wird es ihm ermöglicht, gerade in der Zeit, wo seine früheren Schüler vor der Entscheidung stehen, ob sie dem großen Haufen folgen oder enti % i

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