Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1911)
- Date
- 1911-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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* l.i Jüdische Vereine, Gesellschaften und Gemeinden, welche Juden, die entweder sich oder ihre Angehörigen haben taufen lassen, in ihre Verwaltung ehrenamtlich aufnehmen oder besolden oder gar an die Spitze stellen, dürfen nicht in jüdische Verbände irgendwelcher Art ausgenommen werden, und Juden, die noch auf jüdische Ehre halten, müssen entweder solche schadhaften Elemente entfernen, oder selber aus diesen Vereinen, Gesellschaften und Gemeinden austreten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin hat die Gefahr der Demoralisation, die das Taufjudentum in seinen unvermeidlichen persönlichen Beziehungen zu jüdischen Familien unterhält, richtig erkannt, als er gleich in der ersten Nummer des neugegründeten Gemeindeblattes die Namen der aus dem Judentum ausgetretenen Personen auch nach Stand und Wohnung bekanntgegeben hat. Mit dieser überaus verdienstvollen Publikation hat er nicht nur seinen eigenen ablehnenden Standpunkt gegenüber den Täuflingen klipp und klar erklärt, sondern auch gleichzeitig dem jüdischen Publikum eine Information gegeben, die jeder honorig denkende Jude nur dankbar benutzen soll. Möchten doch auch andere Gemeinden in gleicher Weise gegen das moralzerfetzende Taufjudentum Vorgehen, und in jüdischen Zeitungen die gleichen Veröffentlichungen zum Prinzip erheben. Und dann würden jüdische Zeitungen, namentlich diejenigen, die in ltberaljüdischen Kreisen gelesen werden und von denen ein großer Teil bisher nicht seine Pflicht in diesem Kampf gegen das Renegatentum erfüllt hat, durch periodische Namensveröffentlichungen der jüdischen Renegaten aller deutschen Gemeinden am wirksamsten diese Krebskrankheit des modernen Judentums bekämpfen helfen. Wer in Ehrensachen Kompromisse eingeht, zumal in Ehrensachen, welche die ganze Judenheit berühren und exponieren, befindet sich (vielleicht nur unbewußt), auf dem sittlichen Abstieg. Das jüdische Keuegatentum ist die attergrößte Gefahr für die Gesamtj«de«heit. Mnr durch die energische Abwehr, und diese ist: Generatboykott auf der ganze» Linie, wird dieser schwere« Gefahr begegnet. Ein zweites gibt es nicht! Und nun steinigt mich! Dr. Arthur Kahn. Koch«mt«Kch<w. Von Ser jüdischen Umsfurcpresse in Palästina. Wir hatten oft Gelegenheit, an dieser Stelle auf das wüste Treiben eines Teiles der nationalhebräischen Presse hinzuweisen, dem das Thorajudentum als Zielscheibe für allerlei Anwürse dienen muß. Den ncm plus ultra in dieser Beziehung liefert indes ein in Jerusalem unter dem Namen T»ytfn tyisn erscheinendes sozialistischnationales Blättchen. In Nr. 3 des gen. Blattes zieht ein Herr Brenner in einem n'nSDa'i nwnya überschriebenen Artikel, so ftisch und frei gegen Juden und Judentum los, daß es sich schon verlohnt, an Hand dieser Meisterleistung zu demonstrieren, wie sich in diesen Kreisen kraffe Ignoranz mit unerhörter Arroganz zusammengetan haben, um Orgien zu feiern, die jeden Freund des heiligen Landes und der heiligen Sprache mit Entsetzen erfüllen müssen. „Die Philosophen Griechenlands, so hebt der gelehrte Artikelschreiber an, haben sich genau so gegen den Kultus ihrer Zeit aufgelehnt, wie es die Propheten Israels gegen den jüdischen Glauben, selbst in seiner feinsten monotheistischen Form, getan haben." Nun, wir erkennen diese Weisheit an ihrer Marke) sie stammt aus der Reformschule des Westens, wo man zuerst den lächerlichen Gegensatz zwischen prophetischem und rabbinischem Judentum zu konstruieren suchte und bietet mithin wiederum einen Beweis für die unverleugbare Geist- und Wesenverwandtschaft der östlichnationalen mit der westlichen Assimilationsreform. Man ist indessen im Osten einen Schritt weiter gegangen. Brenner und Konsorten begnügen sich nicht damit, nach Art ihrer westlichen Gesinnungsgenossen „das Judentum nach dem Grundsätze der Verinnerlichung im Sinne der Propheten zu umsormen und es vom Wüste der Talmudgesetze zu reinigen," nein, auch der ethischphilosophische Teil des Talmuds, vor dem man in den westlichen Reformkreisen noch einigen Respekt bewahrt hat und der auch gerade in letzterer Zeit die nichtjüdische Welt mächtig zu interessieren beginnt, auch dieser Teil findet keine Gnade in ihren Augen. Nach einer „kritischen"Beleuchtung einiger „Perlst" —'er nennt sie „D'a'JS" mit Gänsefüßchen — aus dem Meere des Talmuds kommt Brenner zu dem Schluffe: „Lassen wir die Wissenschaft der Theologie dem Klerus, dem jüdischen wie dem nichtjüdischen. Wir freien Juden haben mit dem Judentum nichts zu schaffen." Und nun weiter: „Für mich hat auch das Alte Testament den Wert, bei ihm allgemein beigemesfen wird, nicht. „Heilige Schrift". „Buch der Bücher", „ewiges Buch" nsw., alles Hypnose, von der ich niich längst, längst befreit habe. Biele profane Werke, die die letzteren Generationen hervorgcbrncht, stehen mir ungleich näher, scheinen mir bedeutsamer und tiefer. Will man aber der Bibel das zu gute halten, das; sie heilige Erinnerungen erweckt, und den jiidiscipm wie überhaupt den Menschengeist von vielen Geschlechtern konserviert, sv müssen wir biltigerweise diese Eigenschaft auch dem Neuen Testamene zusprechen, da mir mit allen theologischen Spitzfindigkeiten doch den Unterschied zivischen der Weltanschauung der jüdischen Propheten und de« Propheten von Nazareth nicht begründen werden. Und die Vermittlungslehre des Christentums? Wie sich mit dieser Legende absinden? Nun, darüber kann jeder in feiner Art, nach seiner GeisteSbeschasfenheit die Antwort geben. Line Gefahr für die nationale Fdee droht von unseren, Verhältnis zu der Lehre des Christentums keineswegs. Man kann wohl ein guter Jude fein, seinem Volke mit ganzem Herzen und ganzer Seele ergeben, und dennoch von der Legende des Christentums nicht zurückschrecken, sondern sv etwas wie religiösen Seelenschaner vor ihr empfinden nsw." Und das steht nicht in einem MissionSblatt, sondern in einem in heiliger Sprache im Lande der Väter erscheinenden sich jüdisch-national nennenden Blatte. Das jüdische Herz krampst sich nachgerade zusammen, angesichts solchen unerhörten religiösen Nihilismus, wie er unter der Sonne der nationalen Bewegung auf geweihtem Boden so gedeihen und cmporschießen konnte. Nun, das geht doch auch der anständigen hebräischen Presse zu weit. Man empsindet da diese rückhaltlose Sprache sehr kompromittierend, und man schickt sich sogar an, dem mißratenen jungen Bruderorgav eine Zurechtweisung znkommen zu lassen. Sehr richtig sagt der in einem rviDnpSKl nnn überschriebenen Artikel seines letzten Heftes: „Cs gibt G e f i tt n » it g s f Ie i h c i t und Sl e & e rt li m. (JTlD'iipBS) Begrifft, die weit anseinattderzuhalten jtuö. Man kennt wohl die chedererzvgcncu Sozialisten ans Littauen und Polen, die in London, New-4)ork und Bern ansgerechnet TiHMend ein Tanzvergnügen veranstalten, um die in der Nahe beteuden Glaubensgenossen zu provozieren. Wer dies Freiheit nennt, zeigt, daß er das Licht der Freiheit nie erblickt hat. Und diese Art bon Freiheit hat leider auch in Palästina ihre Heimstätte gesunden und zwar zu allererst i m H a n s c d e s bekannt e n Herrn Ben Feh,, da. Fst cs dock von jeher eine beliebte Art in dem vielnamigen Organe dieses Herrn „Der Messias." „Den Messias nennst du den Sohn des Verfalls?" „Gewiß, denn es ist gesagt, an jenem Tage w.-rde ich die fallende Davidshülle wieder aufrtchten. So sagte nämlich Rabbi Jochanan: In der Zeit, in welcher der Davidssproß erscheint, werden die Weisen spärlich und der Blick der anderen Leute wird durch Kummer und Gram getrübt sein, viele Leiden und schwere Verhängnisse werden sich überstürzen, während. die eine Heimsuchung fich eben vollzogen hat, folgt die zweite schleunigst nach." (Talmud, Sanhedrin 96 b.) Phönix gleich, der fich aus seiner eigenen Asche verjüMs^wtA äüs dem eigenen Ruin die jüdische Gesamtheit erblühen und ein einziger Kern, die D'Btfttfltt D’öSn werd.n berufen sein, die Sache Gottes zu retten. Denn es ist wieder ein Baum, der seine Aeste schützend über seine Treugebliebenen ausbreitet und fie ungefährdet die fallende Davidshülle überdauern läßt. rD KM CTI py- Sie ist ein Baum des Lebens! Fällt ihn, zerstückelt ihn, verbrennt ihn ihr habt ihm seine Lebenskraft nicht geraubt. Ein Sonnenstäubchen, daS irgend ein Lustzug auf jüdischen Boden weht, schlägt Wurzel, treibt Aeste, Blätter, Blüten und Früchte schöner als zuvor. Das ist die unverwüstliche Lebenskraft der Thora, auf welche fich unsere Zukunft gründet. So wird uns der 15. Schewat nicht nur der Regenerationstag der Bäume in der Natur, sondern auch zum Berjüngungsfeste all der Hoffnungen und Wünsche, die sich an unsere Zukunft knüpfen. Es gehört kein kleiner Mut, es gehört mehr als ein gewöhnliches Gottvertrauen dazu, um in allen, auch den traurigsten Erscheinungen des Lebens die göttliche Wattung zu erblicken, die alle Ausgeburten einer leichtlebigen Zeitrtchtung für ihre hohen Zwecke verwertet. Gott, sagt der Weiseste der Weisen, ist ein Meister, der alles zum Kreisen bringt, er hat Narren und Verbrecher in seinem Dienste. anair laitsn D'^aa iawi ba r^ina Der im starren Frost unbelebte Lebenssaft des Baumes hätte ein Opfer der ungünstigen Jahreszeit werden müffen, wenn nicht Derjenige wäre "^¥2 ffTWiT der bett kalten Schnee wie wärmende Wolle, den rauhen Reif wie wärmende Asche wirken läßt. Wenn Gott zur Erhaltung einer leblosen Pflanze solche wunderbaren Veranstaltungen trifft, so sollte daS Volk niemals mutlos verzweifeln, welches doch der Allvater seine „Lieblings- Pflanze" 'Jpfca "122 nennt. Rauhe Winter mutig zu überdauern, mit dem erhebenden Bewußtsein zu durchbauern, baß doch ein Frühling folgen müsse, das sollten wir am 15. Schewat von der willenlosen Pflanze lernen, wenn wir das Höchste, wenn wir unsere jüdischen Zukunftsideale erstreben. „Suchst du das Höchste, das Größte, die Pflanze kann es dich lehren. WaS fie willenlos ist, sei du es wollend — daS ist's!" Kleine» Feuilleton. ver „Scbatr." lstlir Erstaufführung des Pinfkifch.n Dramas in Deutschen Thcater in Berlin.) Cs sind eitttije Jahre tjcr, baf: Mar ■)( e i ul; a r i> t im Deuts ch en T h e a t e r das Drama von Salvm' A s d; „Gott der Rache" bühnensäyig im modernen Sinne gemacht hat. Das; ,vir Inden an der Aufführung dieses Stückes, in dem eine Thora,oUe neben der Unzucht einen Platz gefunden und das in einem Milieu spielt, das dem Leben der F„dengaffe fremd ist, nur wenig Freude haben tonnten, ist seinerzeit an dieser Steile gesagt worden. Nun ist e« wieder Reinhardt, der einen „ S ch a tz" aus der Iargonliteratur gehoben Hut nttd rhu der großen MiiltlirUH'lt vvrzusührcn für gut fand. „Ter Schatz" ist der Titel eines Drama aus dem jüdischen Ghettoleben vom bekannten Fargo,idichter David Pinski, das „am L ds. im Deuts ch e u T h e a \ c v zu sührung erlebt häft^ Das Stück spielt unter'rilsslscheu oder polnischen Faden in einer kleinstädtischen Geineinde: es gibt keinen Christen im ganzen >rreife. Chone, der arme alte Totengräber kommt ins Unglück, iveil sein einziger Sohn ein epileptischer Trottel, seine einzige Töchter ein putzsüchtiges, lebenslüsternes, mode närrfiches Ding ist. Als der blöde Fange auf dem Fndensriedhvf feil! Hündchen begrub, fand er in der ansgegrabcnc» Crde eine handvoll Goldstücke. Cr schenkt sic der schmeichelnden Schivester, die sich dafür den Staat einer Modedame kauft und durch ihr Prunken und Prahlen im Städtchen das grösste Aussehen erregt. Bald weis; alle Welt: der alte Totengräber habe Millionen gesunden, und nun stürmt inan ihm das Haus ein: es kommen Hei, acsve,'mittler, Wohlbätigkeitslmänen, Gemeindeväter und andere, die ihr Profitchen nrollen, Weil der Totengräber von dem, was er nicht bat, nichts heransrnckt,, nimmt Niail ihm fein Amt: zuletzt finden wir ihn nicht mehr :m Haufe, sondern vor der Haustür mitten unter den Gräbern des Friedhofs. Aber er ist mit feiner ansgesetzten Familie nicht allein zu nächtlicher Frist auf dem Friedhof. Tie gesamte Gemeinde, ‘\ k i i