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Der Israelit · 1911-01-12 · Heft 2 (12.1.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 2 (12.1.1911)
Date
1911-01-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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II! 12. Januar 1911 Der Israelit. früher Morgenstunde die „Philister" das Zeichen zum Aufbruch gaben. Eine Humorvolle Bierzeitung bildet eine angenehme, dauernde Erinnerung an den gemütlichen Abend. not loast sei noch die Führung durch die Stadt Würzburg, sowie besonders die eingehende Besichtigung der königlichen Residenz erwähnt, die Bbr. Freiherr von Maustein in liebenswürdiger Weise übernonÄnen hatte. Durch seine sachkundige Leitung hat er sich den Dank aller Teilnehmer erworben und wesentlich dazu beigetragen, daß auch der Ort des Bundestages den Bundesbrüdern in lebendiger Erinnerung bleiben wird. Ein Blick auf die Tagung mit all ihren' Anregungen zeigt dem .Beschauer, welch reges Leben in den gesetzestreuen Kreisen der jüdischakademischen Jugend pulsiert. Ter Verlauf des Bundestages berechtigt zu der zuversichtlichen Erwartung, daß die Idee des B. I. A. auch in Zukunft immer mehr Anhänger und Freunde gewinnen werde. Oesterreich. Die ßalbifrtie Enquete. Lemverg, 3. Januar. Die vom galizischen Lande s ausschuß beschlossene Enquete über die Notlage der Juden in Galizien ist nun endlich doch einberufen worden. Die Einladungen sind bereits verschickt worden. Die Enquete die mehrere Tage in Anspruch nehmen wird, wird am 23. Januar 1911 in Lemberg unter dem Vorsitze des Landmarschalls Grafen Badeni beginnen. Einladungen sind an die Vertreter aller Parteien, an bekannte jüdische im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten, an anerkannte Nationalökonome und Fachschriftfteller ergangen. Der Landmarschall als Einberufer der Enquete im Auftrag des Landesausschuffes wird während der ganzen Verhandlungen persönlich den Vorsitz führen. In seinen Weisungen an die einzelnen Referenten verlangt der Landmarschall von diesen nicht nur theoretische Schilderungen der jüdischen Notlage und ihrer Ursachen, sondern auch praktische und durchführbare Vorschläge zur Abhilfe. Die Vorgeschichte der Enquete ist bekannt. Sie wurde im Jahre 1907 vom Abgeordneten D:. Löwenstein im galizischen Landtag am Schluffe einer großen Rede über die Notlage der Juden in Galizien beantragt. Damals wurde die Enquete beschlossen. Zweimal ward sie bereits festgesetzt und jedesmal aus anderen Gründen verschoben. Nun soll sie falls nicht in letzter Stunde wieder ein „unerwartetes Hindernis" eintrttt, dennoch abgehalten werden. Die jüdischen Referenten haben nun die Möglichkeit, mit praktischen Vorschlägen hervorzutr<ten und dem Landesausschuß den Weg zur Hilfe zu zeigen. Ungarn. Ungarifcher Brief. (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 8. Januar. Beim Niederschreiben meines letzten Briefes, wo ich mit Ausführlichkeit die neologe Bestürmung der hohen Ministerien zur Knebelung der renitenten Orthodoxie behandelte, hat mir als einzige Quelle die Tagespresse gedient. Inzwischen sind die konfessionellen Wochenblätter mit ihren authentischen Informationen erschienen; diese und ganz besonders das urneologe beleuchtet diese wunderliche Exkursion in ihrer ganzen historischen Tragweite. Für die prädestinierten Aller Weltsbeglücker brachte dieser Waffengang ein niederschmetternd betäubendes Fiasko von nicht geahnter Dimension. Damit soll aber nicht etwa die tragikomische Situation der politisch überreifen jüdischen hinter- und Oberhäusler illustriert sein, die in ihrer ersten Verblüffung so weit gingen, dem Grafm Johann Zichy rauschende „Eljen"-Ovationen dchczubringen für den Fußtritt, mit dem er fe vom Wege zur einheitlichen Zwangsautowmie gewiesen hat. , „Prophet bin ich nicht" — schreibt Szabolefi im Egy-g — „doch glaube ich fest, daß der einstige Historiker unserer unseligen Kämpfe und aller Wege, die unsere führenden Männer in selbstlos reiner Liebe zu ihrer Konfession bei den Negierungen gemacht haben, nach der Niederschreibung der Geschehnisse des letzten Ganges zum Minister am 19. Dezember 1910 den Schlußpunkt setzen und verzeichnen wird, daß sich die Distriktspräsidenten zu solchen weiteren Schritten nicht mehr entschließen konnten." „Sie mußten schließlich auch ihre eigene Individualität in Betracht ziehen. Sie durften sich dem Hohnlachen ihrer Gegner nicht weiter aussetzen/' „Langjährige Erfahrungen und die vielen wiederholten ministeriellen Antworten und ganz besonders das, was Graf Zichy am 19. Dezember gesagt hat, hat die Dtstriktspräsidenten und die Leiter der Landeskanzlet bestimmt, daß sie von der Regierung keine Autonomie mehr oder die Zusammenberufung des einheitlichen Kongreffes verlangen und, daß sie es sich fürderhin versagen wollen, mit „Memoranden", die die Situation beleuchten, die Regierung aufzusuchen. Sowohl das eine wie auch das andere war vergeblich. Die Minister schienen sich über das ewige Gebettel der jüdischen Präsidenten belustigen zu wollen/ diese haben die Tendenz bemerkt und sich von der Komödie zurückgezogen." Die Lektion war bitter, aber „ehrlich" verdient, bis auf das letzte Kompliment, denn sie gingen — ich zittere wörtlich Sz. —, um den Minister zu bestimmen, „daß er denjenigen Juden, die den Fortschritt, das Wissen, Vermögen und die völlige Magyarisierung vertreten, die Möglichkeit verleihe, daß sie ihren Einfluß zu Gunsten des Ungartums und der Konfession auf die Armen und Zurückgebliebenen der anderen Partei geltend machen können." Wie es mit der Wahrhaftigkeit der Argumentation der Herren bestellt war, dafür ist wieder der famose Reformator im „Egyenlöseg" der klassische Zeuge. Er legt dem Baron Hatoany Worte in den Mund, von denen jeder Kenner der einschlagenden Gesetze dokumentarisch Nachweisen kann, daß sie jenseits der Wahrheit liegen: „Es gebe bei uns noch immer keine Verordnung (Szabaly), die vom jüdischen Rabbiner erfordre, daß er einen gewissen Bildungsgrad erreicht habe, bevor er sein Amt antritt." „Bei uns können auch Analphabeten rabbinische Aemter bekleiden, was zur Folge hat, daß die Gläubigen Zurückbleiben, sich nach rückwärts entwickeln und viele unserer intelligenteren Seelsorger stellenlos bleiben". „Schuld an de^ Unterdrückung der Kultur ist der Minister." Julius Rosenberg wieder meinte: „Ohne staatliche Einmischung kann keine Ordnung geschaffen werden. Der Staat hat ein Recht, schon im eigenen Interesse, hier die Initiative zu ergreifen. Wir haben ein Recht, diese zu fordern, weil wir Ordnung schaffen wollen." Lendenlahm bis zur Krüppelhaftigkeit war dann noch die Argumentation des alten Leopold, der das salomonische Urteil von der Mutter, die das Zerstückeln des Kindes verlangt, als Haupttrumpf für die Zwangsautonomie anführte, da es doch der orthodoxen Leitung nie eingefallen ist, den lebendigen Organismus zu zerschneiden. Sie will nur das tote Judentum, das grabreif ist, von sich fernhalten, um so das eigene Leben vor dem Pesthauch zu bewahren. Sie will das Monstrum des siamesischen Zwillingspaares, wobei das eine Kind gerichtsamtlich bescheinigt tot ist, nicht neu schaffen lassen, um nicht die freigewordenen Kräfte der Orthodoxie in der Möglichkeit ihrer zielbewußten Aktion zu hemmen. Und „Aktion" ist das Losungswort der Gesetzestreuen von den Karparhen bis zur Adria. Zu den bereits bestehenden „Machsike Hadas"-Bereinen des Landes — die nach dem Muster der „Freien Bereinigung" für die Stärkung des gesetzestreuen Judentums arbeiten —, gliedern sich immer _Nr. ft, Sette 7 neue an. Am Chanuka war es in Debrecztn, wo unter dem Vorsitz des orthodoxen Rabbiners Salomon Straffer Vereine für die Komitate Hajdu, Szaboles und Heves sich konstituierten. lrsn9e§lwnteren? ger ungsnlcüen MeMike-Ns9slki Vereine Budapest, 3. Januar. Am Montag den 2. Januar traten sämtliche ungarländischen „Machsike-Hadath Vereine" in Budapest zu einer gemeinsamen Beratung zusammen, um gemeinschaftlich über Mittel und Wege zu beraten, die zur Abschaffung verschiedener Mißbräuche und zur Stärkung des religiösen Lebens geeignet erscheinen. Sechs Machsike - Hadath Vereine entsandten ihre Deligirten, bestehend aus je 3 rabbinischen und 3 Laienmitgliedern. Die Landeskonferenz wurde durch Herrn Oberrabbiner Reich-Budapest mit einer begeisterten und begeisternden Ansprache eröffnet. Auf der Tagesordnung standen 14 Punkte, über die Herr Oberrabbiner Szofer-Csuz referirte. Als erster Punkt wurde dieHechscherimfrage erörtert In der Debatte wurde die Frage gründlich erörtert und es gelangte schließlich der Antrag des Ciomaer Machsike - Hadath Vereins, wonach man im Allgemeinen Hechscherim nur solchen Personen geben dürfe, deren Prrson Gerantie für ihre religiöse Führung bietet, zur Annahme. Außerdem wurde betont, daß schon ohnehin 200 Rabbiner über den Sliwowitz schel Pesach der Großbetriebe einen Jßur verhängt haben. Ferner wurde beschloffen, daß im Kreise eines jeden Vereines eine Ritualkommiffion geblldet werden müffe, die allein berechtigt ist, die Art und Weise der Hechscherim zu bestimmen und daß jeder Hechscher von dieser Ritualkommiffion signiert werden müffe. Die Ritualkommisstonen der verschiedenen Vereine stehen miteinander in Verbindung und unterstützen sich gegenseitig. Als zweiter Punkt wurde die Frage desLandesverb and es erörtert. Es gelangte die von Herrn Oberrabbiner Reich vorgeschiagene Resolution, wonach die Vertreter aller Vereine die Notwendigkeit eines Verbandes, der die sozialwirtschaftliche Interessen der orth. Judenheit mit Entschiedenheit vertrete, einsehen, ja sie sogar als einen d:r wichtigsten Programmpunkte der Machsike-Hadath- Vereine betrachten und sprechen die Hoffnung und den Wunsch aus, daß der Verband in kurzer Zeit gegründet werden wird. Die endgülttge Form des Verbandes festzustellen, bleibt einem späteren Delegirtentage Vorbehalten. Mit der provisorischen Vertretung seiner Jntereffen, werden folgende Herren betraut: Her" Oberrabbiner Reich- Budapest, Landeskanzleipräses Adolf Frandl- Budapest, Herr Moses v. Freudiger- Budapest, Desider Korlin-Budapest, Dr. Schächter-Budapest, Leopold v. Freudiger, Abraham v. Freudiger-Budapest, Dr. Rakowitz - Budapest und Redakteur Leopold Großberg-Budapest. Außer den Genannten Wirt» jeder Verein je 2 Mitglieder delegiren. Dieser provisorischen Leitung des Landesverbandes wird auch die Aufgabe zugewiesen, die endgültige Konstituirung des Landesverbandes der orth. Judenheit vorzubereiten. Als dritten Punkt der Tagesordnung wird die Frage der j'TSn usw. erörtert. Es wird beschloffen, einen geeigneten Mann, Herrn Parekuz, den Leiter des Csomaer Vereines, nach Galizien zu entsenden, um zuverlässige Bezugsquellen ausfindig zu machen. Es wurde dann noch beschloffen, Gebetbücher und geeignete Schulbücher, ebenso ein in ungarischer Sprache abgefaßtes Werk über Frauenpflichten drucken zu lassen. Eine Anregung des Neutraer Vereins, eine jüdische Gewerbeschule zu errichten, wird ebenfalls mit Rücksicht darauf, daß die Frage noch nicht genügend vorbereitet ist, einem späteren Delegirtentag Vorbehalten. Es wurden dann noch verschiedene Fragen besprochen. Die Versammlung verlief in der würdigsten Weise und es wäre nur zu wünschen, daß die gefaßten Beschlüsse puch baldigst verwirklicht werden mögen.

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