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Der Israelit · 1911-01-12 · Heft 2 (12.1.1911) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 2 (12.1.1911)
Date
1911-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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«Me 4 Rr. 2 Der Israelit. zuschätzen ist, als er nicht in aggressivem Kampfe von der Orthodoxie errungen wurde, sondern ihr in der Defensive, in der sie dort wie überall verharrt, zugefallen ist. Es handelt sich also nicht um eine im Sturm genommene Position, die man ebenso rasch bei einer Wendung des Schlachtenglückes verlieren könnte, sondern um einen vollen Sieg, der -er gesetzestreuen Sache in Ungarn die Voraussetzungen für ihre so vielfach bestrittene Existenzberechtigung und die Grundlage für eine wettere gedeihliche Entwicklung sichert. Wie überall in der weiten jüdischen Welt, ist auch unseren Gesinnungsgenoffen in Ungarn nichts so heiß erwünscht, als die Möglichkeit, in ungestörter Ruhe und, von ihren neologen Brüdern ungeschoren, ihr auf den Prinzipien des altüberlieferten Judentums beruhendes Gimeinwesen zu pflegen und auszubauen. Aber in keinem Lande hat die Orthodoxie unter den Liebesattacken der neologen Verbrüderungspolitiker so zu leiden wie gerade in Ungarn. — Die erkünstette Theorie des Einheitsjudentums, der „gemeinsamen Weltanschauung" wird auch anderswo von Reformkanzeln und liberalen Rednertribünen mit Elan, verkündet. Allein im Magyarenlande, wo von jeher alle Kämpfe heißer ausgesuchten werden und schärfere Form annehmen als in unserem weniger leidenschaftlichen Westeuropa, geht die Reform, wenn alle Liebeswerbungen von der spröden Orthodoxie kalt zurückgewiefen werden, kurz entschloffen zur Gewalttat über. — Vielleicht drängt dort auch die Rücksicht auf den Steuerheller mehr als bei uns zu diesem verwegenen Schritte. — Man geht zum Kultusminister, zum Ministerpräsidenten, zu anderen hochstehenden und einflußstarken Männern. Man erzählt ihnen in ungezwungener persönlicher Unterhaltung oder in feierlicher deputativer Audienz von „den Uebelständen, die dem ungarischen Israel aus der Trennung erwachsen", von der zwingenden Notwendigkeit einer einheitlichen Organisation obligatorischer Natur, selbstredend mit den adeligen Herren, die die fixe Idee der Einheitsorganisatton bis zum Ministerium gejagt, an der Spitze. Man läßt auch in die Reden eine leise — von der neologen Presse sorgsam vorbereitete — Denunziation einfiießen, gegen die „weniger vaterländisch gesinnte und von galizischen, der ungarischen Sprache unkundigen Kaftanjuden geleitete Orthodoxie", die durch die Einheit leicht zum Patriotismus erzogen werden könnte. So etwas muß wirken und man ist des Sieges sicher. Und die Antwort? Sie ist durch die drastischen Darstellungen unseres ungarischen Korrespondenten in der letzten und heutigen Nummer bekannt und lautet in ihrem Grundtone: Ich biente dir so fleißig und so treu." Und Geld und Schätze rufen ihm entgegen: „Ist dir des weisen Königs Spruch denn neu: „Am Tag des Gotteszorns gilt kein Vermögen?"" Nun wendet er mit letztem Schmerzensschrei Sich noch an seiner guten Werke Scharen: „Laßt ihr mich nicht zur Gruft des Todes fahren; Auf euch noch meine einige Hoffnung schaut.'" Und die er schuf, die Werke allerlei. Erwidern ihm mit freundlich sanftem Laut: „O ziehe ruhig abwärts ohne Scheu! Noch ehe deine Seele sich erhoben Zn Gottes Strahlenthron, sind wir schon oben. Dient nicht des Sehers Wort dir als Gewähr: „Tie Tilgend geht ins Jenseits vor dir b er?"" (Jüdische Auswanderung im Monat November.) Im Verlaufe des Monates November 1910 sind im New-Vorker Hasen 4966 jüdische Emigranten angekommen, und zwar 2659 Männer und 2307 grauen. Von den eingewanderten Juden kamen aus: Rußland 2857, Oesterreich 679, England 311 Ungarn 255, Rumänien 217, Türkei 128, Deutschland 93, Frankreich 25, Belgien 19, Afrika 16 nsw. Von den Ein gewanderten blieben 3703 inNew- York, während die übrigen sich auf die übrigen Staaten der nordamerikanischen Republik' verteilten. Im November 1909 waren 7692 jüdische Einwanderer in New-Aork angekommen. Diese große Differenz ist mit denl Umstande zu erkläre,», daßdiese jüdischen Feiertage im abgelaufenen Kalenderjahre bis rin den Oktober hinein dauerten, sodaß diejenigen, im November in New-York ankommen wollten, ihre Reise während der Feiertage hätten antreten müssen, was Biele die Auswanderung verschieben ließ. „Ich bin überzeugt, daß die einheitliche Autonomie erst dann die erwarteten Erfolge haben wird, wenn die gesamte Judenheit des Landes von ihrer Notwendigkeit durchdrungen sein wire, und wenn das solidarische Gefühl dieser Notwendigkeit — ohne Zwang und staatliche Einmengung — jene Statuten schaffen wird, die eine Autonomie der ungarischen Israeliten zu sichern berufen sein werden." Das ist deutlich. Nun werden wohl unsere Gesinnungsgenossen in Ungarn eine Zeitlang Ruhe haben. Daß aber diese Friedenszeit erst recht eine Epoche der regen Arbeit werden muß, brauchen wir unfern dortigen Freunden nicht erst zu sagen. Dieser Sieg, zu dem wir sie von Herzen beglückwünschen, sichert ihnen günstige Bedingungen, um die sie ihre um ihr primitivstes Recht kämpfenden Gesinnungsfreunde in anderen Ländern wohl beneiden könnten. Wir sind überzeugt, daß der günstige Moment zur Sammlung und reger Arbeitsentfaltung in den gesetzestreuen Kreisen Ungarns nicht ungenutzt bleibt. krlnnernngen au Oie {Tätigkeit Samson Raphael Rir$ch’$ in Emden. Von Dr. jur. Abraham Löb in Hannover. Nach einem sehr heftigen Wahlkampfe war Samson Raphael Hirsch, damals Landrabbiner zu Oldenburg, im Sommer des Jahres 1841 zum Landrabbiner in Emden gewählt worden. Samson R. Hirsch erfreute sich damals schon eines großen Rufes als Prediger. Wie sehr seine Predigten Aufsehen erregten, geht aus Notizen hervor, wie sie z. B. die „Allgemeine Zeitung des Judentums" u. a. in ihrem Jahrgang II vom Jahre 1838 S. 539 aus Delmenhorst und im Jahrgang III vom Jahre 1839 Nr. 19 S. 73 als „Eingesandt" aus Hamburg unter dem 29. Januar 1839 bringt. In Delmenhorst hatte Hirsch oder Ben Uriel, wie er damals nur genannt wurde, eine Synagoge mit Schullokal und Lehrerwohnung eingeweiht. Die Mittel hatte die kleine Gemeinde zum Teil vom Großherzog selbst erhalten, und die Einweihungsfeier, bei der Hirsch zwei Predigten hielt, fand in Gegenwart des Magistrats, der beiden Ortsgeistlichen und eines zahlreichen, auch nichtjüdischen Publikums statt. Die andere eben erwähnte Notiz vom 29. Jan. (Eine Handschrift aus der Zeit derHasmonäer.) Eine englische Revue bringt die überraschende Mitteilung, daß in Damaskus einige Blätter einer alten Handschrift gefunden wurden, die aus der Zeit der Hasmonäer stammen und Mitteilungen über die Geschehnisse jener Zeit enthalten. Vorläufig konnten bloß 60 Blätter der auf Pergament geschriebenen Handschrift sichergestellt werden. Tie Schrift ist die althebräische Quadratschrift, ähnlich der Schrift der Samarier. Ter genaue Inhalt konnte bisher noch nicht festgestellt werden, weil die Schrift auf dem halbverfaulten Pergament schwer zu entziffern ist. Bis jetzt ist es bloß gelungen, die erste Seite vollständig zu entziffern. Hier befindet sich auch eine Stelle, die lautet: ..und auch Antiochus, der König von Aram, uird nach ihm werden auch die übrigen Könige Antiochus genannt; auch Chuniw der Sohn des Jadua, der Vater des Simon . . . ." Auf der letzten Seite befindet sich das Datum, das dem Jahre 268 vor der christlichen Zeitrechnung entspricht. Die Hanschrist wäre demnach 2178 Jahre alt und es ist kein Zweifel, daß, wenn die vollständige Lesung der Handschrift gelingt, sie uns noch manche wichtige Ausschlüsse ans der Zeit der Hasmonier liefern wird. Ouvertüre aus der Oper, Der polnische Jude. Durch eisig kalte Winternacht Treibt toller, dichter Schnee, Ihn packt der Sturm mit wütender Macht Und wirbelt ihn spielend zur Höh. 12. Januar 1A1. 1839 spricht von einer Rede Htrschs mit dem Titel: „Worte am 27. November 1838, dem Gedächtnistage der Rückkehr des hochseligen Herzogs Peter, in der Synagoge zu Oldenburg gesprochen von S. R. Hirsch (Oldenburg gedruckt bei Gerhard Stolling 1838.)" Aus diesen Notizen, in denen insbesondere hervorgehoben wird, daß solche Reden „nicht anders als wohltätig auf eine endliche Vermischung jener unseligen Meinungsverschiedenheiten im Gebiete des Glaubens hin wirken" könnten, geht schon hervor, daß man eigentlich in Hirsch eher einen liberalen, denn einen orthodoxen Rabbiner zu sehen gewohnt war. Man konnte sich eben die harmonische Verschmelzung echten Thorageistes mit moderner Bildung nicht recht vorstellen. Dazu kam, daß Oldenburg als liberale Gemeinde galt. War dort doch das „Kol nidre" abgeschafft, und war es auch Hirsch nicht gelungen, es wieder einzuführen. Das wird man berücksichtigen müssen, wenn man die Kämpfe der Landrabbinerwahl des Jahres 1841 in OstfrieSland verstehen will. Der Begründer unserer ganzen modernen Orthodoxie war in Emden, so seltsam es klingt, der Kandidat der Liberalen, während die orthodoxe Partei Dr. Lippmann aus Memelsdorf ausgestellt hatte, welcher später unter S. R. Hirsch als Unterrabbiner in Aurtch segensreich wirkte. Bei der Wahl bekämpften sich die Parteien mit tätlichem Haß. Der Führer der Liberalen war einer der 3 Vorsteher der Gemeinde Emden mit Namen Valk. Wie groß die Erbitterung war, läßt sich daraus ersehen, daß diesem Vorsteher Valk nach bekannt gewordener Wahl Hirschs das unter dem Namen „Uptrapp" bekannte, mit weißer Oelfarbe angestrichene Haus, welches die Familie des Vorstehers bewohnte, des Nachts von Anhängern der Orthodoxie von oben bis unten mit Teer angestrichen wurde. Die Verfügung, durch welche Hirsch die Bestätigung seiner Wahl erhielt, lautet: de: ge bei Di M bei gr in zu dei ein bei un dü sitz rei UN ba bei dei ter Ei Ki La in in ve „Copia. Dem Herrn Landrabbrner Hirsch in Oldenburg zur Nachricht ans die Anzeige vom 19. d. Mts. No. 6996. Da das Königliche Ministerium des Innern die auf den Landrabbrner Hirsch zu Oldenburg gefallene Wahl eines geistlichen Oberen für die israelitischen Gemeinden in der hiesigen Provinz bestätigt hat und derselbe gegen die Mitte des Monats Oktober in Emden eintresfen wird, so beauftragen wir hiermit den Herrn Amtmann und Stadt-Commissair, gedachten Landrabbiner nach jüdischem Ritual nach dem Vorgänge mit dem verstorbenen Landrabbiner Löwenstamm laut Protokoll vom 30. April 1827 mit dem HuldigUNgs- und Dienst-Eide in der Synagoge zu belegen, und zur treuen Erfüllung seiner Dienst-Obliegenheiten, wozu namentlich der alljährliche Besuch sämtlicher israelitischer Gemeinden in der Provinz gehört, anzuweisen, und wollen wir per Einsendung ur sti hii in V G sip av de vo l« i Ec hebt, nah am Boden schon, ihn noch einmal lind mehrt so der tanzenden Flocken Zahl. Es set neit vom Himmel und schüttet sich, Ten Weg hats verweht, die Sträuchec verhüllt. Die Bänme ragen schauerlich Wie Geister durch leuchtende Schneegesild — Der Föhn braust heran, er bäumt sich und flieht Und heulet ein schauriges Winterlied. — Ins Wirtshaus trat schon spät ein Mann, Bot Waren zum Verkauf — Ein Johlen, ein Schreien, ein Lachen begann, Schallt weit durch die Berge hinauf — Ein Krachen, ein Klirren! — dann still, alle§ ruht Auf eisglatter Schwelle im Schnee lag ein Jud'. Ter Sturm verstummt, fern krächzet ein Rad', Der Jude preist Gott und lächelt fast heiter, Und wischt sich das Blut, greift zun, Wanderstab, Klopft von sich den Schnee und wanket weiter. Es wimmert der Wind, als hält' er (tzemüt, Mit ihm das ewige Judenlied. — Und eilt zurück und jagt ins Haus Durch die zerbrochene Scheibe Und bläst die Funken zum Herd hinaus. Daß die Glut durch die Schankstube treibe. Und zündet das Haus in lodernde Flammen Und tanzet rundum-bald bricht er zusammen! I. K. Pi te de di 1. p gc in Ul la Jl di ra ke P dl de M F er di I Ul de Nt F er R tö 4( Nt gc

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