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Der Israelit · 1911-02-16 · Heft 7 (16.2.1911) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 7 (16.2.1911)
Date
1911-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 «r. 7 Der Israelit. Einfluß auf den Handel und die Gewerbe der christlichen Einwohner geäußert habe." Diesem Gutachten trägt der Entwurf der hannoverschen Regierung zu einem Gesetze über dte bürgerliche Verfaffung der Juden Rechnung, wie er am 8. Juni 1836 der Ständeversammlung zugtng. Es wird in dem Entwurf ebenfalls anerkannt, daß in Ostfriesland das preuß. Edikt von 1812 Geltung habe, soweit nicht später Bestimmungen, wie oie ostfriesische Zunftordnung von 1819 Beschränkungen herbeigeführt hättin. Die Gemeinden Ostfrieslands waren aber noch immer ohne Antwort auf ihre Petition geblieben, auch war bei den ganzen Verhandlungen in der Ständeversammlung keine Aussicht auf eine völlige Emanzipation der Juden vorhanden. Der von Schlegel, Badungen, Heiliger und Lüntzel am 14. April 1831 in der zweiten Kammer eingetragene Antrag, welcher die völlige Emanzipation der Juden gefordert hatte, war ja durch die antisemitische Hetzrede des Ministers Stüve mit 33 gegen 3 Stimmen gefallen. Nur allzu natürlich war es nun, daß S. R. Hirsch bald nach Beginn seiner Tätigkeit als ostfriesischer Landrabbiner einen Aufruf an seine Gemeinden erließ, für ihre Rechte mannhaft einzutreten und durch eine erneute Petition bei der Ständeversammlung die Beratungen zu ihren Gunsten zu gestalten. Die Aufforderung fand geradezu begeisterte Aufnahme. So schreibt u. a. der Vorstand der Gemeinde Norden unter dem 26. Dezember 1841: „Aus Eurer Hochwürden verehrtichem r'lnschreiben vom 21. Dezember d. I. haben wir mit dankbarer Anerkennung die Aeußerungen der Sorgfalt, — welche Ew. Hochwürden für das Wohl der Ihrer Aufsicht anvertrauten Israelitischen Gemeinden Ihres Land- Rabbinats hegen, neuerdings entnommen und bitten Wohldieselben, auch wir unsrerseits und Namens der hiesigen Gemeinde, gehorfamft, die Ew. Hochwürden zur Erreichung des beabsichtigten Zwecks geeignet scheinenden Eingaben und Vorstellungen bey der löblichen allgemeinen Ständeversammlung des Königsreiches einreichen zu wollen, damit die bürgerlichen Verhältnisse sich für die Israeliten günstiger, als dieses bisher drr Fall gewesen, — gestalten mögen. Ew. Hochwürden tverden durch diese Verwendung sich neue Ansprüche auf die Dankbarkeit der Israelitischen Gemeinden in Ostfriesland erwerben, — und verharren wir mit der vollkommensten Hochachtung und Ergebenheit Ew. Hochwürden ganz gehorsamster Diener Derzeitiger Vorstand hiesiger Israel. Gemeinde: I. S. Schulenberg, T. B. Goldstein, I. Bargebühr. Norden, den 26. Tecember 1841." (Schluß folgt.) wie die Philantropen in Europa und anderswo, und feine Makkabäeradende, wie die Zionisten! Ueberhaupt verbindet der hiesige Jude mit den Chanukatagen den Gedanken a i eine andere Natur, wie die in prt- Dort war das Leben in der Natur erstorben, und der Schnee fiel in Stadt und Land. Und hier? Hier weckt der Name ,-Chanukah" den Gedanke« an grünende Bäume und gesegnete Fluren — die Zeit nach dem Frühregen. Und damit zieht die Sehnsucht in das Herz ein, dem Dache m entfliehen, unter dessen Schatten man sich im heißen Sommer geflüchtet, um unter freiem Himmel Chanukaluft zu atmen. Und diese Fre heitsstimrnung macht sich in der verschiedensten Weise Luft. Bet den einen in dem Aufsuchen der Schauplätze nationalen Ringensbei andern, wie bei uns, ver-ichtet sie sich zu dem einfachen Wunsch, einige Ellen heiligen Landes zu durchwandern. In beiden Fällen ist hier mit einem ein treues, wahres Erleben, verknüpft. Denn jeder Sttich Landes, den ich betrete, ist getränkr mit dem Blute großer Heroen, ist geheiligt durch den Geist schlichter Helden, die hier für unsre Thora gelebt und gelitten. Der dritte Chanukat.g ist gekommen und mit ihm der Termin zum Ausflug des j-nin Ylttbr- Nach langer Zeit sollen die Schüler tvieder einmal ausrückcnh ckb mit Verwunderung und halb mit Stol; steht so mancher den Kindern nach, die in aller Früh bereits, mit langen Zuckerrohren und in Proviantbüchsen verschlossenen Broten ausgerüstet, in Reih und Glied angerückt kommen Wer denkt da nicht ein Jahr zurück, an die Zeit, bevor sich die „Freie Vereinigung" in Frankfurt für die Kolonie Schulen interessierte! Und wie haben sich die Kinder an diese rHUi Tlöbfl gewöhnt J Die meisten bringen ihre Mahlzetten nfiß Sk LDf*. Korrespondenzen und Nachrichten. Neutsch es SU Ul}. N erti«, 13. Febr. Die in dem von der jüdischen Gemeinde gegründeten „Gemetndeblatt" veröffentlichietl Austritte uns dem Judentum beginnen bereits zu wirken. Allerdings ist die moralische Wirkung die einzige, vorausgesetzt, daß die Leute, die nur aus Furcht ihre Namen an den Pranger gestellt zu sehen, protestieren überhaupt noch eine Moral besitzen. Wie aber das Renegatentum stets das allergefährlichste Denunziantentum, nicht nur bei uns Juden, aus seiner Mitte hervorbringt, wie es alle Feinde gegen seine Stammesangehörigen mobil zu machen und selbst die Vertreter der staatlichen Macht mißtrauisch zu machen sucht, weiß Jeder aus der Geschichte aller Völker. ~ Wie wenig wählerisch in ihren Mitteln die Taufjuden sind, um das Bekanntwerden ihrer nichtswürdigen Handlungen zu hintertretben, mag folgender Vorfall illustrieren. Ein jüdischer Gerichtsreferendar, der vor kurzer Zeit aus dem Judentum ausgetreten ist, aber es unangenehm empfindet, daß nun auch sein sonst sehr unberühmter und gleichgültiger Name, an den Schandpfahl gelangt, wollte dies mit aller Gewalt Hintertreiben. Da er auf dem Büro der jüdischen Gemeinde natürlich keine Gegenliebe erwartete, läuft der junge Mann direkt aufs Polizeipräsidium zu Herrn v. Jagow, führt aus, -aß die Publikation der aus dem Judentum austreienden Individuen ein grober Unfug, eine öffentliche Beschimpfung, jedenfalls eine gesetzwidrige Bloßstellung sei und verlangt das sofortige Verbot dieser monatlichen Veröffentlichung. Herr von Jagow, soviel auch einige Tagesblätter an ihm herum nörgeln, ein vorurteilsloser und hochgebildeter Mann, dem jedenfalls solche Subjekte, wie sie als Taufkandidaten und -Kandidatinnen zu hunderten in Berlin herumlaufen, ebenw unsympathisch sind, wie jedem an- JY'Srr/ um sie dort zu verzehren und nicht nach Hause gehen zu müssen. Und wenn sie nun frühmorgen? zum Oren komnien, bringen sie gleich ihr Brot mit. Denn nachher, vor dem Unterricht, gibt's warmen Tee, der ihnen in der rmri Tlö^n gereicht wird, um ihnen den doppelten Weg zu ersparen. Dantit erklärt sich so manches andere. So z. B., daß einer, der kaum Lesen gelernt hat, zum Oren kommt. Bis vor kurzem war mir ein solch frommer Drciküsehoch ein ungelöstes Rätsel gewesen. Bis ich einen Blick in die Teestube warf, und der erste, den ich sah, — eben er war . . . Aber auch zu Mittag bleiben viele Zöglinge innerhalb unserer nifca 1)2^8, nicht nur, um die Mittagspause, die ihnen gegönnt ist, n'cht zu überschreiten, sondern auch, ja hauptsächlich zu dem Zwecke, die goldene Jugendzeit mit ihren harmlosen „Kindereien" und tollen Streichen zu ihrem Rechte kommen zu lasten. So treiben sie sich an der ihnen geweihten Stätte des im Werden begriffenen Schulgartens mit ihren Kameraden hemm, und bei ihren Liebltngsspielen mundet die , Chalawe" *) doppelt süß. Und wenn Mutter zu Hause etwas besonderes Gutes gekocht hat, schickt sie's ihnen „verlragsg maß " durch die jüngeren oder älteren Geschwister. In all dem unterscheiden sich bereits die höheren Klasten. In einem Alter, das in Deutschland gewöhnlich mit dem Beginn der Flegeljahre zusammenfällt, bringen diese Schüler ein bemerkenswertes B rantwort'ichkeitsgcfühl mit, das sie viel gesetzter, viel ernster erscheinen läßt als ihre Altersgenossen in Europa. Nur eine Kinderei kennen auch sie, und ihr sind sie leidenschaftlich ergeben, sobald sich Gelegenheit bietet: zu reiten. Biele der einheimischen Knaben haben auf den Eseln ihrer Bät.r Gelegenheit, diesem edlen Sport zu h lldtgen, wobei *) Eine Mischung von Sesamvl und Zucker. 16 Februar INI dern feinfühligen Christen, er hört ruhig das Jammern des „juristisch" gebildeten Jüngelchens an, aber anstatt sofort dem Wunsche des Taufknaben zu willfahren, erläßt er diesen mit folgenden Bescheid: „Die katholische Kirche gibt nicht nur die Namen der Ausgetretenen an den Portalen und sonstigen frequentierten Orten der Kirchengebäude durch Anschlag bekannt, sondern läßt diese Anschläge sogar ein ganzes Jahr aushängen. Was bei den Katholiken ein Brauch ist, kann bei den Juden nicht zum Unfug oder zu einer Ungesetzlichkeit umgestempelt werden. Das Staatsgesetz kennt hier keine Zwangsmittel, die dies verhindern,- auch wäre es unmoralisch, in Handlungen einer religiösen Genoffenschaft einzugreifen, die doch nur einen sittlichen Zweck verfolgen rc." Bravo! Vs5 flufenfhalfsredif der auslöndifdien Juden in Ostpreußen Körrigsvekg, 14. Februar. Eine vor kurzem erlassene Verfügung des Oberpräsidenten enthält u. a. folgende Bestimmungen betreffs der in Ostpreußen, insbesondere in Königsberg ansässigen russischen Juden: 1. Die Kinder derjenigen Ausländer, die seit dem Jahre 1882 hier ansässig sind, haben das Recht auf Naturalisation. 2. Diejenigen, dte in späteren Jahren hier eingewandert sind, müssen alle zwei Jahre die Genehmigung ncchsuchen, hier mit ihrer Familie, falls sie solche von früher haben, wohnen zu dürfen. Diejenigen, die keine Familie haben, müssen sich bet jeder Erneuerung des Gesuches schriftlich verpflichten, hier keine Familie zu gründen, resp. solche aus Rußland mitzubringen. 3. Diejenigen, die in den letzten 5-10 Jahren hier eingewandert sind und auch diejenigen, die bereits seit 20 und mehr Jahren hier wohnhaft sind, aber erst unlängst geheiratet haben, müffen sich bei der Aufenthaltsgenehmigung verpflichten, daß ihre Söhne bei Erreichung des neunten Lebensjahres das preußische Gebiet verlassen werden. So wurde Kaufleuten, die seit 12 Jahren hier ansässig sind, die Aufenthaltsgenehmigung nur unter der Bedingung erteilt, daß, falls sie Söhne bekommen sollten, dieselben die Stadt zu verlassen haben. Die zehn- und zwölfjährigen Söhne der Kaufleute I. und Z), die hier auch schon lange wohnen, wurden ausgewiesen. Jedoch ist es dem einen Herrn gelungen, für seinen Sohn, der kränklich ist, auf ärztliches Attest hin die Aufenthaltsgenehmigung zu erlangender zweite Sohn muß die Stadt verlassen. Ein Herr I., der seit 6 Jahren das Wohnrecht in der Provinz hat, erhielt plötzlich den Befehl, daß sein Sohn, der bereits die sie sich nicht verhehlen, daß er auf einem Pferde noch ed'.er wäre. Aber zu Ros; sieht man hier, im Gegensatz zu den Arabern, die Juden nur selten, lange nicht so häufig wie zu Esel, der nur geringe Unkosten macht und zun» Verkehr zwischen den „Pardesstm" unö den Häusern unentbehrlich ist. Nun muß ich aber wieder zu meinem Thema zurückkehren! Es war 8 Uhr geworden. Nachdem die Artillerie — 4 Schüler, die ih.e Esel mitgebracht hatten — zur Füh ung und Deckung des Zuges Aufstellung genommen hatte, begann der Marsch. Und dann marschierten sie — obwohl ungeübt in derlei Dingen — einen halben Tag lang. Alles, auch das Kleinste, Unbedeutendste, was ihnen begegnet, greifen sie, denen mprrnnö zur „Natur" par excellence geworden ist, neugier'g aus und machen es dann mit naiver dankbarer Freude zum Gegenstand ihrer Unterhaltung. Der Himmel heiterte sich zusehends. aus und die Dezemberkühle des Morg ns schwindet immer mehr. Alle denken nur darau, wie lange sie schon ans Haus gefestelt gewesen. Zunächst begleiteten uns zu beiden Seiten di' großen Oiangegärten „Bojaren", an die sich auch Mandelgärten und andere Obstgärten anschließeu, in denen sorgfäliig unterstützte Cttronenbäume, kräftige Olivenbäuine mir ihren matten Blättern in langen Reihen gepflanzt dastehen. Jeder Garten ist mit einer Reihe von Akazienbäumen nach außen hin abg^grenzt, die, natürlich nicht mit dem bei uns vorkommendeu identisch, mit ihr n gelben duftenden Blüten, die zur Parfümbereitung verwendet werden, gastlich cinlad n. Würde aber ein Dieb auf diesen; Wege der Einladung folgen, so würden ihn dte dornigen Aeste etwas unsanft empfangen. Jndeffen waren wir ins Freie hinausgekommen. Und welcher Anblick, welch eine Welt von Schönheit erschließt sich mir da! Eine Schönheit, dte ich so oft schon in nrer

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