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Der Israelit · 1911-02-02 · Heft 5 (2.2.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 5 (2.2.1911)
Date
1911-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Brite 6. Nr. 5 D« KSvrettt. Heiligen Bestimmung angemeffenen Zustande erhalten und mit allem zum Gottesdienst Erforderlichen jederzeit versehen sei. Das Inventar 2st ihm anvertraut. Er hat über die pünktliche Befolgung der Synagogenordnung zu sorgen, über die Erfüllung der Pflichten der Vorsänger, Vorleser und Synagogendiener zu wachen und darauf zu achten, daß beim Gottesdienst die angemessene Ruhe und Ordnung gehalten werde, ohne aber selbst durch Handhabung der Ordnung Störung herbeizuführen. Störer der Ordnung muß er nach dem Gottesdienste ermahnen, und falls öftere Ermahnungen nichts genutzt haben, muß er deren Bestrafung veranlassen. Er hat ferner dafür zu sorgen, daß das Frauenbad in gutem vorschriftsmäßigen, zugleich sauberen und für die Badenden bequemen Zustande erhalten werde, daß durch gehörige Erwärmung für die Gesundheit der Badenden gesorgt und die Oertlichkeit des Bades eine solche sei, daß keine Rücksicht der Schamhaftigkeit und des Anstandes verletzt werde." Zu Badeaufseherinnen darf er nur .„verständige, reinliche, sittliche, verheiratete oder verheiratet gewesene, gewissenhafte Frauen" anstellen. Die Schächter hat er sowohl auf ihren pflichtgemäßen religiösen Lebenswandel als auch auf die pflichtgemäße religiöse Wahrnehmung -ihrer Schächterfunktionen zu überwachen. Er hat auch dafür zu sorgen, daß nur solchen Schlächtern in der Gemeinde religiöses Zutrauen geschenkt werde, welche es durch pflichtgemäßen Wandel und Sachkenntnis verdienen. Ebenso steht die Koscher- und Mazzohbäckerei und die dabei Angestellten unter Aufsicht des Synagogenvorstehers. Bor dem I. Mai und 1. November jeden Jahres hat er einen Bericht über den Stand seines Ressorts nach folgendem Schema dem Landrabbiner einzusenden: „Bericht des Shnagogcnvorstehers N. N. über das Halbjahr vom .... bis ... . I. Synagoge.- a) Zustand des (Gebäudes; b) des Inventariums. II. Gottesdienst: a) Regelmäßiges Hatten desselben: V Shnagogcnordnuug: c) Pflichterfüllung des Borbeters, Borlesers, Shnagogendieners: dj Religionsvorträge: e) verfügte Strafen; f) besondere Bemerkungen. III. Schächter, Schlächter, Bäcker, Bad, Beschneider, Gesetzesrollenschreiber." Dem Schulvorsteher ist die Verwaltung der 'Angelegenheiten der Schule und die spezielle Aufsicht über Schule, Lehrer und Schüler übertragen. Er hat darüber zu wachen, daß die Schulanstalt stets in gehöriger jhrem Zweck entsprechender Ordnung sei und Lehrer und Schüler stets ihre Pflicht erfüllen. Es heißt u. a. in der Instruktion: „Tie teuersten Güter des jüdischen Gemeinwesens, die Heranbildung des jüngeren Geschlechts zu wahr- „Unter den acht oder neun Romanen, die im letzten Jahrzehnt sogenannte Bombenerfolge gehabt haben, sind nicht weniger als vier jüdische/' Das ist in der Tat schrecklich. Warum schreiben aber Herr Bartels und seine Gesinnungsgenossen nicht auch Romane mit Bombenerfolgen? Weil sie keine Juden sind? Ta lohnte es sich ja beinahe es zu werden. Tas ist in der Tat die Stimmung, die Herr Professor Bartels durch seine Aufzählung der Fortschritte des Judentums beim Leser weckt. Sich selbst zu loben und seine Fortschritte vor aller Welt zu verkünden, steht Niemanden gut an, auch den Inden .Nicht. Wenn es aber ein ausgesprochener Feind der Juden vom Schlage des Herrn Bartels fiir sie tut, jo staben die Juden schon das Recht, diese Anerkennung zu registrieren und für diese Zensur dankend zu quittieren. Eine solche Anerkennung der Fortschritte des Judentums ans solchem Munde sind in hohem Grade geeignet, diese Fortschritte zu fördern. ..Dafür haben die Bekenner des Judentums alle Ursache dankbar zu sein. Ob cs auch die Christlich-Sozialen und ihre Gesinnungsgenossen haben, das ist eine andere Frage, die aber wir nicht zu beantworten haben. (Ein katholischer Bischof als Protektor -er Inden.) So eigentümlich es auch klingen mag, existiert in Ungarn dennoch ein katholischer Bischof, der als Beschützer 'und Protektor der Inden bezeichnet werden kann. Ueber diesen interessanten Fall wird dem „Magyaroßzäg" aus Gyiilafehervar geschrieben: Historischen Taten zufolge siedelten sich unter der Regierung Kaiser Josef II. im 18. Jahrhundert mehrere aus Spanien vertriebene Familien.in der Nähe der Gyulafch4rv6rer Festung an. Tie neuen Emigranhaft sittlich-religiösen Juden und tüchtigen, nützlichen Bürgern, sind den Händen des Schulvorstchers anvertrant. Möge er stets dies Hohe seines Amtes vor Angen haben, und dieses mit solchem heiligen Ernst n»d wahre,» Ciser verwalten, daß noch die späteste Nachkommenschait sein Andenken segnen werde." (Fortsetzung folgt.) und Machrichten. orrespondenzen Derrtsche« |UUI}» Ein Interview über das russische Sonntagsrutiegesek. Arankfurt a M., 20. Jan. Ein Mitarbeiter schreibt uns: Die Sonntagsruhe in Rußland und ihre Bedeutsamkeit für die dortige jüdische Bevölkerung, über welche der „Israelit" in Nr. 1 an leitender Stelle eingehend berichtete, hat mich vor einigen Wochen veranlaßt, mit einem hervorragenden russischen Diplomaten in Deutschland in Verbindung zu treten und ihn zu fragen, welche Stellung Duma und Regierung hierzu einnehmen. Der betreffende Diplomat ist ein sehr freisinniger Mann, der seine Sympathie für Juden und Judentum wiederholt durch die Tat bekundet hat. Er betonte mir zunächst, daß das was er mir darüber sagen könne, lediglich seine persönliche Ansicht sei, daß er über die Ansichten und Absichten sowohl der Duma als der Regierung keine direkte Jnforation habe und er daher auch in seiner Auffassung irren könne Er glaube jedoch, daß auch Personen, welche der Duma und der Regierung räumlich und sachlich um vieles näher stünden als er, mir nicht viel mehr sagen könnten. Die Duma ist einfach unberechenbar und auch die Regierung ist es, insofern sie auf die jeweiligen Strömungen der öffentlichen Meinung Rücksicht nehmen muß und davon stark beeinflußt wird. Die öffentliche Meinung ist in allen Staaten und Ländern veränderlichin Rußland Wechten wurden allem Anscheine nach nicht nur von den Ehristcn, sondern auch von den Juden als Eindringlinge betrachtet. Kaiser Josef, der dies wußte und den jüdischen Ansiedlern wohlwollend entgegenkam, stellte sie unter den Schutz des Gynlasehervörer Bischofs. Auf diese Weise wurde ein katholischer Bischof Protektor der Juden. Tas Protektorat erlosch zwar de iacto mit der Schaffung der 48er Gesetze, allein das gute Einvernehmen zwischen den Inden und dem jeweiligen Bischof bestand »veiler fort und besteht noch I: entc zwischen dein B i s ch o f Gras Ge v r g Bi a jlalle lind deii Spanioleil, die noch jetzt eine separate Gemeinde bilden. So liaben die spanischen Juden den Grafen Majläth anläßlich seiner Ernennililg korporativ als ihren Protektor begrüßt. Interessant ist, daß die Juden ailch bet der Wahl des Rabbiners diesen dein Bischof vorstellen. Auch zu den Festdiners wird der Rabbiner zugezogen und der Bischof trägt sogar Sorge dafür, daß dem Rabbiner koscher zubereitete Speisen vorgesetzt werden. Wenn die Tochter eines spanischen Juden heiratet, stellt der Bischof dein Brautpaar seine Prachttarrosse zur Berfügnng. Auch der mu Juni v. I. verstorbene Bischof Lönhart war ein Freund der Inden. Es wird erzählt, der greise Kirchensürst habe nicht nur die ältesten Mitglieder der spanischen jüdischen Gewcinde gekannt, sondern auch ihre Kinder und Enkel, die deru greisen Bischof schwärmerische Liebe und Verehrung entgegengebracht haben. . Zervi Bei? Amitai. (Ein neues Werk über die spaniolifchcn Juden.) Ter akademische Verein spaniolischer Juden in Wien „Esperanza" hat beschlossen, einen Alma nach in spaniolischer Sprache herauszugeben, in welchem eine übersichtliche Geschichte der Spaniolen in der ganzen Welt geboten werden soll. Sämtliche 2. Feöruar l2li. cfzu ru de R selt sie aber von Tag zu Tag in so sprunghafter Weife, daß man heute die Forderung des morgigen Tages nicht wissen kann. Diese Wandelbarkeit und Unberechenbarkeit muß selbstredend auch auf die Duma und die Negierung übergehen, insofern sie sich der öffentlichen Meinung anpaffen. Für beide gibt es allerdings eine Anzahl fester, unverrückbarer Punkte, die sie nicht pretsgeben. Zu diesen rechne ich z. B. das Rayon-Gesetz. Welche Stellung die Regierung dazu etnnimmt, ist mir nicht bekannt. Aber die Duma in ihrer heutigen Zusammensetzung wird es niemals annehmen, auch wenn noch eine stärkere Minorität dafür gewonnen wäre, als es heute der Fall ist. Die Erfüllung dieses Wunsches müssen die russischen Juden noch auf Jahrzehnte zurückstellen. Was die Sonntagsruhe betrifft so ist meine persönliche Ansicht, daß sie niemals in Rußland Gesetz wird. Sie werden vielleicht lachen, wenn ich Ihnen sage, aus welcher Quelle ich diese Ueberzeugung geschöpft habe. Ich war vor einigen Wochen, auf einige Tage in St. Petersburg und wollte mich bei einem Friseur rasieren lassen, fand aber alle Friseurgeschäfte geschlossen und mußte unverrichteter Sache nach Hause gehen. Am Nachmittag versuchte ich mein Glück zum zweitenmale und stieß sofort auf eine geöffnete Rasierftube. Da hörte ich nun zu meinem Erstaunen, daß alle Frtseurläden erst nachmittags geöffnet werden dürfen, um ihre Inhaber und alle Angestellten zu zwingen oder es ihnen doch zu ermöglichen, des Vormittags die Kirche zu besuchen. Mein Barbier war außer sich über den Eingriff in sein Geschäft und während er seinem Unmut so recht die Zügel schießen ließ, kamen noch einige andere Leute aus dem Volke, die ihm mit großer Erregung zustimmten. Als aber einer der Unzufriedenen die Bemerkung fallen ließ: „Und jetzt will man gar die Sonntagsruhe zum Gesetz erheben!" steigerte sich die Erregung zu einem elementaren Ausbruch des allgemeinen Unwillens, der mir zeigte, wie tief die Abneigung gegen eine solche Maßregel in allen Schichten des Volkes sitzt, das hier vertreten war. — Ich habe mich während meines Aufenthalts in Petersburg daraufhin noch in ähnlicher Weise informiert und habe dabei die Volksstimmung besser kennen gelernt als ich sie in sämtlichen ministeriellen Bureaus hätte erfahren können. Die Regierung mag bei uns noch sozialpolitischer werden als sie heute ist, und die Duma mag sie darin noch zu übertreffen suchen, aber deshalb wird die Regierung nicht zu einer Maßregel die Hand bieten, die wie kaum eine andere die Unhervorragenden Spaniolen sollen zur Mitarbeit an diesem Werke heraugezogeu werden. Tas Bach wird Abhandlungen über die folgenden Hauptthemen enthalten- Tie gegenwärtige Lage der Sephardim. Die Dezentralisierung der Sephardim. Das Problem des Jüdisch-Spanischen Idioms. Tie Spaniolisch-e Schrift. Tie Psychologie der sephardim und ihre Statistik. Tie Geschichte der Sephardim und ihre Historiker. Ihre Journalistik und ihre Literatur. Ihr Leben und ihre Sitten. Ihre Volksliteratur: Romanzen, Erzählungen, Rätsel, Sprichwörter re. Tie Organisation der Sephardim: Gemeinden, Schuten, Jeschitvoth und verschiedene Gesellschaften. Das geistige nnd religiöse Leben der Sephardim. Sephardim und Aschkenasim., Tie Zukunft der Scfardim und des Judentums. (Nichtrituelle Beköstigung.) Im „Berliner Tageblatt" ist folgende öffentliche Ausschreibung zu lesen: „An der R u d o l f M o s s e - S t i ft u n g zu Berlin-Wilmersdorf wird Ostern die Stelle des j ü d i s ch e n Lehrers und Erziehers frei. Gehall 4000 Mk. bei freier Station < n i ch t r i t u e l i e Beköstigung.) Schriftliche Meldungen geprüfter Lehrer mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften nimmt der Direktor T r. H e i n i tz entgegen." Warum es gerade ein jüdischer Lehrer sein muß, der an der — wie in Fettdruck angegeben wird — nichtri tuest geleiteten Rudolf Mosse- Stiftung wirken soll, ist nicht erfindlich. Offenbar ist die n i ch t r i t n c ((e Kost wie der jüdische Lehrer der Anstalt statutarisch gesichert. m Av de du hti ei» W H« be, bei tre de» bie wc raj der pr« he» W. me der zu. 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