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Der Israelit · 1911-01-19 · Heft 3 (19.1.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 3 (19.1.1911)
Date
1911-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Dsr Z-Sm klit. 19. Januar 1911. «eite K. Rr. 3 ___ wen stein, Dr. Ignaz Landau, Adolf Stand, Dr. Kalischer, Dr. Nittel und Dr. Diamand. Ferner der Präsident der Lemberger Kultusaemeinde Dr. Till es, die Handelskammerprästdenten Edler v. Horwitz-Lemberg und D unter-Krakau, Bürgermeister Dr. Nimhin-Stanislau, Bürgermeister Dr. Streuermann-Sambor, Prof. Rosenblatt-Krakau, Dr. Fruchtmann-Lemberg, Hermann Feldstein-Lemberg, Jakob Feuer sie in-Drohobycz rc. Den Vorsitz bei den auf 4 Tage sich erstreckenden Sitzungen wird Landmarschall Graf Badeni führen. Die Verhandlungen werden keine öffentlichen sein, doch werden an die Presse Kommuniques ausgegeben werden. Diese Liste kann nicht befriedigen, noch weniger sonderliche Hoffnungen in Galizien wecken. Die jüdischen Referenten sind ehrenhafte, auch tatkräftige Männer, aber zum größten Teil dem jüdischen Leben und besonders dem Geistesleben tm galizischen Ghetto völlig fernstehend. Bieie aber, die mit dem Volke leben und leiden und hier mit Rat und Tat hätten helfen können, sind geflissentlich übergangen worden. Wir wollen jedoch der Verhandlung nicht vorgreisen und erst abwarten, was uns die kommende Woche bringen wird. KttMarrd. Line PogromSmUung ln öer Duma. I»etersvurg, 10. Januar. Einer der letzten Dumafitzungen wurde von den rechtsstehenden Parteien dazu benutzt, um die eigentlichen Beweggründe ihrer blutigen Pogrompolitik zum ersten Male mit aller Offenheit klarzulegen und damit die gesamte innerrusfiche Lage in bemerkenswerter Weise zu beleuchten. Auf der Tagesordnung stand die Interpellation der Kadettenfraktion über die jünsten Vorgänge an der Odeffaer Universität. Nach einer eindrucksvollen Rede des Abgeordneten von Odessa, Nikolsky, ergriff von der Rechten der echt-russiche „Patriot" S ch u l g i n, das Wort und rief warnend der Opposition zu: „In Odessa wird bald auf die Intellektuellen eingehauen. Auf Russisch: In Odessa ist ein Judenpogrom im Anzug. Achtet auf meine Worte und übermittelt dieselben an die entsprechenden Stellen : jede Revolution in Rußland wird über jüdische Leichen schreiten. Denn die Juden bilden denjenigen Bevölkerungsteil, der am wenigsten widerstandfähig ist, wenn die aufgeregten Massen sich auf die Juden stürzen. Das mögen sich alle diejenigen merken, die mit der Revolution zu schaffen haben". Die Pogromdrohung, die in ihrer zynischen Unverblümtheit nnd unübertrefflichen Brutalität selbst in der reaktionären Duma bisher ohne Beispiel dasteht, rief auf der rechten Seite stürmischen Beifall und auf der Linken tiefe Entrüstung hervor, die auch in den scharfen Erwiderungen ihrer Vertreter zum Ausdruck kam. Am Schluß der Debatte, die in allen zivilisierten Kreisen die ernsteste Beachtung zu finden verdient, gab der jüdische Abgeordnete Nisselowitsch folgende Erklärung ab: „Hier ertönte das Wort Pogrom — und es war natürlich gegen die Juden gerichtet. Schulgins Bekentniffe sollen und dürfen nicht der Vergessenheit anheimfaüen. Alle Welt wird nunmehr wissen, daß die Judenmaffakres nicht — wie regierungsoffizieü Europa gegenüber dargestellt wird — durch Verschulden der Juden, sondern lediglich deshalb ins Werk gesetzt werden, weil die Juden die wtderstandsfchwächeren sind. Bisher habe ich an dieser Stelle niemals auf die eigentlichen Urheber der Pogrome speziell hingewiesen. Die Schulgin'schen Ausführungen geben mir nunmehr die Berechtigung zu erklären, wo die Urheber der Pogrome zu finden sind." Sur öelebung der^Rabbinerftelle. (Von unseren Korrespondenten.) Kowno, IE. Januar. Wenn nicht alle Zeichen trügen, sieht die Rabbiner frage in unserer Gemeinde einer Lösuug entgegen, die alle Teile befriedigen dürfte und auch wett über die Grenzen unserer Stadt und unseres Landes hinaus, wo man seit Alters her gewöhnt ist, im Kownoer Raw die höchste rabbinische In stanz der Diaspora zu sehen, mit Freuden begrüßt werden dürfte. Dank der kräftigen Agitation der Gesetzestreuen, die die Schäden, die aus dem Mangel einer geistigen Leitung für die bedeutsamen Institutionen erwachsen, schmerzlich empfinden und es als ihre heilige Pflicht erachten, der Gemeinde und ihren Anstalten, die fehlende Führerhand möglichst bald wiederzuschaffen, konnte eine Einigung der schon im Winter des vorigen Jahres gewählten Delegirten erzielt werden, die hoffentlich die Sache zu einem guten Ende führen wird. Es wurden nämlich in der letzten Generalversammlung Vertrauensmänner aus allen Synagogen, Klausen und Bethäusern der Stadt, je nach Zahl der Mitglieder der betreffenden Gotteshäuser bestellt, die die Zahl von 216 Delegirtew ergaben. Diese Delegirten hatten nun aus ihrer Mitte ein siebenundzwanziggliedriges Wahlkomitö zu ernennen und dasselbe mit der Aufgabe zu betrauen, den Rabbiner endgültig zu wählen. Natürlich wurden von der „Intelligenz" alle Hebel in Bewegung gesetzt, nur solche Mitglieder in das Wahlkomit« hineinzubringen, die den profanen Bildungsgrad über das Thorawissen stellen. Dieser Versuch ist aber gründlich mißlungen. Die große Masse, die von den Gesetzestreuen durch Belehrungen und Aufklärungen in einberufenen Versammlungen und erlassenen Zirkularen kräftig in Bewegung gesetzt wurde, gab ihre Meinung wiederholt einmütig dahin kund, daß sie nur in einem Rabbiner, der kraft seiner.Thoragröße den Traditionen des Kownoer Rabbinerpostens zu entsprechen vermag, ihren geistigen Führer sehen wird. Unter dem überwältigenden Drucke dieser öffentlichen Meinung kam am 3. Januar in einer mit Genehmigung der Behörden abgehaltenen Versammlung ein Komite zustande, das für eine Lösung der Frage im Sinne der Gesetzestreuen vollständig bürgt. Zu den siebenundzwanzig Mitgliedern des Wahlkomitvs zählen die besten und angesehensten, durch Thorakunde oder Verdienste im öffentlichen jüdischen Leben ausgezeichneten Männer, deren Gesinnung gar keinen Zweifel darüber läßt, daß sie nur einen solchen Rabbiner zum Führer unserer Gemeinde machen werden, der wie sein Vorgänger mit seiner allgemein anerkannten Autorität alle Schichten der jüdischen Bevölkerung vereinigt, von seinem Glanze den Thora-Institutionen verleiht, und auch nach außen hin den guten Ruf unserer Gemeinde ausrecht erhält. Es herrscht allgemeine Befriedigung mit dem Ausgang der Wahl, und man hofft, daß die Gewählten recht bald an die Arbeit gehen werden, um uns den schon so lange vermißten Führer zu geben. England. borg 5wspltiling V'st. «London, 13. Jan. Eine der hervorragendsten gefetzestreuen Persönlichkeiten Englands ist gestern Abend im Alter von nahezu 80 Jahren gestorben: Lord Swaythling, bekannter unter seinem früheren bürgerlichen Namen Samuel Montagu. Lord Swaythling war 1832 in Liverpool geboren und gründete 1853 in London ein Bankgeschäft, das allmählich, weniger infolge von spekulativen Geschäften als durch Pflege solider Finanz-Operationen in die Höhe kam und bald, namentlich auf dem Silbermarkte, eine führende Rolle einnahm. Bis vor einem Jahre war Lord Swaythling unermüdlich in seinem Geschäfte tätig nnd entwickelte auch für die allgemeinen Angelegenheiten der Börse und der Finanzwelt lebhaftes Jntereffe. Dem englischen Parlamente gehörte der Verstorbene von 1885 bis 1900 an, und zwar nahm er im Gegensätze zu dem konservativen Lord Rothschild eine führende Stellung in der liberalen Partei ein. Sein politischer Liberalismus hinderte ihn jedoch nicht, auf dem Gebiete des religiösen Lebens getreu seinen von Jugend auf bewährten Ueberzeugungen die Sache des überlieferten Judentums und alle orthodoxen Interessen mit großem Eifer zu vertreten. In der Erinnerung Ihrer Leser wird noch der Aufsehen erregende Kampf liegen, den Swaythling vor einigen Jahren gegen Claude Montefiore und Israel Abrahams als Mitglieder des Religionsschulrats führte, weil er diese besden Persönlichkeiten vermöge ihrer radikal religiösen Anschauungen nicht für geeignet hielt, über die religiöse Erziehung der Jugend zu wachen. Swaythling hat, trotz er sich in dieser Angelegenheit nicht in Uebereinstimmung mit dem Chief Rabbi befand, fast bis an sein Lebensende immer gegen die widerspruchsvolle Anschauung opponiert, daß man persönlich alle Wahrheiten des Judentums leugnen und dabei eine führende Stellung im religiösen Leben einnehmen könne. Swaythling hat sich aber nicht nur auf das Protestieren gegen Verschleierungen der religiösen Wahrheit beschränkt, sondern während seines Lebens kräftige positive Arbeit zur Festigung des jüdischen Gemeindelebens sowohl in London selbst als auch darüber hinaus geleistet. Er war es, der 1887 die „Federation of Synagogues" ins Leben rief und auf diese Weise die vielen kleinen Synagogen und Minjanim des Londoner East End zu einer auf streng orthodoxer Grundlage ruhenden Körperschaft zusammenverschmolz. Nocb in den letzten Jahren hat er eine große Schenkung ausgesetzt, damit für die Federation ein hervorragender D3n Tö;n als geistiger Führer und als Mittelpunkt des Thorastudiums in der englischen Hauptstadt gewonnen werden könne. Daß Lord Swaythling gerade in einem Augenblick von dannen gehen mußte, in dem die Bestrebungen, die Federation of Synagogues mit den United Synagogues zu verschmelzen, Gestalt zu gewinnen anfangen, ist im höchsten Grade zu beklagen. Diejenigen, die " sich der Gefahren einer solchen Verschmelzung bewußt sind, werden das Fehlen der autoritativen Persönlichkeit Swaythlings in seiner prinzipienfesten Vertretung der orthodoxen Interessen noch manchmal bitter zu beklagen haben. Ein anderes Ruhmesblatt in der Lebensgeschichte Swaythlings sind die wiederholten Besuche, die er in Rußland machte, und die zu der Gründung des „Ruffo-Jewish-Comttee" für die Organisierung der russischen Auswanderung führten. Als Vorsitzender der Sch echttah- Kommission entfaltete Swaythling ein großes Maß von Energie, und nur Eingeweihte haben eine Vorstellung davon, wie notwendig seine Autorität auch an dieser Stelle war, um die widerstrebenden wirtschaftlichen Interessen dem Gebote des Religionsgesetzes zu unterordnen. Im Jahre 1875 hat Lord Swaythling das Heilige Land besucht, nnd der Bericht, den er dabei erstattete, zeitigte manche fruchtbare Anregung. Leider hat gerade auf diesem Gebiete Swaythlings Jntereffe nicht Schritt gehalten mit den neuen Strömungen, die allüberall die Liebe zum Heiligen Lande neu geweckt haben. Es liegt das einerseits wohl an der Fülle der Aufgaben, die ihn an die Heimat fesselten und an seiner politischen Betätigung, die ihn, namentlich seit dem Auftreten der zionistischen Bewegung, den Palästina-Bestrebungen etwas mißtrauisch gegenüber stehen ließen. Es ist kaum möglich, die zahlreichen Ehrenämter hier aufzuführen, in denen Lord Swaythling im politischen wie im jüdischen Leben seine rastlose Tätigkeit und seine energievolle Arbeitskraft entfaltet hat. Markige Persönlichkeiten von festem Charakter und klaren religiösen Grundsätzen, wie Lord Swaythling es war, sind im jüdischen Leben Englands leider selten geworden, und die ganze Judenheit darf den Heimgang eines Mannes beweinen, der in dem Milieu, in das ihn eine gütige Vorsehung htneingestellt hat, auf seine Weise gewiß mit dem vollsten Einsatz seiner Kraft Gottes Namen geheiligt, einer Persönlichkeit, die der Welt gezeigt hat, wie man auf der Höhe des Reichtums und

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