Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1911)
- Date
- 1911-02-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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52. Mroana, ssa Sranhfurf a. M . Ben —jg^läebaf Wl~ Bsaa 7 Ein Centralorgan für das orthodoxe Jgdeotnm «gsg Segründel dob Or. Lefenann in llbinz sasss «Bomtewettt pro «lerieljohrr Gewöhnliche Ausgabe Mk. IM. Hestausgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 8 Kr., Rußland 1 Bnb., England 8 ah., Amerika 50 ei».. Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fra. 2JHX Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HeftauSgabe nur direkt. Der Israel« erscheint iedm Doomerpn». Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnsevatenannahme nur durch Haasenstein «. Vogler A.»G« FranÄnrt a. M.» und denn Filiale«. Zahlungen kSnnm außer direkt an den Verlag erfolgen per: Conto bei der 8. ft. Postsparkasse COita Ko. 796W, Comt* bei de» ft. PoftsparrasteAamt Bndopeft Ko. I818i Conto bei der Rigaer Commerzdank in Riga und deren Filialen Der lUutiOrudi Oer JUHfiel unö CorrefponOen?en Oes „Israelit“ ist nur unter oenuuer Quellenangabe, unO, soweit es lick um grOSere flutffifce handelt, nur nadi uorfieriuer Genehmigung geffattet- Ktthallsüvevstcht. 1. Leitartikel: Rabb.Dr.Kratz: Kibrraies Indrntum. — 2. Wochenrundschau: Kon -rr „Kto". — Das Aausierergesetz in Oesterreich. — 3. Aufsätze: Dr. Löb, Hannover: Erinnerungen au die Tätigkeit Samson Kapharl Kirsch s in Emden. — ^Homiletik: Schwiegersohn u. Schwiegervater. --- 5. K l e i n e 8 Feuilleton: Chauukah im heit. Lande. — Aaddolum. — Der Schah von Persien und der Rabbi. — Das deutschsprachige Judentum im Ausland. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Taufliste.) — Das Aufenthaltsrrcht der ausländischen Juden in Ostpreußen. Königsberg. — Aschersleben (Aufhebung des Schächtverbots.) — Posen (Volkszählung). Saran Albert von Rothschild. Wien. — Wien (Schänkerdemonstration). — Ungarischer Kries. Budapest. — Petersburg (Ginsburg'sche Bibliothek). — Wilna (Jüdische Hochschule.) — Dir Volkszählung in England. London. — Konstantinopel (Chajim Nahum). — 7. Vermischtes: Frankfurt am Main. — Berlin. — Berlin. — Berlin. — Berlin. — Würzburg. — — Lippstadt. — Sulzburg. — Schroda. — Eydtkuhnen. — Grabow. — Breslau. — Breslau. — Adelnau. — — 8. Vereinswesen: Frankfurt a. M. — Frankfurt a.'M. — Frankfurt a. M. — Posen. — Wollstein. — Antonie« Hütte. — Krakau. — 9. Personalien: Berlin. — Karlsruhe. — Nürnberg. — Aub. — Posen. — Posen. — Karthaus. — Pr. Stargard. — 10. Bereinskalender. — Kinde ecke. — Familiennachrichten. —11. Feuilleton-Beilage: Aus'riner verborgene« Welt. 13. Blätter z. Erziehung und Lehre: Ei» Hetzer an der)Arbeit. — Lehrer Meyberg, Oldenburg: Das Wirken des grsetzestreurn Kehrrs in^nrolsgrn Gemeinden in und außerhalb der Schule. — Generalversammlung des Vereins Israel. Kantoren und der übrigen Kultusbramten im Königreich Dayern. — Bücherschau. _ Liberaler Judentum. Ein Bortrag von Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. Dieser Bortrag wurde um 37. Dezember 1910 aus der VII. Generalversammlung der „Bereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" in Berlm gehalten. I. Ich habe es übernommenvor Ihnen über ein Thema zu sprechen, an dem wir alle mit unserm innersten Empfinden beteiligt find, das uns alle, die wir mit Herz und Seele am alten Judentum hängen, aufs tiefste interessiert, nicht um deswillen interessiert, weil es ein im landläufigen Sinne dieses Wortes intereffanter Gegenstand ist, sondern weil es an das Zentrum unseres ganzen Seins und Wesens rührt, weil es an dasjenige rührt, was anzutasten, zu gefährden, in Frage zu stellen, zu verdrängen uns als ein Frevel am Heiligsten erscheint, als ein Frevel an dem Judentum, das wir von unfern Vätern überkommen haben, das wir eingeschlossen haben in unsere Seele mit aller Kraft der Liebe, deren wir fähig sind, mit dem wir alles haben und alles sind, und ohne das unser Leben uns wertlos dünkt. Das Thema „Liberales Judentum" bewegt unsere jüdische Seele auf das tiefste. Nicht um unsertwillen. Denn unsere Neberzeugung kann kein Gegner uns rauben. Auch nicht allein um der persönlichen Unannehmlichkeiten, um der möglichen Kämpfe willen, die unserm Amte, unserer Stellung durch die in Frage kommenden Bestrebungen und Strömungen drohen; denn obwohl uns das durchaus nicht nebensächlich ist, sondern uns sehr nahe geht und sehr nahe angeht, persönliche Unannehmlichkeiten und Kämpfe berühren das Höchste nicht. Höher steht uns die Sorge um diejenigen, die unserer Obhut anvertraut sind, die Sorge um unsere Gemeinden, um unsere Brüder, die in ihren Ueberzeugungen wankend gemacht und erschüttert werden können, die nicht genügend gefestigt sind, um nicht in ihrer Auffassung vom Judentum irregeleitet und dadurch in ihrem Judentum gefährdet zu werden. Um unserer Brüder willen können wir nicht gleichgültig bleiben, wenn wir an das „Liberale Judentum" denken. Aber dieses tiefste und innerlichste Jnteressiertsein an der Frage wird uns nicht verhindern können und dürfen, sie mit größter Objektivität zu untersuchen. Es wird uns nicht verhindern können und dürfen, sie mit strengster Sachlichkeit, mit möglichster Unparteilichkeit zu prüfen, uns mit ihr auseinanderzusetzen, nicht mit einem blinden Fanatismus, der den Andern unsachlich verunglimpft, wo er ihn sachlich nicht widerlegen kann, sondern mit ruhiger Besonnenheit, die auch dem Gegner gerecht zu werden, nach besten Kräften sich bestrebt, mit jener Vornehmheit, die trotz aller Bestimmtheit und Schärfe des Urteils sich dennoch auf einem höheren Niveau bewegt, auf jenem Niveau, welches der geistigen und sittlichen Höhe dieses unseres amtsbrüderlichen 5kreises entspricht. Vornehm kämpft der, welcher sich lauterer Waffen bedient. Es kann einer in seiner Polemik von Milde, Sanftmut und Salbung triefen und doch durch die ganze tückische und arglistige Art seines Kampfes beweisen, daß er kein ehrheitssucher, sondern ein niedriger Schleicher und Augenblender ist. Wir wollen vornehm kämpfen, d. h. mit den edlen Waffen der Wahrheit, oder vielmehr, da die Wahrheit allein bei Gott steht, mit den lauteren Waffen der Wahrhaftigkeit. Ich gehe nun zum Thema über, sofort in rnsäias rss hinein. II. Erkennen wir an, daß auch der liberale Jude ein Jude ist? Ich nehme es als gewiß und selbstverständlich an, daß in diesem Kreise niemand ist, der das nicht auf das bestimmteste bejaht. Ich nehme noch mehr an. Ich nehme an, -aß jeder von uns den liberalen Juden als Juden anerkennt, nicht etwa nur in dem Sinne, wie das Religionsgesetz auch die getauften Juden noch als Juden betrachtet, da doch das Judentum auch eine Stammeszugehörigkeit bedeutet, in die man hineingeboren wird und die man ebenso wenig aus der Welt schaffen kann, wie man die Tatsache der Geburt, der Geburt von jüdischen Eltern aus der WAt schaffen kann, so daß jeder als Jude Geborene in einem gewiffen Sinne immer noch Jude bleibt, auch wenn er abtrünnig geworden. Vielmehr glaube ich, daß wir alle zugestehen, daß der liberale, daß auch der indifferente Jude, auch wenn er nur durch das Beharrungsvermögen oder, wie man es nennt, da- Trägheitsgesetz am Judentum festgehalten wird, nicht gleich dem getauften Juden in diesem eingeschränkten Sinne, sondern in einem höheren Sinne als Jude angesehen werden muß, daß wir ihn als den unsrtgen, als zu uns gehörig, als unfern jüdischen Bruder anerkennen, so lange er sich selbst noch Jude nennt, so lange er unser jüdischer Bruder sein will. Ich hebe das hervor, weil in der konstituierenden Versammlung der „Bereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" von einem Redner, der vermutlich der erste Anreger und geistige Vater der „Bereinigung" ist, gesagt wurde, — wenigstens läßt der betreffende Paffus des offiziellen Protokolls seinem ganzen Zusammenhang nach keine andere Deutung zu —, daß die sogenannte separatistische Orthodoxie den liberalen Juden nicht als Juden anerkenne. Ich glaube, daß auch die hier anwesenden Vertreter der foaenannten separatistischen Orthodoxie diese