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Der Israelit · 1897-12-30 · Heft 103 (30.12.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 103 (30.12.1897)
Date
1897-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1968 lung haben hier gute Früchte getragen, und wir halten bei unserer Unterhaltung mit einzelnen der zukünftigen Gärtner den Eindruck, daß sie ihrem Beruf wahrhaftige Neigung entgegenbringen. Es hat denn auch tatsächlich schon eine ganze Anzahl aus der Anstalt hervorgegangener Gärtner entsprechende Anstellung gefunden. Unter Anleitung einer geeigneten Kraft stellen die Zöglinge diejenigen Arbeiten aus Holz, Baumrinde u. f. w. her, welche in dem gärtnerischen Betrieb von heutzutage einen so wichtigen Fakror bilden, und welche durch die in Hannover befindliche Verkaufsstelle der Anstalt abgesetzt werden. Selbst die kleineren Knaben beschäftigen sich mit Handfertigkeit-arbeiten und leisten, nach den besichtigten Gegenständen zu urtheilen, ganz Anerkennenswerthes. Außer ihrer gärtnerischen Ausbildung erhalten die Leute noch wlffenschaftliche Weiterbildung in der städtischen Fortbildungsschule zu Hannover. Wenden wir uns wieder den Schülern zu. Entsprechend dem doppelten Zweck, den die Anstalt erfüllen soll, bilden, wie schon angedeutet, die Aufzunehmenden zwei Kategorien: Knaben bis zu 14 Jahren sind Schüler, über 14 Jahre Lehrlinge. Im Ganzen befinden sich in der Anstalt jetzt etwa 75 Schüler und Lehrlinge. Die Schüler genießen den von zwei Lehrern geleiteten Elementar-Unterricht, Zeichnen, Turnen, Schwimmen u. s. w. selbstredend mit inbegriffen. In der Klasse der jüngeren Schüler, in welche wir eintraten, wurde gerade unterrichtet; wir sahen Knaben bis zu sechs Jahren abwärts. Mit Ausnahme weniger, die, wie wir nachträglich hörten, erst seit kürzerer Zeit in der Anstalt sind, haben sie ein gesundes, frisches Aussehen. Von Interesse schien es uns begreisticher Weise, zu hören, wie die JungenS über ihren künftigen Beruf denken. Auf die von ungestellten bezüglichen Fragen antworteten sie in offener, unbefangener Weise. Gärtner hatte wohl die größere Anzahl als ihren künftiger Erwerb bezeichnet. Andere wollten Kunstschlosser, Schreiner, einige sogar Schneider und Schuhmacher werden. Zwei Knaben hielten den Beruf eines — Schreiberfür den idealsten. Späterhin traten die Knaben im Freien an, um ihre Fertigkeit im Exerzieren und dgl. mehr zu zeigen. Auch hier konnte man sehr wohl erkennen, daß die Lehrer sich ihrer Aufgaben voll und ganz bewußt und denselben auch gewachsen sind. Und das will etwabedeuten! ES ist ja auch begreiflich, daß gerade eine Anstalt, wie es die in Ahlem ist, besonders befähigter Lehrer bedarf; sie ist nicht nur eine Lehrstätte für Knaben; sie soll und muß ihnen auch eine Heimstätte, einen gewissen Ersatz für das Leben in der Familie bieten. Noch ist der geeigneten Badeeinrichtungen, welche die Anstalt besitzt, und der unter tüchtiger, ökononomischer Leitung stehenden Küche zu gedenken. Die Mahlzeiten sind, wie wir aus dem „U6nu"-Buche ersehen, rationell' und doch nicht so einförmig, wie man sie öfters in dergleichen Anstalten findet. Die Nahrungsmittel, welche nicht der eigene Grund und Boden hergiebt, werden direkt und hierdurch zu den billigsten Preisen bezogen. Nach Allem, waS wir gesehen, bildet Ahlem gewissermaßen eine Centralstelle in Deutschland für die Heranbildung junger Leute zu landwirthschaftlichen Berufen, und das, was sie leistet, verdient wärmste Anerkennung. Weit rascher, als dies bislang geschehen konnte, müßte sich die Zahl der Schüler vergrößern. Je größer die Zahl der Schüler ist, desto kräftiger wird auch der Beweis geführt werden können, daß sich unter den Juden nicht nur zur Landwitthfchaft Befähigte finden, sondern daß es den Juden auch ernst damit ist, wirkliche Mißverhältnisse im Berufsleben abzuftellen. In absehbarer Zeit müßten — das läßt sich nicht abweisen — auch Berufsarten des Handwerkerstandes in den Wirkungskreis der Anstalt gezogen werden. Hierzu bedarf es begreiflicher Weife noch weiterer und bedeutender Geldmittel. Allerdings müßte der seitherigen Firma „Israelitische Erziehungsanstalt" eine erläuternde Bemerkung angefügt werden, sonst wird man immer wieder die Meinung äußern hören, die Anstalt sei weiter nichts, als eine „jüdische Lehranstalt." Da» ist sie eben nicht, sie ist wett mehr, als au» ihrer „Firma" herausgelesen werden kann. Sie ist, wie wir vorhin sagten, eine Anstalt zur Erziehung und Heranbildung zu landwirthschaftlichen Berufen für Knaben jüdischer Confession; sie erfüllt damit eine der wichtigsten und unaufschiebbarsten Aufgaben der „inneren Mission" unter den Juden. Unsere Besprechung der Anstalt erhebt naturgemäß keinerlei Anspruch auf nur einigermaßen erschöpfende Darstellung. Wenn man — um einen Vergleich zu ziehen — ein bedeutendes Buch bespricht, so ist es wohl nie möglich, die Wiedergabe des Inhalts in jeder Richtung zu erschöpfen. Je bedeutender das Werk, desto schwieriger die Aufgabe! Man wird schließlich, wie häufig, den Rath geben: Nehmt das Werk selbst zur Hand, ihr werdet Genuß und Anregung finden. Auch die Erziehung- - Anstalt in Ahlem ist ein ganz hervorragendes, bedeutendes und erhebendes Werk, ein Culturwerk ersten Ranges. Um es ganz zu würdigen, muß man die Anstalt sehen. Das wird aus naheliegenden Gründen nur verhältnißmäßig wenig außerhalb Hannover wohnenden Gönnern und Freunden der Anstalt möglich sein. Aber die sie gesehen, werden unsere Sympathie begreifen, nicht allein für da« Werk, sondern auch für denjenigen, der es in edelsinrttger Weise begonnen hat. Zu den alten Freunden neue zu gewinnen,

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