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Der Israelit · 1911-02-02 · Heft 5 (2.2.1911) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 5 (2.2.1911)
Date
1911-02-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Crzid?ang and E*cL Pftdqgogtvcl?« Rail Das Ulirkett des gesetzestreuen Lehrers ln neologen Gemeinden in und außerhalb der Schule. Bon Lehrer Mcyberg, Oldenburg. (Fortsetzung.) Wenn wir nun auch die Eltern dafür gewonnen haben, daß sie dem Religionsunterricht, den hebräischen Teil inbegriffen, keine Schwierigkeiten in den Weg legen, so haben wir eigentlich nur wenig erreicht, auch dann, wenn unsere sämtlichen Schüler dem Religionsunterricht genügendes Jntereffe entgegenbringen, so daß wir bezüglich der religiösen Kenntnisse, zufrieden sein können, was in solchen Gemeinden leider auch nur selten der Fall ist. Das Judentum ist ja eine Religion des Lebens und der Tat, und Praktisches Neben ist wichtiger als alle Theorie, nach dem Grundsätze unserer Weisen s. A. nwyvn ’ip'y «men «*?. Jude sein bedeutet doch etwas mehr als der Besitz einiger Kenntniffe über unsere geschichtliche Vergangenheit und etwas Hebräisch. Was nützt die Begeisterung für die großen jüdischen Geisteshelden, was nützt selbst ein geläufiges Uebersetzen des Gebetbuchs und des Pentateuchs, oder sogar die Kenntnis der jüdisch-religiösen Pflichten, wenn die lebendige Anschauung im Elternhaus fehlt, wenn das Kind dort nicht zur praktischen Verwertung des in der Schule Erlernten gelangt? Hier muß die Kunst des Lehrers einsetzen. Zunächst, was den Unterricht selbst anlangt. Es ist bekannt, daß die Kinder neologer Eltern im hebräischen Lesen in der Regel Stümper bleiben, denn, da sie nicht zu Hause beten, so fehlt ihnen die tägliche Uebung. Ein geläufiges Lesen ist aber unerläßlich für die Beteiligung am Gottesdienst. Ich verwende daher auf diese Schüler besondere Sorgfalt und nehme sie im Lesen öfter daran als die übrigen. Ich stelle auch von allem Anfang an das hebräische Lesen weniger in den Dienst des Uebersetzens, als in den des Gebets und des Gottesdienstes, des häuslichen sowohl, als des öffentlichen. So lernen die Kinder der Reihe nach alle Gebete, die beim Mincha-Gottesdienst verrichtet werden, dann die von a'nyö und hierauf die der sämtlichen Gebetszeiten. Am n"i lasse ich rOy* und am Chanucka und Purim v'O2N ^y, an einem Fasttage ujy lesen. Nach Schluß der Unterrichtsstunden am Nachmittag lasse ich gemeinsam das Minchagebet verrichten, wobei ein Schüler vorbetet, selbstverständlich unter Beobachtung des p°1. Ebenso verfahre ich am Sonntag Morgen bei den älteren Schülern. Man glaube nur nicht, daß die Schüler durch den bloßen Unterricht im Stande find dem Gottesdienst zu folgen; die praktische Betätigung ist auch hier von viel größerem Wert als die Theorie. Da, wo in der Synagoge die Kinder getrennt von den Eltern in bestimmten Bänken beisammen stehen, wird ein älterer Schüler damit beauftragt, seine jüngeren Kameraden h< unauffälliger Weise zu belehren, daß sie dem Gottesdienste folgen können und sich im Geberbuch zurecht finden. Da sich die Schüler überall da, wo keine jüdische Volksschule vorhanden ist, an dem sabbatltchen Hauptgottesdienst nicht beteiligen können, so hat man als Notbehelf zur Einrichtung des Jugendgottesdienstes gegriffen. Wenn man ihn weihevoll zu gestalten weiß, so wird er von den Kindern gern besucht und nirgends als eine Last empfunden. Auch in unserer Gemeinde, wo der Jugendgottcsdienst als ein Teil des obligatoriichen Religionsunterr-chts gilt, erscheinen die Kinder gern und die Aemter, die die Knaben beim Aufrufen, beim Aus- und Einheben u. dgl. unter sich verteilen, werden als eine besondere Ehre angesehen und mit freudigem Ernst verwaltet. Die Kinder betrachten diesen Gottesdienst, der durch den Gesang verschönert wird und ihnen auch eine Predigt bietet, als ihr ureigenstes Gebiet, und sie lermn sich dabei als eine Gemeinde im kleinen, als einen Teil der jüdischen Gesamtheit fühlen. Zur Unterstützung des genannten, aber auch zur Verschönerung und Hebung des festtäglichen Hauptgottesdienstes empfiehlt sich die Errichtung eines zweistimmigen Knabenchors, der sich auch in kleinenGemeinden und unter be sch ei denen Verhältniffen ermöglichen läßt. Die Pflege des Gesangs erscheint mir überhaupt als ein treffliches Mittel, die Herzen der Kinder zu gewinnen, und es war ein glücklicher Gedanke, die vom Freitagabend dem Schul-Siddur einzuverleiben. Sie zeigen dem Kinde, daß sich der Jude die Freude am Leben, die sich ja im Gesang kundgibt, nicht rauben läßt. Des Lehrers Aufgabe wird es sein, vermittels dieser Sabbatgesänge das Kinderherz mit der Sehnsucht nach einem echt jüdischen Familienleben zu erfüllen, und in ihm den Wunsch rege werden zu lassen, auch einmal an einem von wahrer Poesie umflossenen Freitagabend, wie er nur in der echt jüdischen Familie zu finden ist, teilzunehmen. Wie sich das ermöglichen läßt, darüber später. Es ist selbstverständlich, daß man in der Schule selbst keine G legenheit versäumen darf, um die Segenssprüche, deren Kenntnis ja schon sehr früh vermittelt wird, auch praktisch zur Anwendung zu bringen. Ich denke hier an die über Blitz, Donner, Regenbogen u.s.w., aber auch an manche pjnjfl So lasse es sich der Lehrer nicht entgehen, seinen Kleinsten die ersten Kirschen zu reichen, um über sie wnnw zu machen, und am *wy nttfön, wenn er nach 1 guter alt jüdischer Sitte seine Schüler mit Lebj kuchen oder Pfeffernüssen erfreut, laffe er sie vor | dem Genuß der erhaltenen Gaben den entj sprechenden Segensspruch verrichten, desgleichen, J wenn die Kinder auf einer Holekrasch mit Obst ] u. dgl. beschenkt werden. Wo diese Gebräuche i nicht mehr bestehen, führe sie der Lehrer wieder j neu ein. Sie wecken bei der Jugend die Freude? am und die Liebe zum Judentum. Wir wollen doch vor allem das Herz des Kindes für seine Religion gewinnen und das können wir nur, wenn wir ihm zeigen, daß sie ein wirklicher Lebensbaum und geeignet ist, eine Freudenfülle J über ihre Bekenner auszugießen. Hierher gehört auch die Ausgestaltung des Chanuka-Festes. Ueber das unjüdische Gebühren neologer Familien, die in Nachäffung christlicher Sitten für ihre Kinder einen Weihnachtsbaum schmücken, ist schon viel geschrieben und geklagt worden. Es wird uns nur dann gelingen, ihn j aus den jüdischen Häusern zu verbannen, wenn wir das Chanucka-Fest so ausgestalten, daß wir j den Kindern jener Kreise durch die Chanuckak Feier einen vollen Ersatz für die oft mit 1 Neid beobachtete Weihnachtsfeier ihrer christlichen J Kameraden bieten Indem wir das tun, be- J wegen wir uns auf echtjüdischem Boden. Was j hindert uns denn, unsere Kinder an Chanucka reichlich zu beschenken? Und warum soll der k Chanucka-Leuchter an Weihe dem Weihnachtsbaum | nachstehen, vorausgesetzt, daß einer in jeder j Familie vorhanden ist und benutzt wird? Vielleicht findet in dieser Beziehung das Beispiel unserer Gemeinde Nachahmung. Wir verschenken nämlich l Chanuka Leuchter, die wir selbst anfertigen lassen, > an Knaben unserer Religionsschule als Prämien ) für Fleiß und gutes Betragen. Ebenso empfehlenswert ist die Veranstaltung eines Kinderfestes an ' Chanucka, an dem sich ja gewöhnlich die ganze Gemeinde beteiligt. Wer je einem solchen Chanucka-Vergnügen betgewohnt hat, wird erfahren haben, daß die Kinder noch lange an dem ihnen bereiteten Genuß zehrten, und auch die Eltern werden dadurch der jüdischen Sckule näherqerückt. Es liegt in der Hand des Lehrers, das Fest so zu gestalten, daß neben dem Vergnügen auch die religiöse Erbauung nicht fehle und der Charakter eines jüdisch-religiösen Festes stets gewahrt bleibe. Eine ähnliche Veranlassung, praktischen Religionsunterricht zu erteilen, bietet auch der Bau uud die Ausschmückung der Suckoh. Die Kinder —, beteiligen sich gerne daran und wenn sie gar, wie es ein mir bekannter Kollege stets geübt, am ö"mn in der Suckoh mit Kuchen und Schokolade regaliert werden, so werden sie dieser mSD — ich meine die Errichtung der Suckoh — allen Geschmack abgewinnen. Man unterschätze diese Dinge nicht. Es gilt ja Leben ...i, . .« «Mi -fle .. '< t?

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