Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1911)
- Date
- 1911-02-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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2. Februar Itil den Juden 13,606 (2,97°/° der gesammten Sterbefälle). Somit hätten die Juden auch hier die geringste Sterbeziffer aufzuweisen. KrrtzLrrrrv. Das Sonnfagsruhegefefc Setersvur-, 24. Januar. Die Hoffnungen, die man hinsichtlich des für dieJuden so verhängnisvollen Sonntagsruhegesetzes auf die Regierung setzt, werden immer schwächer, je näher die Stunde der letzten Entscheidung heranrückt. Der in letzerer Zeit gewiß nicht ohne guten Grund sehr pessimistisch gestimmte Abgeordnete Nisselowitsch äußerte dem Vertreter des „Raffwjet" gegenüber, daß es durchaus unwahrscheinlich sei, daß der Staatsrat an dem von der Duma angenommenen Sonntagsruhegesetz irgendwelche Aenderung vornehmen werde, die den Bedürfnissen und Wünschen der jüdischen Bevölkerung entsprächen. Wenn man das Verhalten der Geistlichkeit in dieser Frage in Betracht zieht, müsse man zur Ueberzeugung gelangen, daß diesmal Staatsrat und Regierung der Duma nachgehen werden. Die jüdische öffentliche Meinung müßte aber dessenungeachtet darauf bedacht sein, unsere diesbezüglichen Wünsche und Bedürfnisse so oft und so nachdrücklich als möglich zum Ausdrück zu bringen, um die Regierung, die Abgeordneten, die Presse und die Gesellschaft über die Sachlage aufzuklären. Dis dürfte für die Zukunft von Bedeutung sein. Ulriästina. Ierrrsatem, 12. Jan. Nachdem die Not infolge des Regenmangels aufs höchste gestiegen war, ging endlich Freitag den 13. und Samstag den 14. d. M. ein ausgiebiger Regen nieder, der die Zisternen wieder füllte und der unerträglichen Trinkwassernot ein Ende machte. Der Preis für Wasser hatte bereits eine für die ärmeren Bevölkerungskreise unerschwingliche Höhe erreicht, und auch sonstige Lebensmittel waren infolge des Regenmangels immer teurer geworden. Für die Landwirtschaft bedeutet der jüngste Regen ebenfalls eine Erlösung, da der Ackerboden im ganzen Lande vollständig verdorrt war und man für die nächste Ernte die schlimmsten Folgen befürchtet hatte. velmkcdtez. Hamburg, 9. Januar. Das Altenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde konnte am Sonntag die Feier seines 25jährigen Besteh ms begehen. Der Plan zur Errichtung einer Atters-Bersorgunzsanstalt in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ging bereits von dem tm Jahre 1842 verstorbenen, durch feine dielen Vermächtnisse rüümltchst bekannten Jsaac Hartwig aus, der zu diesem Zweck ein Legat von 25 000 Rubel bestimmte, tas tm .Jahre 1844 in die Verwaltung des Gemetndevorstandes überging .und durch die ausgesammelten Zinsen zu einem namhaften Kapital anwuchs. Die Erbauung des Altenhauses ward erst durch eine großartige tm Jahre 1863 erfolgte Schenkung des verstorbenen Herrn Ephraim E d w a r d i, des Ehrenpräsidenten der Anstalt, ermöglicht. Nachdem von Senat und Bürgerschaft dann der nötige Bauplatz bewilligt, wurde die Anstalt im Jahre 1666 mit 9 Personen eröffnet. Aus Anlaß des Jubiläums fand am Sonntag Morgen im Sitzungssaal des Instituts eine interne Feier statt, die den '1 orstand und die EHrendamen, den Oekonomen ued die Jnfaffen tm Kons.renzsaal vereinigte. Ter Borfitzende der Verwaltung, Herr Alfred L e o h, gab seiner Freude im Namen des Gemeindevorstandes darüber Ausdruck, daß es den Insassen ö.s HauftS, von denen -er älteste tm 86. Lebensjahre und der jüngste im 63. steht, vergönnt sei, den heutigen Tag in voller geistiger und lölperttcher Frische zu erleben. Der Redner gav dann einen kurzen Uebee blick über die Entstehung und Entwicklung der Anstalt und hob besonders hervor, daß fich noch ein Jnsaffe in der Anstalt befinde, der x.letchzetttg mit der Anstalt sein 25jähliges Jubiläum feiern könne. Der Borsttzende gedachte dann der verstorbenen Grünoer und Wohltäter der Anstalt, betonend, daß nicht nur das Haus, sondern auch das Vorstandsmitglied Herr Ernst Lieber mann, und die Ehrendamen Frau E. I Michael uud Frl. Henny Dettelzwetg auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken könnten. Ihnen allen gebühre ter Dank deS Gemetndevorstandes für ihre 25jährige aufopfernde Wirksamkeit im Dienste der Wohltätigkeit. Aber in erster Linie gebühre der spezielle Dank der Verwaltung, dem ärztlichen Berater des Instituts, Herrn Oberarzt Dr. Ko rach, der Der Sfixoem seit 25 Jahren in uneigennützigster Wetse seine ärztliche Kunst dem Institut in ehrenamtlicher Tätigkeit zur Verfügung gestellt habe. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit des Vorstandes überreichte Herr Levy dem verdienten Arzt tm Namen des Gemetndevorstandes einen Portugalöser, während der Vorstand seinem Kollegen, Herrn Ernst Ltebermann, eine kunstvoll ausgeführte Glückwunschakn e je in geprägter Ledermappe, und den Ehrend men Frau Michael und Frl. Dettelzweig eine kunstvolle Biumenvase mit entsprechendem sttbernen Widmungsschild überreichte. Die Gefeierten dankten.mil einigen Worten für d.e ihnen zuteil gewordenen Ehrungen. Auch dem Oekonomen des H iufes, Herrn S. Leibow i tz, der ebenfalls auf eine 25jährtge ununterbrochene Tätigkeit zurückbltckcn kann, wurde vom Borstande ein kostbares Ehrengeschenk zuteil. Am Mtttau fand im Speisesaal ein Festeffen des Vorstandes in Gemeinschaft mit den Ehrendam n, dem ärztlichen Berater und den Insassen des Hauses statt, wobei ein Pflegling den Dank der Insassen an den Borstand und die Eyrendamen zum Ausdruck brachte. M. Darmftadt, 24. Januar. In dem benachbarten Münster wurde nachts in die Synagoge etngebrochen und der Opferstock geraubt. Als der Tat verdächtig wurde ein Händler verhaftet, der sich auf der Durchreise befand. ttiel, 25. Jan. Bei den Rettungsarbeiten an dem gesunkenen und jetzt wieder geborgenen Unterseeboot hat sich auch ein Jude namens Heske, Matrose des Kreuzers „Augsburg", rühmend hervorgeran. Derselbe hat sich als freiwilliger Taucher dreimal in die eiskalten Fluten hinabbegeben, um die Stahltrossen unter das verunglückte Boot zu bringen, die fich beim Herausz'ehen desselben leider als zu schwach erwiesen. Der Matrose dient als Freiwilliger und zwar erst seit dem 1. Jutt 1910. Gnesen, 26. Jan. Die Zahl der jüdischen Bürger Gnesens hat sich fett der Volkszählung vor fünf Jahren verringert. Die jüdische Schale, an der vor wenigen Jahren noch drei Lehrkräfte tätig wacen, wird gegenwärtig nur von einem Lehrer v.rwaltet, der etwa 40 Schuikmder uaterrtchttt. Filehne, 2. I in. Nach der Volkszählung vom 1. v. Mts. zählt der Kreis F t l e h n e 33 641 Einwohner gegen 32 669 im Jahre 1905, sodaß die Zunahme 972 veträgt. Die Zahl der Juden ist von 427 ans 365 zurückgegangen, während ote Anzahl der Evangelischen von 20 947 auf 21207 und die der Katholiken von 11205 auf 12030 gestiegen ist. Flensburg, 2. Januar. Einen auffallend raschen Rückgang nimmt die Zahl d.r Juden dahier. Während 1850 hier noch über 600 Juden wohnten, find hier jetzt keine 100 mehr. Während bis 1866 die Juden nur an einzelnen Orten wohnen durften, find fie jetzt in jedem größeren Ort zu finden,' von hier aus find die Juden aber hauptsächlich nach Hamburg gezogen. Die Zeit liegt nicht mehr fern, wo die wenigen yiestgen jüdischen Familien nicht mehr imstande sein werden, für die hiesige Synagoge einen eigenen Kultusbeamten zu halten. Drohobher (Galizien), 30. Jan. Herrn A. H. Zupntk, Herausgeber der in Jargon erscheinenden „Drohobyczer Zeitung ' in Drohobcy, wurde für einen Leitartikel seines Blattes ein Tankschretbeu Sr. Käser!. Hoheit des Erzherzogs Rainer übermiitelt. Umi«$we$en. “ Frankfurt a. M>, 27. Jan. Ein Höhepunkt im diesjährigen Winterprogramm deS fibnS* und des Frauen-Bereins darf der Bortrag, den Herr Rabb. Dr. Kletn aus Nürnberg am Mittwoch, den 25. d. M. tm gutbesetzten alten Hörsaale der ReiigtonSgesellschaft hielt, genannt werden. Unter dem Titel „Jude ntum und. Weltkultur in Kampf und Frieden" entwickelte der Redner eine großangelegie, gedankentiefe Studie über das Verhältnis zwischen Weltkultur und Judentum, dabei Klarheit und Grund« lrchkett vereiiicnd. Die Annahme, daß das Judentum nur im Schallenwinkel deS Ghetto gedeihen könne, meinte der Reduer, sei fatsch und von der Geschichte vielfach widerlegt. Zweimal sei das Judentum in Berührung mit der Welrkultur gekommen, einmal mit der hellenischen, später mit der spanisch-arabischen. Gegen die entere mußte cs sich ablehnend verhalten, da die Zentralidee der griechischen Kultur: die Sinnlichkeit, vom Judentum a.s iremd und schädlich empfunden werden mußte. An der auf dem monotheistrschem Mohammedanismus basierenden arabischen Kulturarbeit nahmen hingegen die Juden regen Anteil, ohne Schaden an ihrem jüdischen Geiste davon zu nehmen. Die Kultur als solche, soweit darunter Schönheitssinn, Wiflenschast des Sollens (E.h k) usx., verstanden wird, könne keinen Gegensatz zum Judentum bilden, da Kultur in ihrem wetteren Sinne auch Religion einschlteße und der freien Entfaltung der menschttchen Kräfte schon auf den ersten Seiten unserer Thora da« Wort geredet werde. Das Judentum, das lür alle geistige Entwicklung dos Bewußtsein der Gottesdienerfchast als Maßstab nimmt, müsse natürlich sein Verhalten zur Zeitkuttur je nach Art und Btschaffenhcit derselben eimichlen. Das Judentum könne ur ter Um» ständen sogar oh Korrektur öcr Kultur gelten. Auf diese Voraussetzungen gegründet aber keineswegs aufBildungsftmdlichkett war auch der Kampf gegen die Ku'tur, «o. 5 Sette 9 unsere Lehrer bisweilen, von den Verhältnissen gezwungen, führen mußten. ES geht ntcht an, all die vom Redner mit scharfer Logik und tiefem historischen Verständnis entwickelten Gedankengän^e hier nur annähernd wiederzugeben. Doch hoffen wir, gelegentli h den ganzen Boetrag einem wetteren Leserkreise zugänglich machen zu können. Königsberg i. Pr., 25. Jan. Am 22. d. Mts fand in den Räumen der „Börse" ein WohltatlgkeitSfest zur Feier des 40jährigen Jubiläums des „HtlfsVereins für kranke russische Israeliten" statt. Welch segensreiche Wirksamkeit dieser Verein entfaltet, geht schon daraus hervor, daß der Verein im abgelaufenen Jahr ca. 26 000 SRI. ausgegeben hat. Die Beteiligung war darum auch eine außerordentlich große, besonders verdient machten fich die Damen und Heeren des Vorstandes. Der stimmungsvolle, auf die Bedeutung des Vereins und des Tages hinwetsende Prolog war von Frau Gertrud Marx gedichtet. Es wechselten musikalische und deklamatorische Vorträge. Keiner der Vortragenden kam ohne Zugabe davon. Ganz besonderen Beifall erntete Herr Leo H o l l a n t n aus Berlin durch die Wiedergabe seiner Jargonltder, die speziell in Königsberg immer wieder gern gehört werden. Den Schluß des offiziellen Teiles bildeten sorgfältig vorbereitete und geradezu glänzend vorgesührte russische Originalgesänze und Tanze. Das Fest hatte auch . ein köstliches Büffet, dem die Idee „Deutsch-russisches Gcenzleben" zugrunde gelegt war. Zum „Ueberschretten der Grenze der Wohltätigkeit" wurden gegen .^Gebühr" Paßkarten auSgegeben. Das Fest war von über 1500 Personen besucht und ist der Beretnskaffe eine recht erhebliche Summe zugefallen. Diese in allen Tetl.n wohlgelungene Veranstaltu ig dürfte dazu beitragm, das Interesse auch weiterer Kreise für die edlen Zwecke des Vereins zu wecken. Vorsitzender ist Herr Kommerzienrat George Marx. Posen, 19. Jan. Die tsrael. Krankenverpflegungs - und Beerdigungs-Ges «lisch oft (Eh wra Kadischah) beging daS traditionelle Jahr essest /üb,3) durch die üblichen Veranstaltungen. Etngeleitet wurden dieselben durch eine Seelenged.nkfeier, welche Sonntag, 15. Januar d. Js., nachmittags 4 Uhr, unter Leitung deS Herrn Rabb. Blum in der neuen Synagoge stattfand. Am darauffolgenden eigentlichen Festtage vereinigten fich abends die tätigen Mitglieder mit ehren Gästen sowie den Ehrendamen der Gesellschaft und den Vmstandsdamen des Vereins „Frauenhtlfe' zu einem Festeffen in den Säten des Hotel Frteürtchshof. Die Beteiligung der Gäste war diesmal erfteulicherweise eine besonders rege, und der Verlauf des Abends kann als rin in jeder Beziehung recht befriedigender bezeichnet werden. Der stellt» rtretende Borfitzenüe begrüßte die Erschienenen und erstattete Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft tm verflossenen Jahre und ih e finanzielle Lage. Ec gedachte ferner des im Berichtsjahre verstorbenen ersten Borstehers der Synagogen - Gemeinde, Samuel Schoenlank, indem er hervorh b, daß dieser jederzeit ein warmes Herz für die Bestrebungen der Gesellschaft, die eine Gemeinde innerhalb der Gesamtgemetnbe bilde, bekundet hat und erwähnte schließlich den Verlust zweier sehr verdienter langjähriger tätiger Mitglieder. Die Versammlung erhob fich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Sitzen. Sodann ergriff Herr R ebben r Blum das Wort, um das selbstlose, hingebungsvolle Wicken des Vereins tm Dienste der werkäiigen Nächstenliebe, zum Segen für die in Not und Elend geratenen und durch Krankheit leidenden Glaubeysbrüder in unserer Gemeinde zu würdigen. Es wechselten noch viele geistreiche Trtnkfprüche auf den Vorstand und die Repräientanten-Bersammlung der Synagogen-Gemeinde, den Auffichts.at und Vorstand der Gesellschaft u. a. m.m bunter Reihe ab, und nicht wenig trug auch ein für diesen Abend verfaßtes Ttschlied zur Würze der Tafel bet. Unter Leitung und Mitwirkung des Oberkantors L e i b o w t tz wrden noch emtge Quartette recht wirkungs- und stimmungsvoll zu Gehör gebracht. Personalien. Straffbura, 25. Jan. Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers W.lhelm erhielt Herr Rabbiner Bambergerin Sennheim den Roten Adler-Orden vierter Klaffe. Bä der hohen Wertschätzung, deren fich der Herr Rabbiner hie. erfreut, ist es begreiflich, daß die Freude ob dieser Auszeichnung hier eine allgemeine und aufrichtige ist. Fulda, 25. Jan. Herr Rentner Nathan Eschw e g e und seine Gemahlin Fanny, geb. Werth ,'tm, konnten heute in vortreffttchrr geistiger und körperlicher Rüstigkeit das Fest ihrer goldenen Hochzeit feiern. Dem Jubelpaare, das fich in der jüdischen Gemeinte wie bei der gesamten Bürgerschaft großer Beliebtheit erfteut, wurden an seinem 50jährtgen Hochzeitstage zahlreiche Glückwünsche zuteil. Here Provinztalrabbiner Dr. Ca h n überreiäte ihm nach einer herzlichen Ansprache -ie von Sr. Majestät gestiftete goldene Ehejubiläum<- medaitle. Herr Oberbürgermeister Dr. A n t o n i und e ne Abordnung des Stadtveror: netenkollegiumS, besten eifriges Mttalied Herr E chwege seit 13 Jahren ist (seit m hreeen Jahren gehört er auch dem Finanzausschuß an), br^ch.en ihre innigsten Wünsche dar. Die jüdische Gemeinde, in der Herr Eschw?ge als treuer Jehudi vereiestvoll wirkt, ließ cs cbrnfallS rächt an Beweisen he>z-