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Der Israelit · 1911-01-05 · Heft 1 (5.1.1911) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 1 (5.1.1911)
Date
1911-01-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 18. No. 2. Der JSraelk. 12. I anuar 1911 Ihnen wohl bekannt ist, der Ritualkommission unseres Vereins die Verwaltung einer Stiftung zur Begründung eines Israelitischen Altersheims für die Rheinprovinz übertragen ist und daß dieser Stiftung die Rechte einer juristischen Person allerhöchst bewilligt sind. Und nun lassen Sie uns in unsere Verhandlungen eintreten." Zunächst nimmt Herr Rabbiner Dr. Brader- Recklinghausen zu einer begeistert aufgenommenen Begrüßungsrede das Wort, deren Form und Inhalt großen Beifall auslöste. Daran schloß sich sofort der Bericht des Rendanten, des Herrn Hanauer-Euskirchen. Demselben entnehmen wir mit Genugtuung, daß wenn auch die Finanzen des Vereins keine glänzenden zu nennen sind, so doch wenigstens nicht mit Unterbilanz, ja sogar mit einem kleinen Ueberschuß gearbeitet wurde. Die Einnahmen und Ausgaben balanzierten mit 13,667 Mk. Die Eingänge setzten sich zusammen aus den Beiträgen der Mitglieder und Gemeinden, Fabriken, Spenden und Zinsen. Die Ausgaben aus den Gehältern, Subventionen, Restaurationen, Drucksachen, Reisekosten und Bürokosten. Ein Restbestand von 3000 Mk. bildet den Grundfond des Vermögens. Die als Rechnungsprüfer gewählten Herren Walther-Siegburg und Goldschmidt-Cleve bestätigten die ordnungsmäßige Führung der Bücher. Es wurde daraufhin dem verdienten Begründer und wackeren Förderer des Vereins, Herrn Hanauer, Entlastung erteilt. Es folgte der Bericht des Herrn Rabbiners: M. H.! „Wie Juda vor dem fremdgewordenen Bruder hintrat, um für den Augapfel seines greisen Vaters, für dessen Schutz er jede Bürgschaft übernommen, mit seiner Person einzustehen, so hat unser Verein in unserer Provinz es sich zur Aufgabe gemacht, das Kleinod, das unfern jüdischen Händen vom Allvater der Menschheit anvertraut wurde, in seiner Unversehrtheit zu erhalten. Und wenn Juda, um sein Ziel zu erreichen, alle Töne der Beredsamkeit anschlagen mußte, des Kampfes, der Überzeugung und der Bitte, so haben auch wir die gleichen Mittel zu wählen, wenn anders auch unser Bruder, schier entfremdet, sein jüdisch Herz entdecken soll, um uns gerührt in die Arme zu sinken und am Bruderherzen sich auszuweinen ob der traurigen Vergangenheit, die wir uns selbst bereitet. Wir haben zu kämpfen, wo der Gewissens' freiheit das Recht versagt wird, sich selbst zu leben/ zu überzeugen und zu belehren, wo das Verständnis für unsere Forderungen mangelt/ zu bitten, wo Macht und Wille vorhanden — zu gewähren. Das abgelausene Berichtsjahr kann als befriedigend bezeichnet werden. Es wird wohl nicht erwartet, daß über die Anzahl der eingelaufenen und ausgegangenen Korrespondenz ziffermäßig berichtet wird. Unser Bureau war vollauf beschäftigt. Ebenso dürfte die Mittellung der Anzahl der unternommenen Amtsreisen nur den Zweck haben können, ein Bild von den Ansprüchen zu geben, die an die Vereinsleitung herantreten. "Mit den rund 120 fRetfen Hieben wir weit hinter den Anforderungen zurück, die berechtigterweise gestellt werden müssen. Aber solange die ganze Tätigkeit des Vereins in allen Regierungsbezirken der Provinz in einer Hand vereinigt ist, solange von einer Person neben dem Außendienste auch die Administration, abgesehen von der Rendantur, und die literarische Tätigkeit des Vereins wahrgenommen werden und dazu dieser ganze Aufgabenkreis nur nebenamtlich gelöst werden muß, solange wird die Vermehrung der Reisen nicht erreichbar sein. Und das bedauern wir allerdings als einen fühlbaren Mangel. Eine versuchte Arbeitsteilung durch Gewinnung junger fähiger Kräfte für die zu haltenden Vorträge konnte nur in sehr eingeschränktem Maße betbehalten werden, weil einerseits die Gemeinden teilweise die Vertretung nicht wünschten, andererseits die in praktischen Berufen beschäftigten Herren nicht immer so über ihre Zeit verfügen konnten, wie es zu einer regelmäßigen Arbeit erforderlich gewesen wäre. Wir müssen uns auf bessere Zeiten vertrösten, die nicht so sehr von der Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage zu erhoffen sind, als von der allmählichen Anerkennung der Leistungen des Vereins. Wir nehmen hierbei — wenn auch ungern — Veranlassung, zu bemerken, daß durch die Vortragstätigkeit des Vereins, die man in der Großstadt allerdings nicht hoch einschätzt, doch schon mancher die Tragweite der Schabbosheiligung erkannt hat, daß Geschäfte, die am Schabbos geöffnet waren, geschlossen wurden. Vor allem konnten wir jungen Leuten Stellen verschaffen, in denen sie ihren Schabbos zu halten in der Lage sind. Letzteres wird uns durch unsere Beziehungen zu mehreren bedeutenden Fabriken und deren Connaissancen allerdings erleichtert. Manche Familie hat dadurch ihr Brot. Freilich müßte uns die Schamröte ins Gesicht steigen, wenn wir bedenken, daß diese zum Teil nicht jüdischen Firmen das traurige wirtschaftliche Los der Schabbos hallenden jüdischen Familien und ledigen Angestellten erkennen und es ganz gut mit ihren geschäftlichen Einrichtungen vereinigen können, jüdische junge Leute in ihren „Ich will Sie durchaus nicht lange aufhalten/ der Doktor hat Ihnen, wie ich sehe, seine Vermutung mitgeteilt, und höchstwahrscheinlich ist dieses auch die eigentliche Veranlassung von Bellas Unwohlsein, aber ich halte mich für verpflichtet, Ihnen mitzuteilen, daß ich für Mitveranlassung wenigstens, hier diese Zeilen halte, und sie reichte ihm seine eigenen. „Es ist Sabbat heute", fügte sie hinzu, als sie sein Befremden bemerkte. „Himmel, wie konnte ich so unbedacht sein! Ich danke Ihnen vielmals, liebe Mutter, ganz gewiß haben diese Zeilen sie erschüttert. Es ist nur gut, daß ich es weiß, jetzt muß ich doppelt auf meiner Hut fein. Aber Sie können sich keinen Begriff machen, wie schwer dieses ist. Bella ist sehr minutiös, und ich bin so ganz und gar nicht daran gewöhnt. Die ganze Woche habe ich Angst vor dein Sabbat, und wie fest ich mtr's auch vornehme, immer mache ich Böcke. Die Kommerzienrätin sprach einige salbungsvolle Worte über die Feier des Sabbats, voller Ungeduld hörte Arthur ihr zu, und nachdem sie geendet hatte, begab er sich endlich zu seiner Gattin. „Bella, mein liebes, teures Weibchen, wie glücklich mackst du mich!" und er drückte sie fest an sich. „Aber schau mich doch an, oder laß mich doch dich wenigstens anschauen." Er hob ihren Kopf und sah sie glücklich lächelnd an. Aber ihre Lippen zitterten und eine Trane glitt langsam die zarten Wangen hinab. „Arthur!" „Ich verstehe dich, Bella, verzeihe mir, nur noch dieses eine Mal verzeihe mir, von nun an, du wirft es sehen, werde ich mir dergleichen nie wieder zu Schulden kommen lassen." „Wäre dir das möglich? O, Arthur, wenn es wahr ist, daß — daß" — Errötend schlug sie die Augen nieder. Er lächelte und drückte seine Lippen auf ihre hohe weiße Stirn. „Arthur," fuhr sie leise, aber mit steigender Aufregung fort, „wenn du selbst dann, wenn auch nur zuweilen an unsere heilige Gebote vergessen könntest — da wäre es mir lieber, viel tausendmal lieber, ein frühes Grab deckte unsere Hoffnungen. —" „Bella, um des Himmelswillen, wie kannst du so Schreckliches reden!" „Schrecklich, wohl wäre es schrecklich, aber ich sehe noch Schrecklicheres, wenn —" „Halt ein, Bella, halt ein! Ich schwöre dir bei allem was dir und mir heilig ist, bei dem Leben des Kindes, um das wir beide zu Gott flehen, es wird nie wieder geschehen. —" Glühende Röte überzog ihre Wangen, ein Lächeln umspielte ihre Lippen und das Vertrauen zu ihrem Gatten kehrte wiederum in ihre Brust. (Fortsetzung folgt.) Betrieb einzusteüen und jüdischen Familienvätern ihr geschäftliches Vertrauen zu schenken, obwohl dieselben zwei Tage in der Woche nicht arbetten können. Pocht man aber an die Tür jüdischer Geschäftsinhaber, die selbst den Schabbos nicht heiligen, um eine Stelle an, dann erhält man keinen Einlaß. Gibt es Beschämenderes, als diese Zurücksetzung des Bruders durch den eigenen Bruder? Diese Kreise haben so lange kein Recht, sich über konfessionelle Unterftromungen im Staatsleben zu beklagen, als sie als Juden den Juden unvergleichlich rücksichtsloser behandeln. Der Staat schließt den Juden, weil er Jude ist, nur von gewissen sozialen Vorzügen aus, sie aber nehmen ihm das Brot. Der Staat läßt dem Juden Lüge und Meineid zu, wenn er zur Erlangung von Aemtern und Ehrenstellungen seinen Glauben wie ein Gewand wechselt — ist's weniger, wenn man einen jungen Mann oder einen Familienvater zwingt, um Brot zu finden, das Gewissen zu ertöten, den angeborenen jüdischen Seelenadel des Idealismus in den Verwesungsstaub materieller Erniedrigung hinabzuziehen?! Der Himmel bewahre uns davor, daß, so lange solche Kreise das Geschick der preußischen Judenheit bestimmen würden, eine Zwsrtgsorins Leben trete, die im Judentum einen Verwaltungsapparat erblickt, der sich durch den toten Buchstaben der Verordnungen kommandieren läßt, um es unter dem Moder des Aktenwustes zu begraben. Aber stünde selbst der gesetzestreue Teil — und das betonen wir immer wieder — intellektuell und materiell leitend an der Spitze der preußischen Juden, wir würden auch dann in einer staatlichen Organisation das Grab erblicken, das er sich selbst schaufelte. Aus dem einfachen Grunde bekämpfen wir jede Zwangsorganisation, weil das Judentum keine Verquickung mit Politik verträgt. Es ist ein unglücklicher Geist, der das Wort „Religionspolittk" geprägt hat, ein Geist, der, wenn er herrschend werden sollte, die Selbstzersteischung der Juden in Preußen bedeuten würde, der ebenso verderblich wirkt, ob er bei radikal oder orthodox, bei reform oder konservattv angetroffen wird. Der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands protestiert gegen solche Auffassung des Judentums. Der Verein lehnt sie vor allem für sich ab. Wir Juden sind so glücklich, nicht auf uns angewiesen zu sein. Was Recht und Unrecht ist, liegt als Gegebenes vor uns, das jede Parteiung ausschließt. *]*?» vn. Wir brauchen nur Ihn, den Einen, und seine Tauroh, und nicht uns in Jeschurum König sein zu lassen, sofort sind wir alle wie in Einem gesammelt. Nur diesen Standpunkt vertritt der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands. Er kennt nur rox&, kennt nur Gesetz und Pflicht, kennt nur das reine, unverfälschte Judentum und hat mit Parteien nichts zu tun. Schon im vorigen Berichte haben wir den Satz ausgesprochen: „Unser Verein kennt keine Parteien, kennt nur Judentum, kennt Jüdisches." Wir glauben dem Judentum durch positive Arbeit, die wir zu leisten uns bestreben, besser zu dienen. Wir fahren in gewohnter Weise fort zu wirken. An Sonntagen und Feiertagen wurden Vorträge gehalten,' in größeren Plätzen auch an Abenden in der Woche. Die Reisen in der Woche bezweckten Inspektionen in Schulen und Schlachthäusern, Restaurationen, Fabriken und endlich Konferenzen. Wir nehmen innigen Anteil an der Aufhebung des Schechitahverbotes in Sachen. Aber wir wollen daraus lernen. Fast in allen unseren Berichten kehrt der Gedanke wiHer. Die btfkt nü'nttr ift die Veste Verteidigung der NL-'N«». Der gewissenhafte &rm&> mit gutem Messer und guten Kenntnissen, Gewandtheit und Schnelligkeit, der energisch in der Durchführung der Vorschriften zum Niederlegen und Festhalten auftritt, wirkt mehr zur Erhaltung der Freiheit )er nCSTKP als alle politische und journalistische Tätigkeit. Der Angriff auf die ntoTltr hat aus einer

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