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Der Israelit · 1911-02-16 · Heft 7 (16.2.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 7 (16.2.1911)
Date
1911-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Tertia des hiesigen Gymnasiums besucht, das preußische Gebiet verlassen müsse. Zu bemerken ist ferner, daß bei der Aufenthaltsgenehmigung noch verlangt wird, man dürfe keinen Besuch aus Rußland ohne vorherige Anfrage beim Oberpräsidenten empfangen. Aschersteve«- 10. Febr. Zu der von Ihnen bereits mitgetetltenAufhebung des Schächtverbotes in Aschersleben ist noch folgendes zu berichten. Bekanntlich gehörte zu den einzelnen Kommunen, die, aufgestachelt durch die antisemitische Agitation, in ihren Schlachthäusern das Schächten untersagt hatten, auch die hiesige. Im Jahre 1903 war das Verbot in Kraft getreten, und alle Vorstellungen der jüdischen Gemeinde waren umsonst. Späterhin war die Gemeinde nochmals um Aufhebung des Verbotes eingekommen; aber die Schlachthof-Deputation empfahl die Aufrechterhaltung des Verbotes, da sie im Schächten eine Tierquälerei erblicke. Der Magistrat jedoch war nach wiederholter Prüfung der Frage zu einer Aenderung seines früheren Standpunktes gekommen und erklärte sich bereit das Schächten wieder zu gestatten. In der Stadtverordneten-Sitzung vom 3. Februar erklärte Bürgermeister Dr. Bunde, Aschersleben sei fast die einzige Kommune, die noch an dem Verbot festhalte. Die Meinung über das Schächten sei eine günstigere geworden, wie auch die Aufhebung des Verbotes in Sachsen beweise. Man müsse sich also auf einen in Deutschland heute allgemein vertretenen Standpunkt stellen. Die Versammlung schloß sich dieser Ansicht an. ^ose«- 6. Februar. Nach dem bisher ziemlich vollständig vorliegenden Volkszählungsresultate haben die jüdischen Gemeinden unserer Provinz Wiederum bedeutend an Seelenzahl abgenommen; nur einige Gemeinden sind etwas gewachsen wie z. B. Ostrowo und Schönlankewenige auf ihrem bisherigen Status gebliebenmanche ganz bedeutend in ihrer Seelenzahl gesunken. Zu diesen letzteren gehört vor allem die Gemeinde Krotoschin, die nur noch 375 Seelen zählt, eine Gemeinde, die einst zu den größten der ganzen Provinz gehörte und noch vor 5 Jahren 600 Seelen zählte. Oesterreich. Baron Ulbert non RothfdiiO- Men, 14. Febr. Das Ereignis des Tages ist, der Tod des Baron Albert von Rothschild, dem alle hiesigen Zeitungen spaltenlange Artikel widmen. Baron Albert war der Chef des Wiener Rothschild-Hauses und erreichte ganzen Fülle zu erfassen strebte, wenn das sehende Auge und das fühlende He»z den Geist und die Seele beschäftigten. Die Berge Judas! Wie oft, wenn ich frühmorgens von meiner Veranda aus die stille, schlafende Natur belauschte, sah ich dort schon die Sonne in roter Glut aufflammen. Da dachte ich immer, andächtiger Bewunderung voll, so vollkommen Schönes noch nicht gesehen zu haben. Immer wieder irank meine Seele von neuem und immer wieder gle ch durstig an dieser unergründlichen Quelle. Und siehe da! Wie ich jetzt den Blick über meine Untgebung schweifen lasse, da bereue ich jenes abschließende Urteil. Denn dieses bewegte Naturleben, in seiner Mannigfaltigkeit von Farben und Formen, kommt mir nock viel, viel großart ger vor, und ich vergesse mich, und ich vergesse die Kinder und kann mich nicht sattsehen an diesem Grünen und Sprossen der heiligen Erde. Die lange Hügelket e, die unseren Gesichtskreis begrenzt, erscheint mir durch lilafarbenen Atlasflor, der um die einzelnen Gebirgsformen geschlungen ist, um den Hintergrund, die Stmmen einer frohen, heiteren Landschaft, leise, unbestimmt ausklingcn zu lassen. Und davor strotzt alles v.n erquickender Frische- Krokus, Narzisien, Ranunkeln und prachtvolle Erisblüten, alles prangt in den Farben d.s Sommers. Und die Wintersaat ist B.veltS der Erde i vergeben, und nichts läßt das schaurig-ernste großartige Geschick ahnen, unter dem dieses Werden und Blühen mi heiligen Lande steht — und vergehen kann. Denn wehe uns, wenn Gott den Regen nicht sendet, der nun längst wieder sehnsüchtig erwartet wird! Ein merkwürdiges Gebimmel und fast gleichzeitig ein langer Hals über mir mcchnt mich plötzlich, einem mit Orangenkistev schwer beladenen Kamele auszuweichen. Ich springe zur Seite, oder vielmehr den anderen ein Aller von 68 Jahren. Im politischen wie im jüdischen öffentlichen Leben trat er wenig hervor. Doch zeigte auch er, getreu den Taditionen der Familie, bei jeder Gelegenheit, offenes Herz und offene Hand siür seine leidenden Glaubensbrüder. Und die Rothschildsche Bescheidenheit und Schlichtheit in Wesen und Lebensart war auch ihm eigen. Jntereffant ist, was eine dem Baron Nahestehende, die Fürstin Paulina Metternich, gerade über diese Charakterzüge des Verstorbenen in der hiesigen „Neuen Freien Presse" schreibt. In diesem ehrenden Nachrufe heißt es u. a.: „Ich habe den Baron mehr als vierzig Jahre gekannt, schon zur Zeit, als ich in Paris lebtedamals stand sein Vater an der Spitze des Bankhauses. Er war ein vornehmer Charakter. Das zeigte sich darin, wie er sich zu seinem Reichtum verhielt. Geld hatte für ihn nur Wert, wenn er damit wohltätig sein oder etwas schaffen konnte, wie sein Palais in Wien, seine Güter in Waidhofen und Langau. In Orten, wo er Besitzer war, gab es nicht einen Armen, was zum Teil seiner verstorbenen Frau Bettina zuzuschreiben ist. Ueber seinen wohltätigen Sinn kann man nicht genug Rühmendes sagen. Er liebte es nicht, wenn man ihn lobte, er gab gern, aber mit Ueberlegung. Man hat in der Oeffentlichkeit keinen Begriff, wie sehr er in Anspruch genommen wurde. Vor zwei Tagen habe ich ihm einen jungen Mann empfohlen, dem die Mittel fehlten, um das medizinische Doktorexamen zu machen. Vom Krankenlager aus erledigte er die Angelegenheit in nobelster Weise. Von seirer Persönlichkeit ist zunächst seine Einfachheit hervorzuheben. Sein Wesen war ernst und konservativ. Für die Moderne hatte er keinen Sinn. Als Sammler liebte er das Alte. Er war ein guter Familienvater, ein treuer Freund und ein patriotischer Oesterreicher." Das Leichenbegängnis fand heute Mittag unter besonders starker Teilnahme der Aristokratie und der. Jinanzkretse statt. Aus Paris war Baron Edmund de Rothschild, aus Frankfurt a. M. Baron Rudolf v. Goldschmidt anwesend. Auf dem Friedhofe sprach Oberrabblner Güdemann. Wie«, 14. Febr. Heute Nacht trafen hier 2000 jüdische Schankwirte aus Galizien, darunter 308 Frauen ein, wellbe sich heute Vormittag, da die Polizei einen geschlossenen Massenaufzug untersagte, in größeren Gruppen unter Führung von Abgeordneten zum Handels- Minister, galizischen Landsmannminister und zum Obmann des Polenklubs begaben und ein Memorandum überreichten, worin sie um nach, fie auf den mittlerweile erlangten Vorsprung nicht wenig stolz sind. Längst haben sie den gleichen Schritt aufgegebenauch die Reihen haben sich bereits gelöst. Aber auch sie sind inzwischen nicht blmd gewesen. Die Gei r, denen sie m t scheu r Neug erde nachsehen, die Schar wilder Tauben, von denen sie nichts als einen leichten Glaub, der sich in einiger Entfernung von ihnen über die Erdoberfläch r hinzuziehen schien, gesehen haben, der Schacht, in Dem sie zwei Arten von Erde entdeckt hatten, all das gibt ihrer Phantasie Stoff und Nahrung. Nachmittags kommen wir nach #30 “1S3- Aber wir gehen nicht in die Ortschaft hinein. Denn wir müffcn an den Heimweg denken. Und in der Tat waren wir dann froh, noch zunr Abend unsere IstIDIQ " ieder zu erreichen. Nur dadurch, daß der Rückweg an dem kühlen Grunde eincr Mühle in der Nähe von mpJVnnB vorbeiführte, deren Betrieb die Neugierde der jungen Wan derer erregte, konnten sie so lange frisch und fröhlich erhalten werden. Und nun verabschiedet sich einer nach dem anderen- Em lautes, kräftiges gilt nicht nur niir, sondern bereits den Angehörigen, cie sie l cr der Türe in Empfang nehmen. Bald bin ich allein. vrbiloiim». Eine Kindcrgeschichte für Große. Weißt Tu lieber Leser, was Habdolum ist und kennst 'bu die Omensachen? Ich fürchte, du weißt nicht, was Habdolum ist und kennst die Omensachen nicht. So höre denn — du sollst es erfahren. Ich kenne einen kleinen Jungen - wenn der Sommer kommt wird er zwei Jahre sein. Ter kleine Junge Milderung ihrer durch Aufhebung der Proplnationsrechte geschaffenen Notlage ersuchen. Abends begibt sich eine fünfgliedrige Deputation zum Ministerpräsidenten Bienerth nach Budapest. Ueber den weiteren Gang der Demonstration und ihren Erfolg wird Ihnen Bericht zugehen. Zalömon kttengi Salom. Sarajewo, 10. Febr. Bor einigen Tagen starb hier der Ehrenpräsident der hiesigen Sephardim-Gemeinde Salamon Effendi Salom im Alter von 78Jahren. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer allgemeiner Trauerkundgebung aller Gesellschaftskreise. An demselben nahmen die Spitzen der Behörden mit dem Landeschef Baron Wares a m i n und Ziviladlatus Baron B e n k o teil. Am offenen Grabe sprach unter Anderem auch der lanjährige Freund des Verstorbenen, der pensionierte Intendant des Landesmuseums, Konstantin Hoermann. Salomon Effendi. Salom war der Sohn eines Arztes, der in Bosnien eine hervorragende Stelle etnnahm. Er selbst stand bei der seinerzeitigen türkischen Regierung und auch beim Volke in hohen Ehren und wurde in das erste türkische Parlament als Deputierter entsendet. Sultan Abdul Hamid ernannte ihn zum „Kaiserlichen Türsteher" und verlieh ihm eine Ehrenuniform. Nach der Okkupation von Sarajewo im Jahre 1878 ernannte ihn Feldzeugmeister Baron Filtppowitsch zum Vizebürgermeister der Landeshauptstadt und vertraute ihm die städtische Kaffe an, da er als die geeignetste und vertrauenswürdigste Persönlichkeit für dieses verantwortungsvolle Amt empfohlen wurde. Bon jener Zeit bis kurz vor seinem Ableben gehörte Salomon Effendi dem Sarajewoer Gemeinderat an, wo er eine rege Tätigkeit entfaltete. Im Jahre 1908 erschten er an der Spitze einer Huldigungsdeputation der sephardischen Judens Boniens und der Herzogowina in Audienz bei Kaiser Franz Joseph. Der Kaiser zeichnete den vortrefflichen Mann, der in der Geschichte seines Vaterlandes eine so bedeutende Rolle gespielt und ganz auf dem Boden der jüdischen Ueberlieferung stand, durch eine huldvolle Ansprache aus. Nach der Audienz nahm Salamon Effendi an einer Beratung teil, die unter Vorsitz des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern in Angelegenheit der jüdischen Wahlkurie für die bosnischen Juden abgehalten wurde, teil und beteiligte sich Lebhaft an der Debatte. Er stand im Kampfe der bosnischen Juden um ihr politisches Recht in der vordersten Reihe und man wird hier seiner in Liebe und Dankbarkeit gedenken. sagt gern Omen. Er sagt es gefragt und ungefragt, wo es paßt und wo es nicht paßter sagt es mit tiefer Stimme und hellem Jauchzen und einenr Aufleuchten der großen, braunen Kinderaugen. Aber am schönsten und am'lautesten sagt er es doch am Schabbos, wenn die Lichter im Kidduschwein sich widerspiegeln, wenn der Sabbat-Morgen Friede sendend heraufzieht, oder wenn die flackernde Kerze ihm beim Abschiednehmen leuchtet. Und da sagt er es besonders gern. Wir Großen sagen Habdoloh machen. Ter kleine Junge aber sagt Habdolum; er wird wohl wissen, warum. Mit Vernunftgründen ist ihmnicht beizukommen — also glauben wir es ihm. Es ist ein Schabbos-Abend im Winter, und die Nacht ist frühzeitig gekommen. „Wir wollen Habdoloh machen", sagt die Mama des kleinen Jungen und fährt liebkosend über sein braunes Köpfchen. Ta sieht er auf. Hab—do—lum! Es mag viele Freuden in der Welt geben und viele Jauchzer ans der Erde. Ob es eine größere gibt als die Freude des kleinen Jungen und ein jubelnderes Frohlocken als sein Habdolum-Ausruf — ich weiß es nicht, aber ich möchte es bezweifeln. Habdolum! klingt es durch die Stube und gemeinsam mit dem kleinen älteren Schwesterchen hebt zum Schrecken der Einwohner und besonders der Untcrwohner ein Freudentanz an, von dem die ältesten Siuxindianer noch manches lernen tonnten. Ta plötzlich nimmt der Tanz ein Ende. Der leere Tisch hat sich mit einem Habdoloteller, der Besomimbüchse und der Kerze belebt, und bei ihrem Anblick fahren die Tanzenden auseinander. Strahlend sehen vier Kinderaugen ans den Tisch und „Omensachen" kommt es selig aus dem Munde des kleinen Jungen. Nun weißt du es, lieber Leser. Tie Omensachen sind die Sachen, über die inan Omen sagt. Nun wird der kleine Junge ganz still- Er häsi

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