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Der Israelit · 1911-01-05 · Heft 1 (5.1.1911) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 1 (5.1.1911)
Date
1911-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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6. Januar HU _' _ A. I. U.-Komitee dahier geführt. Am 25. d. Mts. fand die heurige Generalversammlung der Aschkenasischen Kultusgemeinde statt, welcher ein gedrucktes Memorandum vorlag, in dem die Wahlberechtigten auf ihre Pflicht aufmerksam gemacht werden, und dem wir folgende Stellen entnehmen. „Seit Jahrzehnten kämpfen die deutschsprechenden Juden hier für ihr heiliges Recht, das von der „Leitung" des spaniolischen Judentums beschränkt resp. unterdrückt wird. Die Geschichte der askenasischen Juden der Türkei unter dem alten Regime ist eine Leidensgeschichte) bis zum Jahre 1890 fehlte es den Aschkenafim an jeder Zentralisation) Russen, Rumänen, Oesterreicher u. a. m. blieben getrennt und in streng von einander abgeschlossenen Synagogen-Verbänden organisiert. Als man von diesen Ausländern eine Steuerleistung von Fleisch (Gabellah) erstmalig verlangte, schloffen sie sich zusammen, doch infolge der damaligen fremdenfeindlichen Strömung konnten sie nichts gegen das Großrabbinat unternehmen) nach langten Verhandlungen erwirkten sie einen Anteil an der sogen. Fleischsteuer, die pro Oka (IV, Kilo) 30 Para (14 Pf.) beträgt. Das Großrabbinat hat aus den 30 Para pro Oka Fleisch betragenden Gabellah-Einkünften monatlich 6000 Piaster Silber an die Askenasische Kultusgemeinde auszuzahlen, welche für die Administration der „Askenasischen Kultusgemeinde" sowie für wohltätige Zwecke und Ünterrichtszwecke verwendet werden müffen. Das Großrabbinat hat den Vorstand und den Rabbiner obiger Gemeinde zu approbieren und bei der Negierung das Siegel und den Dschemahat Bascht der Gemeinde anerkennen zu lassen. Diese beiden wichtigsten Punkte des Vertrages bildeten jedoch einen steten Streitapfel. Die Spaniolen wollten stets den Beitrag reduzieren und setzten ihre Absicht, nachdem in der Askenasischen Kultusgemetnde der alte Nationalitätenstreit wieder ausbrach, auch durch — und selbst die reduzierte Summe ging unregelmäßig und in schlechter, minderwertiger Münze den sog. „Oesterreichern" zu. Diese wirtschafteten nun ganz nach Belieben. Sie bauten eine Prunksynagoge — kaum ist heute am rw Minjan in derselben — und nahmen die „Eeole germano israelite" die „Fondation Goldschmidt" als „Oesterreichisch-ungarisch-israelitische Schule" für sich. Das Großrabbinat, erbaut von der Zerrissenheit unter den Ausländern, trieb seine Begünstignng und Deckung des österreichischen Gewaltregiments so weit, daß die anderen Gemeinden dasselbe schließlich nach verschiedenen Protesten bei der ottomanischen Regierung verklagte. Mit der Konstitution schien auch für die Konstantinopler Aschkenafim eine neue Epoche zu beginnen. Die Aschkenafim sahen ein, daß ein Fortwirtschaften nach früherer Art unter dem neuen Regime nicht mehr angängig sei, und daß ihr Charakter als geschlossene Gemeinde klar und unzweifelhaft ausgeprägt sein müsse. Der verstorbene Großrabbiner Mosche Halevy V'2t willigte auf Vorstellung mehrerer Gemeindevorstände verständnisvoll in eine Vereinigung aller Aschkenafim am 16. August 1908 ein und damals wurde ein zwölfgliedriger Vorstand gewählt, der kurz danach vom Großrabbinate sanktioniert wurde. 35,5 Piaster Bargeld war der damalige Kaffenbeftand; von den Einnahmen voller 18 Jahre — 12000 Ltg. etwa — war weder Schule noch Spital, noch Administrationslokal unterhalten! Seit dem Amtsantritte Rabbi Nah ums, dem auch leitende Männer der Aschkenafim mit zum Siege verholfen hatten, liefen die Gabellah-Gelder der Gemeinde höchst unregelmäßig ein. Ja, noch mehr! Bald nach der definitiven Erwählung des jetzigen Großrabbiners, auf die alle Welt soviel Hoffnungen gesetzt hatte, und die ihn vom Ka makam zum Großrabbiner machte, war ein gewisser Umschlag in der Stimmung des Großrabbinats gegenüber der „Aschkenasischen Kultusgemeinde" fühlbar. Es wurden Ausstellungen am Namen Ler Israelit und Siegel gemacht) das Chachamchane wünschte, sie solle sich nicht „Gemeinde für Konstantinopel und Umgebung" nennen, sondern nur „Haschgacha für Ga lata und P era") der Gabellah- Anteil wurde als Subvention bezeichnet und — reduziert! Es war für Rabbi Nahum augenscheinlich eine große Ueberraschung als die Vertreter aller aschkenasischen Teilgemeinden geeint sich bei ihm präsentierten und e.i n e Absicht bekundeten. Er half sich diplomatisch: er vertröstete die Leute auf später) er weigerte sich eigentlich nicht, aber er verstand es mit tausend Künsten, Einwendungen, Verzögerungen, Versprechungen und Ausreden, somit die Entscheidung h nauszuziehen, sodaß Monate auf Monate vergingen. Das Frühjahr 1910 brachte ihm Erlösung — die alte schmachvolle Wunde der Uneinigkeit und der Intrigen unter den hiesigen Aschkenafim tat sich wieder auf. Die „Oesterreicher", pochend auf ihre einstige Größe, wollten sich nicht fügen und freudig legte Rabbi Nahum den Gabellahanteil derAschkenasim auf ihren Antrag — obgleich ein ausländisches, von ihm nicht anerkanntes Siegel darunter war, — in Beschlag. Rabbi Nahum gab sich persönlich noch immer nicht als Feind, sondern als wohlwollender Berater, er persönlich behielt seine freundlich lächelnde Miene — aber die Zahlungen erfolgten nicht. Er lächelte, versprach und verschob immer wieder. Endlich kam die Antwort: Nein! ein glattes und schroffes Nein. Die letzte Phase der Ungerechtigkeit des Großrabbinats bildet die jetzige Wahlangelegenhett. Im aufgelösten M i s ch l i s ch U m u m i hatten die Aschkenafim zwei Vertreter, gewählt auf Wunsch des Großrabbinats. Bei den augenblicklichen Wahlen sott aber auch dieses verhindert werden — man hat diese Weisung gegeben, daß die Aschkenafim mit den Sephardim wählen sollten — d. i. keinen eignen Kandidaten aufftellen und entsenden können. Um diese Ungerechtigkeit zu bemänteln, sprengt das Großrabsiinat Gerüchte aus — im letzten Jahresbericht des Großrabbiners fanden diese auch klare Formulierung — daß die Aschkenafim darauf hinarbeiteten, sich völlig von den Sephardim zu separieren und ein eigenes Großrabbinat als Konkurrenz gegen Rabbi Nahum zu gründen. Bei solcher Saat", heißt es am Schluffe, „darf das Großrabbinat sich nicht über die böse Ernte wundern." (Fortsetzung folgt). vekmlrcdter. Hamburg, 30. Dezbr. Die Portugiesischjüdische Gemeinde batte gestern abend zur Einführung und Begrüßung des Oberrabbiners Dr. Spitzer in ihrer Gemeinde einen Fe st gottesdien st veranstaltet. Das altehrwürdige Gotteshaus in der Markusstraße war in orientalischer Weise mit echten Perserteppichen geschmückt. Unter Psalmgesängen wurde der Oberrabbiner von den Vorstehern der Pottuchesen-Gemeinde zu seinem Ehrenplätze geführt. Die Ansprache hielt der Religionslehrer der Gemeinde, Herr L. A. M. Chumaceiro. In seiner Erwiderung dankte der Oberrabiner für die ibm erwiesene Ehrung) zu jeder Zeit sei er bereit, seine Wirksamkeit auch in den Dienst der altberühmten Portugiesen-Gemeinde zu stellen. Anknüpfend ai ein Schriftwort, verbreitete fick dann der Redner über die Bedeu tung der portugiesischen Gemeinden, die um ihres Glaubens willen vor Jahrbunderten die Heimat verlassen mußten. Er erwähnte zum Schluß die Gemeinde, treu am Glauben der Väter zu halten. Er wurden dann die mit kostbarem Silber- und Goldschmuck rersehenen Gesetzesrollen aus der heiligen Lade genommen und damit nach vorrugiestschcm Ritus ein Umzug du ch das Gotteshaus veranstaltet. Hierauf wurden vor geöffneter Lade Gebete für den Kaiser den Senat, für die Behörden und die Gemeinde gesprochen. Mit der Rezitation eines Psalms hatte die erhebende .ei er ihr Ende erreicht. Southeim-Heilbron«, 26 Dez. Im Landesasyl „Wilhelmsruhe" fand heute eine würdige Cbanukafeter statt, die in allen Teilen yarmonisch verlief. Eröffnet wurde die Festlichkeit durch einen s>*ön gesprochenen Prolog des Herrn Gerhard Wolf, Sontheim. Mufikalische Borträge wechselten mit humoristischen und ersten Rezitationen ab und wurde nach inhaltsreichen Ansprache des Herrn Israel sen. das zahlreich erschienene Publikum mit Kaffee und Kucken bewirtet. Nachdem sodann im Betsaal die Chanukahltchilein angezündet und das altehrwüdige Moaus-Zur angesttmmt wurde, harrte der Insassen eine Ueberraschung. Auf Tischen geordnet lagen zahlreiche nützliche Geschenke, die den alten Leuten durch Frau Fabrikant Herm. Wolf überreicht wurden. Um das Gelingen der schönen Veranstaltung, die von annähernd 200 Personen besucht war, machten fich außer «to. 1 Sette 9 Herrn Israel sen. noch das Ausschußmitglied Herr Rentner Louis ReiS, der mit Eifer für die gute Sache tätig war, sehr verdient Ganz besonderes Lob fei noch Herrn und Frau Verwalter Schloß gewendet, die in unermüdlicher Tätigkeit mit Lust und Liebe alle Borbetungen aufs beste getroffen hatten. Basel, 30. Dez. Wie uns das AuskunftSöureau für jüdische Auswanderer in Basel mitteilt, kamen über Bchel im Jahre 1910 38 817 Emigranten, darunter 6107 Juden. Beim Auskunftsbureau des Hilfsveretns für jüdische Auswanderer in Basel sprachen in diesem Zeiträume 957 Auswanderer vor, denen Rat, Hilfe und Unterstützung zuteil wurde. Das Reiseziel war bei 529 Argentinien, bet 92 Canada, bei 346 die Bereinigten Staaten und bei je 3 Chile und Brasilien. Das Bureau erledigte 981 Korrespondenzen und besorgte Schiffskarten zu ermäßigten Preisen im Betrage von über 75 000 Fr. Ein Hauptaugenmerk : es Bureaus war und ist noch beständig die Bekämpfung des Agentenschwinbels in Rußland und an der russisch-österreichischen Grenze, und eS hat in dieser Hinficht auch welche Erfolge zu verzeichnen. Doch solange die Bevölkerung in den kleinen russischen Städten und Dörfern nicht direkt vor dem unheilbaren Treiben der Agenten gewarnt wird, kann eine dauernde B fferung nicht erwartet werden. Für gure, getragene Kleider, Schuhe und Wäsche hat daS Hilfskomitee stets sehr gute Verwendung: dieselben werden vom AuSkunftSbureau für jüdische Auswanderer, Hochstraße 34, mit herzlichem Danke entgegengenommen. llrrrissmsr«. Frankfurt a. M., 1. Jan. Einen höchst vergnügten Abend verlebten wir am letzten Donnerstag im Verein 'OJC wo uns der bekannte Schriftsteller, Herr Dr. Arthur Kahn aus Charlottenburg in einem in humordurchwürztem Plaude tone gehaltenen Bortrage heitere und ernste Chanukahepisoden auS dem reichen Schatz seiner Lebenserfahrungen erzählte. Durch Altertum und Mittelalter, durch Me Jahre seiner Kindheit am Rüetnufer, wie durch die verschledenen jüdischen Nieder» laffungen der alten und neuen Welt 'ührte uns der geistvolle Redner, um uns die geheimen Fäden zu zeigen, die die Einzelteile der jüdischen Gemeinschaft allenthalten zufammen halten. Mit feiner ätzender Satire, die wir auch in seinen Schriften zu schätzen gelernt hcken, charakterisierte er die Kulturauswüchse, die das moderne Leben, leider auch in manchen jüdischen Kreisen, heute beherrschen. Wahre Glückseligkeit, so ungefähr schloß der Redner, stchern wir uns nur durch Rückkehr zum altjüdischen Leben, dadurch, daß wir uns auch im Alter einen Teil unserer frohen Kindlichkeit erhalten. Zur Verschönerung deS Abends trug auch eine musikalische Einlage, vorgetragen vor Herrn Moses G ch n e r b und einvmSchulknaben, die die historischeFuldaer Chanukahmelodie zum Ausdruck brachte, wesentlich bei-} Frankfurt a. M., 1. Jan. Ohne Festprogramm, ohne jegliche Verabredung und Vorbereitung kam doch am letzten Freitagabend in den Bereinsräumen des „Mekor Chajtm (Langestr. 18) eine Chanukahfeter zustande, die allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Früher und zahlreicher wie sonst stellten fich diese« Mal die Freitagabendgäste ein. Kurz nach 8 Uhr war bereits der im Sabbat- und Chanukahlichte prangende Saal ganz angefüllt von festfrohen jungen Stuten und alten Gönnern deS Vereins und Freunden der Jugend. Der Beretnsvorstand hatte dieses Mal für ganz besonders gure Bewirtung gesorgt und in wachsender Feststimmung wechselten nun tn unregelmäßiger und ungezwungener Folge Borträge, Vorlesungen, Rezitationen, Chorlieder und Sologesänge. Den Mittelpunkt des herrlichen Abends bildeten Ansprachen deS Herrn Jacob Rosenheim sowie deS Herrn Dr. Arthur Kahn, Charlottenburg, der mit rauschendem Jubel von der Versammlung empfangen wurde und diese Ovation dann in seiner bekannten getst- und humorvollen Art quittierte. Es ist überhaupt mit Freuden zu verzeichnen, daß die Freitagabend-Zusammenkünfte des „Mekor Chajim immer mehr an Popularität gewinnen und starke Anziehungskraft auf die Jugend unserer Stadt auSüben. Es war ein höchst glücklicher Gedanke, der zu dieser Einrichtung geführt hat. Frankfurt a. M., 4. Jan. Ter „Verein zur Pflege jüdischen Wissens Tiferety Bachurim" hielt ant Sonntag, 23. Tezember v. Js., feine ordentliche Hauptversammlung ab. Ten Jahresbericht erstattete der bisherige Vorsitzende, Herr Einil Gottlieb. Aus dem Berichte geht hervor, daß sich die Tätigkeit des Vereins aus 11 Vortragsabende mit anschließender Tiskussion erstreckte* Es wurden Referate gehalten über „ Jom H a k i p p u r i m von einst und jetzt", „JüdiNste Erzieh ungsideale", „ P i n ch a s H o r o v i tz und feine 3 e i t", „ R e l i q i o n s d i s p u t a 11 o it e n zur Ie ii d e s T a lm ud s ", T ie I u d e n unter K a r l d e in G roßen ", „ R a b b i - J e u d a h H a l e v i ", „las it a r ä e 11 u m ", „Tie franzö f i,s ch e R ev o l u t i v n und ihr Einfluß auf die soziale Stellung de r I u d e n " (2 Vorträge), „Tie S e li ch o th und i h r c V er f as ser", „ Hillel Tie im Laufe des Monats November veranstaltete „gemütliche Zusammenkunft" in der Adterloge kann als wohl gelungen bezeichnet werden.

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