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Der Israelit · 1911-01-12 · Heft 2 (12.1.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 2 (12.1.1911)
Date
1911-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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12. Januar 1911._ der desfallsigen Verhandlungen zu seiner Zeit entgegensehen. - Aurich, den 25. August 1841. Königl. Hannoversche Landdrostei." Für den Tag des Einzuges Hirschs in Emden befürchtete die Regierung ernste Unruhen. Die Behörde stellte ihm eine Eskorte von 50 Mann Landdragonern (Gendarmerie), um ihn bei seinem Einzuge vor eventuellen tätlichen Angriffen der orthodoxen Partei zu schützen. Schon in seiner Antrittsrede aber rief er der Gemeinde zu: „meine Feinde werden meine Freunde" werden, und bald sahen auch seine heftigsten Gegner ein, daß hier ein Mann den Rabbinatssitz Emdens eingenommen hatte, welcher den größten und gottesfürchtigsten Männern ebenbürtig war, die vor ihm diesen alten ehrwürdigen Rabbinatssitz inne gehabt hatten. Hirsch entfaltete eine reiche Tätigkeit insbesondere auch auf sozialem und organisatorischem Gebiete und erwarb sich bald im ganzen Königreich Hannover und auch bet der Regierung neben Dr. Adler in Hannover, dem damaligen dortigen Landrabbiner und späteren Chief Rabbi in London, den entscheidenden Einfluß in allen jüdischen Angelegenheiten des Königreichs. Er kämpfte mit Adler und. dem Landrabbiner Bodenheimer in Hildesheim (später in Crefeld) um die Abschaffung des „JudenetdeS" in Hannover und bet der Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden in Hannover durch das Gesetz von 1842 und die Ministerialbekanntmachung von 1844 fanden seine Gutachten besondere Berücksichtigung, wie auch seine Vorschläge, die sich in den Akten befanden, auch noch später bei Erlaß der jüdischen Schulordnung vom Jahre 1654 und der Synagogenordnung vom Jahre 1860 von entscheidendem Einfluffe waren. Bon hoher Bedeutung auch noch jetzt ist die von Hirsch verfaßte und von der Regierung genehmigte Instruktion für die Vorsteher und Rechnungsführer des Landrabbtnats Ostfriesland vom 19. Januar 1844, die noch jetzt in Geltung ist und viel dazu beigetragen hat, die religiöser Institutionen in Ostfriesland in echtjüdischer Weise bis auf die heutige Zeit zu erhalten. Auch die Gründung der jüdischen Volksschule in Emden und der 1845 ins Leben gerufenen Vorschußkaffe, welche in der damals verarmten Gemeinde Emden zu großem Segen geworden, sind unsterbliche Verdienste des großen Meisters. Wie Hirsch aber auf seinem Posten war, soll auch an dem folgenden Beispiele dargetan werden. Eine Verfügung der Landdrostet zu Aurich vom 29. Januar 1842 sollte Hirsch die Gelegen- (Jüdische Krieger.) Von kriegerischen Leistungen jüdischer Soldaten in Italien erzählt der Oberst Tovara in der „Grand Jtalia": Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri zugeteilt; man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3 Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Tie sogenannte Hebräerkomp a g n i e zeichnete sich, wie Oberst Dovera berichtet, ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, tu welche das piemontesische Heer hineingeraten war, uuvcrfehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. Als dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die Hebräerlompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Alberts, den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Ssorzesca". Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde der General P e r r o n e getötet und der heldenhafte Major Lyons durch eine Kanonenkugel schwer verwundet und aus dem Sattel geschleudert. Unter dem Rufe: „Für unfern Major!" stürzte sich die jüdische Kompagnie aus den Feind, den sie mit solchem Ungestüm angriff, daß cc in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Juden dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde, und daß seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zu. Hauptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde schwer verwundet, daß er wenige Tage darauf starb: der Leutnant Ritter R a d t c a t i, der .an seine Stelle trat, wurde getötet: von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa 40 Bersaglieri unter der Führung des Unterleutnants Tr. Modena heim; aber die Fahne wurde gerettet. _Der Israelit. heit bieten, einen bedeutsamen Schritt zur Erhaltung der Sabbatheiligung zu tun. Diese Verfügung lautet: „Zur wünschenswerthen Beförderung der Betreibung eines bürgerlichen Gewerbes von Seiten der Inden ist bisher in hiesiger Provinz angenommen, daß den Juden das zünftige Erlernen eines Gewerbes, nebst dem zunftmäßigen Ein- und Ausschreiben des Lehrlings unbenommen sei, ohne Unterschied zwischen Lehrlingen christlichen und jüdischen Glaubens und unter eveptueller Anwendung des nach § 66 der hiesigen Zunftordnung eintretenden Zwangsverfahrens. Tabei ist jedoch jetzt der Fall vorgekommen, daß von Seiten des Zunft-Meisters auch eine gleichmäßige Hülfeleistung und Arbeit des jüdischen Lehrlings am Sonnabend und an den jüdischen Festtagen in Anspruch genommen wird. Eine vielleicht eintretende Anerkennung solchen Anspruchs würde dem zünftigen Lernen der Juden erhebliche Schwierigkeiten entgegenstellen und ihnen den Vorteil der ganzen Begünstigung größtenteils entziehen. In dieser Rücksicht wollen Wir das Gutachten des Herrn Landrabbiners darüber vernehmen, ob nach den jüdischen Religions-Gebräuchen, solches Arbeiten am Sonnabend und an den Festtagen, etwa durch eine allgemein zu erteilende Dispensation gestattet, oder welches sonstige Auskunstsmittel zweckmäßig getroffen werden könne. Sollte der Herr Landrabbiner die Anwendung der hierüber in anderen Staaten unter ähnlichen Verhältnissen bestehenden Bestimmungen für empfehlenswert halten, so werden wir die desfallsige nähere Motivierung gern entgegennehmen. Aurich, den 29. Januar 1842. Königl. Hannoversche Landdrostei. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen und Nachrichten. §e«ts<he« Senersloerssmmlung Ser (sraelififchen Religionsgefellfdiflff. Irimkfnrt a. W , 9. Januar. In der Aula der Realschule fand letzten Sonntag die Generalversammlung der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgefell sch a ft" statt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Israel R o o s, begrüßte die zahlreiche Versammlung — es waren über vierhundert stimmberechtigte Mitglieder erschienen — und verlas nach einem warmen Nachruf auf die im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder des Vorstandes und der Gemeinde, insbesondere des verdienstvollen Präses der Gemeinde, Herrn Wilhelm Hackenbroch V'ST, den Jahresbericht. Die von der Verwaltung eingesetzte Statutenkommission hatte zu prüfen, ob eine Statuten- Aenderung zurzeit überhaupt und in welcher Richtung vorzunehmen sei. Sie hat in gründlichen Beratungen den Entwurf einer neuen Satznng ausgearbeitet, schließlich aber in ihrer Majorität die vom Vorstand geltend gemachten Bedenken gegen eine Statuten - Revision anerkannt und ihren Entwurf zurückgezogen. Der Redner teilt mit, daß der voriges Jahr erlaffene Appell an die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder auf guten Boden gefallen sei und die Steigerung der freiwilligen Jahresbeiträge sich auf 14000 Jt belief. Außerdem sei das Schulgeld um JLYl.— erhöht und damit ein Mehreingang von 8000.— erzielt worden. Weitere Opfer werden mit Rücksicht _ _Nr. 2. Seite 6 auf die gebotene Belastung des Etats durch weitere Gehaltssteigerungen nötig fein,, wenn das Gleichgewicht des Gemeindehaushalts erhalten bleiben soll. Der Redner führt ferner eine Reihe von Legaten und Vermächtnissen an, die der Gemeinde für ihre verschiedenen Institutionen im letzten Jahre gemacht wurden und dankt den hochherzigen Spendern im e Namen der Gemeinde. Der Bericht erwähnt noch die Schulen, die rituellen und ph'.lantroptschen Institutionen der Gemeinde, die sich - eines steten Aufblühens erfreuen. In der T-iskussion ergreift zunächst Herr Kommerzienrat Louis Feist, als Vorsitzender der Statuten-Koninchsion, das Wort, um deren Stellungnahme za erläutern. Tie Bedenken gegen die Aenderung seien der Kommission mitgeteilt worden, entziehen sich aber ihrer Natur nach der öffentlichen Besprechung Herr Jakob Marburger erklärt darauf, daß er nach den Aufklärungen, die er hier über die Sache erhalten habe, sich genötigt sehe seine Unterschrift zum Zirkulare, welches zu Gunsten der Statnten- Revision versandt worden ist, zurückzunehmen. Herr Saly Goldschmidt bestätigt als Mitglied der Statuten-Kommission die Ausführungen des Herrn Kommerzienrat Louis Feist. Ebenso Herr Julius Bier. Herr Moritz A. L o e b, ebenfalls Mitglied der Kommission, gibt einen Rückblick auf die Geschichte der Statuten-Revision und die von der Kommission gestiftete Arbeit. Er tadelt, daß die Bedenken der Verwaltung gegen die Revision, die er nicht für stichhaltig ansehen könne, nicht öffentlich bekannt gegeben werden und verwahrt sich gegen Persönliche Angriffe, die in anonymen Zirkularen gegen die Reviswnssreunde unternommen wurden. Er bestreitet, daß die Mehrheit der Kommission sich ablehnend gegen eine Statnten-Aendernng verhalte und bemängelt es, daß nach dem Tode eines Mitgliedes nicht gleich ein anderes siebentes Mitglied in die Kommission gewählt wurde. Es sei ein ungesunder Zustand, daß die Verwaltung zur Deckung des Defizits auf freiwillige Beiträge angewiesen sei und diesem Uebelstande könne nur durch eine Statutcn-Aenderung abgeholsen werden. Nur diese könne ein gerechtes Steuersystem bringen und auch einen Zufluß neuer Kräfte, die der Gemeinde zum Segen gereichen werden. Zwischen Vorstand und Gemeinde müsse ein größerer Ausschuß vermittelnd stehen. Er bittet, nur rcvisionsfreundlichc Männer in die Verwaltung zu wählen. Nach einer kur^n Berichtigung des Herrn Kommerzienrat Louis Feist, tritt Herr Jakob Wolf in lä»:gerer Ausführung warm für die Revision ein. Cr wünscht, daß eine neu zu wählende, größere Komnlistion die Bedenken gegen die Revision erneut prüfe und sick mit der Sache weiter befasse. Es müsse eine Vergrößerung der Verantwortung des Ausschusses, dagegen aber eine Verkleinerung der Machtbefugnisse der Gemeindeversammlung angestrebt werden. E? kommen noch zu Worte die Herren Max Joseph, Aron Moses Schwarz schi ld, Rechtsanwalt Dr. Siegfried S chw a r zs ch i l d, der ebenfalls die Notwendigkeit der Revision betont, Herr Moritz A. L o e b , der auf Aeußeruugen verschiedener Redner Bezug nehmend noch einmal seinen Standpunkt begründet, Prof. Fink und Prof. Sulzbach. Namens der Verwaltung erwidert Herr Jacob Roienheim, indem er nachdrücklich darauf hinwcist, daß von beiden Seiten beim Eintreten für und wider die Revision der Wille und der Wunsch herrsche das Wohl der Gemeinde zu fördern. Wichtiger als alle Berfassungsfragen sei für die Gemeinde die dauernde Erhaltung des zwischen Gemeinde und Verwaltung bestehenden harmonischen, von absolutein Vertrauen getragenen Verhältnisses, denn eine Gemeinde, die nach außen durchaus noch nicht alle Schwierigkeiten und Gegnerschaften überwunden habe, bedürfe uinsonrehr der inneren Geschlossenheit. Herr Martin Levigard fragt an, wie sich der Vorstand dazu stelle, daß der Rabbiner von der Kanzel herab Angriffe gegen den Zionismus richte und zwar, wie der Interpellant meint, ohne religionsgesetzli-he Begründung. Namens des Vorstandes erwidert Herr Tr. Roos, die Anfrage beruhe auf einer Verkennung der statutarisch bestimmten Kompetenzen der Gemeindeverwaltung und des Rabbiners und könne daher eine mcritorische Beantwortung nicht finden. Nach § 32 der Satzungen sei dem Rabbiner die Fürsorge für die Erkenntnis des Religionsgesetzes anvertraut und er sei für die aus der Kanzel von ihm nach bestem Wissen als Lehre des Judentums verkündeten Ansichten lediglich seinem eigenen Gewissen, nicht aber dem Vorstände verantwortlich. Ter letztere habe daher keine Veranlassung und kein Recht, zu diesen Anschauungen vor dem Forum der Generalversammlung irgendwie sachlich Stellung zu nehmen. ' Hierauf wurde zu den Ergänzungswahlen geschritten. Unter den zur Wahl vorgeschlaaenen Herren: Sanitätsrat Dr. Rosenbaum, Jacob Rosenheim (für den Vorstand) Michael Schwarzschild und Marcus Hirsch (für den Ausschuß), wurde die Wahl der Herren Sanitätsrat Dr Rosenbaum und Hirsch seitens der revifionsfreundlichen Opposition bekämpft. Doch'konnten

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