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Der Israelit · 1911-01-19 · Heft 3 (19.1.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 3 (19.1.1911)
Date
1911-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. Januar 1911. Der J-raeR. Nr. 3. Gelte 5 sehen, auch die letzte gegen den Antrag Groeber erhobene Einwendung, daß es sich bei Regelung der Schächlfrage um eine religiöse und deswegen der Reichsgesetzgebung entzogene Angelegenheit handele, nicht durchschlagend. Wir Juden würden es gewiß nicht weniger wie andere bedauern, wenn die als dringend notwendig anerkannte Novelle zum Strafgesetzbuch an dem Antrag Groeber scheitern würde. Aber bei dem Wohlwollen, das die Regierung schon so oft für die religiösen Bedürfnisse und Wünsche der Juden gezeigt hat, dürfen wir wohl erwarten, daß sie ihre formaljuristischen Bedenken gegen den Antrag Groeber doch noch fallen läßt. Korrespondenzen und Nachrichten. Detttsthe« SUfdt« E. Rs. Werkin, 8. Jan, In der heutigen Repräscntantensitzung fand die Einführung der neugewählten Repräsentanten statt. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandcs Herr Julius Jacoby begrüßte die Versammlung mit ungefähr folgenden Worten. „Abermals wird mir die Ehre zu teil, Sie einzuführen und zu verpstichten. Es erübrigt, Ihnen größere Mitteilungen zu machen, da Ihnen im Oktober der Geschäftsbericht der Gemeinde zugegangen ist. Nur von zwei Unternehmungen will ich sprechen, da diese von Ihnen jetzt übernommen werden, von dem Bau des neuen Krankenhauses und der Synagoge iu der Fasanenstraße. Bei Einrichtungen von Krankenhäusern werden jetzt so wesentliche Verbesserungen und Aendcrungen gemacht, daß diese uns noch in der gegenwärtigen Amtsperiodc beschäftigen werden, daher wurde der Bau noch nicht begonnen. Wir wollen ein erstklassiges Krankenhaus Herstellen, das in der Güte von keinem übertrofftn werden soll. Es sind 50 Jahre her, seitdem das gegenwärtige Krankenhaus eröffnet wurde. Aerztliche Autori- Kaiaraktengebt.tes äußersUn SM grenze Aegyptens, gemeint habe? Die Paphrusurkunde nennt den Tempel zu Ellphantine kenstant einfach rnKmüttt Steinhaufen, ein Wort, welches in den Targumen zahllose Male wiederkehrt, also eine genaue Parallele zu dem von Jesatas in jenem Satze gebrauchten Worte nSWCÖ' Standsäule. Haben wir nicht den unwillkürlichen Emtzruck, als ob der wiedergefunbene Tempel zu Elephantine — im Papyrus Jeb genannt — eine unerwartete Bestätigung jenes Jesajanischeu Satzes barstellt? Welch ungeahnte Stütze würde dles für die Wahrhaftigkeit der biblischen Prophetie ergeben! Düse aramäischen Urkunden von Elcphantine haben schon eine hochgeschichtete, in verschiedenen Zeitschriften zerstreute Literatur erz ugt,' die bedeutendsten Oriental sten haben ihren wifsenscrastlichen Scharfsinn. an ihnen erprobt Die nächste Zeit schaut mit hochgespannten Erwartungen der Gesamtausgabe der aramärischen Papyri und Oftraka von Elephantine-Syme tmrch E. Sachau und Clcrmo t-Ganneau entgegen. Dr. Norbert PeterS, Professor an der philoscph. throlop. Fakultät zu Paderborn, hat nun in ßiner Schrift „Die jüdische Gemeinde von Elephantine-2 yenetine und, ihr Tempel im 5. Jahrhundert" (Frciburg i. B. 1910) die nicht hoch genug z>l treitcnde Bedeutung dilser gestillten Papyrrsfurde, besonders der drei den Tempel zu Jeö betreffenden Urtunden, eingehend beleuchtet unter sorgsamster Benutzung aller über diese Funde veröffentlichten Arbeiten. Seine Schrift ist rin instruklivcr Unterricht über die ganze Materie und von wiffenschaftlicher Strengesie ist in gewissem Sinne ei e er.cyklcpädlsche Zusammenstcllurg, eine lapstare Quellensammlung alles hierüber Geschriebenen. Aus der Schrift klingt der wohltuend warme Ton eines vom liebevollen Glauben an die Positive. Wahrhaftigkeit der biblischen Berichte erfüllten christlichen täten haben es damals als ein Muster erklärt. Wir Nachfolger dürfen nicht nachstehen. Binnen Kurzem beginnt der Bau, die Zeichnungen sind dcr Baupolizei überreicht worden, es folgt nur noch die spezielle Kostenfeststellung. — Man hatte auf die Fertigstellung der Synagoge noch in diesem Jahr gehofft. Das ist leider nicht möglich. Ter hervorragende Fachmann, der in unserem Vorstande sitzt, meint, es handelt sich um ein Bauwerk, das auf Jahrhunderte berechnet ist. 6 Monate früher oder später kommen nicht in Betracht. Wir glauben, daß die Synagoge spätestens in der ersten Hälfte des Jahres 1912 fertiggestellt sein wird. Laut Gemetndebeschluß sollen noch weitere zwei Synagogen in Rixdorf, am Cottbuser Tor und im Hansa- Viertel an der Grenze von Charlottenburg, einfach gebaut werden, damit nicht zu große Kosten Vorkommen. Die Größe soll die gleiche sein wie in der Fasanen straße. Ueber Erwerbung von Grundstücken schweben bereits Verhandlungen. Eine Synagoge ohne Orgel, die andere mit Orgel. Für jede Synagoge soll ein Rabbiner mit entsprechender Richtung angestellt werden. Eine Kommission zur Beschaffung beider Rabbiner ist bereits ernannt. Die Herren wollen eingedenk sein, daß sie für beide Richtungen zu sorgen haben. Heute vor 5 Wochen wurde ein neues Mitglied des Vorstandes eingeführt, da sagte Ihr Vorsitzender n. a. „Die Vertreter der Gemeinde dürsten nicht vergeffen, daß sie an der Spitze einer Religionsgemeinde stehen, und sich deshalb bestreben müssen, jeder Richtung gerecht zu werden, Licht uud Schatten gleichmäßig zu verteilen." //Diese Worte, meint Herr Jacoby, sind in einer glücklichen Stunde gesprochen worden. Sie werden nicht nur das kollegialische Verhältnis, sondern auch das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit stärken und den Frieden in der Gemeinde dauernd erhalten!" Hierauf übernimmt der Alterspräsident, Herr Mannheimer, den Vorsitz, stattet dem Herrn Louis Sacks seinen Dank für seine Arbeitsfreudigkeit ab, er wünscht, daß die Berliner Gemeinde ein Vorbild für kleinere Gemeinden sein möge, alle Parteien einigen sich in dem Thoraworte „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, d. h. in der Fürsorge für die wohltätigen Anstalten. Zum ersten Vorsitzenden wird Herr Louis Sachs, zum ersten Stellvertreter Direktor Dr. Minden, zum zweiten Stellvertreter Prof. Blaschke, zum ersten Schriftführer Justizrat Dr. Cohn, zum zweiten Willibald Löncethal gewählt. Woferr, 5. Jan. Die Vereinigung von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Juden- Theologen. „Wir wissen jetzt", so schreibt er, „auch aus außerbtblischen Urkunden einwandfrei, daß die jüdischen Ansiedlungrn im Nillale viel aller sind, als man seither vielfach glücken wolle, weil man die Andeutungen der Bibel nicht genügend wertete. Die alttestamentltcken Ueberlteferungen sind glänzend bestätigt gegen die Anzweiflungen aprioriftischer Konstruktion. Selbst ein Wendland sä rieb noch im Jahre 1900: ,Die jüdischen Bundesgenossen des Psammetich sind sicher Fiktion/ M. Stnrrk bemerkt dazu nicht n.lt Unrecht: „Wie viele „sicher" und „unzweifelhaft" werden noch aus der herkömmlichen Geschichtsbetrachtung verschwinden müsst n/" sJuden in Uruguay.) Tief in ^übamcvifa, in bcc Hauptstadt dcr Republik U r u g u a y , M o a t evideo, gibt es eine jüdische Kolonie von 150 Personen, darunter 10 russische Familien mit 70 Personen. Tann einige.französisch-jüdische Familien, die vor dem deutsch-französischen Kriege aus dem Elsaß dahin cingcwandert sind, der Rest stammt aus Rumänien und Griechenland. Tie meisterr dieser Juden haben früher in Buenos-Aires gewohnt und sind später nach Montevideo übcrgesiedelt. Tie Juden beschäftigen sich hier mit allerlei Gewerbe und nur zum Tesi n.sii« Kleinhandel. Zehn junge russische Juden dcr Kolonie haben sich freiwillig in das republikanische Heer einreihen lassen; drei dieser Freiwilligen haben es bereits zur Sergantencharge gebracht. tu ms hielt am 4. Januar i910 im Sitzungszimmer des Posener Gemeindchauses ihre Quartalsversammlung ab. Anwesend waren die Rabbiner: Dr. Feilchenfeld, Wreschner, Kraus, Ansbacher, Silberberg, Lewin, Grünthal, Cohn. Als Gäste: Dr. Maurer, Jacobsohn,-Feil chenfeld und Herr cand. theol- S i m o n s o h n. Herr Dr. Wrcschner begrüßt die Versammlung und spricht seine besondere Freude aus über die Anwesenheit des Herrn Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld. Herr Dr. de Haas spricht brieflich sein Bedauern aus, daß ihm die Beteiligung an der Versammlung nicht möglich sei. Herr Aron "Kober aus Breslau sendet ein Begrüßunqsteletelegramm. Herr Dr. Jakobsohn referierte darauf über das talmudische Thema: -p'an wn Herr Dr. Feilchenfeld hält dann sein Referat über: „Religionsunterricht auf der Mittelstufe höherer Schulen" und legt insbesondere eine interessante Tabelle für den Anschluß jüdischer Geschichtsthemate an die Sidraus vor. Im Anschluß an diese Referate fand eine kurze Diskussion statt. Herr Dr. Cohn referiert über die Gründung von Bezirks-Rabbinaten in der Provinz Posen. Der Referent beantragt, in den Gemeinden, die sich keinem Bezirksrabbinat verpflichten wollen, Kasualfunktionen nur unter der Bedingung zu vollziehen, daß m jedem Falle vorher 20 M. an die Synagogenverbandskaffe gezahlt werden. Dieser Antrag wird angenommen. Die Besichtigung der nipQ und ihre Besprechung mußte verschoben werden. Die Versammlung beschließt, duß die nächste Ouartaissitzung am 25. Mai 1911 stattfinden soll. Siraßburg, 6. Jan. Dem Vernehmen nach sollen von Ostern 1911 ab die jüdischen Zöglinge des Pfalzburger Lehrerseminars an die gleiche Anstalt in Colmar überwiesen werden. Es ist dies eine Folge der Verlegung des Rabbinatssitzes von Pfalzburg nach Saarburg, da der Inhaber desselben zugleich als Religionslehrer an der Anstalt wirkte. Hoffentlich werden die jüdischen Seminaristen unseres Landes nunmehr zu einem definitiven Aufenthalte kommen. Nachdem Ende der 70er Jahre die Konfessionalttät der reichsländischen Seminare durchgeführt wurde, konnten sich mehrere Jahre hindurch die Juden sowohl in Oberehnheim als auch in den beiden Seminarien in Colmar auf den Lehrberuf vorbereiten. Im Jahre 1883 wurden auch die Unterelsäffer an das Colmarer Seminar I überwiesen. Wenige Jahre nachher fanden sich alle im Seminar ll in Colmar zusammen, worauf sie nach Auflösung dieser Anstalt im Jahre 1898 in Pfalzburg untergebracht wurden. Jetzt kehren sie also wieder nach Colmar in das frühere Seminar I zurück. Zur Zeit befinden sich nur noch 3 jüdische Schüler in hiesiger Anstalt, und doch genügt diese geringe Zahl vollständig für ganz Elsaß-Lothringen. Die jüdischen Gemeinden unseres Landes haben im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts derart abgenommen, daß im Laufe dieser Zeit etwa 22 jüdische Volksschulen aufgelöst werden mußten, wegen Mangels an Schülern. Heute haben wir nur noch etwa 47 im ganzen Lande, und auch von diesen steht leider ein großer Prozentsatz auf dom Aussterbeetat. Oesterreich. Oie Ga(i?ifefte Enquete- Lemberg, 12. Januar. Wie man nun erfährt, sind zu der, wie in letzter Numrner mitgeteilt, für den 23. d. M. einberuftnen Enquete über die Notlage der Juden in Galizien 25 jüdische und 16 christliche Referenten eingeladrn worden. Von jüdischer Seite wurden einqeladen: die Abdeordneten Hofrat Sare, D . Ä'olf Groß, Dr.Lö-

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