Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-01-26 · Heft 4 (26.1.1911) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 4 (26.1.1911)
Date
1911-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448808--66245-2494397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

> L1 w iyj.. ■ Sff -M-! 26. Januar 1911 Der Jsrarltt. Nr. «. Sette 7 rach und 'teil kgojft" der rrmhen den des ldsdas Ufa «fl/ tiiß« eine purerer T« gets sselden eder «gehlen lusmen chen cohe riert arer den Yen, u lrhin ieser soll, für lusaelte zur ltervor flutend Verden dten Bei entieser rgen ichen als erer rden vähcden yerott. oahl lung die beraeaeeau, >rsitz gentrag des Gemeindevorstandes im Borwege geprüft und sich mit demselben einverstanden erklärt habe. Es handele sich zunächst einmal um die Schaffung verschiedener neuer infolge der Vergrößerung des Friedhofs notwendig gewordener Wege. Ein weiterer Teil der Summe sei für die notwendig gewordenen Gas- und Wafferanlagen sowie für die Aufstellung eines Gasmotors bestimmt. Es seien dies alles dringend anszuführende Arbeiten und bitte er deshalb um Bewilligung ohne Ueberweisung an eine Kommission. Nach längerer Debatte, an der sich die HerrenL ippmann, Kimmelstiel, Bachrach, Helft us w beteiligten, wurde die folgende Resolution Kimmelstiel angenommen. „Das Repräsentantenkollegium genehmigt den Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung von 23375 Mark (nebst 2400 M. Unterhaltungskosten) für die Vornahme von Baulichkeiten auf dem Friedhof in Ohlsdorf nach Maßgabe des vorgelegten Situationsplanes, jedoch nur unter der Bedingung, daß der Blumenpavillon nicht als Verkaufsstelle an der im vorgelegten Plan vorgesehenen Stelle errichtet werde." Sodann wurden verschiedene Wahlen vorgenommen und zu Mitgliedern der gemischten Kommission für Errichtung eines Gemeindehauses die Herren Alexander, Kimmelstiel und Mathiason bestimmt. Der satzungsgemäß aus dem Vorstand des Altenhauses ausscheidende Herr N. N. Meyer wurde wiedergewählt, ebenso das Vorstandsmitglied der Theresienstiftung zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten Herr Max Philip. Zum Mitglied der Besteuerungskom- Mtssion wurde Herr H. Fraustädter gew ählt. In der unmittelbar sich hieran anschließenden gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und Repräsentantenkollegiums wurde das turnusgemäß ^uDscheidende Mitglied dD, Gemeindevorstandes' Herr A. Lewarrdotv H ky einstimmig wiedergewählt. Karlsruhe, 18. Jan. Das heute erschienene Verordnungsblatt bringt die Liste der mit Wahlrecht zur Synode ausgestatteten Rabbinen, worunter wir den orthodoxen Rabbiner Dr.Unna in Mannheim wieder vermissen, obwohl schon die jüngste Synode über seine Entrechtung geklagt hat. .<■ Die Wahlen der weltlichen Abgeordneten werden im März stattfinden. Aresta«, 13. Januar. Die Debatte über die Anstellung jüdischer Lehrer, die schon am Ende des vorigen Jahres die Stadtverordneten- BersamMlung beschäftigt hatte, wiederholte sich mit einigen'Varianten in der gestrigen Sitzung. Die Vorlagewar damals an die Ausschüffe 1 und 3 verwiesen worden, und namens des Ausschuffes 1 referierte heute Stadtv. Geheimrat Feige. Er erinnnerte daran, daß es sich hauptsächlich um zwei Bedenken gehandelt habe, erstens darum, ob eine Anstellung von jüdischen Lehrern, die man an christlichen Volksschulen für die Erteilung jüdischen Religionsunterrichtes an jüdische Schüler und nebenamtlich auch für andere Fächer beMfftiaen 'Wvtte,' gesetzlich Überhaupt zulässig sei,M^EW'znWe^Kägeob eine derartige Anstellung, falls sie zulässig, für unsere Breslauer Verhältnisse zweckmäßig sei. Die erste Frage sei im Ausschuß eingehend erörtert worden, und ein Zweifel über die gesetzliche Zulässigkeit hübe wohl kaum noch bestanden, aber auch bezüglich des zweiten Punktes habe eine größere'Majorität im Ausschuß die Zweckmäßigkeit anerkannt. Wenn man daran denke, daß die Volksschulen sowohl gus jüdischen wie aus christlichen Taschen bezahlt würden, so werde durch die Vorlage nur eine Art Ausgleich geschaffen. Der Referent des Schulausschuffes, Professor Gärtner, erklärte, daß auch schultechnische Bedenken gegen die Annahme der Vorlage nicht vorhanden seien. Das Wort ergriff zunächst Stadtv. Dr. Herschet, der, ebenso wie Dr. Nitschke, erklärte, daß die Bekämpfung der Vorlage mit Antisemitismus nichts zu tun habe, sondern daß man nur das Prinzip der konfessionellen Schule nicht durchbrechen laffen wolle. Im weiteren bestritten beide, daß das Bedürfnis einer Aenderung gegenüber dem bisherigen Zustande nachgewiesen sei. Stadtschulrat Dr. Hackswies noch einmal sachlich alle die Einwände gegen die Vorlage -zurück, die eben dadurch begründet sei, daß der bisherige Zustand eine Ungerechtigkeit dargestellt habe. Der Oberbürgermeister betonte dann ganz besonders, daß die Stadt sich durchaus im Rahmen des Volksschulunterhaitungsgesetzes von 1906, das doch gerade von den rechtsstehenden Parteien geschaffen worden sei, bewege, und daß sie hoffe, durch die Art der Anwendung den Beifall der Aufsichtsbehörde zu finden, da diese Vorlage den konfessionellen Frieden fördern und nicht stören werde. Ein Vermittelungsantrag des Stadtverordneten Finger, die Vorlage zu genehmigen, mit der Maßgabe, daß die Lehrer ausschließlich jüdischen Religionsunterricht erteilen sollten, wurde gegen ein halbes Dutzend Stimmen abgelehnt, die Vorlage selbst mit sehr großer Majorität angenommen. KoUarrd. Line gelebestreue vrgsnilaiion In Hnllanfl. (Bon unserm Korrespondenten.) Amsterdam, 18. Jan. In Holland hat sich eine Art „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen eudentums" gebildet. Das kam folgendermaßen: or ungefähr einem Jahre hat Oberrabbiner Rudelsheim (Leeuwarden) einen Aufruf in den jüdischen holländischen Zeitungen veröffentlicht, worin er auf den betrübenden Rückgang des Judentums in Holland hinwies und den um sich greifenden Jndifferentismus und seine erschreckenden Folgen für die jüdische Sache schilderte. Mit Recht betonte er, daß gegen dieses sestsitzende Uebel nicht mit kleinen Mitteln und in beschränktem Kreise, sondern nach großzügig angelegtem Plane angekämpft werden muß. Der Appell hatte zur Folge, daß einige Versammlungen stattfünden, die von Abgeordneten von Vereinen aus allen Teilen Niederlands besucht waren. Die „Organisation zur religiösen und moralischen Hebung der Juden in Niederland", wie der zustandegekommene Bund heißt, umfaßt Vereine und Personen, und will alle Bestrebungen einen, die den Aufbau des tradtttonellen Judentums erzielen. Sie will, stark durch die geeinte Kraft, Großes verwirklichen und das erlangen, was jetzt durch die Krastzersplttterung nicht möglich war. Die Statuten sind ferttg. Präses des Zentralkomitees ist Herr Oberrabbiner Rudelsheim. -an yp ami rm Ungarn. llngarifdier Brief- (Von unserm Korrespondent-^.) Z. B. A. Budapest, 16. Jan. Ungarns größter Kriminalist, der berühmte Verteidiger der Juden im Tisza-Eszlarer-Prozeß, Karl O e t v ö s, erzählt in seinen „Erinnerungen" einen interessanten Fall aus der alten ungarischen Gerichts Praxis. Zwischen einem mit allen unverjährbaren Merkmalen der Nichtzugehörtgkeit zur sogenannten indogermanischen Rasse gestempelten Delinquenten, der wieder einmal wegen „autonomer Expropriatton" einer unfreiwilligen Zwangsversorgung auf Staatskosten entaegensah, und seinem Richter entwickelte sich bei Abnahme der Genealien folgender Dialog: „Wie heißen Sie?" „„Zrinyi!"" „Zrinyi?" „„Auf Befehl, Herr Nichterleben."" „Weiter/ Ihr Vorname?" „„Arpad."" „Abram?" „„Nein! Arpad, Herr Richterleben."" „Ihre Konfession?" „„Und wenn Sie platzen: Katholisch, Herr Richterl-b-n«« ... Die Drastik dieser Anekdote charakterisiert den Standpunkt unserer Neologie in den weitesten Zügen. Sie haben eine Walze auf ihrer verstimmten Drehorgel und da wird das garstig? Lied der Unisicatian auf Grund der Zwangsautonomie bis zum Ueberdruß geleiert. Man mag sich gegen ihre aufdringlichen Liebeserklärungen mit Händen und Füßen sträuben, ihnen alle Argumente aus der Geschichte der Vergangenheit und dem Leben der Gegenwart ad occutos demonstrieren, es ist umsonst/ sie bleiben dabet: „und wenn Sie platzen, Herr Richterleben, Jude und /baffe7: der historische Jude!" Und es gibt nur ein Judentum. Und die Hexe in der Walpurgisnacht hat recht: „Und zwei ist eins, und eins ist keins. Das ist das Hexeneinmaleins." Nur find die Wege, die zur Realisierung der Hexenlogik führen sollen, nicht überall die gleichen. Egyenlöseg, als Sprachrohr der Laien, will durch den politischen Druck auf die Regierung die. Repressalien auf die jüdische Gemeinde heraufbeschwören. «Denn die Regierung gibt den Juden keine Begünstigungen, wenn sie es nicht muß. Jetzt ist sie darauf nicht angewiesen, wird sie es sein, dann wird sie auch wissen, wo die' Führer der Judenheit zu finden sind." „Für jetzt ist die Devise: Auf der Hut sein und warten." „Und wo steht es denn geschrieben, daß Distrikte sich nur auf den Ruf der Regier:xmc, versammeln können?" „Warum können F sich nicht ohne Regierungsassistenz versammele gibt genug Beratungsmaterial. Mehr of § iutiiet. In der Neuzeit, seit 40 Jahren schrt/ ungarische Intelligenz nicht beisamn,' in gewesen. Eine solche Demonstration wäre das stärkste Argument für unsere Reife zur Autt^omie: mehr als alle Ministergänge!" „We> ,n man unsere Macht sehen wird, und unsere'a festen Willen, toirb man sich das Witzeln 1« Ministerium vergehen laffen." Das gleiche Ziel, in gesuchterer Form, .auch von den^ Fachvrgan" der ungarischen Rabbiner „Matzyyj Israel" erstrebt. Daß dort "ieser Wunsch iE salbungsvollen Styl mit einem Gebet für die ^verirrten orthodoxen Judenseelen vocgebracht w(rd, dafür können die Schreiber, denen das Leben eine Predigt, und die Predigt, ein Leben bedeutet, wahrhaftig nicht: „Wir sind unverbesserliche Optimisten. Wir können nicht die Hoffnung aufgeben, daß gegenseitiges Verstehen anstelle der Entzweiung? Harmonie anstelle der feindseligen Stimmung und rin gemeinsames Zustreben zu gemeinsamem Ziele anstelle der bisherigen Zurückziehung treten wird. Wir anerkennen das Festhalten an hergebrachten Gewohnheiten als ehrenwerte Eigenschaft selbst da noch, wo sich dieses als eine in unfern Kreisen nicht für richtig" befundene Versteifung offenbart/ wir ehren die Opferwilligkeit jener, die sich durch) die Aenderung der Verhältnisse nicht zur^Aendtzrung ihrer Lebensart bestimmen ließen/ ist tantu wirklich ausgeschlossen, daß unsere orthodoxen' Brüder sich zu jener Einsicht erheben sollen, daß unsere Treue nicht geringer als ihre sei, und daß. jene Bande, die uns zur Konfession knüpfen, - nicht loser find als diejenigen, durch die sie an die Religion der Ahnen gekettet sind. Ist es denn &2SffV mit uns Hand in Hand gehen sollen, da doch auch uns die jüdische Ehre heilig ist, da wir doch vor keinem Opfer zurückschrecken, wo es sich um jüdisches Interesse, Gut, Leben und jüdischen. Ruhm handelt?" „Die Zejt wird kommen, doch können wir sie kaum erwarten, darum überzeugen wir den Minister — wie sich die interessante seelenverwandte Gesellschaft doch findet — davon, daß . hinter den Distriktspräsidenten ein begeistertes ' Heer tatbereit wartet, das nicht untätig zuzuehen gewillt ist, wie die Sache erledigt wird, Ar die ihre Wortführer in die Arena treten. Mögen die Gemeinden ihre Stimme erheben. Nicht - nur die auf Bafis der Kongreßstatuten organisierten, sondern alle jene, in denen das Streben nach Autonomie Anhänger hat. Es ist dann unmöglich, daß die markante Offenbarung eines ernsten Wollens keinen Einfluß habe auf dm ätiiüäiÜiaiiiii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.