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Der Israelit · 1911-02-09 · Heft 6 (9.2.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 6 (9.2.1911)
Date
1911-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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t»tx 8, Ife, 6 brecher beurteilen mögen und müssen, mit ihm zusammenzufitzen (nicht zusammen zu „fitzen") und ihn uns noch als sozial gleichwertig anzuerkennen, das brauchen, das dürfen wir nicht. Tun wir es dennoch, so degradieren wir uns selber oder lassen uns degradieren. So weit nun dürften wir uns doch sicher mit jedem charaktervollen Menschen in vollster Uebereinstimmung und bet sittlich normal denkenden Menschen auch nicht um Haaresbreite in irgend einer Meinungsverschiedenheit befinden. Und man sollte weiter meinen, daß das bisher Gesagte etwas so Selbstverständliches ist, daß es doch nicht erst gesagt und geschrieben zu werden braucht. Doch nur gemach! Wir werden sofort beweisen, daß die Lebenswirklichkeiten sich nicht immer mit den Wahrheiten des Lebens decken, und daß es nicht nur zweierlei, sondern sogar dreier- und mehrerlei Moral gibt, so widersinnig dies auch klingt. Und diese Zweierlei- und Dreierleimoral herrscht nicht etwa bei den Kannibalen, meinetwegen ans einer Insel im Süllen Ozean oder einem unzugänglichen Teil Afrikas. Diese Zweierlei- und Dreierleimoral finden wir in jüdischen Kreisen. Nicht etwa bet den von unseren westeuropäischen Juden so oft geschmähten und gering geschätzten „Juden des Ostens", sondern hier, in unserem eigenen deutschen Vaterland. Bei Juden, die in angesehener gesellschaftlicher Stellung leben und nach denen sich ein großer Teil jüdischer Kreise als vorbildlich so gerne selber einri ch tet. Und nun zum Beweise. Es braucht nicht wiederholt zu werden, es ist schon tausendmal gesagt und tausendmal bewiesen worden, daß jährlich Hunderte von Juden sich und ihre Kinder taufen lassen und daß die Geistlichkeit der beiden christlichen Kirchen diese Juden auf einen neuen Glauben einschwört. Diesen Etnführungsschwur lassen die christlichen Geistlichen an dem für ihre Religion potenziertesten Ort ihres Glaubens, in der Kirche, schwören. Da selbst auf den Synoden, nicht einmal, sondern sogar schon oft von gewissenhaften Geistlichen mit vollster Ueberzeugung ausgesprochen wurde, daß kaum ein Prozent aller zum Christentum übertretenden Juden, von der Heilswahrheit des neu angenommenen d. h. christlichen Glaubens überzeugt und durchdrungen sei, so müssen doch die Geistlichen, die den Taufakt an Juden vornehmen, wissen, daß sie einen Falscheid entgegennehmen. Einen Falscheid, geschworen von einem Juden, der den neuen Glauben sicherlich im Innersten seines Herzens haßt und ver- « Der Neujabmag der Bäume. Cö3W3 iwr mwarr) Der fünfzehnte Schewat ist nach unserer Ueberlteferung das Neujahrsfest für die Bäume, an dem fie wieder neue Kraft aus der Erde saugen. Als Israel noch aus seinem Boden weilte, hatte dieser Umstand seine praktische Bedeutung in bezug auf die Berzehntuna der Baumfrüchte. Seitdem aber Israel seine nationale Selbständigkeit eingeöützt, hat auch jene Bestimmung ihre ursprüngliche Bedeutung mit einer jenem Verlust entsprechenden, ideellen, vertauscht. Wenn JiSrael, seitdem es seine Mission als Frühlingsherold der ganzen Menschheit angetreten, nie an den endlichen Erfolg seiner Sendung gezweifelt, wenn es ungeachtet aller Starrheit und Kälte, die man ihm entgegenbrachte, doch an dem endlichen Stege seiner guten Sache unerschütterlich fefthielt, so war eS nur der Geist, der unserer schlichten Kalendernottz innewohnt. Er lehrte das jüdische Volk, wie mitten im tiefsten Winter, mitten in der Äbgestorvmhett der Natur, wo prDÖ pip IBIpn 311, die hä teste IC jJÜWHUii ’• * wünscht, wie er den alten Glauben haßt und verachtet. Und dieser Falscheid wird am Altar, dem heiligsten und erhabensten Ort irgend eines Glaubens geschworen und von den Geistlichen abgenommen!! Mit dieser Festlegung, die übrigens weder neu noch unbekannt ist, schließt für uns die kirchliche Seite der Judentaufe ab, und es ist nicht unsere Sache, weitere Betrachtungen hieran zu knüpfen. Es finden ja jährlich Synoden statt, und da bleibt es Sache der christlichen Geistlichen, von denen ja schon längst ein beträchtlicher Teil den Wunsch ausgesprochen, daß „man nun endlich die Türen schließen müsse", sich mit den Meineidsjuden, von denen sie sich so gerne belügen und betrügen lassen, weiter abzufinden. Hier erörtern wir nur, was uns selber angeht. Man sollte nun glauben, daß nachdem schon alle anständigen Christen und auch die wahrhaft frommgläubigen, ihre Verachtung für den jüdischen Renegaten in allen Tonarten ausgedrückt haben, daß sich die Juden schämen würden, auch nur den allerentferntesten Verkehr mit dem Taufjuden zu pflegen. Man sollte glauben, daß, wie in den „schmutzigen, unkultivierten und fanatischen" Kreisen der polnischen, russischen und galizischenJuden, der Renegat ein Gegenstand unsäglicher Verachtung ist, er bei dem „zivilisierten" Juden Westeuropas außerhalb allen Verkehrs, sei er geschäftlicher oder sozialer Natur, gestellt sei. Man sollte glauben, daß ein getaufter Arzt, Künstler, Gelehrter oder Kaufmann bei keinem Juden ein Asyl und Willkommen zu erhoffen habe; denn ihrer aller Moral ist doch gleich wurmstichig, unbeschadet ihres äußerlichen Bil° dunes- und Wissensgrades! Man sollte denken, jeder charaktervolle Jude würde es mit Entrüstung zurückweisen, mit solchen Verrätern und Meineidigen in welcher Art und bei welcher Gelegenheit immer, in Berührung zu kommen. Man sollte ferner glauben, daß man von denselben Renegaten, die uns in den Rücken fallen, den uns unfteundlich und judenfeindlich gesinnten Kreisen nur noch schärfere Waffen gegen uns reichen, uns und unsere Religion öffentlich disqualifiziert haben, nie und nimmer auch nur einen Pfennig annehmen würde, um jüdische Ziele zu erreichen, weil das eine Sanktion der Unmoral ist. Und was müssen wir wahrnehmen? Die getauften Juden verkehren nach wie vor mit denselben jüdischen Kreisen als sei nicht das mindeste vorgefallen! Getaufte Kinder sitzen mit (leider!) Juden gebliebenen Eltern an einem Tisch, leben zusammen unter einem Dach! Und an oer Börse, im Büro, im Kasino, im Kupee, im Kaffee, auf den Bällen, in den Ver- Wtnterhälfte uns noch bevorsteht, wie da jeder menschlichen Berechnung zum Trotze die ersten leisen Regungen des einstigen Frühling unbemerkt uid unbeirrt in den JittS'KS mw.1 WK1 zu Tage treten. Die stegreiche Kraft des Frühlings spottet d r rauhen Macht des Winters. Da wo diese Herrschaft ihre volle Macht entfaltet, njjpn ’ÖW 311 1X21 b'XII regt sich der erste, winzige Keim, der die Blütenpracht des erwachenden Frühlings in fich trägt. So greift Gott auch in die Geschicke der Menschheit ein, wenn er mit seinem Frühlings hauche den Etspanzer sprengen will, welcher die höchsten Güter der Menschheit der Erstarrung zuzuführen droht; N1W1 fv 3181 '3 denn ein Bild des Menschen ist der Baum des Feldes. Einzelne in die traurigste Ungunst der Zeiten hingestreute Gaatkörne waren es, welche zu jeder Zeit die Sache Gottes in der wahnvorsunkenen Menschheit gerettet hüben. Solche Sattkerne in Gottes wuchtiger Ha d waren für da8 jüdische Volk seine drei Ahnväter, waren Moscheh, Pinchas, Elijahu. Es waren in nachexilischer Zeit Rabbi Jebuda Hannast und viele andere. Sie alle stteut der große Säemann gerade da in den dunklen Schoß der Zeit, wenn fie ihrer Auflösung nahe, nach menschlicher Berechnung unrettbar dem Untergang verfallen schien. Wo Aberglaube, Willkür, Lasterhaftigkeit und Unwissenheit gepaart mit sozialem Unglück ihren Höhepunkt erreicht hatten, da trieben diese unscheinbare Körnlein ihren ersten Keim und sicherten so die Zukunft der Menschheit. Und diese Zukunft selber, an deren Verwirklichung alle ihres Berufes bewußten Geister sehnsüchtig arbeiteten und arbeiten, dieses Ideal der jüdischen Zukunft, nennt das Prophetmwort (Secharja 6, 12) eine Pflarze; piölt IfcW- Eine Pflanze, die, nachdem fie mit nimmer raften- '~ * ' einen, bet Goldberger und Silbermarms, fitzen getaufte und ungetanste und noch nicht getaufte Juden fttedlich und gemütlich beisammen und taktvoll (beileibe nicht charaktervoll) vermeiden die Cohns, Lewis und Israels, an die heikle „Affäre" zu stoßen. Religion ist ja Privatsache!! Und was ist Ehre?? Auch Privatsache! Trotzdem in unzähligen Artikeln in hunderten von nichtjüdischen Zeitungen aus der Feder hochgeachteter Christen — und nicht nur sturmbereiter Antisemiten den Juden das Stigma der moralischen Minderwertigkeit, eben deswegen, aufgedrückt worden ist, bleibt es beim alten. Keiner hat den Mut, den Renegiten von sich zu weisen, ihm den Stuhl vor die Türe zu stellen. Allerdings sind Mut und Charakter schwer und nur in Ausnahmefällen trennbar. So geschieht denn den Juden Recht, wenn sich bei den Ntchtjuden die Verachtung zu der Abneigung hinzugesellt und beide sich immer mehr vertiefen. Wer kann denn vor einer Menschengattung Achtung haben, die sich selber verachtet und so wenig auf Selbstwürde und Ehre hält? Und warum suchen neunzig Prozent aller Taufjuden nicht ihre neuen „Glaubensgenossen" auf? Weil diese gesund empfinden, gesünder als Ihr jüdischen Herbergsväter der Gesinnungslosenweil sie klarer blicken und keine Gemeinschaft mit Verrätern und Falfchschwörern haben wollen. Resümieren wir! Die Geringschätzung der Christen gegen den Taufjuden entspringt einem gesunden moralischen Empfinden, um das sie alle jüdischen Freunde der Taufjuden nur beneiden können. Die Taufe macht keinen Juden dem vornehm denkenden Christen sympathischer. Oder ist nicht der „Fall" des getauften Juden Professor Bernhardt in Berlin ein eklatantes Beispiel? Selbst sein „Pistolenduell" hat hieran nichts geändert. Solange die Juden den Judentäusiingen nicht jeglichen persönlichen Umgang versagen, bleibt mit vollem Recht an ihnen selbst der Vorwurf der Charakterlosigkeit haften und sie haben keinerlei moralisches Recht, mit denjenigen Juden, die die jüdischen Renegaten meiden, auf eine gleiche sittliche Stufe gestellt zu werden. Solange der Taufjude noch in einem jüdischen Hause und Kreise als moralisch gleichwertig und überhaupt verkehren darf, degradieren sich die Gastgeber selber und verdienen die gleiche moralische Einschätzung mit ihren getauften Gästen._ der Triebkraft die Strenge des Winters überdauert, die auf ihr lastende Scholle durchdringt und sich trotz der feindlich anstürmenden Zeit zum Lichte emporgearbettet, dort sich entfaltet und so Gemeingut der ganzen Menschheil wird, — das ist der messtanischen Zukunft schönstes Bild. Sie wird gedeihen, diese Pflanze, fie wird die Ungunst der Zetten überdauern, ja sie wird gekrästigt daraus hervorgehen. Fürchten wir den Umstand nicht, daß 211?1N3ö s"12 .ISlpflr daß die größte Gefahr diesem Sprößling noch bevocsteht. naX' 1'hnfil>T*i8sWl-HÖSC einer Pflanze gleicht die jüdische Zukünft-^wekche die Bürgschaft ihrer glücklichen Entwicklung in fich trägt. Wenn Tausende, wenn Huaderttausende fich von ihr lo*- sagten, fie wird hierdurch nicht nur nicht erschüttert, ste wird vielmehr durch solchen Abfall um so reiner und sicherer ihrer Entfaltung entgegenschen. Einen Sohn des Abfalls 13 nennt ein Wort unserer Weisen denjenigen, an welchen sich diese Zukunft knüpft. nö’x pS pw 'ö pnr1 'iS pm 31 m iöx rrS iök '"'Sa: 13 'kö rrS iöx?v?aa13 mx 'Kö ,tS iök m’S i'ip 'Sa: 13 n'W» -rrwö nSaun 111 isid nx D'px Kinn ara 3'nai 13 83 '111 pw m pnv '31 iöx '3i rrS iök mSa nnw ikw.it prsvöiv D'öan 'i'öSn mwinno mwp nnwt mai nnan nrtixi pra •xaS rn.iöö .t'jw rrnpa rwwmnw ir Rabbi Nach man fragte Rabbi Jt'zchak: „Hast du je gehört, wann ,der Sohn des Verfalls' kommt?" „Wer ist der Sohn des Verfalls?"

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