Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1911)
- Date
- 1911-02-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ectfe 6. fit. 6 3-Swrltt. " " :v77 9. ^feBtuat l91i. schuffes für Beschlußnahmen in oft vorkommenden Fällen und in reiferer Ueberlegung bedürfenden Angelegenheiten und schreibt für den Fall der Wahl eines Ausschusses vor, daß die Gemeinde- Versammlung ganz ausdrücklich dabei zu bemerken hat: a) für welche Fälle b) in welchem Umfange (34. bei Bewilligung außerordentlicher Ausgaben bis zu welchem Belaufe) c) aus wie lange der Ausschuß zur Stellenvertretung der Gemeinde gewählt werde. (Fortsetzung folgt.) orrespondenzen Und Machrichlen. Detttsrtzr» MeUH. KranKfnrt a. M, 22. Jan. Aus dem Bureau der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation wird uns geschrieben: Eine Reihe von Umständen hat in der letzten Zeit die jüdische Kolonisation im Orient in den Vordergrund treten lassen. Infolge der. Ueberfüllung der nordamerikanischen und englischen Zentren mit jüdischen Emigranten ist die Schaffung eines neuen Abflußgebtetes für den jüdischen Auswandererstrom zur dringendsten Aufgabe der jüdischen Wohlfahrtstätigkeit geworden. Ein solches Abfluß- und Anfiedelungsgebiet hat sich nun im Orient eröffnet, wo die Umwandelung der Türkei in einen modernen Rechtsstaat die für die ersprießliche Entwicklung des jüdischen Ansiedelungs- Werkes erforderlichen Garantien bietet und die vor drei Jahrzehnten begonnene, heute aufblühende jüdische Kolonisation einen vielversprechenden Ausgangspunkt bildet. Diese Tatsachen, welche in Westeuropa das Entstehen der A. I. K. O. veranlaßt haben, riefen naturgemäß auch in Osteuropa und Nordamerika eine neue, tiefgehende Bewegung zu Gunsten der energischen Fortführung der jüdischen Ansiedelungstättgkeit im Orient hervor. In Rußland, Rumänien, den Vereinigten Staaten, aber auch auf dem jüdischen Kolonisationsgebiete selbst sind in den letzten Jahren neue, zum Teil sehr kapitalkräftige Bereinigungen und Gruppen entstanden, welche sich den Erwerb und die Besiedelung leerstehender Landstrecken im Orient zum Zweck setzten. Neben dieser genossenschaftlichen Bodenkaufsbewegung geht eine V ickt" iri Mer. .-intensive individuelle einher. .HunhD? viW b^stiiWen Glaubensgenossen aus ^»en ^versMedWstm 'Weltgegenden treffen gegenwärtig in den jüdischen Zentren des Orients ein, um von dort aus nach passenden Terrains Umschau zu halten. Für die Kenner der Verhältnisse unterliegt es keinem Zweifel, daß eine neue Phase der jüdischen Orientkolonisation anbricht, unvergleichlich großzügiger, und dank den gesammelten Erfahrungen viel aussichtsreicher als die vorangehenden. Diese neue Kolonisationsbewegung bedarf eines geeigneten Finanzinstrumentes. Nur ein äußerst geringer Teil der jüdischen Nachfrage nach Boden im Orient kann gegenwärtig befriedigt werden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß kleine Parzellen in urbarem Zustand in jenen Gegenden nur selten käuflich sind. In der Regel müssen für Ansiedelungszwecke große Terrains erworben werden, die zumeist Meliorierungen erfahren müffen und dann erst parzelliert werden können. Nach einer in Jaffa aufgestellten Statistik mußten im letzten Jahre jüdische Landkäufer-Private und Vertreter kleiner Gesellschaften — welche insgesamt 1400000 Rbl. investieren wollten, unverrichteter Dinge heimkehren, weil ihnen keine paffenden Grundstücke nachgewiesen werden konnten. Schon dieser Umstand läßt die Gründung einer Terraingesellschaft als unentbehrlich er. scheinen. Nur eine solche ist in der Lage, geeignete größere Objekte zu erwerben, für die Besiedelung vorzubereiten und Jntereffenten kleine Grundstücke in bebauungsfähigem Zustand zur Verfügung zu stellen. Aber auch sonst sprechen die Erfahrungen voll drei Jahrzehnten dafür, daß nur ein kommerzielles Institut die jüdische Orientkolonisation wirksam fördern kann. Das philantropische Prinzip lähmt das wirtschaftliche Verantwortlichkeitsgefühl und den Unternehmungsgeist der Ansiedler. Auch übersteigen die zur Lösung der Aufgabe erforderlichen Summen die Grenzen einer Wohlfahrtsaktion. Die spontane, in so starker Zunahme begriffene Auswanderung nach dem Orient, das Privatvermögen und die werterzeugende Arbeit der zumeist nicht unbemittelten Emigranten müssen als wesentliche Faktoren in Betracht gezogen werden. Andererseits sind kapitalkräftige Glaubensgenossen zu veranlassen, sich an der jüdischen Orientkolonisation als rein geschäftlichem Unternehmen zu beteiligen. Die Rentabilität kolonisatorischer Unternehmungen im Orient ist durch die im Aufträge der A. I. K. O. vorgenommenen Untersuchungen außer Frage gestellt worden und wird demnächst in einer Publikation dargetan werden. Eine der wichtigsten Aufgaben der in Frage stehenden Erwerbsgesellschaft wäre die Befriedigung des dringenden Bedürfniffes nach langfristigem, billigem Kredit auf dem jüdischen Kolonisationsgebiete. Die bewährtesten alten Kolonisten, deren Grundbesitz und persönliche Tüchtigkeit volle Garantie bieten, können ihren Betrieb gegenwärtig nicht vorwärts bringen und müffen ihre Sohne nach Australien ziehen lassen, weil kein Institut ihnen langfristigen Kredit zu mäßigen Zinsen gewährt. Andererseits bringen manche tüchtige neue Ansiedler nur die Hälfte des zur Installierung erforderlichen Kapitals mit. Diesen müßte eine Gesellschaft Boden und Haus gegen Sicherstellung und auf Amortisierung überlassen. Die bis jetzt gemachten Erfahrungen beweisen, daß die jüdischen Ansiedler ihren Verpflichtungen pünktlich Nachkommen und volles Vertrauen verdienen. Um nun den Aufgaben, die die jüdische Orientkolonisation mit sich bringt, gerecht zu werden, hat die „Allgemeine jüdische Kolonisations-Organisation" nach eingehenden Vorstudien sich entschlossen, ein jüdisches Finanztnstitut für Boden - Erwerb, Parzellierung unjd Agrarkredit ins Leben zu rufen. Die Satzungen dieser Erwerbsgesellfchaft sind so gefaßt, daß sie ihr die Möglichkeit eröffnen, sich auch auf allen anderen, mit einer großzügigen Kolonisation zusammenhängenden Gebieten — Häuser- und Straßenbau, Industrie, Anlage von Verkehrswegen usw. — zu betätigen. Die A. I. K. O. wird sich an der Erwerbsgesellschaft mit ihrem Kolonisationsfonds beteiligen und ihren Mitgliedern die Zeichnung von Aktien empfehlen. Das neue Institut wird jedoch nurdann wirkliche Bedeutung für die Kolonisation gewinnen können, wenn es über ein namhaftes Kapital verfügt. Die Leitung der A. I. K. O. hat daher einen Plan ausgearbeitet, auf Grund dessen sämtliche die jüdische Kolonisation im Orient auf rein Wirtschaftlicher Grundlage anstrebenden Organisationen und Gruppen ihr Kapital in der neuen Gesellschaft vereinigen können, ohne ihren Sonderbestand aufzugeben. Die außerordentlichen Vorteile, welche durch den Zusammenschluß kleinerer Körperschaften zu einer einzigen kapitalkräftigen Institution erwachsen, sind augenfällig. Nur eine solche ver- 'mag die Installierung neuer Kolonien unter fachmännischer Leitung planmäßig und ökonomisch zu organisieren. Nur sie ist in der Lage, die Erwirkung günstiger Bedingungen für die Ansiedler bei den Behörden mit dem gehörigen Nachdruck zu betreiben. Die Notwendigkeit eines derartigen Finanzinstitutes und die Bedeutung der Idee des Zusammenwirkens aller verwandten Organisationen ist von unseren Glaubensgenossen voll gewürdigt worden. Schon heute haben sich zwei andere Körperschaften mit der A. I. K. O. zwecks Gründung der Erwerbsgesellschaft vereinigt. Die über erhebliche Mittel verfügende Landerwerbsgruppe von Bialystok hat nachstehende Resolution gefaßt: 1. Die Landerwerbsgruppe zu Bialyftok spricht ihre volle Z u - stimmung zu dem Grundgedanken des Exposes der A. I. K. O. aus, daß eine Vereinigung aller den Bodenerwerb im Orient an st redenden Körperschaften und Gruppen im Interesse einer gedeihlichen und beschleunigten Fortführung der jüdischen Kolonisation im Orient liegen würde und 2. erklärt sich demgemäß bereit, mit ihrem gesamten, ihr von ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellten Kapital von zwei Millionen Mark, event. auch mehr, sich an dem Erwerb und der Besiedelung passender Ländereien seitens der A. I. K. O. resp. der von ihr gegründeten Erwerbsgesellschaft zu beteiligen. Ebenso hat der Bodenerwerbs-Verein „A g u - d a t h Jisrael" in Jaffa der Leitung der A. I. K. O. nachstehende Erklärung zukommen lassen: „Der Verein Agudath Jisrael hält es für dringend geboten,den von derA. I. K. O. vertretenen Gedanken, daß sämtliche diejüdische Kolonisation im Orient auf wtrtschaftlicher Grundlage an st redenden Körperschaften sich zu einer einzigen, kapitalkräftigen Institution auf kommerzieller Basis zusa m m ens ch l ießen sollen, raschest ens zu verwirklichen." „Indem sich der Verein Agudath Jisrael mit seinem ganzen Kapital an der A. I. K. O. resp. der von ihr gegründeten Erwerbsgesellschaft beteiligt, fordert er alle verwandten Körperschaften auf, sich ebenfalls der A. I. K. O. anzuschließen, um das gemeinsame Werk auf gesicherter Grundlage und in größerem Maß st ab fortzuführen." Die Bedingungen der Beteiligung an > der Erwerbsgesellschaft werden H-nNstM veröffentlicht werden. Anfragen sind zu richten an das Bureau der A.J. K.O. Berlin W., Nollendorfplatz6. Berliner Brief* (®on unfern Korrespondenten.) I E. B. Aertirr, 25. Jan. I In dem geschilderten Zusammenhänge gewinnt I auch der von Ihnen in einem Punkte bereits ge-I würdigte Neujahrsartikel der „A. Z. d. I." seine! über die persönliche Geigersche Note hinausgehende I allgemeine und symptomatische Bedeutung. Nicht! nur der Teil der Ausführungen, die sich „un-I entwegt" zu den Reiseeindrücken des Herrn Dr.I Th. Lessing bekennt, sondern der ganze Artikel! ist von Anfang bis Ende eine Herausforderung» der öffentlichen Meinung, ist auf den Ton der!