Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1911)
- Date
- 1911-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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"■ MDW « HG 7 ' / ' - Bemerkung als einen Irrtum, als eine tatsächliche Unrichtigkeit zurückweisen. Derselbe Redner warf auch der sogenannten Gemeindeorthodoxie vor, daß sie denke, die Liberalen seien „Poschim, Sünder, Kofrim beikkor, Leugner der göttlichen Wahrheit, Leugner der Grundsätze des Judentums". Er wandte dem gegenüber ein und sprach es als den Ausdruck seiner Ueberzeugung aus, daß wie dem orthodoxen Juden das orthodoxe Judentum das Judentum sei, so auch dem liberalen Juden das liberale Judentum das Judentum sei. Auch diese beiden Aeußerungen, die wohl als die offizielle Anschauung der liberalen Bereinigung bezeichnet werden können, müssen gewürdigt und in das rechte Licht gestellt werden. , Lassen Sie mich mit der zweiten beginnen: Was soll das heißen, das liberale Judentum sei das Judentum! Man sei erst dann wahrer Jude, wenn man die unmittelbare Göttlichkeit der Thora leugne, wenn man es für statthaft oder mindestens für ein Adiaphoron halte, den Sabbat zu entweihen, am Pessach Chomez zu essen, Schweinefleisch zu genießen, am Jom Kippur nicht zu fasten usw.! Wenn das liberale Judentum das Judentum ist, das orthodoxe dagegen nicht das Judentum ist, dann ist das liberale Judentum logischer und konsequenter Weise kein Judentum. Denn: das ganze vor der Gründung des liberalen Judentums, also etwa vor Abraham Geiger, in Geltung gewesene Judentum, wie es tatsächlich durch die Jahrtausende hindurch existiere hat, das Judentum der Bibel, des Talmuds, der rabbinischen Schriften, der Religionsphilosophen wäre nicht das Judentum gewesen, weil es doch orthodoxes Judentum war. Da nun nach der Behauptung der Liberalen das liberale Judentum das Judentum ist, so ist es ein ganz neues Gebilde und nicht die Fortsetzung des Intums der vorgeigerianischen Epoche, das doch als orthodoxes nicht das Judentum war. Das Judentum wäre also erst entstanden etwa in beit dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dann wäre es eben kein Judentum. Oder: Da doch das liberale Judentum sich als Fortsetzung des alten Judentums bezeichnet, so entsteht das unlösbare Rätsel: Wann hat das alte, das orthodoxe Judentum aufgehört, das Judentum zu sein, und wie war es möglich, daß dieses orthodoxe Judentum, ohne daß es sich verändert hat, ohne daß es seinen Prinzipien untreu wurde, Mit einem Mal aufhörte, das Judentum zu sein? Mit einem Worte: Die Anschauung, daß das liberale Judentum das Judentum sei, ist vom logischen und historischen Standpunkt aus eine Willkür, ist ein Dogma, an das man nur «na Scdvieger §5^ l< vater. (Zum Wocheuabschnitt.) Der überwältigende Eindruck, den die wunderbare Befreiung Israels aus Aegypten und baS jähe Ende seiner Tyrannen in außerisraelitischen Kreisen zurückgelassen hatte, wird in der Geschichte Israels wiederholt oetont. Daß die Böller, welche die Kunde vernahmen, vor dem Siegeslauf eines Volkes zitterten, das bet aller äußeren Schwäche und Wehrlostgkeit so ungeahnte Erfolge errungen hatte, beflngt schon daS Lieb der von Knechtschaft und Tob Befreiten am Gestade des soeben durchschrittenen Meeres. Nur wenige hatten aber eine Ahnung davon, wie fie nur diesem Eo'ke näher zu treten brauchten, um die Furcht in Hochachtung tmb die Scheu in Verehrung umzuwandeln Einer dieser Wenigen war Jithro. Als Priester von Mtdjan hatte er schon vor einer langen Reihe von Jahren dem flüchtenden Sohne des in tiefster Sklaverei schmachtenden BollSstammeL seine Tochter und seine Herden anvertraut. Bon dieser Herbe rief der Gottesruf Mosche hinweg zur Befreiung seine- Volles. glauben kann, wenn rnarp sich zu dem Grundsatz bekennt: Credo quia abäurdum. Und nun lassen Sie mich noch zum ersten oben zitierten Satz übergehen: Die Orthodoxen denken, die Liberalen seien „Poschim, Sünder, Kofrim beikkor usw." Der Ausdruck „denken" beißt doch wohl, daß sie es zwar nicht so deutlich heraussagen, daß es aber die latente Anschauung der Orthodoxie sei, daß die Liberalen, d. h. diejenigen, welche die unmittelbare Göttlichkeit der Thora leugnen, welche den Sabbat entweihen, am Pessach Chomez essen usw., Poschim, Sünder, Kofrim beikkor usw. seien! Nun, wenn dem so wäre, wäre diese latente Anschauung eine Anmaßung, eine Willkür, eine Schlechtigkeit der Orthodoxen? Kann denn die Tatsache aus der Welt geschafft werden, daß nach Aussage der Bibel, nach Anschauung des Talmuds, der rabbinischen Schriften, der Religionsphilosophen von Saadia über Maimonides bis auf Mendelssohn diejenigen als Poschim usw. gelten, welche es für erlaubt halten, den Sabbat zu entweihen, am Pessach Chomez zu essen usw.? Man verbrenne die Bibel, den Talmud, die rabbinischen Schriften, die Religionsphilosophen und tilge das, was dort klar und deutlich geschrieben steht, aus dem Gedächtnis der Menschen, man lasse etwa nur die Schriften Araham Geigers und noch einiger weniger Anderer übrig, und dann erst möge man es den Orthodoxen als Willkür, Anmaßung oder Schlechtigkeit anrechnen, daß sie das liberale Judentum nicht als das wahre Judentum anerkennen. Eine solche Anerkennung zu fordern, ist geradezu ungeheuerlich» Denn das heißt nichts mehr und nichts weniger fordern, als daß die Orthodoxie sich selbst aufgebe, sich selbst negiere. Diese Forderung widerspricht einfach den normativen Gesetzen des Denkens und zwar dem allerersten Satz, daß etwas nicht zu gleich sein und nicht sein kann. Es ist eine logische Unmöglichkeit, daß die Orthodoxie anerkennen solle, das liberale Judentum sei das wahre Judentum. Es wird vielmehr immer die latente prinzipielle Anschauung der Orthodoxie bleiben, daß diejenigen, welche die Göttlichkeit der Thora welche die Verpflichtung, die göttlichen Gebote der Thora zu beobachten, leugnen, Leugner der Grundsätze des Judentums, daß sie Kofrim beikkor sind. Und ich muß sagen: Es erscheint mir als eine kolossale Zumutung an das Denken und Empfinden, zumal des einfachen jüdischen Mannes, von ihm zu erwarten, er solle denjenigen als frommen Juden anerkennen, der alles Spezifische, was das Judentum als göttliches Gebot überkam, über Bord geworfen hat. Das liberale Judentum ist das Judentum -LMM! . der höchst komPlizierter^Aedankengänge. Zumal von einem schlichten Gemüte zu foröM, es solle sich in diesen höchst komplizierten Gedankengängen zurechtfinden, ist etwas unberechtigtes und unverständliches. (Fortsetzung folgt.) KochnmmWa«. von dar Ko. Von den Arbeiten der von Zangwill 1904 gegründeten Jto hörte man in letzterer Zeit nur wenig. Nachdem die Oeffentlichkett aus dem Munde Zangwills voriges Jühr erfahren hat, daß „Cyrenaita nicht mehr in Betracht komme undMesopotamien nichts verspreche", hatte es den Anschein, als sei die Ländersuche vorerst eingestellt worden. Die Terkltorialisten suchten, sofern sie noch hier und da ein Lebenszeichen von sich gaben, ihren Arbeitsdrang auf anderen Gebieten zu befriedigen und man muß! es rückhaltlos anerkennen, daß sie inbezug! auf die Regelung der Emigration sich recht erfolgreich betätigten. Daß indessen das „Territorialistische Zentralkomitee" in London sein Hauptziel nicht aus den Augen gelassen und sich auch in diesem Jahre in der weiten Welt tüchtig um ein „neues Judenland" umgeschaut hat, erfahren wir erneut, aus dem jetzt erschienenen Berichte des Australischen Ministeriums an das dortige Parlament. Im Kasiitel „Emigration" dieser Denkschrift berichtet darüber Ministerpräsident N e w t o n| Morre wörtlich: „Bei meiner letzten Anwesenheit in! London sprachen bei mir die Vertreter der „Jüdisch - territorialistischen Organisation",! Mr. Zangwill und Spielmann, vor und! machten mir den Vorschlag, die australische Regierung möge der „Jto" in Westaustra^ lien eine große Fläcke Landes zur Verfügung stellen, um dort eine große ZahlI §uden zu kolonisieren. Im Verlaufe meiner nterredung mit Zangwill gewann ich die! Ueberzeugung, daß seine Absicht ist, „Staat! im Staate" zu gründen. Gegen ein solches! Projekt läßt sich viel einwenden und die! Regierung muß daher diese Vorschläge genau erwägen. Bis nun hat jedoch diej Die Befreiung war vollbracht und unter der Führung seines Befreiers waren die Erlösten eben im Begriff, durch die Wüste zum GotteSberg zu wandern, um dort daS Gesetz GotteS entgegenzunehmen, der ihnen die Freiheit geschenkt. „Da hörte Jithro, der Priester von Mtdjan, Mosches Schwiegervater, alles, was Gott an Mosch eh und Israel seinem Volke getan, daß Gott es aus Mizrajim geführt habe." Wie nun Jithro das Gehörte auffaßt und wie diese Auffasiung sich von derjenigen seines Schwiegersohnes unterscheidet, ist so ungemein charakteristisch, daß es fich verlohnt, aus die feinen Nüancen zu achten, welche diese Verschiedenheiten zum Ausdruck bringen. Der Schwiegervater hört in erster Reihe nicht, was Gott an Israel, sondern was er an Moscheh getan. Der einst flüchtende Schafhirt war Führer eines großen Volkes geworden. Wird die neue Würde nicht nachteilig auf die unter ganz anderen Verhältnissen geknüpften verwandtschaftlichen Beziehungen etngewtrkt haben? Jithro führt dem königlichen Schwiegersohn* Weib und Kinder wieder zu, von welchen er stch infolge seiner Sendung hatte trennen müssen. Die Namen der Kinder und die daran stch knüpfende Bedeutung werden nachdrücklich hervorgehoben. Der bloße Name seiner Kinder wußte dem inzwischen zu Ehren und Würdrn gelangten Vater die Erinnerung an den Tag wecken, an welchem er noch ein Fremdling in fremdem Lande durch die gastliche Aufnahme in Jithros Hause von Pharaos Schwert mit Gottes Hilfe gerettet wurde. So sucht der Schwiegervater seinen Schwiegersohn in der Wüste auf. Aber sofort das erste Zusammentreffen bekundet die unveränderte Bescheidenheit Mosches. Er geht seinem Schwiegervater entgegen, tonst fich vor ihm zu Boden, küßt ihn und beide treten, nachdem fie fich vor dem ganzen Bolle begrüßt haben, in das Zelt. Nun hört Jithro auS Mosches eigenem Mund, was Gott an Pharao und Aegypten getan. Die Person des! Erzählers tritt dabet im Gegensatz zu Jithros Auf! fassung ganz in den Hintergrund. Was Gott getan, hat! er nur rvniK bv Israels wegen getan. Auchj waren es nicht ausschließlich e freultche Erlebnifle, sondern HKbfln *53/ die ganze Mühseligkeit der Wüsten-! Wanderung wird geschildert, wie die Erlösten Hunger und! Durst und sogar dem tückischen Amaleksschwert ausgefetzt! waren. Jithro ringt der Erzählung seines Schwieger-l sohnes eine Huldigung Gottes ab, die in den Worten! 'il •yHü gipfelt. Er hatte von den das BefreiungswerkI begleitenden'MüÄeflgMtdn 'Hu^^ ö rd^Für Moscheh! und Israel, die fle erlebtund MH'zu gLtvartigenhatten,! war die Zeit für eine solche Hükoigüng noch nicht ge-I kommen.! Die durch diese Trübungen noch nicht vollständig! empfundene Freude der Erlösung seitens Mosches und! Israels spricht Rabbi Pappus im Midrasch Jalkus! dahin aus: na» diss •an dvd 'n •nrr nam nr *pn3 ma# «an 'dSi rrtraS «in •'n “jro -lvM tw nnsd Den ganzen ersten Tag des Wiedersehens widmete! Moscheh seinem Schwiegervater.. Erst am folgenden! Tage nahm Moscheh seine dem Botte gewidmete Tätigkeit! wieder auf. An Moschehs Lippen hangend, umsteht bat! Volk seinen Führer von Morgens bis Abends. Jithro! sieht, wie sein Schwiegersohn alles für das Volk lut! Der midjantttsche Priester, von dem die Ueberlieserung! berichtet, daß er früher in Aegypten dem pharaonischen! Königsthrone als Berater nahe gestanden, war wohl an! bas gewöhnt, was ein B lk seinem Herrscher, nicht aber! dieser seinem Volle leistet. Daß stch aber ein König zum ersten Diener seines Bottes macht und die einzig dastehend^